Die Arthrolyse ist ein chirurgisch durchgeführter Eingriff zur Behandlung von Bewegungseinschränkung und Gelenksteife. Ziel der Arthrolyse ist die Wiederherstellung der Beweglichkeit eines Gelenk durch die Lösung von Verwachsungen, Adhäsionen und Narbengewebe.
Je nach Ursache kann eine arthroskopische Arthrolyse oder eine offene Arthrolyse durchgeführt werden. Besonders nach Fraktur, Infektion oder operativ versorgten Verletzungen kann es zu funktionellen Einschränkungen kommen. Die Arthroskopie ermöglicht dabei häufig ein schonendes Vorgehen mit geringerer Belastung für die Betroffenen. Vor dem Eingriff erfolgen eine klinisch orientierte Diagnostik und eine präoperative Diagnostik. Die Nachbehandlung mit Physiotherapie spielt eine entscheidende Rolle für den langfristigen Erfolg. In der Orthopädie und Unfallchirurgie gehört die Arthrolyse zu den etablierten Verfahren zur Verbesserung des Bewegungsumfangs.
Arthrolyse: Definition
Das reibungslose Funktionieren der Gelenke ist nur dann möglich, wenn alle Gelenkbestandteile perfekt miteinander arbeiten. Wenn sich hier Teile verhaken oder gegenseitig behindern, kommt es in der Folge zu Einschränkungen der Bewegungsfreiheit.
Ursachen für solche Gelenkfunktionsstörungen sind oft
- narbige Verwachsungen,
- Verklebungen und
- Osteophyten (knöcherne Ausläufer, die sich mit der Zeit ausbilden können).
Eine Arthrolyse kann hier bis zu einem gewissen Grad Abhilfe schaffen. Das ist ein operatives Verfahren, mit dem Mediziner ein eingeschränktes Gelenk wieder mobilisieren, also beweglich machen.
Das Wort Arthrolyse ist eine Neuschöpfung aus dem Griechischen und beinhaltet
- „arthron“ für „Gelenk“ und
- „lysis“, das so viel wie „Auflösung“ bedeutet.
Meistens ist die Arthrolyse minimal-invasiv mittels einer Arthroskopie möglich. Dabei sind die notwendigen Gewebeschnitte sehr klein und es ist deutlich weniger Krafteinwirkung notwendig. Das schont das Gelenk und die umliegenden Strukturen und führt zu einer schnelleren Heilung.

Eingriffe am offenen Gelenk sind im Rahmen einer Mobilisation via Arthrolyse eher ungewöhnlich und kommen nur sehr selten vor.
Die Arthrolyse kommt zum Einsatz, wenn
- konservative,
- physiotherapeutische und
- medikamentöse
Behandlungen keine Besserung erzielen können.
Von der Arthrolyse abzugrenzen ist die Arthroplastik. Dabei wird nicht das vorhandene Gelenk wiederhergestellt, sondern stattdessen durch ein künstliches Gelenk ersetzt.
Wann eine Arthrolyse nicht durchgeführt werden sollte
In bestimmten Situationen oder unter speziellen Voraussetzungen ist eine Arthrolyse nicht möglich, etwa bei
- akuten Entzündungen im Bereich des wiederherzustellenden Gelenkes,
- und
- allgemeinen Narkosekontraindikationen (wie zum Beispiel Allergien gegen Narkosemittel).
In welchen Bereichen wird die Arthrolyse angewendet?
Arthroskopische Eingriffe werden vor allem an den großen Gelenken vorgenommen. Eingriffe an
stellen die häufigsten Anwendungsfälle des Verfahrens dar. Diese Gelenke werden im Alltag am stärksten belastet.
Auch der Ellenbogen und das obere Sprunggelenk werden oftmals arthroskopisch behandelt.
Dank des technischen Fortschritts in der Medizin können Chirurgen vermehrt auch kleinere Gelenke arthroskopisch mobilisieren. Das betrifft dann etwa
- das Handgelenk und
- das untere Sprunggelenk.
Ablauf einer Arthrolyse
Der Eingriff erfolgt oftmals unter Vollnarkose. Der Patient ist also für die Dauer der Operation nicht bei Bewusstsein.
Gelegentlich kann die Narkose auch lokal erfolgen. Der Arzt betäubt dann nur den Bereich des zu operierenden Gelenks. Dabei besteht jedoch das Risiko einer unachtsamen Bewegung des Patienten, die den Operationsablauf und daher auch den Operationserfolg beeinträchtigen kann. Eine Einweisung zum Verhalten während des Eingriffs durch den zuständigen Mediziner sollte die Gefahr aber entsprechend minimieren.
Im Vorfeld der Narkose findet außerdem ein Gespräch mit dem Anästhesisten statt. Er klärt den Patienten über die Risiken und die Prozedur der Narkose auf. Es gibt zwei Typen der Arthrolyse.
Die einfache Arthrolyse besteht aus einer Durchtrennung oder Spaltung von verkürzten oder verwachsenen Kapselanteilen. Danach beseitigt der Chirurg Verwachsungen, die zum Beispiel aufgrund von Narbengewebe entstanden sind. Bei der erweiterten Arthrolyse werden zusätzlich etwaige Knochenwucherungen entfernt.
Noch während der Operation wird der Erfolg des Eingriffs hinsichtlich der Wiederherstellung der Mobilität überprüft. Im Zweifelsfall können hier kurzfristig Korrekturen vorgenommen werden.
