Die sogenannte Linea alba ist die senkrechte Bindegewebsnaht in der Mitte des Bauches. Sie verläuft zwischen Bauchnabel und Brustbein. Die Linea alba entsteht durch die Vereinigung der Sehnen der seitlichen Bauchwandmuskeln.
Bei einer epigastrischen Hernie entsteht entlang der Linea alba eine Lücke in der Bauchwand (Bruchpforte). Durch diese wölben sich Teile des Bauchraums als Bruchinhalt in eine sackartige Ausstülpung des Bauchfells (Bruchsack) nach außen vor. Betroffen ist meistens Binde- und Fettgewebe sowie in seltenen Fällen auch Teile des Dünndarms.

Gut sichtbare Linea alba bei einer schlanken Frau © Mirrorstudio | AdobeStock
Die epigastrische Hernie entspricht damit anderen äußeren Hernien, wie beispielsweise
Die epigastrische Hernie kommt deutlich seltener vor als etwa der Leistenbruch oder die Nabelhernie. Sie macht nur etwa 1,6 bis 3,6 Prozent aller Bauchwandhernien aus.
Betroffen sind meist Menschen im mittleren Lebensalter. Männer und Frauen erleiden dabei etwa gleich häufig eine epigastrische Hernie.
Am Ende ist es entscheidend, dass Expertinnen und Experten die genaue Lage und Größe des Bauchwandbruchs bestimmen, um die passende Therapieform auszuwählen. Gerade wenn der Bruch im Bereich des Nabels liegt, helfen präzise Untersuchungen dabei, Risiken besser einzuschätzen und Komplikationen frühzeitig zu vermeiden.
Betroffene leiden in der Regel an einer angeborenen Bindegewebsschwäche, die dazu führt, dass die Bauchwand nicht so fest ist wie sie sollte. Zur Entstehung einer epigastrischen Hernie kommt es, wenn gleichzeitig ein erhöhter Bauchinnendruck entlang der Mittellinie des Bauches vorliegt.
Eine Erhöhung des Bauchinnendrucks kann unter anderem durch
- häufiges Husten, beispielsweise bei chronischen Lungenerkrankungen,
- häufiges und starkes Pressen beim Stuhlgang, beispielsweise bei einer chronischen Stuhlverstopfung, sowie
- vermehrtes Tragen von schweren Lasten
hervorgerufen werden.
Darüber hinaus gehören auch
- Übergewicht,
- eine Schwangerschaft und
- Bauchwassersucht (Aszites)
zu den Risikofaktoren, die die Entstehung einer epigastrischen Hernie begünstigen können.

Das Heben schwerer Lasten kann bei bestehender Bindegewebsschwäche die Entstehung einer epigastrischen Hernie begünstigen © Maria Fuchs | AdobeStock
Eine epigastrische Hernie äußert sich in der Regel durch eine Vorwölbung entlang der Linea alba, die von außen sicht- und/oder tastbar ist.
Zu den typischen Symptomen einer epigastrischen Hernie gehören zudem starke und plötzlich auftretende Schmerzen im Oberbauch. Sie werden durch eine Erhöhung des Bauchinnendrucks verursacht bzw. verstärkt.
In manchen Fällen kommt es bei einer großen epigastrischen Hernie zur Einklemmung von Eingeweiden in der Bruchpforte. Dann können neben starken, anhaltenden Schmerzen zudem auch Übelkeit und Erbrechen auftreten.
Zusätzlich spielen die Ursachen eines Bauchwandbruchs eine wichtige Rolle dafür, wie ausgeprägt die Beschwerden sind. Je nach Größe der Hernie kann der erhöhte Druck im Bauchraum dazu führen, dass Gewebe stärker hervortreten und dauerhaft im Körper eingeklemmt bleiben. Ähnlich wie bei einem Narbenbruch besteht in schweren Fällen das Risiko, dass abgeschnürte Gewebeanteile nicht mehr durchblutet werden und im schlimmsten Fall absterben, was eine sofortige medizinische Behandlung notwendig macht.
Eine epigastrische Hernie wird meist im Rahmen eines ausführlichen Anamnesegesprächs und einer körperlichen Untersuchung diagnostiziert.
Während des Anamnesegesprächs wird der Patient zu seinen Beschwerden, Lebensumständen und seiner Krankheitsgeschichte befragt.
Im Rahmen der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt den Oberbauch des Patienten gründlich ab (Palpation). Dabei kann der Arzt gegebenenfalls schon die Bruchpforte und den vorgewölbten Bruchsack ertasten und so die Diagnose einer epigastrischen Hernie stellen.

Darstellung einer Bauchwandhernie © blueringmedia | AdobeStock
Im Anschluss daran können auch noch bildgebende Untersuchungen wie
zum Einsatz kommen. Damit kann der Arzt die epigastrische Hernie sicher und eindeutig diagnostizieren oder andere Krankheiten ausschließen oder bestätigen.
Eine epigastrische Hernie bildet sich nicht von alleine zurück. Die Beschwerden werden mit der Zeit immer schlimmer und zudem besteht die Gefahr einer Einklemmung von Eingeweiden in der Bruchpforte. Daher sollte ein Oberbauchbruch stets operativ im Rahmen der Hernienchirurgie behandelt werden.
Zur chirurgischen Behandlung einer epigastrischen Hernie stehen mit
- dem Bruchverschluss durch eine direkte Naht (Fasziennaht) und
- dem Bruchverschluss durch die Einpflanzung eines Kunststoffnetzes
prinzipiell zwei Operationstechniken zur Verfügung.
Die Operation kann sowohl minimal-invasiv als auch im Rahmen eines offenen Eingriffs erfolgen. Welches Operationsverfahren zum Einsatz kommt, hängt von der Größe der epigastrischen Hernie und dem Ausmaß der Beschwerden ab.
Wann ist bei einem Bauchwandbruch eine Operation notwendig?
Sobald Bauchwandbruch-Beschwerden zunehmen oder sich Teile von Organen in der Bruchlücke einklemmen könnten, ist in der Regel eine OP erforderlich. Da der Bruch nicht von selbst heilt, raten Ärzt*innen meist frühzeitig zu einem Eingriff, um Komplikationen zu vermeiden.
Welche Operationsverfahren gibt es – minimalinvasiv oder offen?
Je nach Befund kommen eine minimalinvasive Laparoskopie oder eine offene Operation infrage. Beide Verfahren gehören zu den häufigsten Operationen überhaupt und haben sich langfristig bewährt.
Erfolgt der Eingriff immer unter Vollnarkose?
In der Regel ja. Die meisten Bauchwandbruch-Operationen erfolgen in Vollnarkose und werden in einer spezialisierten Klinik durchgeführt, um maximale Sicherheit zu gewährleisten.
Kann sich ein Bauchwandbruch nach der Operation wieder aufsetzen?
Ein erneutes Wiederauftreten ist möglich, besonders bei starkem Druck im Bauchraum oder schwachem Bindegewebe. Moderne Netze und Techniken senken dieses Risiko jedoch deutlich.
Kann ein Bauchwandbruch auch unentdeckt bleiben?
Ja – bei kleinen Befunden kann der Bruch außen nicht sichtbar sein. Beschwerden treten dann oft erst auf, wenn Belastung, Husten oder körperliche Aktivität die Schwachstelle stärker beanspruchen.