Krallenzehe: Informationen & Krallenzehe-Spezialisten

18.02.2022
Dr. med.  Reinhard von Bremen-Kühne
Medizinischer Fachautor
Die Krallenzehe ist eine häufige Zehenfehlstellung, bei der eine Kleinzehe ähnlich einer Kralle bei Tieren gebogen ist. Neben übergeordneten Fußdeformitäten, Lähmungen und einzelnen Nervenkrankheiten kann auch ungeeignetes Schuhwerk eine Ursache der Krallenzehe sein. Eine Krallenzehen-Deformität bedarf häufig einer operativen Behandlung. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Krallenzehe-Spezialisten und Zentren.
ICD-Codes für diese Krankheit: M20.5

Empfohlene Krallenzehe-Spezialisten

Krallenzehe Fälle in Deutschland

3.737 Fälle im Jahr 2020
3.774 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Was ist eine Krallenzehe?

Unter einer Krallenzehe versteht man eine Zehenfehlstellung, die vor allem die Kleinzehen betrifft. Sie tritt nicht so häufig auf wie die Verformung der Großzehe (Hallux valgus) oder die Hammerzehe.

Die Krallenzehe hängt mit der Schwanenhalsdeformität zusammen. Dabei handelt es sich um eine Verkrümmung der Zehen- oder Fingergelenke durch Sehnenschäden.

Die Kleinzehen besitzen drei Gelenke:

  • das Grundgelenk,
  • das Zehenmittelgelenk (PIP-Gelenk) und
  • das Zehenendgelenk (DIP-Gelenk).

Als Krallenzehe bezeichnet man

  • eine krankhafte Überstreckung im Grundgelenk und
  • eine vermehrte Beugestellung im Zehenmittel- und -endgelenk.

Durch diese Stellung scheint die Zehe wie eine Kralle gekrümmt zu sein.

Anatomie Fußknochen
Die Anatomie des Fußes © bilderzwerg / Fotolia

Ursachen der Krallenzehe

So gut wie immer ist eine Krallenzehe nicht angeboren. Sie entsteht im Laufe des Erwachsenenlebens im Zusammenhang mit übergeordneten Fußdeformitäten wie

Auch bei Lähmungen und einzelnen Nervenkrankheiten entwickelt sich eine Krallenzehe. Außerdem wird orthopädisch ungeeignetem Schuhwerk (High-Heels) eine krankheitsauslösende Bedeutung zugeschrieben.

Welche Folgen kann eine Krallenzehe haben?

Die Krallenzehe ist bei entsprechendem Ausprägungsgrad schon vom ästhetischen Standpunkt her zunehmend problematisch. Klinische Beschwerden treten dann oft durch Druckstellen auf: Der gekrümmte Zeh passt nicht mehr so richtig in das Schuhwerk und es bilden sich Schwielen und Druckstellen (Hühneraugen) an besonders exponierten Stellen aus. Hier kommt es dann auch zu stärkeren Schmerzen und manchmal entzündlichen Komplikationen.

Behandlung der Krallenzehe

Eine Krallenzehe lässt sich oft durch eine konservative Behandlung der meist zugrundeliegenden Fußdeformität ausgleichen. Voraussetzung dafür ist, dass die Krallenzehen-Deformität noch nicht kontrakt, d.h. eingesteift ist.

Unter konservativen orthopädischen Verfahren versteht man etwa den Einsatz von

  • Schuheinlagen,
  • Zügelverbände, 
  • Nachtschienen und
  • Zwischenzehenorthesen aus Silikon.

Zehengymnastik kann hilfreich sein. Das Schuhwerk muss entsprechend weit und weich gewählt werden.

Das Behandlungsergebnis solcher konservativer Verfahren bleibt leider in vielen Fällen unbefriedigend. Kontrakte Fehlstellungen sind für konservative Verfahren ohnehin nicht zugänglich. Vollkommen sinnlos sind Versuche, Hühneraugen oder Druckschwielen durch entsprechende Salben oder lokales Ausschneiden anzugehen, ohne die Ursache der Fehlstellung zu behandeln.

So wird eine ausgeprägte Krallenzehen-Deformität häufig einer operativen Behandlung zugeführt. Kontraindikationen hierfür sind das noch nicht abgeschlossene Knochenwachstum sowie schwere arterielle Durchblutungsstörungen.

Darstellung einer Krallenzehe
Vergleich der Stellung einer gesunden Zehe gegenüber einer Krallenzehenfehlstellung © rob3000 | AdobeStock

Operation einer Krallenzehe

Die bekannteste Operationsmethode ist die sogenannte OP nach Hohmann. Das Prinzip dieses Eingriffes ist die dauerhafte Korrektur der Fehlstellung durch

  • Teilentfernung des wesentlich fehlgestellten Gelenkes und
  • Sichern einer bindegewebigen Versteifung.

Technisch wird so vorgegangen, dass etwa ein Drittel des Zehengrundgliedes gelenkseitig zum Zehenmittelgelenk entfernt wird. Oft ist das in regionaler Anästhesie statt einer Vollnarkose möglich.

Je nach intraoperativem Befund kann die oft verkürzte Strecksehne zusätzlich verlängert werden. Bisweilen ist auch eine Kapsellösung am Grundgelenk nötig. Die eigentliche Korrektur der Fehlstellung ist dann einfach durchzuführen.

Das Ergebnis wird durch einen über die ganze Zehenlänge bis in den Mittelfußknochen eingebrachten stabilisierenden Draht gesichert. Nach zwei bis drei Wochen kommt es zur ausreichenden narbigen Stabilisierung und der Draht kann entfernt werden. Während dieser Zeit wird ein sogenannter Vorfußentlastungsschuh, also ein spezieller Verbandsschuh getragen.

Danach kann der Patient rasch wieder auf normales Schuhwerk übergehen.

Alternativ bzw. ergänzend kann die knöcherne Versteifung der betroffenen Gelenke (sogenannte MTP- oder PIP-Arthrodese) vorgenommen werden. Dies ist besonders bei schweren Kontrakturen sinnvoll.

Heilungsaussichten bei einer Krallenzehe

Die Prognose ist gut, wenn das Ärzteteam nicht nur die Krallenzehe selbst, sondern auch deren Ursache behandelt. Meistens ist eine Fehlstellung des gesamten Vorfußes die Ursache oder tritt in Begleitung zur Krallenzehe auf.

Die Patienten werden ihre Beschwerden in der Regel dauerhaft los und sind im Alltagsleben nicht mehr beeinträchtigt. Auch freizeittypische Sportarten können in den allermeisten Fällen problemlos wieder ausgeübt werden.

Whatsapp Twitter Facebook VKontakte YouTube E-Mail Print