Exostosen sind gutartige Knochenwucherungen, die vor allem in der Nähe von Gelenken und an langen Röhrenknochen auftreten. Die Erkrankung kann als einzelne Exostose oder in Form multipler kartilaginärer Exostosen vorkommen. Bei hereditären multiplen Exostosen entstehen häufig mehrere Osteochondrome gleichzeitig. Viele Exostosen bleiben asymptomatisch, können jedoch je nach Lokalisation Beschwerden und Bewegungseinschränkungen verursachen.
Die knöchernen Auswüchse entwickeln sich meist im Bereich der Wachstumsfugen und können das Wachstum der Knochen beeinflussen. In seltenen Fällen besteht ein Risiko für eine maligne Entartung. Für die Diagnose kommen bildgebende Verfahren wie MRT oder CT zum Einsatz. Eine operative Behandlung kann sinnvoll sein, wenn die Exostosen Schmerzen verursachen oder umliegende Strukturen beeinträchtigen.
Welche Formen der Exostose gibt es?
Besonders oft sind der Mittelfußknochen und der Handrücken betroffen. Eine recht häufig auftretende Form der Exostose ist die sogenannte Haglund-Exostose. Dabei ist ein Teil des Fersenbeins am Fuß besonders stark vorgewölbt. Infolge entwickelt sich hier ein Knochenvorsprung im Bereich des Achillessehnenansatzes.
Die kartilaginäre Exostose, auch als Osteochondrom bekannt, tritt vor allem an den langen Röhrenknochen auf. Diese Form der Knochenauswölbung bildet sich beispielsweise am Oberschenkel- oder am Oberarmknochen. Auch das Knie und das Sprunggelenk können betroffen sein.
Liegen mehrere Knochenauswölbungen in diesen Bereichen vor, spricht man von multiplen kartilaginären Exostosen.
Zu den weiteren Formen der Exostosen gehören:
- subunguale Exostosen unter den Finger- oder Fußnägeln
- Exostosen am Becken (Dornbecken)
- Gehörgangsexostosen im Ohr
- Exostosen am Unterkiefer (mandibuläre Exostosen)
Von der eigentlichen Exostose ist die Pseudoexostose Hallux valgus abzugrenzen. Es handelt sich dabei nicht um eine wirkliche Knochenauswölbung, sondern lediglich um eine Gelenkfehlstellung. Aufgrund der Form kann der Hallux valgus am Fuß jedoch schnell mit einer echten Exostose verwechselt werden.

Exostese an der Ferse, die sogenannte Haglund-Exostese © rob3000 | AdobeStock
Was sind die Symptome?
Die Symptome unterscheiden sich je nach Lokalisation und Ausprägung der Exostose.
So führt die Haglund-Exostose über kurz oder lang zum Haglund-Syndrom. Es ist durch
- eine Entzündung des Schleimbeutels am Achillessehnenansatz oder
- eine Entzündung der Achillessehne
gekennzeichnet. Leitsymptome des Haglund-Syndroms sind stechende Schmerzen am Fersenbein, die vor allem durch Druck oder Belastung entstehen. Aufgrund der Schmerzen hinken die Patienten.
Die Gehörgangsexostose im Ohr kann Symptome wie
- Hörminderungen,
- Ohrgeräusche oder
- Gehörgangsentzündungen (Otitis externa) mit Schmerzen und Juckreiz im Bereich des Gehörgangs
aufweisen.
Exostosen an den Röhrenknochen können zu
- Beinlängendifferenzen,
- Asymmetrien im Schulter- und Beckengürtel sowie
- Ausrenkungen des Hüftgelenks
führen. Ebenso können die Knochenstrukturen
in der direkten Umgebung reizen. Dadurch können Durchblutungsstörungen und/oder Sensibilitätsstörungen entstehen.
Wie entsteht eine Exostose?
Grundsätzlich können mehrere Ursachen bzw. Risikofaktoren die Bildung einer Exostose begünstigen. Häufig sind chronische Druck- und Reizzustände am Knochen die Ursache. Beispielsweise können Schuhe mit wenig elastischen Rändern das Knochengewebe reizen. So begünstigen sie die Entstehung einer Haglundferse.
Ein weiterer Risikofaktor für eine Exostose am Fuß ist Übergewicht. Bei übergewichtigen Menschen muss das Fersenbein eine besonders große Last aushalten.
Auch andere Erkrankungen stellen einen Risikofaktor dar, etwa chronischer Gelenkverschleiß (Arthrose). Die Silverskjöld-Exostose, eine Knochenauswölbung am Fußrücken, basiert beispielsweise meistens auf Arthrose.
Die Ursache eines Osteochondroms ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen genetische Faktoren eine entscheidende Rolle.
Wie stellt der Arzt die Diagnose Exostose?
Bei Verdacht auf eine Exostose führt der Arzt in der Regel eine Röntgenuntersuchung durch. Im Röntgenbild sind die Knochenveränderungen zumeist deutlich erkennbar. Auch Computer- und Magnetresonanztomografie eignen sich zur weiteren Diagnosestellung.

