Leading Medicine Guide Logo

Hammerzehe (Digitus malleus) und Krallenzehe: Behandlung von Hammerzehen am Fuss und minimalinvasive Korrektur beim Hammerzeh oder Digitus

29.01.2026
Dr. med. Daniel Krapf
Medizinischer Fachautor

Wenn der Zeh dauerhaft gekrümmt ist und jeder Schritt im Schuh schmerzt, leiden viele Menschen unter einer Hammerzehe, medizinisch als Digitus malleus bezeichnet. Diese weit verbreitete Fehlstellung betrifft meist die zweite bis vierte Zehe und geht oft mit anderen Deformitäten wie dem Hallux valgus oder einem Spreizfuß einher. Ein Hammerzeh ist dabei nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern führt durch die permanente Beugung zu schmerzhaften Druckstellen, Hühneraugen und Schwielen. Während im Frühstadium oft noch eine konservative Therapie hilft, um die Zehen zu entlasten, ist bei einer fixierten Versteifung oft eine Operation notwendig. Ob es sich um eine Hammerzehe oder Krallenzehe handelt, muss differenziert betrachtet werden, da die Behandlung je nach Art der Fehlstellung variiert.

ICD-Codes für diese Krankheit: M20.4

Kurzübersicht:

Die Hammerzehe ist eine Deformität der Kleinzehen, bei der das Endgelenk oder das Mittelgelenk gebeugt ist, während das Grundgelenk oft überstreckt ist. Im Gegensatz dazu sind bei einer Krallenzehe das Mittel- und Endgelenk gebeugt und das Grundgelenk stark überstreckt, sodass die Zehenbeere den Boden oft nicht mehr berührt. Häufig treten Hammerzehen und Krallenzehen gemeinsam auf. Die Ursachen sind vielfältig: Neben einer genetischen Veranlagung spielen vor allem das Tragen von zu engem Schuhwerk und Schuhe mit hohem Absatz eine entscheidende Rolle, da sie die Zehen stauchen. Symptome sind Hühneraugen auf dem Zehenrücken, Schwielen an der Zehenspitze und Schmerzen beim Gehen. Die Diagnose erfolgt durch den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mittels klinischer Untersuchung und Röntgen. Die Behandlung von Hammerzehen reicht von konservativen Maßnahmen wie Polsterung, Zügelverbänden und Einlagen bei einer noch flexiblen Hammerzehe bis hin zur operativen Korrektur bei versteiften Gelenken. Ziel jeder Therapie ist es, die Zehenfunktion wiederherzustellen und Schmerzen dauerhaft zu lindern.

Artikelübersicht

Hintergrundinformationen zu Hammerzehen

Die Füße tragen beim Gehen das Gewicht des ganzen Körpers. Ungünstiges Schuhwerk ist daher fatal für die Füße. Insbesondere High Heels, Stilettos & Co. wirken sich negativ auf die Fußgesundheit aus. Über die Hälfte der Frauen tragen Schuhe, die mindestens eine halbe bis eine Nummer zu klein für die Fußlänge ist.

Als Folge einer unpassenden Schuhwahl treten häufig Fehlstellungen der Zehen auf, die als Hammerzehen und Krallenzehen bezeichnet werden. Auch Veränderungen im Fußskelett (Knick-Senkfuß, Ballenhohlfuß) können solche Fehlstellungen verursachen. In seltenen Fällen sind auch andere Erkrankungen, wie beispielsweise

  • neurologische Krankheiten,
  • eine chronische Polyarthritis oder
  • Frakturen im Unterschenkel oder Sprunggelenk

die Ursache.

Was sind Hammerzehen?

Bei einem Hammerzeh ist der Zeh so weit im Endgelenk gekrümmt, dass der Zehenknochen wie der Kopf eines Hammers Richtung Boden zeigt. Meist ist der zweite Zeh betroffen. In schlimmen Fällen führt die Fehlstellung der Gelenke dazu, dass sich mehrere Zehen überlagern.

Hammerzehe
Bei der Hammerzehe ist meistens der zweite Zeh nach unten gekrümmt © Henrie / Fotolia

Von der Hammerzehe zu unterscheiden sind Krallenzehen. Bei dieser Fehlstellung kommt es bei der betroffenen Zehe zu einer Überstreckung im Grundgelenk bei gleichzeitiger Beugung im Mittel- und Endgelenk. Dadurch wölbt sich die Zehe wie eine Kralle nach oben und die Zehenspitze verliert den Kontakt zum Boden.

