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Krallenzehe und Hammerzehe am Fuss: Therapie für den Zeh bei Hammer- und Krallenzehen sowie Hammer- oder Krallenzehe

19.01.2026
Dr. med.  Reinhard von Bremen-Kühne
Medizinischer Fachautor
Wenn der Schuh drückt und sich schmerzhafte Hühneraugen bilden, ist oft eine Fehlstellung der Zehen die Ursache. Die Krallenzehe und die Hammerzehe gehören zu den häufigsten Deformitäten am Fuss, die nicht nur ein kosmetisches Problem darstellen, sondern das Gehen zur Qual machen können. Dabei ist der betroffene Zeh, meist die zweite bis vierte Zehe, so verformt, dass er permanent gebeugt ist und die Kuppe den Boden berührt. Diese Erkrankung entwickelt sich oft schleichend durch das Tragen von zu engem Schuhwerk oder hohe Absätze, die die Zehen stauchen. Auch neurologische Erkrankungen oder ein Spreizfuß können das muskuläre Ungleichgewicht im Fuss begünstigen. Ein Facharzt für Orthopädie kann entscheiden, ob konservative Maßnahmen wie Einlagen und Zehengymnastik ausreichen oder ob eine Operation, etwa eine Korrektur nach Hohmann, notwendig ist, um die Beschwerde dauerhaft zu lindern.
ICD-Codes für diese Krankheit: M20.5

Kurzübersicht:

Eine Krallenzehe ist eine Fehlstellung, bei der das Zehengrundgelenk überstreckt ist, während das Mittelgelenk und das Endgelenk in einer starken Beugung verharren. Im Gegensatz dazu ist bei der Hammerzehe vorwiegend das Endglied betroffen. Häufig treten Hammerzehen und Krallenzehen gemeinsam auf, oft begünstigt durch einen Hallux valgus oder einen Plattfuss. Die Krallenzehe kommt zustande, wenn die Fußmuskulatur und die Sehnen aus dem Gleichgewicht geraten, was häufig durch das Tragen von normalen Schuhen, die zu eng sind, verursacht wird. Symptome sind Schwielen, Druckstellen und eine entzündete Bursa über dem Gelenk. Die Diagnose erfolgt durch den Orthopäden mittels klinischer Untersuchung und Röntgen. Die Behandlung der Krallenzehe richtet sich nach der Flexibilität der Deformität. Solange die Gelenke noch beweglich sind, ist eine konservative Therapie mit Polstern und weitem Schuhwerk möglich. Ist die Verformung fixiert, ist meist ein operativer Eingriff erforderlich, um den Zeh zu strecken und die Funktion wiederherzustellen.

Artikelübersicht

Was ist eine Krallenzehe?

Unter einer Krallenzehe versteht man eine Zehenfehlstellung, die vor allem die Kleinzehen betrifft. Sie tritt nicht so häufig auf wie die Verformung der Großzehe (Hallux valgus) oder die Hammerzehe.

Die Krallenzehe hängt mit der Schwanenhalsdeformität zusammen. Dabei handelt es sich um eine Verkrümmung der Zehen- oder Fingergelenke durch Sehnenschäden.

Die Kleinzehen besitzen drei Gelenke:

  • das Grundgelenk,
  • das Zehenmittelgelenk (PIP-Gelenk) und
  • das Zehenendgelenk (DIP-Gelenk).

Als Krallenzehe bezeichnet man

  • eine krankhafte Überstreckung im Grundgelenk und
  • eine vermehrte Beugestellung im Zehenmittel- und -endgelenk.

Durch diese Stellung scheint die Zehe wie eine Kralle gekrümmt zu sein.

Anatomie Fußknochen
Die Anatomie des Fußes © bilderzwerg / Fotolia

Ursachen der Krallenzehe

So gut wie immer ist eine Krallenzehe nicht angeboren. Sie entsteht im Laufe des Erwachsenenlebens im Zusammenhang mit übergeordneten Fußdeformitäten wie

Auch bei Lähmungen und einzelnen Nervenkrankheiten entwickelt sich eine Krallenzehe. Außerdem wird orthopädisch ungeeignetem Schuhwerk (High-Heels) eine krankheitsauslösende Bedeutung zugeschrieben.

Welche Folgen kann eine Krallenzehe haben?

