Zum Inhalt springen
Leading Medicine Guide Logo

Erkrankung · Neuroonkologie

Primär auftretende ZNS-Lymphome (PZNSL): Diagnostik beim ZNS Lymphom und Therapie von Lymphomen des Zentralnervensystems - Alle wichtigen Informationen zum ZNS-Lymphom

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich ZNS-Lymphom. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: C83.3

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Das primäre ZNS-Lymphom (PZNSL) gehört zu den seltenen malignen Lymphomen des zentralen Nervensystems und tritt meist als aggressives B-Zell-Lymphom auf. Ein Symptom kann neurologisch, kognitiv oder neuropsychiatrisch geprägt sein und hängt von der Lokalisation des Tumors ab. Für die Diagnostik sind bildgebende Untersuchungen wie die MRT und meist eine Biopsie mit histopathologischer Untersuchung entscheidend. Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Zentren und umfasst insbesondere eine hoch dosierte MTX-basierte Chemotherapie sowie abhängig von der individuellen Situation weitere Verfahren.

Ein primär auftretendes ZNS-Lymphom, kurz PZNSL, ist eine seltene bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems innerhalb des zentralen Nervensystems. Diese ZNS-Lymphome entstehen primär im ZNS und sind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung definitionsgemäß nicht Ausdruck eines systemischen Lymphoms außerhalb des ZNS. Häufig handelt es sich um aggressive B-Zell-Lymphome, überwiegend vom Typ DLBCL. Je nach Befall können Gehirn, Meningen, Augen oder Rückenmark betroffen sein und unterschiedliche neurologische Symptome auftreten.

Zur Diagnostik gehören insbesondere die MRT und in vielen Fällen eine Biopsie zur histopathologischen Sicherung des Tumors. Die Therapie des PZNSL basiert häufig auf einer hoch dosierten Methotrexat-haltigen Chemotherapie, je nach Behandlungskonzept unter anderem in Kombination mit Rituximab und einer anschließenden Konsolidierungstherapie. Aufgrund der besonderen Lokalisation und des komplexen Krankheitsbildes sollten Diagnostik und Therapie interdisziplinär durch erfahrene Fachbereiche wie Hämatologie, Onkologie, Neurologie und Neurochirurgie geplant werden.

Was ist ein ZNS-Lymphom?

Die Nervenstrukturen im Gehirn und im Rückenmark bezeichnet man als das zentrale Nervensystem (ZNS). Sie sind für die zentrale Reizverarbeitung des Menschen verantwortlich.

Das ZNS-Lymphom ist eine Krebserkrankung, die

  • im Gehirn,
  • im Nervenwasser oder
  • im Rückenmark

auftreten kann. In Form einer Retina-, Uvea- oder Glaskörperinfiltration sind gelegentlich auch die Augen betroffen. Mit einer Häufigkeit von nur rund zehn Prozent ist dies jedoch die seltenste Form des ZNS-Lymphoms.

ZNS-Lymphome, die den Non-Hodgkin-Lymphomen zugeordnet sind, unterteilt man in primäre und sekundäre ZNS-Lymphome.

Befinden sich Tumorzellen beim Zeitpunkt der Erstdiagnose ausschließlich im zentralen Nervensystem, spricht man von einem primären ZNS-Lymphom. Bei einem sekundären ZNS-Lymphom handelt es sich um Metastasen im Zentralen Nervensystem. Metastasen sind Tochtergeschwülste eines Tumors, der zunächst an anderen Körperstellen entstanden ist.

Die mit über 95 Prozent am weitesten verbreitete Variante ist das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom. Es gilt als „hochmalign“, also besonders aggressiv und schnell wachsend. Sonstige B-Zell- oder T-Zell-Lymphome werden im zentralen Nervensystem dagegen sehr selten diagnostiziert.

Ursachen und Entstehung des ZNS-Lymphoms

Wie es dazu kommt, dass Lymphozyten entarten und Tumore bilden, ist bislang noch weitgehend unbekannt. Forscher nehmen jedoch an, dass die Ursache in der Entstehung bestimmter Eiweiße im zentralen Nervensystem liegen könnte. Diese würden möglicherweise eine unkontrollierte Abwehrreaktion auslösen, die die Vermehrung der Lymphomzellen begünstige.