Häufig geht der Hammerzeh mit weiteren Fußdeformationen einher, wie beispielsweise dem

  • Knick-Senkfuss,
  • dem Hohlfuß oder
  • dem Hallux valgus (Fehlstellung des großen Zehs).

Welche Symptome treten bei einem Hammerzeh auf?

Im Anfangsstadium bereiten Hammerzehen meist keine Beschwerden. Oft gehen Betroffene nur zum Arzt, weil sie ihren Fuß optisch nicht mehr ansprechend finden. Schreitet die Verformung jedoch fort, können an den betroffenen Stellen Reizzustände auftreten und es kommt zu

  • Druckschmerzen,
  • Schwielen und
  • Hühneraugen, meist über dem Zehenmittelgelenk.

Kommt es durch das Reiben zu Läsionen der Haut, kann es auch zu einer Infektion kommen. Damit einher gehen Risiken wie eine Blutvergiftung und eine Knochenentzündung. Sie können im schlimmsten Fall eine Amputation erforderlich machen. Das Tragen von normalen Schuhen ist dann oftmals nicht mehr möglich.

Zudem können durch die Deformation andere Zehen verdrängt werden. Das kann dazu führen, dass Zehen in ihren Grundgelenken ausgerenkt werden (Luxation).

Um festzustellen, wie ausgeprägt die Verformung der Zehen ist, wird eine Röntgenuntersuchung durchgeführt. So kann der Arzt sehen,

  • wie weit die Deformation fortgeschritten ist,
  • welche Gelenke betroffen sind und
  • ob bereits Zehluxationen vorhanden sind.

Außerdem zeigt das Röntgenbild, ob mögliche entzündliche Veränderungen (Arthritis) mit der Fehlstellung einhergehen.

Wie können Hammerzehen behandelt werden?

Unter Umständen kann der Arzt versuchen, die Beschwerden mit konventionellen Methoden, also ohne OP, zu behandeln. Dazu dürfen die Zehen noch nicht komplett versteift sein und die Zehen lassen sich noch passiv strecken.

Folgende Behandlungsversuche stehen zur Verfügung:

  • Beseitigung der Ursache,
  • Krankengymnastik,
  • manuelle Therapie,
  • orthopädische Schuheinlagen,
  • Polsterung und Pflege der Druckstellen (Druckschutz und Lagerungsorthesen),
  • Zügelverbände,
  • Auswahl von speziell weichen Schuhen aus Leder, Schuhanpassung und orthopädische Serienschuhe, sowie
  • speziell angefertigtes Schuhwerk

Mit der Zeit wird die Fehlstellung häufig rigide und eine Korrektur mit oben genannten Maßnahmen kann nicht mehr erreicht werden.

Im fortgeschrittenen Stadium der Hammerzehe entstehen chronische Entzündungen und Versteifungen. Diese Beschwerden können sich stark auf den Lebensalltag auswirken. Patienten sollten dann eine Operation durch einen Fußchirurgen in Betracht ziehen. 

Der Chirurg hat mehrere Möglichkeiten, eine Hammerzehe zu behandeln:

  • Begradigung des Zehs,
  • Verlängerung oder Verlagerung der Sehnen,
  • Entfernung eines Teils des Knochens,
  • Durchtrennung und Verschiebung des Knochens, und/oder
  • Versteifung des Gelenks.

Der operative Eingriff kann häufig ambulant durchgeführt werden.

Der Arzt kann Sie bezüglich verschiedener Operationsmethoden beraten. Die Wahl hängt davon ab,

  • wie stark der Zeh gekrümmt beziehungsweise versteift ist,
  • welche Ursachen und andere Fehlstellungen/Beschwerden am Fuß bestehen und
  • ob sich das Gelenk noch bewegen lässt.

Die Arthrodese

Bei dieser Methode erfolgt eine operative Gelenkversteifung. Sie kann bei Hammerzehen mit Komplettversteifung oder in Fällen, bei denen mehrere Zehen betroffen sind, angewendet werden.

Bei einer Arthrodese wird das Gelenk (nach der Begradigung) mithilfe eines Drahtes, einer Metallklammer oder eines Implantates verstärkt.

Der Vorteil der Methode sind geringere Schmerzen und eine geringere Gefahr auf Ödembildung. Allerdings kann die Nachbehandlung etwas länger dauern.