Die Krallenzehe ist bei entsprechendem Ausprägungsgrad schon vom ästhetischen Standpunkt her zunehmend problematisch. Klinische Beschwerden treten dann oft durch Druckstellen auf: Der gekrümmte Zeh passt nicht mehr so richtig in das Schuhwerk und es bilden sich Schwielen und Druckstellen (Hühneraugen) an besonders exponierten Stellen aus. Hier kommt es dann auch zu stärkeren Schmerzen und manchmal entzündlichen Komplikationen.

Behandlung der Krallenzehe

Eine Krallenzehe lässt sich oft durch eine konservative Behandlung der meist zugrundeliegenden Fußdeformität ausgleichen. Voraussetzung dafür ist, dass die Krallenzehen-Deformität noch nicht kontrakt, d.h. eingesteift ist.

Unter konservativen orthopädischen Verfahren versteht man etwa den Einsatz von

  • Schuheinlagen,
  • Zügelverbände, 
  • Nachtschienen und
  • Zwischenzehenorthesen aus Silikon.

Zehengymnastik kann hilfreich sein. Das Schuhwerk muss entsprechend weit und weich gewählt werden.

Das Behandlungsergebnis solcher konservativer Verfahren bleibt leider in vielen Fällen unbefriedigend. Kontrakte Fehlstellungen sind für konservative Verfahren ohnehin nicht zugänglich. Vollkommen sinnlos sind Versuche, Hühneraugen oder Druckschwielen durch entsprechende Salben oder lokales Ausschneiden anzugehen, ohne die Ursache der Fehlstellung zu behandeln.

So wird eine ausgeprägte Krallenzehen-Deformität häufig einer operativen Behandlung zugeführt. Kontraindikationen hierfür sind das noch nicht abgeschlossene Knochenwachstum sowie schwere arterielle Durchblutungsstörungen.

Darstellung einer Krallenzehe
Vergleich der Stellung einer gesunden Zehe gegenüber einer Krallenzehenfehlstellung © rob3000 | AdobeStock

Operation einer Krallenzehe

Die bekannteste Operationsmethode ist die sogenannte OP nach Hohmann. Das Prinzip dieses Eingriffes ist die dauerhafte Korrektur der Fehlstellung durch

  • Teilentfernung des wesentlich fehlgestellten Gelenkes und
  • Sichern einer bindegewebigen Versteifung.

Technisch wird so vorgegangen, dass etwa ein Drittel des Zehengrundgliedes gelenkseitig zum Zehenmittelgelenk entfernt wird. Oft ist das in regionaler Anästhesie statt einer Vollnarkose möglich.

Je nach intraoperativem Befund kann die oft verkürzte Strecksehne zusätzlich verlängert werden. Bisweilen ist auch eine Kapsellösung am Grundgelenk nötig. Die eigentliche Korrektur der Fehlstellung ist dann einfach durchzuführen.

Das Ergebnis wird durch einen über die ganze Zehenlänge bis in den Mittelfußknochen eingebrachten stabilisierenden Draht gesichert. Nach zwei bis drei Wochen kommt es zur ausreichenden narbigen Stabilisierung und der Draht kann entfernt werden. Während dieser Zeit wird ein sogenannter Vorfußentlastungsschuh, also ein spezieller Verbandsschuh getragen.

Danach kann der Patient rasch wieder auf normales Schuhwerk übergehen.

Alternativ bzw. ergänzend kann die knöcherne Versteifung der betroffenen Gelenke (sogenannte MTP- oder PIP-Arthrodese) vorgenommen werden. Dies ist besonders bei schweren Kontrakturen sinnvoll.

Heilungsaussichten bei einer Krallenzehe

Die Prognose ist gut, wenn das Ärzteteam nicht nur die Krallenzehe selbst, sondern auch deren Ursache behandelt. Meistens ist eine Fehlstellung des gesamten Vorfußes die Ursache oder tritt in Begleitung zur Krallenzehe auf.

Die Patienten werden ihre Beschwerden in der Regel dauerhaft los und sind im Alltagsleben nicht mehr beeinträchtigt. Auch freizeittypische Sportarten können in den allermeisten Fällen problemlos wieder ausgeübt werden.

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zu Krallenzehe und Hammerzehe

Was ist der Unterschied zwischen Hammerzehe und Krallenzehe?

