Zum Inhalt springen
Leading Medicine Guide Logo

Erkrankung · Hepatologie

Gelbsucht (Ikterus): Ursachen, Symptome und Behandlung bei Erwachsenen

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Gelbsucht. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Medizinischer FachautorDr. med. Boris UhelStand: ICD-10: R17

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Gelbsucht entsteht, wenn sich zu viel Bilirubin im Blut und anschließend im Gewebe ansammelt. Normalerweise wird er gelbliche Gallenfarbstoff über die Leber, die Galle und den Darm verarbeitet und schließlich ausgeschieden. Ist dieser Prozess gestört, steigt die Konzentration von Bilirubin im Blut an. Die Folge ist eine sichtbare Gelbfärbung der Haut, der Augen und der Schleimhäute. Die Ursachen von Gelbsucht reichen von harmlosen Stoffwechselstörungen, bis hinzu schweren Erkrankungen, wie Hepatitis Leberzirrhose oder einem Tumor. Die Behandlung von Gelbsucht richtet sich immer nach der zugrundeliegenden Ursache.

Unter Gelbsucht (medizinisch Ikterus) versteht man die Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und Skleren (Bindehäute der Augen). Die charakteristische Gelbfärbung entsteht durch erhöhte Konzentration von Bilirubin im Körper. Dabei handelt es sich um einen gelblichen Gallenfarbstoff, der beim natürlichen Abbau des roten Blutfarbstoffs entsteht.

Gelbsucht ist keine Krankheit, sondern ein Hinweis auf eine zugrundeliegende Erkrankung. Die Ursachen sollten stets ärztlich abgeklärt werden. Die Gelbsucht verursacht selbst häufig nur wenig Beschwerden, kann jedoch auf eine Erkrankung der Leber, der Gallenwege oder andere Organe hinweisen.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Gelbsucht-Spezialisten.

Definition: Was ist Gelbsucht?

Die Gelbsucht beziehungsweise der Ikterus bezeichnet die gelbliche Verfärbung von Haut, Augen und Schleimhäuten in Folge einer erhöhten Konzentration von Bilirubin im Körper.

Besonders auffällig ist die Gelbfärbung von Haut, den Schleimhäuten sowie der Lederhaut beziehungsweise der Lederhaut der Augen.

Das Bilirubin entsteht beim Abbau alter roter Blutzellen; genauer gesagt wird es aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebildet. Das Abbauprodukt wird normalerweise von der Leber aufgenommen, verarbeitet und über die Gallenflüssigkeit in den Darm abgegeben. Dort wird es schließlich mit dem Stuhl ausgeschieden.

Kommt es zur Störungen dieses Stoffwechselwegs, kann sich Bilirubin im Körper anreichern. Überschreitet die Konzentration bestimmte Werte von etwa 2 Milligramm pro Deziliter, wird die Gelbsucht sichtbar.

Je nach Entstehungsmechanismus unterscheidet man verschiedene Formen, jede Form der Gelbsucht hat eigene Ursachen und erfordert eine individuelle Abklärung.

Symptome der Erkrankung

Das wichtigste Symptom der Gelbsucht ist die sichtbare Gelbfärbung der Haut und Augen, besonders deutlich zeigt sich die Veränderung zunächst an der Lederhaut der Augen. Mit zunehmender Ausprägung können sich auch Haut und Schleimhäute deutlich verfärben.

Zu den typischen Symptomen der Gelbsucht zählen:

  • Gelbfärbung von Haut und Augen
  • dunkel gefärbter Urin
  • heller Stuhlgang
  • Müdigkeit und Leistungsminderung
  • Oberbauchbeschwerden
  • Juckreiz
  • Übelkeit und Appetitlosigkeit

Die Gelbfärbung entsteht durch eine Anreicherung von Bilirubin im Körper. Bilirubin ist ein gelblicher Gallenfarbstoff, der entsteht, wenn der Körper Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff, abbaut. Der Körper scheidet das Bilirubin normalerweise über die Leber und die Gallenwege aus.

Passiert das nicht, bleibt das Bilirubin im Körper und führt zur Gelbsucht.

Zusätzlich können Schmerzen auftreten. Ein schmerzloser Ikterus kann ein Hinweis auf eine bösartige Tumorerkrankung (z.B. Bauchspeicheldrüsenkrebs) sein.

Bleibt Gelbsucht unbehandelt, kann Bilirubin ins Blut gelangen. Dadurch kann eine Sepsis (Blutvergiftung) entstehen.