Operation nach Hohmann

Bei dieser Operationsmethode verkürzt der Chirurg den Zehenknochen durch die Entfernung des am Gelenk beteiligten Grundgliedkopfes. Danach dehnt er die Beugesehne auf. Dadurch wird ein neues Gelenk angelegt und so die Zehenstellung korrigiert. Deshalb wird die Methode auch Resektionsarthroplastik genannt.

Der Zeh muss ggf. für einige Wochen mit einem Draht fixiert werden, der äußerlich sichtbar ist. Durch die Verkürzung der Knochenstrecke erfolgt eine Entlastung der Weichteilstrecke.

Nachteile dieser Methode sind ein höheres Schwellungsrisiko sowie die Gefahr von schmerzhaften Reizzuständen im Gelenk.

Von Vorteil sind dagegen die kürzere Nachbehandlungszeit und der relativ einfache technische Aufwand.

Sehnenverlagerungen

Bei noch beweglichen Hammerzehen ohne relevante zusätzliche Fehlstellung ist eine Sehnenverlagerung möglich.

Der Eingriff findet lediglich an den Weichteilen statt, also nicht am Knochen. Bei erfolgreicher OP lassen sich die einzelnen Zehen verschieben. Dadurch wird die Beugung der Zehen in eine Streckung umgekehrt und die Fehlstellung somit ohne eine Versteifung korrigiert.

Verkürzung der Metatarsalen Knochen (z.B. Weil-Osteotomie)

Bei diesen traditionellen Verfahren wie zum Beispiel der Weil-Osteotomie wird ein Mittelfußknochen verkürzt. Dies kann erforderlich sein, um die Belastung am Vorfuß zwischen den verschiedenen Knochen besser zu balancieren. So lässt sich auch ein ausgehängter (luxierter) im Geöeml wieder in Position bringen.

Vor einer solchen Operation kann auch eine biomechanische Analyse sinnvoll sein. Damit kann der Operateur erkennen, ob eine mögliche Belastung einer bestimmten Region vorliegt.

Minimal-invasive Operationen

In den letzten Jahren haben sich auch für die Hammerzehe minimal-invasive Verfahren etabliert. Dabei setzt der Arzt nur kleine Hautschnitte und verwendet spezielle Techniken. So kann er eine größere Operation vermeiden und oft wird auch die Nachbehandlung für den Patient erleichtert.

Ob eine solche OP für Sie infrage kommt, wird Ihnen Ihr Fußchirurg erläutern.

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zu Hammerzehe und Krallenzehe

Was ist der Unterschied zwischen Hammerzeh und Krallenzeh?

Die Unterscheidung zwischen Hammerzeh und Krallenzeh liegt im Detail der Gelenkstellung. Bei einer Hammerzehe ist das Endgelenk des Zehs maximal gebeugt, sodass die Kuppe wie ein Hammer auf den Boden stößt, oft ist auch das Mittelgelenk betroffen. Bei einer Krallenzehe hingegen ist das Grundgelenk im Fuss überstreckt, während Mittel- und Endgelenk gebeugt sind, was an eine Tierkralle erinnert. Da die Übergänge fließend sein können und oft Hammer- und Krallenzehe gleichzeitig an einem Fuss vorkommen, werden die Begriffe im Alltag oft synonym für diese Fehlstellungen der Zehen verwendet.

Wie entstehen Hammerzehen?

Die Entstehung einer Hammerzehe ist meist ein schleichender Prozess über viele Jahre. Als häufigste Ursache gilt das Tragen von Schuhen, die vorne zu eng sind oder hohe Absätze haben. Diese Schuhe zwingen die Zehen in eine Beugehaltung. Kommt ein Ungleichgewicht der Fußmuskulatur hinzu, etwa durch einen Spreizfuß oder Hallux valgus, verkürzen sich die Sehnen und die Gelenkkapsel schrumpft. Auch neurologische Erkrankungen oder Rheuma können Hammerzehen bilden. Manche Menschen mit Hammerzehen haben zudem eine genetische Veranlagung, die das Auftreten der Hammerzehe begünstigt.

Welche Symptome verursacht eine Hammerzehe?