Der Unterschied liegt in der Art der Verformung der Gelenke. Bei der Hammerzehe ist das Endgelenk gebeugt, sodass der Zeh wie ein Hammer aussieht, während das Grundgelenk oft normal steht. Bei der Krallenzehe hingegen ist das Grundgelenk überstreckt und das Mittel- sowie Endgelenk sind gebeugt, was an eine Tierkralle erinnert. In der Praxis treten diese Fehlstellungen oft kombiniert auf, weshalb Ärzte oft zusammenfassend von Hammer- und Krallenzehen oder Hammerzehe und Krallenzehe sprechen.

Was sind die häufigsten Ursachen für Krallenzehen?

Die häufigste Ursache ist falsches Schuhwerk. Das Tragen von zu engem Schuhwerk oder Schuhen mit hohem Absatz drückt die Zehen zusammen und zwingt sie in eine Fehlhaltung. Weitere Ursachen sind Fußfehlstellungen wie der Spreizfuß, bei dem das Quergewölbe einsinkt, sowie neurologische Erkrankungen, die zu Lähmungen der kleinen Fußmuskeln führen. Auch eine genetische Veranlagung und Erkrankungen wie Arthritis können die Entstehung der Krallenzehen und die Entstehung der Hammerzehe begünstigen.

Wie kann man eine Krallenzehe behandeln?

Die Behandlung von Krallenzehen hängt vom Stadium der Erkrankung ab. Im Frühstadium, wenn die Zehen noch beweglich sind, helfen konservative Maßnahmen. Dazu gehören das Tragen von Einlagen, die das Gewölbe stützen, Zügelverbände und gezielte Zehengymnastik, um die Muskulatur zu stärken. Wichtig ist auch der Wechsel auf bequeme Schuhe, die ausreichend Platz für die Zehen bieten. Wenn konservative Methoden versagen, muss man die Krallenzehe behandeln, indem man operativ korrigiert.

Wann ist eine Operation der Krallenzehe notwendig?

Ein operativer Eingriff wird empfohlen, wenn die Fehlstellung versteift (kontrakt) ist und starke Schmerzen oder therapieresistente Hühneraugen verursacht. Ziel der Operation ist es, den Zeh zu begradigen und das Gelenk zu entlasten. Ein gängiges Verfahren ist die Operation nach Hohmann, bei der ein Teil des Knochens im Grundglied entfernt wird, um die Spannung aus den Sehnen zu nehmen und die Hammer- oder Krallenzehe dauerhaft zu korrigieren.

Welche Symptome verursachen Hammerzehen und Krallenzehen?

Das Hauptsymptom sind schmerzhafte Druckstellen und Hühneraugen auf den Zehengelenken, da diese durch die Beugung ständig am Schuh reiben. Oft ist die zweite bis vierte Zehe betroffen. Es bildet sich Hornhaut oder eine entzündete Schwiele. In schweren Fällen kann es zu einer Luxation im Zehengrundgelenk kommen, was das Gehen massiv beeinträchtigt. Krallenzehen sind Fehlstellungen, die zudem das Gangbild verändern können.

Wie kann man der Entstehung einer Krallenzehe vorbeugen?

Um Krallenzehen entstehen zu lassen, reicht oft schon jahrelanges Tragen von ungeeigneten Schuhen. Daher ist die beste Vorbeugung der Verzicht auf hohe Absätze und zu enge Vorderkappen. Barfußlaufen und regelmäßige Übungen zur Kräftigung der Fußmuskulatur helfen, das muskuläre Ungleichgewicht zu verhindern. Einlagen können bei beginnenden Fehlstellungen wie dem Spreizfuß helfen, Krallenzehen in Verbindung mit Deformitäten vorzubeugen.

Welcher Arzt behandelt Krallenzehen?

Bei Problemen mit den Zehen ist ein Facharzt für Orthopädie oder ein spezialisierter Fußchirurg der richtige Ansprechpartner. Der Orthopäde kann beurteilen, ob es sich um eine Hammerzehe oder Krallenzehe handelt und ob eine konservative Behandlung ausreicht oder eine Operation der Krallenzehe ratsam ist. Er klärt auch über unterschiedliche Ursachen und die Prognose auf.

Sind Krallenzehen vererbbar?

Zwar wird die Krallenzehe selbst nicht direkt vererbt, aber die Neigung zu Fußdeformitäten wie Hallux valgus oder Spreizfuß kann familiär gehäuft auftreten. Diese Fehlstellungen sind oft die Ursache der Krallenzehenbildung. Wer also eine familiäre Vorbelastung hat, sollte besonders frühzeitig auf gutes Schuhwerk und Fußgymnastik achten, damit Krallenzehen sollten gar nicht erst entstehen.

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