Die Risikofaktoren für ein ZNS-Lymphom sind ebenfalls noch nicht zweifelsfrei und vollständig erforscht. In der Mehrzahl sind jedoch Erwachsene von einem Lymphom im zentralen Nervensystem betroffen. Gut die Hälfte der Patienten ist zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits 60 Jahre alt oder älter. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen. Hinweise auf eine familiäre Häufung gibt es nicht.

Der überwiegende Teil der Patienten mit einem ZNS-Tumor litt vor der Erkrankung nicht an einer Immunabwehrschwäche. Dennoch gilt diese als einer der größten Risikofaktoren: Die Unterdrückung des körpereigenen Immunsystems (Immunsuppression) kann die Bildung eines Lymphoms im zentralen Nervensystem zur Folge haben.

Unerheblich ist dabei, ob

  • die Immunsuppression als gezielte Therapie (etwa nach einer Organtransplantation) herbeigeführt wurde oder
  • sie durch eine Krankheit entstanden ist (etwa durch das Eppstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), das Humane Herpesvirus Typ 8 oder die HIV-Infektion).

Welche Symptome deuten auf ein ZNS-Lymphom hin?

Die Beschwerden, die bei einem ZNS-Lymphom auftreten, können sehr unterschiedlich ausfallen. Sie hängen von der Größe des Tumors und seiner genauen Lokation im zentralen Nervensystem ab.

Die folgenden Symptome treten am häufigsten im Zusammenhang mit einem ZNS-Lymphom auf:

  • Über die Hälfte der Betroffenen zeigt ein sogenanntes hirnorganisches Psychosyndrom: Das sind psychische Auffälligkeiten, die plötzlich neu auftreten. Dazu gehören beispielsweise
    • Beeinträchtigungen der Gedächtnisleistung,
    • Interesselosigkeit und Gleichgültigkeit,
    • Angstzustände,
    • Abgeschlagenheit,
    • emotionale Verhaltensänderungen sowie
    • neurologische Störungen wie Lähmungen, Schwindel oder Sprachstörungen.
  • Über 50 Prozent der Patienten klagen über Kopfschmerzen sowie wandernde Schmerzen an unterschiedlichen Körperstellen.
  • Etwa ein Drittel der Betroffenen leidet in Folge des erhöhten Hirndrucks an Übelkeit, teilweise mit Erbrechen.
  • In seltenen Fällen kann es auch zu Krampfanfällen, Nachtschweiß, Fieber oder Gewichtsverlust kommen.
  • Das Sehvermögen ist beeinträchtigt, wenn das ZNS-Lymphom die Augen betrifft.

In der Regel wird die Erstdiagnose eines ZNS-Lymphoms relativ zügig gestellt. Das liegt vor allem daran, dass der Tumor verhältnismäßig schnell wächst und die Krankheitszeichen entsprechend voranschreiten.

Einige der Symptome sind jedoch auch typisch für andere Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Sind die Beschwerden nicht besonders stark ausgeprägt und eher unspezifisch, kann eine Diagnose mitunter etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Diagnose des ZNS-Lymphoms

Bei Verdacht auf eine Hirnerkrankung erfolgt in der Regel eine Untersuchung des Kopfes mittels einer Computertomographie (CT). Entdeckt der Arzt dabei einen Tumor, gilt es nun, schnellstmöglich herauszufinden, um welche Art es sich handelt und wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist.

Es folgen

  • neurologische Untersuchungen,
  • eine Analyse der Blutwerte sowie
  • die Entnahme von Hirnwasser.

Die aussagekräftigsten Ergebnisse liefert eine Magnetresonanztomographie (MRT). Die Bilder ermgöglichen aber keine zweifelsfreie Zuordnung des Hirntumorart. Für eine gesicherte Diagnose wird dazu eine Gewebeprobe des Lymphoms benötigt.

Gehirn im MRT
Mithilfe einer Magnetresonanztomographie lässt sich ein ZNS-Lymphom im Gehirn gut sichtbar machen © Chinnapong | AdobeStock

Die Entnahme der Gewebeprobe erfolgt mittels stereotaktischer Biopsie mithilfe einer Hohlnadel durch ein winziges Bohrloch in der Schädeldeck. Dieses Verfahren ist heutzutage die gängigste Methode.

