Check-up: Informationen & Check-up-Ärzte

08.06.2022
Dr. Claus  Puhlmann
Medizinischer Fachautor

Unter einem Gesundheits-Check-up versteht man verschiedene Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten. In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für alle Versicherte ab 35 Jahren die Kosten für die Untersuchung alle drei Jahre. Die Untersuchung ist auch als Check-up 35 oder als Gesundheits-TÜV bekannt. Lesen Sie hier mehr zum Ablauf und den Zielen des Check-ups finden Sie Ärzte, die den Check-up durchführen.

Empfohlene Check-up-Ärzte

Artikelübersicht

Was ist eine Check-up-Untersuchung?

Der Gesundheits-Check-up dient der Früherkennung häufig auftretender Krankheiten, die

  • wirksam behandelt werden können und
  • deren frühes Stadium durch diagnostische Maßnahmen festgestellt werden kann.

Dazu gehören

Diese Krankheiten nehmen ab einem Alter von etwa 35 Jahren zu. Deswegen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine die Basis-Check-up-Untersuchung für alle Personen ab 35 Jahren im Abstand von drei Jahren.

Der Gesundheits-Check-up wird von den Hausärzten (Allgemeinärzte, praktische Ärzte und Internisten) vorgenommen.

Der Gesundheits-Check-up besteht aus verschiedenen Teiluntersuchungen:

  • einer Anamneseerhebung,
  • einer körperlichen Untersuchung einschließlich einer Blutdruckmessung,
  • die Untersuchung des Urins auf Blut, Eiweiß und Glukose (Zucker) sowie
  • die Bestimmung des Cholesterins und der Glukose im Blut.

Nach Auswertung der Untersuchungen findet ein Abschlussgespräch statt. Dabei unterrichtet der Arzt den Patienten über die Befunde. Ggf. gibt er ihm außerdem Empfehlungen für weitergehende Untersuchungen.

Ziel des Gesundheits-Check-up

Die Check-up-Untersuchung zielt darauf ab, Erkrankungen zu identifizieren, die in der Anfangsphase häufig keine körperlichen Beschwerden zeigen. Daher sollten auch Personen, die sich fit und körperlich gesund fühlen, den Gesundheits-Check-up durchführen lassen.

Nur durch regelmäßige Kontrollen können Veränderungen im Körper frühzeitig erkannt und Gefahren für die Gesundheit abgewendet werden. So können Verdachtsfälle in weiterführenden Untersuchungen eingehender diagnostiziert und festgestellte Erkrankungen rechtzeitig behandelt werden. Das erhöht die Heilungschancen.

Darüber hinaus können gesundheitsschädigende Verhaltensweisen durch ein Check-up erkannt und verändert werden.

Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen sowie Diabetes mellitus gibt es bekannte Risikofaktoren. Diese werden während des Gesundheits-Check-up abgeklärt, damit der Patient sie vermeiden kann.

Außerdem wird empfohlen, die Check-up-Untersuchung zusammen mit einer Untersuchung zur Früherkennung von Krebserkrankungen durchzuführen. So kann der Check-up auch der Krebsvorsorge z. B. der Haut dienen. Aber auch andere Erkrankungen, die noch keine Beschwerden zeigen, lassen sich mithilfe einer Check-up-Untersuchung ermitteln.

Der Gesundheits-Check-up kann auch den allgemeinen Fitness- und Gesundheitszustand ermitteln. Körperliche Schwächen werden frühzeitig erkannt. Sie können dann in jüngeren Jahren noch erfolgreich korrigiert werden, bevor sie im höheren Alter zu schweren Erkrankungen führen.

Ablauf einer Check-up-Untersuchung

Der Ablauf der Check-up-Untersuchung im Rahmen der gesetzlichen Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen ist klar geregelt. Zunächst erfolgt ein ausführliches Gespräch, im dem

  • die eigene Krankheitsgeschichte (Eigenanamnese; z. B. bestehende Grunderkrankung, Einnahme von Medikamenten),
  • die Krankheiten der nahen Angehörigen (Familienanamnese) und
  • das soziale Umfeld (Sozialanamnese)

abgefragt und so ein Risikoprofil erstellt wird.

Danach findet beim Gesundheits-Check-up eine eingehende körperliche Untersuchung statt. Zur körperlichen Check-up-Untersuchung gehören

  • eine klinische Untersuchung des gesamten Körpers (Ganzkörperstatus), einschließlich Inspektion des Genitals und der Analregion,
  • das Abhören von Herz und Lunge,
  • das Abtasten des Bauchraumes und wichtiger Lymphknoten sowie
  • die Beurteilung des Bewegungsapparates inklusive Reflexstatus,
  • der Haut und der Sinnesorgane.