Röntgenbild einer Exostose an einem Oberschenkelknochen © J. Lengerke - Praxis Dr. Jochen Lengerke, CC BY-SA 3.0 de, Link
Wie behandelt man eine Exostose?
Die Behandlung hängt ebenso wie die Symptome vor allem von der Lokalisation und der Ausprägung der Knochenauswölbung ab.
Behandlung der Haglund-Exostose
Die Therapie kann konservativ-orthopädisch, aber auch operativ erfolgen. Ziel der Therapie ist, die Schmerzen am Fuß zu lindern und die Belastbarkeit der Struktur im Alltag und beim Sport zu verbessern.
Offene Schuhe oder Einlagen zur Absatzerhöhung reduzieren den Druck auf die Exostose und lindern so die Schmerzen. Unterstützend kommen entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz.
Auch physikalische Therapien eignen sich zur Behandlung der Haglund-Exostose. Dazu gehören etwa
- die Stoßwellentherapie und
- Stromanwendungen.
Helfen konservative Methoden nicht weiter, kann eine Operation mit Abtragung der Exostose sinnvoll sein.
Behandlung der (multiplen) kartilaginären Exostose
Die Therapie umfasst
- eine individuelle Schmerztherapie,
- physiotherapeutische Maßnahmen sowie
- chirurgische Eingriffe zur Abtragung der Exostose.
Manche Menschen leiden jedoch an zahlreichen, also multiplen Exostosen. Hier sind oft mehrfache Operationen notwendig. Leider lässt sich in solchen Fällen nicht immer ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen.
Behandlung der Gehörgangsexostose
Die Operation der Gehörgangsexostose ist in vielen Fällen mit Komplikationen verbunden. Deswegen kommt eine OP hier nur zur Anwendung, wenn regelmäßig Beschwerden auftreten. Indikation für eine OP bei Gehörgangsexostose wären etwa wiederkehrende Gehörgangsentzündungen.
Fazit zur Exostose
Das Erscheinungsbild und auch die Behandlungsmöglichkeiten der Exostosen sind äußerst vielfältig. Es gilt: Je früher die symptomatischen Knochenvorwölbungen behandelt werden, desto geringer ist das Risiko für (bleibende) Folgeerscheinungen.
FAQ
Was sind Exostosen?
Exostosen sind gutartige knöcherne Auswüchse, die auch als Osteochondrome bezeichnet werden. Sie entstehen meist in der Nähe von Gelenken und entwickeln sich häufig an den Wachstumsfugen der Knochen. Eine einzelne Exostose verursacht oft keine Beschwerden, während multiple kartilaginäre Exostosen mehrere Knochen betreffen können. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten gutartigen Knochentumoren.
Was sind hereditäre multiple Exostosen?
Hereditäre multiple Exostosen sind eine genetisch bedingte Exostosenerkrankung, bei der zahlreiche Osteochondrome auftreten. Ursache sind häufig Veränderungen der Gene EXT1 oder EXT2. Bei den multiplen kartilaginären Exostosen können sich 15–18 Exostosen oder mehr entwickeln. Die Erkrankung begleitet Betroffene oft lebenslang und kann das Wachstum der Knochen beeinflussen.
Welche Symptome können Exostosen verursachen?
Viele Exostosen bleiben asymptomatisch. Je nach Lokalisation der Exostosen können jedoch Bewegungseinschränkungen, Fehlstellungen, Achsabweichungen oder Beinlängendifferenzen entstehen. Werden Muskeln oder Sehnen durch die Knochenwucherungen gereizt, treten Schmerzen und funktionelle Einschränkungen auf. Besonders in der Nähe von Gelenken können knöcherne Auswüchse die Beweglichkeit beeinträchtigen.
Wann ist eine operative Behandlung sinnvoll?
Eine operative Behandlung sinnvoll ist vor allem dann, wenn Exostosen Schmerzen verursachen oder Blutgefäße, Nerven und umliegende Strukturen beeinträchtigen. Die operative Entfernung der Exostosen erfolgt chirurgisch und kann zusätzlich mit einer Korrektur von Fehlstellungen kombiniert werden. In manchen Fällen sind korrigierende Osteotomien notwendig. Nach dem chirurgischen Eingriff ist eine physiotherapeutische Nachbehandlung wichtig.
Können Exostosen bösartig werden?
Exostosen sind grundsätzlich gutartig, dennoch besteht insbesondere bei hereditären multiplen Exostosen ein geringes Risiko einer malignen Entartung. Dabei kann sich aus einer Exostose ein bösartiger Tumor entwickeln. Warnzeichen sind ein erneutes Wachstum nach Wachstumsabschluss oder zunehmende Beschwerden. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen und eine lebenslange Nachsorge empfehlenswert, insbesondere bei multiplen Exostosen.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
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