Nach der Diagnose eines ZNS-Lymphoms suchen die Mediziner nach weiteren Lymphomherden im Körper. Dabei helfen

Schließlich könnte es sich auch um ein sekundäres ZNS-Lymphom, also die Metastase eines anderen Tumors handeln.

Behandlung des primären ZNS-Lymphoms

Ohne jegliche Behandlung würde ein ZNS-Lymphom innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen. Deshalb ist schnelles Handeln erforderlich.

Eine komplette operative Entfernung, wie sie bei anderen Hirntumoren häufig durchgeführt wird, ist bei einem ZNS-Lymphom jedoch nicht zielführend. Langfristig erfolgsversprechender sind eine Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie oder eine alleinige Chemotherapie.

Je nach Alter des Patienten fallen sowohl Wirkung als auch Nebenwirkungen der jeweiligen Therapieform verschieden aus. Deswegen muss stets ein individuell passender Behandlungsweg eingeschlagen werden. Unterschieden wird zwischen

  • der einleitenden Therapie (Induktionstherapie) und
  • der nachfolgenden Konsolidierungstherapie zur Festigung des Gesundheitszustands.

Das Chemotherapeutikum Methotrexat kommt in der Induktionstherapie am häufigsten zum Einsatz. Es ist auch deshalb so beliebt, weil es Patienten jeden Alters verabreicht werden kann. Wirkungsvoll sind außerdem die Substanzen Cytarabin, Ifosfamid und Thiotepa.

Ergänzend zur Chemotherapie fällt die Wahl des Arztes oft auf eine Antikörpertherapie (in Kombination Chemoimmuntherapie genannt). Dabei dockt der Wirkstoff Rituximab an den Oberflächenstrukturen der Tumorzellen an und löst dadurch deren Zerstörung aus.

In der Konsolidierungstherapie können

zum Einsatz kommen. Eine Bestrahlung kann jedoch neurologische Folgen wie eine Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung oder der Lebensqualität haben. Deswegen sind die Alternativen — wenn möglich — zu bevorzugen. Insbesondere die HDT-ASZT hat bislang oft zu sehr guten Langzeitergebnissen geführt. Dabei werden dem Patienten vor der Chemotherapie Stammzellen entnommen und danach wieder zugeführt.

An wen sollten sich Betroffene wenden?

Spezialisierte Fachärzte für Hämatologie und Onkologie an etablierten Behandlungszentren sind die richtige Anlaufstelle für Patienten mit ZNS-Lymphom.

Bei der Suche nach Experten kann das Kompetenznetz Maligne Lymphome behilflich sein. Hier finden Sie Krankenhäuser und Facharztpraxen, die über langjährige Erfahrung in der Therapie des ZNS-Lymphoms verfügen.

Im Bundesverband Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V. sind die Selbsthilfeorganisationen für Leukämie- und Lymphom-Erkrankte organisiert. Hier können Sie nach der nächstgelegenen Selbsthilfegruppe suchen. Zudem stehen eine Vielzahl an Broschüren, Literatur- und Veranstaltungshinweisen zur Verfügung.

Prognose nach der Behandlung eines ZNS-Lymphoms

Das ZNS-Lymphom gilt zwar als besonders aggressiv. Dennoch lässt sich die Erkrankung mit einer optimal auf den Patienten abgestimmten Therapie für einige Jahre zurückdrängen.

Bei jüngeren Betroffenen, deren Immunsystem gut funktioniert, ist gegebenenfalls sogar eine vollständige Heilung möglich.

Fazit

Das primäre ZNS-Lymphom ist eine seltene bösartige Erkrankung und gehört zu den Lymphomen des zentralen Nervensystems. Häufig handelt es sich um ein DLBCL, das sich zum Zeitpunkt der Erstdiagnose auf Strukturen innerhalb des ZNS beschränkt. Für die Diagnostik sind MRT-Aufnahmen auffälliger Hirnläsionen und die histopathologische Untersuchung einer meist neurochirurgisch gewonnenen Biopsie von besonderer Bedeutung.

Die Therapie des PZNSL basiert häufig auf einer MTX-haltigen Induktionstherapie, beispielsweise in Kombination mit Rituximab, an die sich bei geeigneten Patientinnen und Patienten eine Konsolidierungstherapie anschließen kann. Abhängig von Alter, Allgemeinzustand und Ausmaß des Befalls kommen auch eine Hochdosischemotherapie, Erhaltungstherapie oder weitere medikamentöse Therapie infrage.

