Der Vorhofseptumdefekt gehört zur Gruppe der Shunts. Dabei handelt es sich um Kurzschlüsse zwischen dem arteriellen und dem venösen Kreislaufsystem. Der Vorhofseptumdefekt macht circa 10 Prozent der angeborenen Herzfehler aus.
Der Vorhofseptumdefekt (ASD) ist ein Loch in der Scheidewand zwischen den Herzvorhöfen @ Dee-sign /AdobeStock
Ganz allgemein hängt die Schwere der Symptome bei einem Vorhofseptumdefekt von der Größe des „Loches“ ab. Kleinere Shunts können ein Leben lang ohne Beschwerden bleiben. Bei den meisten größeren Defekten treten Symptome zwischen dem zweiten und dem 20. Lebensjahr auf.
Bei der Hälfte der Patienten fallen Herzrhythmusstörungen auf, später können Anzeichen einer Herzinsuffizienz hinzukommen. Patienten mit Vorhofseptumdefekt haben zumeist eine blasse Hautfarbe sowie einen peripheren Sauerstoffmangel (Zyanose). Große Defekte führen bereits im Kleinkindalter zu Belastungsdyspnoe (Atemnot) und Leistungsminderung.
Die Genesung ist besser, je früher Kinder oder Erwachsene mit Herzsymptomen einen Arzt aufsuchen und die richtige Diagnose erhalten. Besteht der Vorhofseptumdefekt unbehandelt fort, kann es zu einer starken Rechtsherzbelastung und zur Herzschwäche kommen. Diese schränkt die Lebensqualität sowie die Lebenserwartung der Betroffenen ein.
In der Regel entdeckt der Arzt den Herzfehler bereits durch das Abhören (Auskultation). Typische Herzgeräusche und ein zumeist sichtbarer Herzschlag sind ein Hinweis auf eine Rechtsherzbelastung. Begleitend zeigen sich auch schon in der Anamnese (Krankengeschichte) charakteristische Symptomkomplexe. Fehlen Symptome, erfolgt der Befund meist zufällig.
Herzuntersuchung mit Stethoskop @ Klaus Eppele /AdobeStock
Beweisend für einen Vorhofseptumdefekt ist die Bildgebung beim Arzt. Eine Ultraschalluntersuchung bzw. eine Echokardiographie können die Blutströme im Herzen sichtbar machen. Insbesondere die, die durch den Vorhofseptumdefekt und durch das Loch im Herzen laufen.
Im Röntgenbild erkennen Ärzte gegebenenfalls auch den vergrößerten rechten Vorhof des Herzens, der durch die Überlastung des Lungenkreislaufes entsteht.
Ob eine Operation nötig ist, entscheidet der Facharzt für jeden Patienten individuell.
Günstig für den Verlauf der Operation und auch die Genesung ist:
- Der Patient befindet sich noch in einem Frühstadium der Erkrankung ist
- Es besteht noch kein Bluthochdruck im Lungenkreislauf (pulmonale Hypertonie). Ein möglicher Grenzwert für Komplikationen ist ein Blutdruck von 40 mmHg und mehr.
Beim operativen Verschluss eines Vorhofseptumdefekts vor dem 25. Lebensjahr besteht die beste Aussicht auf eine normale Lebenserwartung. Die Komplikationsrate ist gering. Bei älteren Patienten, die symptomlos sind, betrachten Ärzte den operativen Septumverschluss kontrovers.
Die Operation kann auf zwei Wegen erfolgen:
- Ärzte verschließen den Vorhofseptumdefekt mithilfe eines Gewebestückes aus dem Herzbeutel oder vernähen diesen direkt. Diese Methode kommt bei größeren Defekten zum Einsatz oder, wenn die Patienten über erhebliche Symptome und Einschränkungen klagen.
- Bei kleinerem Vorhofseptumdefekt ist die Operation deutlich weniger invasiv. Sie kann über einen Katheter erfolgen, den Ärzte von der Leiste bis ins Herz schieben. Am Ende des Katheters sitzt ein kleines Schirmchen, das Ärzte über dem Loch aufspannen und es so verschließen.
Nach der operativen Korrektur eines Vorhofseptumdefekts verbringen die Patienten einige Zeit auf der Intensivstation. Hier erfolgt die Einstellung auf Blutverdünner und die Nachbeobachtung.
Die Blutverdünnung mittels Heparin oder Marcumar ist notwendig, um gefährliche Blutgerinnsel zu vermeiden. Diese können in den Lungenkreislauf geraten und dort zu einer Lungenembolie führen. Gleiches kann im Gehirn geschehen, wobei der arterielle Verschluss im Gehirn durch ein Blutgerinnsel einen Schlaganfall auslöst.
Spezialisten für Vorhofseptumdefekte sind Experten auf dem Gebiet der Herzchirurgie und Kardiologie sowie gegebenenfalls Pädiatrie (Kinderheilkunde).
Geeignete Zentren und Spezialisten finden Sie unter anderem auf dieser Seite.
Was ist ein Vorhofseptumdefekt?
Ein Vorhofseptumdefekt, kurz ASD, ist ein angeboren Herzfehler mit einem Defekt im Septum zwischen rechtem und linken Vorhof. Durch dieses Loch in der Scheidewand entsteht ein Links-Rechts-Shunt mit vermehrtem Blutfluss in den Lungenkreislauf. Besonders häufig ist der ASD II im Bereich der Fossa ovalis.
Welche Symptome verursacht ein ASD?
Kleine ASD bleiben oft ohne Symptom, während größere Vorhofseptumdefekte zu Atemnot, Herzrhythmusstörungen oder Leistungsschwäche führen können. Durch die Volumenbelastung des rechten Herzens kann sich die rechte Kammer erweitern. Im Erwachsenenalter treten häufiger pulmonale Hypertonie, Herzinsuffizienz oder Schwindel auf.
Wie wird ein Vorhofseptumdefekt diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt meist durch Echokardiographie, EKG und Herzkatheteruntersuchung. Mithilfe der transösophageale Echokardiographie lassen sich Lage und Größe des Defekts genau darstellen. Ergänzend werden hämodynamische Auswirkungen auf rechten Vorhof, rechten Ventrikel und Lungenschlagader beurteilt.
Wie wird ein ASD behandelt?
Ein ASD kann interventionell mit einem Schirmchen verschlossen werden, wenn ausreichender Randsaum vorhanden ist. Bei komplexeren Vorhofseptumdefekten erfolgt der Verschluss chirurgisch-operativ unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Ziel ist der Verschluss des Defekts und die Vermeidung von Folgeschäden wie Lungenhochdruck oder Schlaganfall.
Wie ist die Lebenserwartung bei einem Vorhofseptumdefekt?
Nach erfolgreichem ASD-Verschluss besteht meist eine normale Lebenserwartung. Unbehandelte große Shunts können dagegen zu Volumenbelastung des rechten Herzens, pulmonale Hypertonie oder Funktionsstörungen führen. Eine frühzeitige Behandlung in einer Klinik für angeborene Herzfehler verbessert die Prognose deutlich.