Zum Inhalt springen
Leading Medicine Guide Logo

Erkrankung · Allgemeine Orthopädie

Haglundferse: Wenn Entzündung und Fersensporn am Fersenbein Schmerzen verursachen

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Haglundferse. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

92198871-d7a7-40a9-8dfb-67f4bac271cd.JPGMedizinische FachautorinProf. Dr. med. Susanne RegusStand: ICD-10: M77.3, M92.6

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Die Haglundferse ist eine knöcherne Veränderung im hinteren oberen Bereich der Ferse. Durch die veränderte Form des Fersenbeins entsteht ein erhöhter Druck zwischen Achillissehne, Schleimbeutel und Knochen. Die daraus resultierende Reizung kann zu einer Schleimbeutelentzündung , Schwellung, Rötung und Fersensporn werden. Zu den häufigsten Ursachen der Haglundferse zählen Fußfehlstellugen wie ein Hohlfuß, ungeeignetes Schuhwerk, insbesondere enge Schuhe sowie eine hohe sportliche Belastung. Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, Röntgen, Ultraschall und MRT. Die Behandlung der Haglundferse beginnt in den meisten Fällen mit einer konservativen Therapie, die auf Schmerzlinderung und Entlastung abzielt. Führt diese nicht zum Erfolg, kann eine Operation notwendig werden.

Unter der Hagelundferse versteht man eine abweichende Form des Fersenbeins. Die Haglundferse führt zu Schmerzen, Druckbeschwerden und häufig zu einer Entzündung des Schleimbeutels zwischen Knochen und Achillessehne. Durch die veränderte Anatomie entsteht ein Engpass, der die umliegenden Strukturen dauerhaft reizen kann.

Im folgenden finden Sie weitere Informationen zu Ursachen, Symptome der Haglundferse, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und ausgewählte Spezialisten.

Definition: Was ist eine Haglundferse bzw. Haglund-Exostose?

Bei manchen Menschen ist der hintere/obere Teil des Fersenbeins spitzer ausgeformt und ragt weiter heraus als gewöhnlich. Diese knöcherne Vorwölbung an der Ferse wird als Haglund-Exostose oder Exostose bezeichnet. Dadurch entsteht zwischen dem Knochen und der hinter diesem verlaufenden Achillessehne ein Engpass. Aus diesem Grund stehen die Weichteile unter höherem Druck und stärkeren Belastungen. Die Folgen sind

  • eine höhere Empfindlichkeit,
  • Irritationen und
  • Schwellungen

Die Folgen sind höhere Empfindlichkeit, eine chronische Reizung, Schwellungen im Bereich der Achillissehne und teilweise eine geprägte Entzündung. Besonders häufig betroffen ist der zwischen Fersenbein und Achillissehne gelegene Schleimbeutel, der als Stoßdämpfer fungiert. Kommt es zu einer Entzündung dieses Gewebes, sprechen Mediziner von einer Bursitis bzw. Schleimbeutelentzündung.

Haglund-Ferse (Haglund-Exostese)
Bei der Haglund-Ferse ist das Fersenbein spitzer ausgeformt und steht weiter hervor © rob3000 | AdobeStock

Erstmals beschrieb im Jahr 1928 der schwedische Orthopäde Patrik Haglund das Krankheitsbild. Oft ist der Ansatz der Achillessehne am oberen Fersenbein entzündet. Es besteht auch eine knöcherne Vorwölbung an der Ansatzstelle, durch die sich die Zugverhältnisse der Sehne am Fersenbein verändert wird.

Der veränderte Zug bewirkt in Verbindung mit dem erhöhten Schuhdruck das sogenannte Haglund-Syndrom. Es äußert sich durch

  • Schmerzen,
  • Schwellungen,
  • Rötung und
  • Überwärmung der Ferse.

Dadurch verändern sich die Zugverhältnisse der Sehne, was gemeinsam mit dem Durck des Schuhs zur Entstehung des sogenannten Haglund-Syndroms beitragen kann.

Eine Haglundferse ist eine schmerzhafte Erkrankung, die häufig auch als hinterer oder oberer Fersensporn bezeichnet wird. Davon abzugrenzen ist der untere Fersensporn, der sich an der Fußsohle befindet.

Ursachen der Haglundferse

Die Bildung einer Haglundferse kann verschiede Ursachen haben. In vielen Fällen ist die Haglundferse angeboren, da die Form des Knochens genetisch bedingt ist. Zusätzlich erhöhen bestimmte Faktoren das Risiko für die Entwicklung der Haglundferse.