Eine Resektion spielt im Gegensatz zu anderen malignen Hirntumoren meist eine untergeordnete Rolle. Sekundäre ZNS-Lymphome unterscheiden sich vom primären ZNS-Lymphom dadurch, dass eine systemische Erkrankung außerhalb des ZNS mit Befall des zentralen Nervensystems vorliegt. Aktuelle Empfehlungen zu Diagnostik und Behandlung stellt unter anderem Onkopedia zur Verfügung.

FAQ

Was ist ein primäres ZNS-Lymphom?
Ein primäres ZNS-Lymphom (PZNSL), international auch Primary CNS Lymphoma oder Primary Central Nervous System Lymphoma genannt, ist ein bösartiges Lymphom, das primär im zentralen Nervensystem entsteht. Betroffen sein können unter anderem Gehirn, Meningen, Augen oder Rückenmark. Die große Mehrheit dieser ZNS-Lymphome sind B-Zell-Lymphome, insbesondere DLBCL. Von einem sekundären ZNS-Lymphom spricht man dagegen, wenn ein systemisches Lymphom das zentrale Nervensystem befällt.

Welche Symptome verursacht ein ZNS-Lymphom?
Das jeweilige Symptom hängt davon ab, wo sich der Tumor beziehungsweise die Hirnläsionen befinden. Möglich sind beispielsweise fokale neurologische Ausfälle, Veränderungen von Persönlichkeit oder Verhalten, kognitive Beeinträchtigungen, Kopfschmerzen oder Sehstörungen. Da solche Beschwerden auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen auftreten können, lässt sich ein ZNS-Lymphom anhand der Symptome allein nicht diagnostizieren.

Wie erfolgt die Diagnostik eines ZNS-Lymphoms?
Zur Diagnostik gehört insbesondere eine MRT des Gehirns mit Kontrastmittel. Für die definitive Diagnosestellung ist bei einem vermuteten primären ZNS-Lymphom in der Regel eine stereotaktische Biopsie mit histopathologischer Untersuchung erforderlich. Je nach Befund können außerdem Untersuchungen von Augen, Nervenwasser beziehungsweise Liquor und weitere Untersuchungen erfolgen, um einen Befall innerhalb oder außerhalb des ZNS abzuklären.

Wie wird ein primäres ZNS-Lymphom behandelt?
Die Therapie des PZNSL unterscheidet sich von der Behandlung vieler anderer Hirntumoren. Eine zentrale Rolle spielt eine hoch dosierte Methotrexat-basierte Chemotherapie, häufig im Rahmen einer Kombinationstherapie und je nach Therapiekonzept zusammen mit Rituximab. Auf die Induktionstherapie kann eine Konsolidierungstherapie folgen, beispielsweise eine Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation bei geeigneten Patientinnen und Patienten. Auch eine Strahlentherapie kann in bestimmten Behandlungssituationen eingesetzt werden.

Kann ein ZNS-Lymphom operativ entfernt werden?
Anders als bei vielen anderen Hirntumoren steht eine vollständige chirurgische Resektion beim PZNSL traditionell nicht im Mittelpunkt der Standardtherapie. Ein neurochirurgischer Eingriff dient häufig vor allem der Biopsie und damit der histopathologischen Sicherung. Ob eine Resektion in ausgewählten Situationen sinnvoll sein kann, wird individuell und interdisziplinär beurteilt. Für die weitere Behandlung sind insbesondere medikamentöse Therapie und spezialisierte hämatologisch-onkologische Konzepte entscheidend.

Beitrag teilen

Sabine_Schneider.png

Über den Fachautor

Sabine Schneider

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

Vollständiges Expertenprofil ansehen
Quellen

Geprüfte Expertise

Empfohlene Spezialisten

3 Spezialisten

Medizinisches Spektrum

Medizinisch verwandte Themen

Weiterführende Informationen zu Erkrankungen, Anatomie, Behandlung, Diagnostik und passenden medizinischen Spezialisierungen.

Sie suchen den passenden Ansprechpartner? Die empfohlenen Spezialisten bleiben der zentrale nächste Schritt.

Zu den Spezialisten