Die Röntgenreizbestrahlung ist eine Form der Strahlentherapie. Sie kommt zur Behandlung von gutartigen Erkrankungen zum Einsatz. Insbesondere Verschleißerscheinungen und Entzündungen der Gelenke und der Weichteile lassen sich gut damit behandeln. Die Röntgenreizbestrahlung wird auch Schmerzbestrahlung, Orthovolttherapie oder Röntgentiefentherapie genannt.
Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für die Röntgenreizbestrahlung.
Was ist Röntgenreizbestrahlung?
Bei der Behandlung werden die betroffenen Körperstellen einer niedrig dosierten Röntgenstrahlung ausgesetzt. Dank der niedrigen Strahlendosis appliziert der Facharzt beziehungsweise die Fachärztin die Bestrahlung sehr gezielt, sodass im behandelten Bereich verschiedene biologische Prozesse in Gang gesetzt werden, ohne gesundes Gewebe unnötig zu belasten.
Die genaue Wirkung von Röntgenstrahlung in diesem niedrigen Dosisbereich ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass die Strahlung unter anderem die Durchblutung der behandelten Region steigert und die Aktivität von Immunzellen sowie Fibroblasten hemmt, die an Entzündungsprozessen und der Bildung von Narbengewebe beteiligt sind. Diese Hemmung entzündlicher Vorgänge führt zur Rückbildung der entzündlichen Veränderungen und dadruch in vielen Fällen zur Schmerzreduktion.
Das Verfahren korrigiert dabei nicht die zugrunde liegenden anatomischen Veränderungen, etwa den Gelenkverschleiß bei einer Gelenkerkrankung. Es beeinflusst jedoch die begleitenden entzündlichen Prozesse positiv. Innerhalb von Tagen bis Wochen nach der Behandlung, mitunter auch erst nach mehreren Monaten kann es zum erwünschten Ziel der Schmerzlinderung oder sogar zu völliger Schmerzfreiheit kommen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass die Röntgenreizbestrahlung wirkt, indem sie den natürlichen Heilungsprozess im Körper unterstützt, statt selbst strukturell einzugreifen. Ein sofortiger Wirkeintritt ist allerdings nicht zu erwarten, da die entzündungshemmenden Effekte Zeit brauchen, um sich im Körper vollständig zu entfalten.
Bei welchen Erkrankungen kommt die Röntgenreizbestrahlung zum Einsatz?
Die Schmerzbestrahlung wird vor allem zur Behandlung bei chronischen entzündlichen und degenerativen Erkrankungen der Sehnen und Gelenke eingesetzt. Zu den häufigsten Indikationen gehören:
- Hüfte: Hüftgelenksschmerzen durch Gelenkverschleiß / Arthrose (sog. Schmerzbestrahlung bei Hüftarthrose) oder Schleimbeutelentzündungen (Bursitis)
- Schulter: Bei schmerzhafter Schulterarthrose, schmerzhafter Schultersteife, schmerzhaften Schultergelenksverkalkungen oder Schleimbeutelentzündungen (Bursitis)
- Knie: Kniegelenksarthrose
- Ferse und Fuß: Bei schmerzendem Fersensporn oder Achillessehnenreizung.
Darüber hinaus wird das Verfahren auch bei folgenden degenerativen Erkrankungen der Sehnen und Weichteile sowie bei weiteren Weichteilerkrankungen angewendet:
- Arthrosen anderer Gelenke,
- Keloiden (übermäßige Narbenbildung),
- Morbus Dupuytren,
- Tennisellenbogen,
- Sehnenentzündungen (Tendinitis),
- Gynäkomastie und
- Schuppenflechte (Psoriasis)
Die Schmerzbestrahlung des Fersensporn zählt zu den am häufigsten durchgeführten Anwendungen dieser Methode der Röntgenreizbestrahlung.
Vorteile der Röntgenreizbestrahlung
Die Schmerzbestrahlung ist ein wenig aufwändiges und schmerzloses Verfahren. Es kommt vor allem bei Patienten zum Einsatz, bei denen andere Behandlungsoptionen (medikamentöse Schmerzbehandlung oder Operationen) nicht den gewünschten Erfolg der Behandlung erzielt haben.
Im Vergleich zu den möglichen Risiken einer dauerhaften medikamentösen Schmerztherapie gelten die Folgen dieser Therapieform als vergleichsweise gering. Dennoch sollte die Indikationsstellung stets sorgfältig und individuell erfolgen, insbesondere weil Nutzen und Risiko bei jeder Bestrahlung sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen.
Ein weiterer Vorteil: Das Verfahren lässt sich ambulant durchführen und erfordert weder eine Narkose noch eine längere Ausfallzeit im Alltag.
