Schulterschmerzen zählen zu den häufigsten orthopädischen Beschwerden und können den Alltag massiv einschränken. Ob plötzliche Schulterschmerzen nach einem Unfall oder chronische Schmerzen, die sich über Monate entwickeln: Die Ursache von Schulterschmerzen ist vielfältig. Oft sind es nicht die Knochen, sondern die Weichteile wie Muskeln und Sehnen der Rotatorenmanschette oder der Schleimbeutel unter dem Schulterdach, die eine schmerzhafte Entzündung verursachen. Ein klassisches Beispiel ist das Impingement-Syndrom, bei dem es im Schultergelenk zu eng wird. Aber auch eine Kalkschulter oder eine Schultersteife (Frozen Shoulder) können der Grund sein. Eine präzise Diagnose und Behandlung durch einen Spezialisten für Orthopädie und Unfallchirurgie ist entscheidend, um die Beweglichkeit der Schulter zu erhalten. In den meisten Fällen lassen sich die Beschwerden durch eine konservative Therapie mit Physiotherapie und gezielten Übungen lindern, bevor eine Operation notwendig wird.
Kurzübersicht:
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Ursachen von Schulterschmerzen
Bei anderen Gelenken, wie dem Hüft- oder Kniegelenk, verursacht der Gelenkknorpel typischerweise die Schmerzen.
Bei Schulterschmerzen dagegen ist anfangs oftmals eine funktionelle Koordinationsstörung der Schulter-umgreifenden Muskulatur verantwortlich.
Lokale Degenerationen und chronische Überlastungen von Sehnenansätzen oder weiteren stabilisierenden Weichteilen führen hier zu dauerhaften schmerzhaften Veränderungen.

Die Anatomie des Schultergelenks © bilderzwerg / Fotolia
Die Schulter ist nicht von Gewichtsbelastung betroffen, was bei anderen Gelenken des Körpers zu Knorpelschäden und Gelenkverschleiß (Arthrose) führt. Die Arthrose des Schultergelenkes ist daher eine seltene Ursache für Schulterschmerzen.
Häufig sind jedoch spontane lokale Entzündungen, oftmals auch verkalkende Entzündungen der Sehnenansätze (Kalkschulter) als Ursache auszumachen.
Das Schultereckgelenk ist über das Schlüsselbein die einzige knöcherne Verbindung des Arm-Schulterblatt-Komplexes zum Brustkorb. Somit überlastet es bei funktionellen Störungen der Schulter als erstes.
Diese Situation ist oft der Ausgangspunkt von Schulterschmerzen. So erklärt sich, dass bei Arthrosen des Schultergelenkes am häufigsten das Schulter Eckgelenk betroffen ist.
Symptome bei Schulterschmerzen
In der Regel sind nur einzelne Strukturen des Schultergelenkes anfänglich betroffen. Daher lässt sich Schulterschmerz typischerweise oftmals durch bestimmte provozierende Schultertests auf einzelne Sehnenansätze bzw. Weichteilstrukturen des Schultergelenkes lokalisieren.
Hierzu dienen eine Reihe teils sehr spezifischer klinischer Untersuchungsmethoden, die auf die Störung bzw. Läsion einzelner Weichteilstrukturen hinweisen.
So lassen sich in der Regel Schulterschmerzen durch bestimmte Bewegungen und Belastungen provozieren. Oft strahlen sie in den Arm oder Nacken aus. Dies gibt bereits einen deutlichen Hinweis auf die betroffenen Strukturen.
Schmerzen in Ruhe, vor allem auch nachts, geben Hinweise auf ein chronisch-entzündliches Geschehen, wie z. B. Tendinitis calcarea. Auch ein bereits bestehender fortgeschrittener Verschleiß des Gelenkes zeigt diese Symptome.
Behandlung von Schulterschmerzen
Die Behandlungsmethoden von Schulterschmerz umfassen anfangs in der Regel konservative Therapiemaßnahmen ohne Operation. Durch eine entsprechend gezielte und Schulter-zentrierende Krankengymnastik lassen sich Fehlfunktionen bzw. Koordinierungsstörungen des Schultergelenkes behandeln und schmerzhafte Weichteilstrukturen entlasten.
Begleitende physikalische Maßnahmen zur Linderung lokaler Entzündungen und Reizungen sind oft hilfreich.
Hierzu gehören:
- Elektrotherapie
- Ultraschallbehandlungen
- Kälte- oder Wärmetherapie und
- andere, wie z. B. detonisierende Massagen
Sehr effektiv ist oftmals auch eine gezielte lokale Spritzentherapie an den betroffenen Strukturen. Dies setzt jedoch voraus, die schmerzhaften Strukturen zuvor zu lokalisieren.
Konservative Maßnahmen helfen jedoch nicht, wenn Schäden der Muskelmanschette oder anderer Weichteilstrukturen zu sehr fortgeschritten sind. Betroffene leiden dann weiterhin an Schmerzen.
Dann ist im Einzelfall eine meist arthroskopische operative Therapie im Rahmen der arthroskopischen Schulterchirurgie indiziert:
Hiermit lassen sich abgelöste Sehnenanteile sowie auch Weichteilstrukturen an der Schulter und im Schultergelenk wieder rekonstruieren bzw. refixieren.
Die Indikation zu einem operativen Vorgehen ergibt sich jeweils im Einzelfall.
Sie ist abhängig:
- vom Ausmaß und der Lokalisation des Schadens, sowie
- vom Alter des Patienten und dessen Beschwerdebild
Die Entscheidung, ob eine operative Intervention notwendig ist, ist im Einzelfall mit dem behandelnden Spezialisten abzuklären.