Weitere Symptome hängen von der zugrundeliegenden Ursache ab. Bei einer Infektion oder Entzündung können Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Bei Erkrankungen der Leber kommen häufig Druckschmerzen im rechten Oberbauch hinzu.

Ein schmerzloser Ikterus kann auf einen Tumor der Bauchspeicheldrüse oder der Gallenwege hinweisen. Deshalb sollte jede neu auftretende Verfärbung der Haut medizinisch abgeklärt werden.

Weitere Symptome können außerdem Gewichtsverlust oder Verdauungsbeschwerden sein.

Gelbe Augen bei Gelbsucht
Gelbsucht macht sich u.a. durch gelb verfärbte Augäpfel bemerkbar © blackday | AdobeStock

Ursachen der Gelbsucht

Die Ursache der Gelbsucht kann an unterschiedlichen Stellen des Bilirubin-Stoffwechsels liegen. Als zentrales Organ spielt die Leber dabei eine entscheidende Rolle.

Ein hämolytischer Ikterus entsteht durch den verstärkten Zerfall des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Durch diese sogenannte Hämolyse fällt vermehrt Bilirubin an, das von der Leber nicht schnell genug verarbeitet werden kann. Ursache können Medikamente, bestimmte Blutkrankheiten oder angeborene Störungen sein.

Ein hepatischer Ikterus entsteht dagegen durch eine Schädigung der Leberzellen. Häufige Ursachen sind Hepatitis, eine Leberentzündung, Alkoholmissbrauch oder andere Formen einer Lebererkrankung. Hepatitis A und B können die Leberfunktion beeinträchtigen und das Organ dauerhaft schädigen. Hepatitis oder Leberzirrhose zählen zu den häufigsten Auslösern.

Eine weitere Form der Gelbsucht ist der Cholestatische beziehungsweise Verschlussikterus. Hier kann die Galle nicht mehr ungehindert abfließen. Verantwortlich sind häufig Gallensteine, Entzündungen der Gallengänge, Erkrankungen der Gallenblase oder ein Tumor der Bauchspeicheldrüse. Durch den Rückstau der Gallenflüssigkeit steigt die Menge des Gallenfarbstoffs im Körper an.

Daneben gibt es seltene Stoffwechselstörungen, wie das Gilbert-Syndrom, diese meist angeborene Veränderung, führt zu einer verminderten Verarbeitung des Beliebens in der Leber.

Insgesamt können also sehr verschiedene Ursachen dazu führen, dass Gelbsucht entsteht oder Gelbsucht ausgelöst wird.

  • Prähepatischer (hämolytischer) Ikterus: durch erhöhten Zerfall (z.B. durch Medikamente) von roten Blutkörperchen wird Hämoglobin vermehrt freigesetzt und abgebaut. Somit fällt Bilirubin vermehrt an.
  • Hepatozellulärer (Parenchym-) Ikterus: Unfähigkeit der Leberzellen, das anfallende Bilirubin in ausreichendem Maße auszuscheiden, z.B. bei Hepatitis oder Leberzirrhose
  • Cholestatischer (Verschluss-) Ikterus: Störung des Gallenabflusses durch z.B. Gallengangsteine, Lebertumore oder Tumore der Bauchspeicheldrüse

Diagnose bei Verdacht auf Gelbsucht

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung. Der Arzt oder die Ärztin achtet insbesondere auf die Ausprägung der Gelbfärbung, mögliche Begleitsymptome sowie bekannte Vorerkrankungen.

Laboruntersuchungen liefern wichtige Hinweise auf die Ursache. Bestimmt werden unter anderem: Bilirubin im Blut, Leberwerte, Entzündungswerte, Blutbild und Gerinnungswerte.

Dabei lässt sich feststellen, ob die Konzentration von Bilirubin erhöht ist und ob eine Schädigung der Leber vorliegt.

Weiterführende Untersuchungsmethoden der Wahl sind

Wie wird Gelbsucht behandelt?

Die Behandlung von Gelbsucht richtet sich grundsätzlich nach der Ursache.

Ziel jeder Behandlung einer Gelbsucht ist es die zugrundeliegende Erkrankung zu beseitigen. 

Liegt ein Hämolytischer Ikterus vor, wird die auslösende Ursache behandelt, gegebenenfalls müssen Medikamente abgesetzt oder Grunderkrankungen therapiert werden.