Risiken und Komplikationen
Im Vergleich zu einer offenen Operation sind die Risiken eines arthroskopischen Eingriffs verhältnismäßig gering. Trotzdem gibt es wie bei jedem Eingriff einige mögliche Komplikationen. Dazu gehören
- ein Gelenkerguss,
- Irritationen bei der Wundheilung sowie
- Infektionen am Gelenk, diese sind jedoch sehr selten.
Außerdem kann das Verfahren Knorpelverletzungen hervorrufen und die Ausbildung einer Arthrose begünstigen.
Bei einer Kniegelenkarthroskopie können als Folge des Eingriffs
- Thrombosen (Wahrscheinlichkeit von 1:400) oder
- Lungenembolien (Wahrscheinlichkeit von 1:588)
vorkommen. Besprechen Sie daher die Risiken und das genaue Vorgehen mit einem Fachmediziner, bevor Sie sich für eine operative Mobilisierung Ihres Gelenks entscheiden.
Nachbehandlung im Anschluss an eine Arthrolyse
Die Dauer des Aufenthalts in der Klinik richtet sich nach der Intensität des Eingriffs. Bei minimal-invasiver, komplikationsloser Arthrolyse kann der Patient die Klinik schon am Tag der Operation wieder verlassen. Eine vollstationäre Aufnahme ist dann gewöhnlich nicht nötig.
Ein Krankenhausaufenthalt ist aber notwendig, wenn Komplikationen auftreten oder der Eingriff nicht erfolgreich ist. Der Arzt empfiehlt dann eine Beobachtung im Krankenhaus.
Der Fokus bei der Nachbehandlung liegt auf
- der Stabilisation des Gelenkes und
- der Sicherung der vorgenommenen Veränderungen am Aufbau des Gelenkes.
Die Heilung nimmt verhältnismäßig viel Zeit in Anspruch. Patienten müssen sich daher auf eine längere und umfangreichere Nachbehandlung (in der Regel mehrere Monate) einstellen. Nur so ist gewährleistet, dass das Gelenk auch in Zukunft zuverlässig funktioniert.
In der ersten Zeit nach dem Eingriff treten oft Schmerzen auf. Daher ist meistens eine Schmerztherapie nötig.
Nach der OP sollten Sie das Gelenk schonen und nur minimal belasten. Das bedeutet jedoch unter Umständen auch den Verlust von Muskulatur. Daher erfolgt im Rahmen einer gezielten Physiotherapie der behutsame und angemessene Muskelaufbau.
FAQ
Was ist eine Arthrolyse?
Die Arthrolyse ist ein operativ durchgeführter Eingriff zur Wiederherstellung der Beweglichkeit eines Gelenk. Dabei werden Verwachsungen, Adhäsionen, Vernarbungen oder Narbengewebe entfernt, die zu einer Bewegungseinschränkung führen. Die Methode wird häufig in der Orthopädie eingesetzt, wenn konservativer Behandlungsansätze nicht ausreichend wirksam waren. Ziel ist eine deutliche Verbesserung der Beweglichkeit und der Funktion des betroffenen Gelenk.
Wann wird eine arthroskopische Arthrolyse durchgeführt?
Eine arthroskopische Arthrolyse kommt vor allem bei Gelenksteife, Fibrose oder Arthrofibrose des Knies zum Einsatz. Sie wird häufig nach Fraktur, Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands oder anderen Eingriffen am Kniegelenk durchgeführt. Bei der arthroskopischen Arthrolyse werden spezielle Instrumente und ein Shaver über kleine Zugänge eingebracht. Dadurch können Adhäsionen schonend entfernt werden.
Was ist der Unterschied zwischen arthroskopischer und offener Arthrolyse?
Die arthroskopische Arthrolyse erfolgt arthroskopisch über kleine Hautschnitte und ist weniger invasiv. Die offene Arthrolyse wird gewählt, wenn die Grenzen der arthroskopischen Arthrolyse erreicht sind oder ausgeprägte Verwachsungen vorliegen. Beide Verfahren verfolgen das Ziel, die Beweglichkeit zu verbessern und Funktionseinschränkungen zu reduzieren. Die Entscheidung hängt von Befund, Lokalisation und Ausmaß der Gelenkveränderungen ab.
Wie läuft der Eingriff ab?
Der Eingriff erfolgt unter Narkose und kann je nach Situation mit einer Nervenblockade kombiniert werden. Während der Intervention werden Verwachsungen, posteriore oder mediale Adhäsionen sowie andere Bewegungshindernisse gelöst. Bei Bedarf werden auch laterale oder anterioren Strukturen behandelt. Nach Abschluss der Arthrolyse wird häufig eine CPM-Bewegungsschiene eingesetzt, um den Range of Motion zu verbessern.
Wie wichtig ist die Nachbehandlung nach einer Arthrolyse?
Die Nachbehandlung ist entscheidend für den langfristigen Erfolg der Arthrolyse. Physiotherapie, manuell unterstützte Mobilisation und eine konsequente Schmertherapie helfen dabei, einen ausreichenden Bewegungsumfang zu erhalten. Besonders nach operativer Arthrolyse oder arthroskopischen Arthrolyse sollten neue Verwachsungen verhindert werden. Eine frühzeitige Mobilisation verbessert die Chancen auf eine dauerhafte Verbesserung der Beweglichkeit.
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.
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