Heilungsaussichten bei Schulterschmerzen
Gerade bei erst kurzfristig bestehenden Schulterschmerzen ist die gezielte konservative Therapie oft erfolgreich. Sie sollte bei spontan einsetzenden Schmerzen in der Regel zumindest ein halbes Jahr lang erfolgen.
Bei stärkeren Verletzungen oder längerfristigen Schmerzen ist der Schaden in einem hohen Prozentsatz durch eine operative Maßnahme behebbar. Auch größere Sehnenrisse sind durch Ersatzoperationen im Einzelfall zu rekonstruieren.
Bei höhergradiger Arthrosen des Schultergelenkes ist auch die endoprothetische Versorgung mit einer Schulterprothese sehr erfolgreich. Eine Schultergelenkprothese lässt sich auch minimalinvasiv implantieren.

Darstellung eines künstlichen Schultergelenks © SciePro | AdobeStock
Liegt ein ausgedehnter Defekt der Muskelmanschette und eine fortgeschrittene Arthrose vor, dann ist die Implantation einer inversen Schulterprothese sinnvoll.
Sie führt in der Regel zu einer hervorragenden Wiederherstellung der Gebrauchsfähigkeit des stark geschädigten Schultergelenkes.
FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zu Schulterschmerzen
Was sind die häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen?
Die Ursache der Schulterschmerzen liegt oft in den Weichteilen rund um das Schultergelenk. Zu den häufigsten Auslösern zählen das Impingement-Syndrom (Engpasssyndrom), bei dem der Raum unter dem Schulterdach verengt ist, sowie Entzündungen der Rotatorenmanschette oder des Schleimbeutels. Auch eine Kalkschulter, bei der sich Kalkablagerungen in der Sehne bilden, oder eine Arthrose durch Verschleiß am Gelenk sind mögliche Ursachen. Seltener sind akute Verletzungen wie ein Riss der Sehne oder ein Bruch des Oberarmkopfes verantwortlich.
Was hilft schnell bei akuten Schulterschmerzen?
Bei akuten Schmerzen, die plötzlich auftreten, ist zunächst Schonung wichtig. Vermeiden Sie Überkopfbewegungen und Belastungen des betroffenen Arms. Kühlen mit Eispackungen kann die Entzündung hemmen und den Schmerz lindern. Auch entzündungshemmende Schmerzmittel (wie Ibuprofen) können kurzfristig helfen. Suchen Sie bei anhaltenden Beschwerden jedoch einen Arzt auf, um eine genaue Diagnose und Behandlung einzuleiten.
Welche Übungen helfen gegen Schulterschmerzen?
Gezielte Übungen sind ein zentraler Baustein der konservativen Therapie. Mithilfe verschiedener Übungen lässt sich die Muskulatur stärken und der Oberarmkopf besser im Gelenk zentrieren. Zu den besten Übungen zählen Pendelübungen zur Lockerung oder das sanfte Kräftigen der Außenrotatoren mit einem Theraband. Viele Menschen mit Schulterschmerzen profitieren von erlernten Übungen aus der Physiotherapie, die sie als Übungen zu Hause regelmäßig durchführen können.
Wann spricht man von einem Impingement-Syndrom?
Das Impingement-Syndrom bezeichnet eine schmerzhafte Einklemmung von Sehnen (meist der Supraspinatussehne) oder des Schleimbeutels im Raum unter dem Schulterdach (Subakromialraum). Typisch sind Schmerzen beim seitlichen Anheben des Arms zwischen 60 und 120 Grad. Ursache ist oft eine Dysbalance der Muskeln oder knöcherne Anbauten am Schulterdach, die den Raum verengen und eine chronische Entzündung begünstigen.
Was ist eine Frozen Shoulder?
Die Frozen Shoulder, auch Schultersteife genannt, ist eine Erkrankung der Gelenkkapsel. Diese entzündet sich, verdickt und schrumpft, was zu einer massiven Einschränkung der Beweglichkeit führt – die Schulter ist wie eingefroren. Der Verlauf ist langwierig und gliedert sich in Phasen von Schmerz, Einsteifung und schließlich Lösung. Die Therapie bei Schulterschmerzen dieser Art erfordert viel Geduld und sanfte Mobilisation.
Wie läuft die Diagnose von Schulterschmerzen ab?
Der Orthopäde beginnt mit einer Anamnese und einer gründlichen körperlichen Untersuchung, bei der er die Beweglichkeit prüft und spezifische Tests durchführt. Ein Ultraschall macht Entzündungen, Ergüsse oder Kalkablagerungen in den Weichteilen sichtbar. Röntgenbilder zeigen knöcherne Veränderungen wie Arthrose oder die Form des Schulterdachs. Bei Verdacht auf Schäden an Sehnen oder Knorpel liefert ein MRT detaillierte Bilder zur Klärung der Ursache von Schulterschmerzen.
Wann muss man an der Schulter operiert werden?
Eine Operation wird meist erst dann in Erwägung gezogen, wenn die konservative Behandlung über mehrere Monate keine Besserung bringt. Dies kann bei einem fortgeschrittenen Impingement, großen Kalkdepots oder Rissen der Rotatorenmanschette der Fall sein. Auch bei schwerer Arthrose kann ein Gelenkersatz (Prothese) notwendig werden. Die meisten Eingriffe erfolgen heute minimalinvasiv (arthroskopisch).
Kann man Schulterschmerzen vorbeugen?
Ja, man kann Schulterschmerzen vorbeugen, indem man einseitige Belastungen und dauerhafte Überkopfarbeiten vermeidet. Regelmäßiges Training der Schultermuskulatur und der Rotatorenmanschette stabilisiert das Gelenk. Achten Sie auf eine aufrechte Haltung, da hängende Schultern den Raum unter dem Schulterdach verengen. Dehnübungen helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und Verspannungen zu lösen.
































