Fokale Therapie mit HIFU (Hochintensiver fokussierter Ultraschall) - Infos & Spezialisten

Ultraschall findet in unterschiedlichsten Fachbereichen der Medizin Verwendung. Gemeinhin ist er aus der Diagnostik, beispielsweise aus der Schwangerschaftsvorsorge und der Untersuchung der inneren Organe bekannt. Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) kommt hingegen als Therapieform bei der Krebsbehandlung zur Anwendung. Zur Wirksamkeit der HIFU-Behandlung gibt es bereits zahlreiche Studien. In Frankreich und Italien ist die Methode von den wissenschaftlichen Gesellschaften für Urologie als Standardtherapie bei Prostatakrebs anerkannt.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zur fokalen Therapie mittels hochintensivem fokussiertem Ultraschall sowie ausgewählte Spezialisten für die Behandlung von Prostatakrebs mit der HIFU-Methode.

Empfohlene Spezialisten für HIFU

Artikelübersicht

Fokale Therapie - Weitere Informationen

Definition: Was ist Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU)?

Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) beruht auf der Bündelung von Ultraschallwellen. Diese konzentrieren sich in einem oder mehreren Fokuspunkten, in denen sie hohe Temperaturen von circa 90 °C erzeugen. Das zu behandelnde Gewebe erwärmt sich dadurch so stark, dass die Tumorzellen zerstört und anschließend durch den Körper abgebaut werden.

Entsprechende Ultraschallköpfe enthalten eine Sonde, welche die benötigte Energie freisetzt, und ein bildgebendes System. Letzteres dient dazu, das betroffene Körperareal vor und auch während der Behandlung genau auszumessen und darzustellen. So ist der Arzt in der Lage, den Ultraschall exakt auf die vorgesehene Stelle zu richten. Umliegende Strukturen wie der Enddarm werden geschont und für die Erektion nötige Gefäß-Nerven-Bündel bleiben erhalten.

Gründe für die Behandlung: Bei welchen Krankheiten kommt HIFU zur Anwendung?

Seit 1993 kommt hochintensiver fokussierter Ultraschall vor allem bei der Behandlung von Prostatakrebs zum Einsatz. Hier bietet die Methode den Vorteil, dass im Unterschied zur Operation sowie zur Brachy- und Strahlentherapie weder Schnitte noch Implantate oder eine Bestrahlung erforderlich sind. Tritt der Krebs erneut auf, ist eine weitere HIFU-Behandlung möglich. Es stehen aber auch alle Therapieformen weiterhin offen.

Im Zusammenhang mit Prostatakrebs eignet sich die fokale Therapie:

  • zur Behandlung lokaler Prostatakarzinome (Typ 1/Typ 2),
  • zur Behandlung von Rezidiven (erneute Erkrankungen),
  • zur Behandlung nach Brachytherapie oder Bestrahlung,
  • wenn eine Operation nicht gewünscht oder nicht möglich ist.

Seit rund 20 Jahren zählen auch Brustkrebs und gutartige Geschwülste der Gebärmutter (Uterusmyome) zu den Einsatzfeldern. Zudem gibt es mittlerweile eine Zulassung zur Therapie von Schilddrüsenknoten. Allerdings eignet sich das HIFU-Verfahren nicht für alle Arten von Schilddrüsentumoren, sondern ausschließlich für gutartige Knoten.

Methoden bzw. OP-Verfahren: Wie läuft die HIFU-Behandlung ab?

Während der Therapie liegt der Patient für circa 1,5 bis 2,5 Stunden in gepolsterter Rechtslage auf einem Behandlungstisch. Üblicherweise erfolgt die Behandlung unter Teilnarkose. Sofern der Patient das wünscht, ist aber auch eine Vollnarkose möglich.

Den Behandlungsablauf plant und steuert der Arzt über ein Bedienpult. Die Computersteuerung ermöglicht ein exaktes Führen der Ultraschallsonde. Das minimiert das Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen. Die Sonde wird in den Enddarm eingeführt und dort unmittelbar neben der Prostata platziert. Anschließend erzeugt sie den hochintensiven fokussierten Ultraschall. Bei Bedarf lassen sich computergesteuert Hunderte von Ultraschallauslösungen starten, bis ausreichend Tumorgewebe verbrannt ist.

Der Computer ermöglicht eine dreidimensionale Darstellung der Prostata auf dem Bildschirm. Das erlaubt es dem Arzt, das zu behandelnde Gewebe genau zu definieren und millimetergenau zu beschallen. Das Ultraschallgerät verfügt über Sicherheitsvorkehrungen, welche die Behandlung sofort unterbrechen, wenn sich der Patient bewegt.

Für die HIFU-Therapie existieren mehrere grundlegende Behandlungsstrategien.

Vollbehandlung (mit oder ohne Nervenerhalt):

Bei einem beidseitig nachgewiesenen Prostatakarzinom behandelt der Arzt die gesamte Drüse. Hierfür ist eine vorherige Abhobelung der Prostata (Abtragen von Prostata-Gewebe mittels elektrischer Schlinge über die Harnröhre) notwendig. Je nach Lage und Aggressivität des Tumors ist ein Nervenerhalt möglich.

Hemiablation:

Bei lediglich einseitigem Tumorbefall erfolgt eine Halbseitenbehandlung der Prostata. Das Abhobeln der Prostata ist in diesem Fall nicht erforderlich.