Welche Verfahren kommen bei Röntgenreizbestrahlung zum Einsatz?
Bei der Schmerzbestrahlung kommen grundsätzlich dieselben Geräte zum Einsatz, die auch bei der Krebs-Strahlentherapie (onkologische Strahlentherapie) verwendet werden. Dazu gehören ein Linearbeschleuniger und ein Orthovolt-Röntgentherapiegerät.
Während eine onkologische Bestrahlung mit hohen Dosen von mindestens 45 bis 70 Gy arbeitet, liegen die Werte bei dieser Therapieform typischerweise bei 0,5 bis 2 Gy, beim Fersensporn teils bis zu 24 Gy. Die Behandlung wird in mehreren Zyklen durchgeführt, wobei ein einzelner Zyklus meist mehrere Sitzungen innerhalb weniger Tagen der Woche umfasst – üblich sind etwa 6 bis 10 Sitzungen je Behandlungsserie.
Kinder im Wachstumsalter sollten grundsätzlich nicht mit Röntgenstrahlen behandelt werden, da wachsende Körperstrukturen empfindlicher gegenüber ionisierender Strahlung reagieren als ausgereifte Strukturen. Diese Altersgrenze gilt als eine der wichtigsten Kontraindikationen des Verfahrens.

Bei der Röntgenreizbestrahlung kommen wie bei der Krebs-Strahlentherapie unter anderem Linearbeschleuniger zum Einsatz © VILevi | AdobeStock
Wie läuft die Behandlung mittels Röntgenreizbestrahlung ab?
Nachdem die Spezialisten für Röntgenreizbestrahlung
- die zu bestrahlende Körperregion,
- die Strahlendosis / Strahlenmenge,
- die Häufigkeit der Behandlung und
- die Strahlenrichtung
festgelegt haben, werden empfindliche Regionen (z.B. Keimdrüsen, Schilddrüse) durch Bleiabdecklungen geschützt.
Die eigentliche Behandlung ist schmerzlos und dauert nur kurz: Eine einzelne Behandlung dauert oft lediglich 20-30 Sekunden, sodass der Patient oder die Patientin während dieser Behandlung still liegen oder sitzen muss, während die betroffene Körperregion bestrahlt wird.
Die Sitzungen werden in der Regel über einen Zeitraum von etwa zwei bis vier Wochen mehrfach wiederholt. Zeigt sich nach einigen Monaten keine ausreichende Besserung, kann die Behandlung nach etwa einem Jahr erneut durchgeführt werden.
Mögliche Nebenwirkungen bei der Röntgenreizbestrahlung
Auch wenn die verwendete Strahlungsmenge und damit die Strahlenbelastung insgesamt sehr gering sind, erhöht jede Form der Bestrahlung das Risiko für Folgeschäden minimal – etwa für die Entstehung eines Tumors oder für Funktionsstörungen empfindlicher Organe wie Herz oder Keimdrüsen. Aufgrund der niedrigen Strahlendosis äußerst unwahrscheinlich ist ein solches Ereignis jedoch. Dennoch werden Patientinnen und Patienten zur Sicherheit mindestens ein halbes Jahr nach der Behandlung nachuntersucht.
Häufigere, meist vorübergehende Reaktionen sind lokale Hautveränderungen. Dazu zählen insbesondere eine vorübergehende Hautrötung und Hauttrockenheit im bestrahlten Bereich. Zu Beginn der Behandlung kann es außerdem zu einer vorübergehenden Schmerzverstärkung kommen, bevor sich die eigentliche schmerzlindernde Wirkung einstellt. Wer diese mögliche Nebenwirkungen kennt, kann sie leichter von einer normalen Krankheitsentwicklung unterscheiden und im Zweifel frühzeitig den behandelnden Facharzt informieren.
Welche Fachärzte und Spezialkliniken führen die Röntgenreizbestrahlung durch?
Spezialisten für Röntgenreizbestrahlung sind meist Fachärzte der Radiologie (Strahlentherapeuten). Sie sind häufig in spezialisierten Kliniken für Röntgenreizbestrahlung (Strahlenklinken) tätig. Dort arbeiten sie im interdisziplinären Team mit Fachärzten anderer Gebiete (z.B. Orthopäden, Rheumatologen) zusammen.
Die Spezialisten entscheiden dann gemeinsam auf Basis
- der Krankengeschichte,
- der Beschwerden und
- der Befunde
über die Notwendigkeit einer Schmerzbestrahlung.
Bei der Planung der Behandlung werden die Spezialisten für Röntgenreizbestrahlung häufig von Medizinphysikern unterstützt.