Außerdem werden Blut- und Urinproben genommen, um im Labor die Werte für

  • Gesamtcholesterin und Glukose im Blut und
  • für Eiweiß,
  • Glukose,
  • Erythrozyten (rote Blutkörperchen),
  • Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und
  • Nitrit im Urin

zu bestimmen.

Da die Auswertung der Befunde einige Tage dauern kann, findet eine abschließende Beratung während eines zweiten Arzttermins statt. Der Patient wird über das Ergebnis der durchgeführten Check-up-Untersuchung informiert. Der Arzt erörtert mit ihm die möglichen Folgen hinsichtlich der weiteren Lebensgestaltung.

Dabei sollte insbesondere das Risikoprofil des Patienten und eventuelles gesundheitsschädigendes Verhalten besprochen werden.

Die Check-up-Untersuchung kann einen Verdacht auf das Vorliegen einer Krankheit ergeben. In diesem Fall wird der Arzt eine weitere gezielte Diagnostik veranlassen und ggf. eine Behandlung einleiten.

Vorgespräch und Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese)

Vor Beginn der körperlichen Untersuchung erstellt der Arzt eine Anamnese (medizinische Vorgeschichte).

Dabei erkundigt er sich nach bisherigen oder aktuell bestehenden Krankheiten des Patienten. Er fragt auch nach früheren gesundheitlichen Problemen und Operationen. Auch Krankheiten, die bei nahen Verwandten aufgetreten sind, sind ein Thema des Gesprächs. Solche Krankheiten sind z. B.

Eventuell eingenommene Medikamente werden ebenfalls abgefragt.

Wichtiger Bestandteil der Anamnese sind auch die individuellen Lebensgewohnheiten und die Lebensumstände. Dazu gehören zum Beispiel

  • Ernährungsgewohnheiten,
  • Alkoholgenuss,
  • Nikotinkonsum,
  • beruflicher oder privater Stress sowie
  • körperliche oder sportliche Aktivitäten.

Mit gezielten Fragen versucht der Arzt zu erkennen, ob bestimmte eigene oder erblich bedingte Risikofaktoren vorliegen.

Körperliche Untersuchung beim Gesundheits-Check-up

Nach der Anamnese führt der Arzt beim Gesundheits-Check-up eine eingehende körperliche Untersuchung durch. Dazu gehören

  • die Untersuchung des Genitals und der Analregion,
  • das Abhören von Herz und Lunge,
  • das Abtasten des Bauchraumes und wichtiger Lymphknoten sowie
  • die Beurteilung des Bewegungsapparates inklusive Reflexstatus, der Haut und der Sinnesorgane.

Auch werden Gewicht und Größe bestimmt, damit der Body-Mass-Index errechnet werden kann.

Bestimmung des BMI beim Gesundheits-Check-up

Der Body-Mass-Index (BMI) ist ein Maß für die Bewertung des Körpergewichtes. Der BMI wird aus dem Gewicht im Verhältnis zur Größe errechnet. Die Formel lautet:

BMI = (Körpergewicht in kg) geteilt durch (Körpergröße in m)2.

Der BMI ist ein recht oberflächlicher Wert, ist unter Vorbehalt aber hilfreich zur Beurteilung, ob Unter- oder Übergewicht vorliegt.

Untersuchung mit dem Stethoskop beim Gesundheits-Check-up

Während des Gesundheits-Check-up hört der Arzt den Brustraum (Herz und Lunge) mit einem Stethoskop ab. Diese Untersuchung wird als Auskultation bezeichnet.

Dabei achtet der Arzt auf ungewöhnliche Atem- bzw. Atemnebengeräusche (Rasselgeräusche und Reibegeräusche) und Herztöne bzw. Herzgeräusche.

Dadurch lassen sich beispielsweise

erkennen.

Herz- und Kreislauf-Untersuchung

Der Arzt bestimmt die Pulsfrequenz (Anzahl der Herzschläge pro Minute). Dabei achtet er sowohl auf die Qualität (z. B. weich, schwach) als auch auf die Regelmäßigkeit des Pulsschlags.