Zonale Behandlung:

Der Behandlungsbereich umfasst den Krebsherd und das direkt angrenzende Gewebe.

Fokale Therapie:

Gibt es nur einen einzigen abgegrenzten Tumor, ist es möglich, lediglich diesen mit einem Sicherheitsabstand zu beschallen.

Patientenverhalten nach der Behandlung: Wie gestaltet sich die Nachsorge?

In aller Regel kann der Patienten circa fünf Stunden nach der Behandlung wieder laufen. Der Krankenhausaufenthalt nach einer HIFU-Therapie dauert für gewöhnlich drei bis sieben Tage.

Die Nachsorge nach einer HIFU-Therapie erfolgt alle drei Monate. Als Orientierungswert für den Behandlungserfolg gilt der PSA-Wert. Dieser besagt, wie viel prostataspezifisches Antigen die Vorsteherdrüse produziert. Wurde der Krebs zerstört, sinkt dieser Wert deutlich. Steigt der PSA-Wert nach einiger Zeit erneut an, ist von einem Rückfall auszugehen.

Erscheint die Lage stabil, werden die Nachsorgeintervalle zunächst auf sechs, später sogar auf zwölf Monate ausgedehnt.

Komplikationen und Risiken der HIFU-Therapie

Unmittelbar nach einer HIFU-Behandlung können Schmerzen und leichte Verbrennungen auftreten. Das umliegende Gewebe schwillt an, sodass in den ersten Tagen gegebenenfalls ein Blasenkatheter nötig ist.

Oft sind in den ersten Wochen die ersten Tropfen beim Urinieren blutig gefärbt. Teilweise ist der Urin mit Gewebsstücken versetzt. Das ist normal, da das abgestorbene Gewebe nur auf diesem Weg abgehen kann.

Geht zu viel Gewebe gleichzeitig ab, kann es die Harnröhre verstopfen. Dadurch verschlechtert sich der anfänglich gute Harnstrahl wieder. In diesem Fall kann es nötig sein, das Gewebe in einem zweiten stationären Eingriff durch die Harnröhre abzusaugen. Die Prostata-Hobelung vor der HIFU-Behandlung verringert das Risiko für diese Komplikation.

Ein prophylaktisch gegebenes Antibiotikum soll Infekt-Beschwerden wie häufiges dranghaftes und brennendes Urinieren verhindern. Das gelingt nicht immer. Entzündungen von Harnröhre, Prostata, Blase sowie Hoden und Nebenhoden treten nur selten auf, sind jedoch möglich.

Infolge der Behandlung kann es zu einer Schwächung des äußeren Schließmuskels der Blase kommen. Das führt bei circa fünf Prozent der Patienten zu einem tropfenförmigen Urinverlust beim Husten, Pressen, schweren Heben etc. Dieses Problem lässt sich für gewöhnlich durch Beckenbodengymnastik beheben.

Wird eine komplette HIFU-Behandlung bis hin zur Prostatakapsel durchgeführt, besteht ein gewisses Risiko von Impotenz durch Schäden am neurovaskulären Bündel. Bei nahezu der Hälfte aller Patienten bleibt die Erektionsfähigkeit jedoch vollständig erhalten.

Bei weniger als einem Prozent aller Patienten kommt es zu einer fehlerhaften Verbindung zwischen Darm und Prostata (Fistelbildung).

Fazit: Gute Prognosen, aber keine Langzeitdaten

Die fokale HIFU-Therapie ist eine minimalinvasive Behandlungsalternative bei Prostatakrebs. Das schonende Verfahren eignet sich vor allem für Patienten, für die eine normale Operation oder eine Bestrahlung nicht infrage kommen. Der Eingriff ist unblutig und bietet gute Chancen auf Heilung oder zumindest Besserung. Bislang liegen jedoch keine belastbaren Langzeitdaten für diese Behandlungsform vor.

Quellen

https://www.aerzteblatt.de/archiv/186344/Hochintensiver-fokussierter-Ultraschall-HIFU-(1)-Erste-standardisierte-Studien-laufen

https://www.hifuprostata.de/hifu-therapie/hifu-therapie-mit-focal-one-und-ablatherm/

https://www.buergerhospital-ffm.de/news-veranstaltungen/hochintensiver-fokussierter-ultraschall-alternativ-78

https://www.klinikum-fuerth.de/Medizin_und_Pflege/Kliniken_Abteilungen/Urologie/Weitere_Informationen/Behandlungsmethoden/HIFU_Behandlung/Fragen_Antworten.php

https://www.klinikum-fuerth.de/Medizin_und_Pflege/Kliniken_Abteilungen/Urologie/Weitere_Informationen/Behandlungsmethoden/HIFU_Behandlung/

https://www.meoclinic.de/fachgebiete/urologie/hochintensiver-fokussierter-ultraschall-hifu/

https://www.unimedizin-mainz.de/urologie/startseite/hifu-behandlung-bei-prostatakrebs.html

https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/hifu-prostatakrebs

https://vitusprostate.com/de/wissenschaft/weitere-fokale-behandlungsmethoden/hifu-hochintensiver-fokussierter-ultraschall/

https://www.urologen-infoportal.de/berichte/artikel_onko/2019_sept_hifu.pdf

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