Zu den häufigsten Auslösern zählen Fußfehlstellungen wie ein Hohlfuß oder Rückfußstellungen. Auch ungeeignetes Schuhwerk, insbesondere enge Schuhe, können die Entstehung begünstigen. Hinzu kommen wiederholte hohe sportliche Belastungen, die den Achillissehnenansatz dauerhaft beanspruchen.

Die hieraus resultierende Druckbelastung führt häufig zu einer Reizung der Achillessehne. In der Folge kommt es zu einer Schleimbeutelentzündung. Darüber hinaus betrifft die Exostose (Überbein) häufig auch die Knochenhaut des Fersenbeins und den Bereich der Achillessehne.

Bleiben Druck und Reibung über längere Zeit bestehen, können sämtliche Weichteile im Fersenbereich anschwellen. Dadurch entsteht die typische sichtbare Vorwölbung beziehungsweise das Überbein, das für viele Betroffene tastbar und sichtbar wird.

Symptome der Haglundferse

Die Haglundferse tritt sowohl ein- als auch beidseitig auf. Dort wo das Fersenbein an der Innenseite des Schuhs reibt, kommt es zu Druckschmerzen und Schwellungen.

Zu Beginn der Erkrankung verspüren Betroffene lediglich bei den ersten Schritten Schmerzen (Anlaufschmerzen). Diese verschwinden schnell wieder.

Zu den typischen Symptomen gehören Druckschmerzen, Rötung, Überwärmung und Fersenschmerzen im Bereich der Ferse. Zusätzlich kann sich die Achillessehne verdicken. Viele Patienten berichten über zunehmende Einschränkung beim Gehen, Laufen oder Treppensteigen.

Bei Nichtbeachtung dieses Alarmzeichens nehmen die Beschwerden und die Entzündung in vielen Fällen zu. Auf längere Sicht können Betroffene nicht mehr normal gehen oder laufen.

Im weiteren Verlauf können sich die umliegenden Sturkturen entzünden. Ein entzündeter Schleimbeutel führt häufig zu einer deutlichen Schwellung im Fersenbereich. Die Beschwerden treten sowohl unter Belastung als auch in Ruhe auf.

Sportler sind oft von dieser Entwicklung betroffen. Frauen sind etwas häufiger von einer Haglundferse betrofffen, während Männer insgesamt seltener Beschwerden entwickeln. Auch Studien zeigen, dass Frauen häufiger von einer Haglundferse betroffen als Männer sein können.

Wie erfolgt die Diagnose der Haglundferse?

In der Regel erkennen Mediziner das Vorhandensein der Haglundexostose bereits an den geschilderten Symptomen. Sie treten meistens sowohl unter Belastung, als auch in Ruhe auf.

Eine seitliche Röntgenaufnahme macht das knöcherne Überbein sichtbar. Die Beurteilung erfolgt immer unter Berücksichtigung der klinischen Beschwerden und der Fersenschmerzen.

Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung klären die Ärzte den Zustand der Achillessehne ab. Sie untersuchen die Sehne auf eine Verdickung, an der erkennbar ist, inwieweit sie bereits in den Krankheitsprozess der Haglundexostose einbezogen ist. Diese Untersuchung zeigt außerdem vorhandene Schleimbeutelentzündungen und -schwellungen.

Achillessehnenverletzungen und Haglundferse
Die Haglund-Ferse kann auch die Achillessehne beeinträchtigen © bilderzwerg / Fotolia

Nahezu unabdingbar für die stadiengerechte Diagnostik und Therapie der Haglundferse ist die Durchführung einer Magnetresonanztomographie (MRT) mit Kontrastmittel. Damit können die betroffenen Weichteile, also die Achillessehne, Knochen und Schleimbeutel, genau begutachtet und das jeweilige Stadium detailliert beurteilt werden. Gleichzeitig macht die Untersuchung Kalkablagerungen in die Achillessehne sichtbar.

Behandlung der Haglundferse: Ist immer eine Operation an der Ferse nötig?

Prinzipiell gibt es für die Behandlung einer Haglundferse operative und konservative Therapieverfahren. Bei den operativen stehen chirurgische Maßnahmen im Vordergrund, konservative beinhalten die symptomatische Lokaltherapie inklusive Schmerzmedikation. In den meisten Fällen kann zunächst eine konservative Therapie durchgeführt werden, die vielfach erfolgreich verläuft. Nur nach frustranem Verlauf beziehungsweise eindeutigen und zunehmenden knöchernen Veränderungen ist eine operative Therapie frühzeitig zu empfehlen.

Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, die Entzündung zu reduzieren und den Fuß wieder belastbar zu machen.

Was genau passiert bei der konservativen Therapie der Haglundferse?

Das wichtigste orthopädische Behandlungsziel ist die Linderung des Fersenschmerzes und die Wiederherstellung der Belastbarkeit des Fußes im Alltag oder beim Sport.

Um den Fersenbereich möglichst schnell zu entlasten, empfiehlt sich das Tragen lockeren Schuhwerkes, im Idealfall hinten offener Schuhe. Einlagen zur Absatzerhöhung, um etwa einen Zentimeter, nehmen ebenfalls den schmerzhaften Druck. Sie verringern den Zug im Bereich der Achillessehne am Fersenbein und Achillessehnenansatz.

Laufsportler sollten so lange auf ihr Training verzichten, bis sich eine Linderung einstellt. Um einen Verlust an Ausdauer und Kraft zu verhindern, ist es ratsam, während der trainingsfreien Zeit auf Aquajogging umzusteigen und gezieltes Muskeltraining durchzuführen. Ein zu früher Wiedereinstieg ins Lauftraining kann zu chronischen Achillessehnenproblemen führen und dauerhafte Einschränkungen der Laufleistung mit sich bringen.

Schmerzstillende und entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen und Aspirin helfen gegen Schwellungen und Schmerzen im Gelenk. Darüber hinaus bieten sich für die konservative Behandlung der Haglundferse verschiedene Verfahren aus dem Bereich der physikalischen Therapie an. Dazu gehören etwa

Für die Selbsttherapie empfehlen sich Eispackungen und kühle Quarkwickel.

In besonders schweren Fällen ist eine völlige Ruhigstellung des Fußes in einem Gips oder einer Orthese nötig. Damit kann das Sprunggelenk ausreichend entlastet und die Entzündung gestoppt werden.

Häufig muss die konservative Therapie über einen längeren Zeitraum erfolgen, bis sich ein Behandlungserfolg einstellt. Mehrere Monate sind normal.

Was ist das Prinzip bei der operativen Behandlung der Haglundexostose?

Stellt sich nach sechs Monaten noch keine zufriedenstellende Besserung ein, empfiehlt sich ein chirurgischer Eingriff.

Eine Operation ist insbesondere bei einer hohen Trainingsbelastung erforderlich. Sportler können ihre Ferse nicht dauerhaft entlasten. Auch in Fällen, in denen sich der Dauerdruck schädigend auf die Achillessehne auswirkt, ist eine OP ratsam.

Für die Operation der Haglundferse gibt es folgende Verfahren:

  • Abtragung der Haglund-Exostose
  • Entfernung des entzündeten Schleimbeutels
  • Debridement (Säuberung) bei entzündeter oder verkalkter Achillessehne

Ziel der Operation ist die Beseitigung des Knochenvorsprung am Fersenbein.

Das Abtragen des Knochenvorsprungs am Fersenbein reduziert den Druck der Ferse gegen den Schuhinnenrand. Dadurch werden auch die

  • Achillessehne
  • der Schleimbeutel und
  • die angrenzenden Weichteile

dauerhaft entlastet. Danach ist es möglich, Schuhe wieder beschwerdefrei zu tragen und in Schuhen zu trainieren.

Meist erfolgt der Eingriff unter Teilnarkose. Auf besonderen Wunsch ist aber auch eine Vollnarkose möglich. Es erfolgt zunächst ein drei bis vier Zentimeter langer Schnitt seitlich der Achillessehne. Dann wird diese beiseite gehalten, um die Rückseite des Fersenbeins und den Schleimbeutel freilegen zu können.

Anschließend werden Teile des Knochenvorsprungs abgetragen, was üblicherweise mit einer oszillierenden Säge erfolgt. Mit dieser speziellen Säge können Achillessehne, Schleimbeutel und Weichteilgewebe möglichst geschont werden. Zum Abschluss wird die Stelle vernäht und das Gelenk mit einem Unterschenkel-Liegegips ruhiggestellt. 

Das Ziehen der Fäden erfolgt nach etwa zwei Wochen. Bis zum Fadenzug ist eine Belastung des Fußes unbedingt zu vermeiden, daher wird auch ein Liegegips angelegt. Eine vorzeitige Belastung kann den Erfolg der Operation gefährden. 

Wenn bei der Kontrolluntersuchung alles in Ordnung ist, erhalten Sie anschließend einen Gehgips, mit dem der Fuß zunehmend belastet werden kann.