Das lässt Rückschlüsse auf Herz- und Gefäßerkrankungen zu, etwa

Auch wird der Blutdruck gemessen, der ab einem Wert von 140/90 mmHg als zu hoch angesehen wird. Bereits bei diesem beginnenden Bluthochdruck ist das Risiko für

erhöht.

Gespräch mit dem Hausarzt
Eine Blutdruckmessung gehört zum Check-up dazu © Robert Kneschke | AdobeStock

EKG beim Gesundheits-Check-up

Ein EKG (Elektrokardiogramm) kommt zum Einsatz, wenn der Arzt Unregelmäßigkeiten im Herzrhythmus oder andere Auffälligkeiten feststellt. Das können auch Atemnot oder Brustschmerzen sein.

Das EKG zeichnet die elektrische Aktivität des Herzmuskels auf. Dazu werden Elektroden an der Haut angebracht. Aus dem EKG können u. a. Herzfrequenz und Herzrhythmus bestimmt und die elektrische Aktivität der Herzvorhöfe und Herzkammern abgelesen werden.

So kann das EKG beispielsweise Hinweise auf

  • Herzrhythmusstörungen,
  • Herzinfarkt,
  • Verdickung der Herzwand,
  • abnorme Belastung einer Herzkammer,
  • Herzbeutelentzündungen (Perikarditis) oder
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis),

aber auch auf Elektrolytstörungen und unerwünschte Arzneimittelwirkungen geben.

Untersuchung der Haut beim Gesundheits-Check-up

Während der Inspektion der Haut achtet der Arzt auf auffällige Hautveränderungen, wie

  • Ekzeme (Hautausschläge),
  • Geschwüre,
  • eine übermäßige Zahl von Leberflecken oder
  • auffällig veränderte Leberflecke.

Stellt er auffällige Hautveränderungen fest, erfolgt zur genaueren Abklärung eine Überweisung zum Hautarzt.

Laboruntersuchung beim Gesundheits-Check-up

Neben den körperlichen Untersuchungen werden beim Gesundheits-Check-up auch einige Laboruntersuchungen durchgeführt.

Durch Bestimmung bestimmter Werte im Blut und Urin lassen sich Stoffwechselstörungen (z. B. Zuckerkrankheit) oder Nierenerkrankungen aufspüren. Auch das Risiko für die Entwicklung solcher Krankheiten kann der Arzt dadurch abschätzen.

Blutwerte

Im Rahmen der Blutuntersuchung wird dem Patienten eine Blutprobe entnommen und an ein Labor geschickt. Dadurch werden die Glukose-Werte (Blutzucker-Wert) und der Gesamtcholesterin-Spiegel bestimmt.

Um exakte und mit den Normtabellen vergleichbare Werte zu erhalten, muss die Blutabnahme morgens und nüchtern erfolgen. Der Patient darf vor der Blutentnahme also nichts gegessen haben.

Das Ergebnis liegt dem Arzt gewöhnlich nach wenigen Tagen vor. Der ermittelte Blutzuckerwert sollte zwischen 60 und 100 mg/dl im kapillaren Vollblut liegen.

Liegt er darüber, kann das auf Diabetes mellitus hinweisen. Der Arzt wird dann eine gezieltere Diabetes-Diagnostik einleiten. Aber auch ein zu niedriger Wert kann ein Indiz für eine Störung sein.

Der beim Check-up ermittelte Gesamtcholesterin-Spiegel sollte zwischen 200 und 220 mg/dl liegen.

Höhere Werte können Hinweise auf eine falsche Ernährung oder eine Fettstoffwechselstörungen sein. Ein zu hoher Gesamtcholesterin-Wert stellt ein erhöhtes Risiko für eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) dar. Arteriosklerose wiederum kann schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall verursachen.

Eine rechtzeitige Behandlung der zu hohen Blutfettwerte ist daher wichtig.

Blutuntersuchung
Die Blutwerte geben Hinweise auf mögliche Erkrankungen © Henrik Dolle | AdobeStock

Zusätzlich zum Gesamtcholesterin kann der Arzt noch den LDL-Wert („schlechtes“ Cholesterin) und den HDL-Wert („gutes“ Cholesterin) bestimmen lassen. Das LDL sollte unter 160 mg/dl und das HDL über 40 mg/dl liegen.

Wichtig ist allerdings auch das LDL-HDL-Verhältnis: Es sollte bei einer gesunden Person kleiner als drei und bei Risikopatienten noch geringer sein.

Urinprobe

Im Rahmen der Check-up-Untersuchung gibt der Patient eine Urinprobe ab, die ebenfalls an ein Labor geschickt wird.