Die Symptome einer Hammerzehe beginnen oft mit einer leichten Rötung an den Zehengelenken. Durch die ständige Reibung im Schuh entstehen schmerzhafte Druckstellen, Hühneraugen (Clavus) und entzündete Schleimbeutel. Besonders die zweite bis vierte Zehe ist oft betroffen. Wenn der betroffene Zeh dauerhaft gebeugt bleibt, versteift das Gelenk zunehmend. Patienten berichten über Schmerzen beim Gehen und Schwierigkeiten, passende Schuhe zu finden, da der gekrümmte Zeh mehr Platz im Schuh benötigt.

Kann man Hammerzehen konservativ behandeln?

Ja, solange es sich um eine flexible Hammerzehe handelt, die sich noch passiv mit der Hand strecken lässt, ist eine konservative Behandlung möglich und sinnvoll. Dazu gehören das Tragen von bequemen Schuhen mit weichem Oberleder und ausreichend Platz für die Zehen sowie der Einsatz von Einlagen, die das Quergewölbe stützen. Zügelverbände, Nachtschienen und Silikonorthesen können helfen, die Fehlstellung sanft zu korrigieren. Auch Physiotherapie und gezielte Zehengymnastik stärken die Fußmuskulatur und können das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Wann ist eine Operation notwendig?

Eine Operation wird in der Orthopädie empfohlen, wenn konservative Maßnahmen die Beschwerden nicht mehr lindern, die Fehlstellung fixiert (kontrakt) ist oder sich offene Wunden und starke Schwielen bilden. Ziel der operativen Korrektur ist es, den Zeh dauerhaft zu begradigen. Gängige Verfahren sind die Operation nach Hohmann, bei der ein Teil des Knochens entfernt wird (Resektionsarthroplastik), oder eine Versteifung (Arthrodese) des betroffenen Gelenks. In modernen Kliniken kommen zunehmend minimalinvasive Techniken zum Einsatz, die das Gewebe schonen.

Welche Schuhe sollte man bei Hammerzehen tragen?

Das richtige Schuhwerk ist entscheidend für die Entlastung. Man sollte weiche, breite Schuhe tragen, die keine Nähte im Vorfußbereich haben, um Druckstellen zu vermeiden. Schuhe mit ausreichend Platz in der Zehenbox verhindern, dass die Zehen gestaucht werden. Auf hohe Schuhe und enge Vorderkappen sollte verzichtet werden, da diese Hammerzehen begünstigen. In schweren Fällen können orthopädische Maßschuhe erforderlich sein, um den Fuss schmerzfrei zu betten.

Wie läuft die Diagnose von Hammerzehen ab?

Der Arzt stellt die Diagnose meist schon durch den Blick auf den Fuss (Blickdiagnose). Er prüft, ob die Fehlstellung noch flexibel ist oder ob sich die Gelenke bereits versteift haben. Ein Röntgenbild zeigt das Ausmaß der knöchernen Veränderung und ob die Gelenkflächen noch intakt sind. Dies ist wichtig, um zu entscheiden, ob eine Hammerzehe oder Krallenzehe vorliegt und welche Therapie, ob konservativ oder operativ, die besten Erfolgsaussichten bietet.

Kann man Hammerzehen vorbeugen?

Um der Entstehung von Hammerzehen vorzubeugen, ist das Tragen von passendem Schuhwerk das A und O. Man sollte so oft wie möglich barfuß laufen, um die Fußmuskulatur zu trainieren. Regelmäßige Fußgymnastik, wie das Greifen von Gegenständen mit den Zehen, hält die Sehnen und Gelenke beweglich. Wer bereits erste Anzeichen einer Fehlstellung bemerkt, sollte frühzeitig einen Orthopäden aufsuchen, um durch Einlagen oder Polsterung einem Fortschreiten entgegenzuwirken und Hammerzehen entstehen gar nicht erst zu lassen.

Quellen

  • Bajer D (2013) Ursache hoher Absatz. Dtsch Arztebl Int 110(17): 296; DOI: 10.3238/arztebl.2013.0296
  • Grifka J, Krämer J (2013) Orthopädie Unfallchirurgie. 9. Aufl., Springer, Heidelberg
  • Waizy H (2015) Die aktuelle S2e-Leitlinie zum Hallux valgus. Bayerisches Ärzteblatt 12:656-660
  • Kaipel M, Krapf D, Wyss C., Metatarsal length does not correlate with maximal peak pressure and maximal force. Clin Orthop Relat Res. 2011 Apr;469(4):1161-6.

Empfohlene Hammerzehe-Spezialisten