Bei einer Leberentzündung oder Hepatitis hängt die Therapie von der jeweiligen Ursache ab. Virale Infektionen, Alkoholmissbrauch oder Stoffwechselerkrankungen erfordern unterschiedliche Behandlungsansätze.

Bei einer Leberzirrhose als Ursache der Gelbsucht ist die absolute Alkoholenthaltsamkeit die Therapie der Wahl. Im Endstadium ist die Lebertransplantation die einzige Chance auf eine dauerhafte Heilung.

Interventionelle und operative Methoden kommen bei der cholestatischen Gelbsucht zum Einsatz.

Die ERCP ist die Therapie der Wahl bei Gallengangsteinen, in wenigen Fällen muss eine operative Korrektur des Gallenganges erfolgen. Tumore der Leber oder der Bauchspeicheldrüse können (je nach Größe und Ausdehnung) operativ entfernt werden.

Gelbsucht bei Neugeborenen (Neugeborenenikterus) ist eine häufige, meist vorübergehende Gelbfärbung von Haut und Augen, die durch einen erhöhten Bilirubinspiegel im Blut verursacht wird. Die Behandlung erfolgt je nach Ausprägung meist durch Beobachtung oder eine Lichttherapie (Phototherapie), und in den allermeisten Fällen heilt die Neugeborenengelbsucht innerhalb weniger Tage bis Wochen vollständig aus.

Verlauf

Der Verlauf hängt von der zugrundeliegenden Erkrankung ab, bei vielen Betroffenen verschwindet die Gelbsucht, sobald die Ursache erfolgreich therapiert wurde.

Gelbsucht bei Erwachsenen kann sowohl harmlose als auch schwerwiegende Ursachen haben.

Unbehandelte Erkrankungen der Leber oder der Gallenwege können dagegen zu dauerhaften Schäden führen. Eine frühzeitige Diagnostik verbessert die Prognose erheblich.

FAQ - häufige Fragen

Ist Gelbsucht gefährlich?

Gelbsucht selbst ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Hinweis auf eine zugrundeliegende Erkrankung. Ob sich gefährlich ist, hängt von der jeweiligen Ursache ab.

Wie entsteht Gelbsucht?

Gelbsucht entsteht, durch eine vermehrte Ansammlung des Bilirubins im Körper. Ursache ist meist eine Störung der Verarbeitung oder Ausscheidung des Gallenfarbstoffes.

Welche Ursachen hat Gelbsucht?

Die häufigste Ursache für die Gelbsucht ist Hepatitis, Leberzirrhose, Gallensteine, Erkrankungen der Gallenwege sowie eine verstärkter Abbau von Blutzellen.

Wie wird Gelbsucht behandelt?

Die Therapie der Gelbsucht richtet sich immer nach der Ursache. Erst wenn die zugrundeliegende Erkrankung therapiert wird, kann die Gelbsucht behandelt werden.

Was ist Gelbsucht bei Neugeborenen?

Gelbsucht bei Neugeborenen ist nach der Geburt relativ häufig. Viele Kinder entwickeln innerhalb der ersten Lebentage erhöhte Bilirubinwerte. Diese Art der Gelbsucht klingt meist innerhalb von zehn bis 14 Tagen wieder ab. Daher ist Gelbsucht relativ häufig, wenn ein neugeborenes Kind seinen Stoffwechsel an die Bedingungen außerhalb des Mutterleibs anpasst.

Kann man Gelbsucht vorbeugen?

Teilweise lässt sich Gelbsucht vorbeugen, indem Risikofaktoren für Lebererkrankungen vermieden werden. Dazu gehören ein maßvoller Alkoholkonsum, Impfungen gegen bestimmte Formen der Hepatitis sowie eine gesunde Lebensweise.

Beitrag teilen

Über den Fachautor

Dr. med. Boris Uhel

Dr. med. Boris Uhel – Fachautor: Entdecken Sie medizinische Expertenbeiträge im Leading Medicine Guide.

Vollständiges Expertenprofil ansehen

Geprüfte Expertise

Empfohlene Spezialisten

6 Spezialisten

Medizinisches Spektrum

Medizinisch verwandte Themen

Weiterführende Informationen zu Erkrankungen, Anatomie, Behandlung, Diagnostik und passenden medizinischen Spezialisierungen.

Sie suchen den passenden Ansprechpartner? Die empfohlenen Spezialisten bleiben der zentrale nächste Schritt.

Zu den Spezialisten