Das Labor ermittelt nun die Werte für

  • Eiweiß,
  • Glukose,
  • Erythrozyten (rote Blutkörperchen),
  • Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und
  • Nitrit

im Urin. Die Werte geben dem Arzt Hinweise darauf, ob

  • eine Zuckerkrankheit,
  • eine bakterielle Infektion,
  • eine Mangelernährung oder
  • eine Nierenerkrankung

vorliegt.

Erweiterte Check-up-Untersuchung

Die im Rahmen der gesetzlichen Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen geregelte Check-up-Untersuchung ist gut, aber begrenzt. Darüber hinaus kann ein erweiterter Gesundheits-Check-up sinnvoll sein.

Dies ist beispielsweise bei Personen der Fall, die nach längerer Pause wieder mit einer sportlichen Aktivität beginnen wollen. Auch während der regulären Check-up-Untersuchung können zusätzliche Untersuchungen zur Erstellung eines erweiterten individuellen Risikoprofils durchgeführt werden. Dazu gehören z. B.

  • die Ermittlung des PSA-Werts zur Erkennung von Prostata-Veränderungen mit dem PSA-Test
  • eine erweiterte Blutuntersuchung (Bestimmung von beispielsweise Elektrolyten, Vitaminen, Spurenelementen, Enzymen, Tumormarkern)
  • eine Lungenfunktionsprüfung
  • ein Sehtest
  • ein Stuhltest (z. B. auf Pilze, Bakterien, Parasiten, Umweltgifte)
  • Ultraschalluntersuchungen (z. B. der Halsgefäße, Schilddrüse, Bauchorgane, Nieren, Harnblase, Prostata)
  • eine Durchblutungsmessung in den Beinen
  • ein Test auf Helicobacter
  • ein AIDS-Test
  • Hormonbestimmungen
  • eine Rheuma-Risiko-Bestimmung (CCP-Antikörper)
  • die Darmkrebs-Früherkennung mittels immunologischer Stuhluntersuchung

Sportmedizinische Check-up-Untersuchung

Eine sportmedizinische Eignungsuntersuchung wird für alle Sporttreibenden über 35 Jahre und für Wiedereinsteiger empfohlen. Der Sport-Gesundheits-Check-up besteht häufig aus folgenden Untersuchungen:

  • Anamnese (dazu gehört auch eine sog. Sportanamnese)
  • Körperliche Untersuchung, die der des regulären Check-ups vergleichbar ist
  • Ruhe-EKG und ggf. Belastungs-EKG
  • Urinuntersuchung und Blutuntersuchung (z. B. kleines Blutbild)
  • Beratung bei der Wahl der geeigneten Sportart und bei der Trainingsplanung auf Basis des Gesundheitszustand und der Tauglichkeit.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen allerdings nicht die Kosten für einen erweiterten Check-up. Die Ärzte bieten diese Check-up-Untersuchungen im Rahmen von so genannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) an.

Abschließendes Beratungsgespräch beim Gesundheits-Check-up

Das abschließende Beratungsgespräch wird einige Tage nach der körperlichen Untersuchung und Entnahme der Blut- und Urinproben stattfinden. 

Der Patient wird über das Ergebnis der durchgeführten Check-up-Untersuchung informiert. Gegebenenfalls erörtert der Arzt mit ihm die möglichen Folgen hinsichtlich der weiteren Lebensgestaltung. Dabei sollten insbesondere

  • die ermittelten Risikofaktoren und
  • ein möglicher Abbau oder Vermeidung gesundheitsschädigenden Verhaltens

besprochen werden. Der Arzt gibt – falls notwendig – Tipps zur Änderung der Lebensweise beispielsweise hinsichtlich Ernährung oder Bewegung. Insbesondere Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen sich häufig durch einen gesunden Lebensstil vermeiden. Dazu gehören z. B.

  • regelmäßige körperliche Aktivität oder sportliche Bewegung
  • eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, Vermeidung fettreicher Nahrungsmittel
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 Liter pro Tag)
  • kompletter Verzicht auf das Rauchen
  • mäßiger Alkoholkonsum
  • Vermeidung von Stress

Eine weitere Aufgabe des Check-up-Abschlussgespräches besteht darin, den Patienten auf die Bedeutung von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen hinzuweisen.

Wenn alle Befunde unauffällig sind, sollte die nächste Check-up-Untersuchung wieder in drei Jahren stattfinden.

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