Seit einigen Jahren werden für die operative Behandlung auch minimal-invasive Verfahren angewendet, bei denen mit speziellen Instrumenten über kleine Stichinzisionen Zugang zum Gelenk geschaffen wird. Auch hier ist eine Betäubung des Beines notwendig, das Prinzip der Abtragung des Knochenvorsprungs und Säuberung des Gewebes entspricht dem oben geschilderten offenen Vorgehen.

Gibt es noch andere Methoden?

Ist eine Fehlstellung des Fußes die Ursache für die Haglundferse, zählt die Umstellung des Fersenbeines zu den maßgeblichsten Therapiekonzepten. Hierfür bietet die Orthopädie verschiedene Umstellungsoperationen, die sich exakt an den Einzelfall des Patienten anpassen lassen.

So ist es möglich, eine Hohlfußfehlstellung durch eine Fersenbein-Osteotomie zu korrigieren und die dadurch verursachte Exostose effektiv zu behandeln. Osteotomie bedeutet, dass der Knochen durchgesägt und die Knochenenden in anderer Stellung wieder miteinander verbunden werden. Auch hier ist eine Ruhigstellung notwendig. Zudem wird zur Stabilisierung der Knochenenden zueinander eine Fixierung mittels Metallimplantaten durchgeführt, um die Stellung der Fragmente zueinander zu stabilisieren.

Nach einer solchen Operation folgt eine mindestens sechs- bis achtwöchige Entlastung mit Trainingspause. Danach beginnt der Patient mit einer schrittweisen Wiederbelastung des Fußes und Fersenbereichs.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der Haglundferse hängt vom Ausmaß der knöchernen Veränderungen und von der individuellen Belastung ab. Wird die Erkrankung früh erkannt, können konservative Maßnahmen häufig eine deutliche Besserung erzielen.

Wird die Ursache nicht behandelt, können sich die Beschwerden verstärken. Wiederholte Reizungen können dazu führen, dass sich die Strukturen dauerhaft entzünden und die Belastung der schmerzhaften Erkrankung zunimmt.

Wer einer Haglundferse vorbeugen möchte, sollte auf geeignetes Schuhwerk, gute Fußstatik oder die Versorgung mit orthopädischen Einlagen achten.

FAQ zur Haglundferse

Was ist der Unterschied zwischen Haglundferse und Fersensporn

Die Haglundferse betrifft den hinteren oberen Anteil des Fersenbeins. Der klassische Fersensporn befindet sich meist an der Fußsohle. Daher wird die Haglundferse häufig auch als hinterer Fersensporn bezeichnet.

Kann sich eine Haglundferse zurückbilden?

Eine vollständige knöcherne Rückbildung ist selten. Durch geeignete Behandlungsmöglichkeiten können die Beschwerden jedoch deutlich reduziert werden.

Wann wird eine Operation notwendig?

Eine Operation wird empfohlen, wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Wirkung zeigen oder die Achillessehne dauerhaft geschädigt wird.

Helfen orthopädische Einlagen?

Ja, orthopädische Einlagen können die Druckbelastung reduzieren und die Beschwerden vieler Patienten verbessern.

Welche Symptome treten bei einer Haglundferse auf?

Zu den häufigsten Beschwerden zählen Druckschmerzen, Fersenschmerzen, Rötungen, Schwellungen und Schmerzen im Bereich des Ansatz der Achillessehne.

Was umfasst die Behandlung der Haglundferse?

Die Behandlung der Haglundferse umfasst konservative Maßnahmen wie Schuhanpassungen, Physiotherapie, Stoßwellentherapie und Einlagen. Bei anhaltenden Beschwerden kann eine operative Versorgung erforderlich sein.

Beitrag teilen

92198871-d7a7-40a9-8dfb-67f4bac271cd.JPG

Über den Fachautor

Prof. Dr. med. Susanne Regus

Prof. Dr. med. Susanne Regus – medizinische Fachautorin: Fachartikel, Expertenwissen und medizinische Einblicke im Leading Medicine Guide.

Vollständiges Expertenprofil ansehen

Geprüfte Expertise

Empfohlene Spezialisten

12 Spezialisten

1 / 2

Medizinisches Spektrum

Medizinisch verwandte Themen

Weiterführende Informationen zu Erkrankungen, Anatomie, Behandlung, Diagnostik und passenden medizinischen Spezialisierungen.

Sie suchen den passenden Ansprechpartner? Die empfohlenen Spezialisten bleiben der zentrale nächste Schritt.

Zu den Spezialisten