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Erkrankung · Unfallchirurgie

Beckenbruch: Ursachen einer Beckenfraktur (Unfallchirurgie & Reha)

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Beckenbruch. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: S32.8

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Ein Beckenbruch (Beckenfraktur) ist ein Knochenbruch im Becken, der meist durch einen Sturz oder Verkehrsunfall entsteht. Mediziner unterscheiden stabile von instabilen Brüchen sowie Verletzungen des Beckenrings von solchen der Hüftpfanne. Typische Anzeichen sind starke Schmerzen, Schwellungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit; die Diagnose sichern Röntgen, CT und Ultraschall. Während ein stabiler Bruch oft konservativ heilt, müssen instabile Beckenbrüche in der Regel operiert werden.

Das Becken besteht aus mehreren miteinander fest verbundenen Knochen und stellt die Verbindung zwischen der Wirbelsäule und den Beinen her. Ein Beckenbruch (Beckenfraktur) ist ein feiner Riss, der einen der Beckenknochen durchzieht. Er tritt meist als Folge von Stürzen oder Verkehrsunfällen auf.

Weiterführende Informationen sowie ausgewählte Beckenbruch-Spezialisten finden Sie weiter unten.

Was ist das Besondere an einer Beckenfraktur?

Bei Beckenfrakturen unterscheidet man die Beckenringfraktur, also eine Verletzung des Beckenringes, und solche der Hüftpfanne (Acetabulum). Wie schwer eine solche Beckenverletzung ausfällt, hängt vom betroffenen Bereich und der Stabilität des Knochens ab. Je nachdem, wie stabil der Beckenring ist, liegt dann ein stabiler oder ein instabiler Beckenbruch vor. Stabil bedeutet, dass der Knochen von selbst relativ gut hält. Instabil heißt, dass sich der Knochen ohne Operation fortwährend verschiebt und so zu Fehlverheilungen und Begleitverletzungen führt.

Ist der Verunfallte noch zusätzlich an anderen Körperstellen verletzt, spricht man von einem Polytrauma. So erleiden 4 von 10 Verletzten noch zusätzlich ein Schädel-Hirn-Trauma. Zu Verletzungen der Unterleibsorgane kommt es bei jedem vierten Unfallopfer mit Beckenfraktur.

Welche Arten von Beckenbrüchen gibt es?

Ist der Beckenknochen nicht durchgebrochen, handelt es sich um eine unvollständige Beckenfraktur. Nur in seltenen Fällen bricht er vollständig durch. Dann spricht der Mediziner von einem vollständigen Beckenbruch. Bei einem vollständigen Beckenbruch besteht oft Lebensgefahr, da sich im Unterleib eine Vielzahl großer Blutgefäße befinden. Sie können schon bei geringen Beckenbewegungen reißen, so dass der Patient an inneren Blutungen stirbt.

Aus diesem Grund unterteilt man Beckenfrakturen auch in stabil und instabil. Hiermit kommt zum Ausdruck, dass der Beckenknochen die Beckenorgane umschließt und im Falle einer instabilen Fraktur das Risiko besteht, dass diese durch verschobene Knochenstücke verletzt werden.

Was bedeutet die Einteilung nach Typ A, B und C?

Bei der Einteilung der Beckenfraktur in die Typen A, B und C ist die Stabilität das entscheidende Kriterium.

Stabiler Beckenbruch

Beim Beckenbruch vom Typ A ist der Beckenring nicht geschädigt. Es besteht keine Lebensgefahr für den Patienten, da es sich nur um Brüche am Kreuzbein und Steißbein handelt. Sie verlaufen quer und heilen oft von selbst. Diese Fraktur kann oft ohne Operation durch Schmerzmittel und körperliche Schonung nach anfänglicher Bettruhe behandelt werden.

Instabiler Beckenbruch

Beim Beckenbruch des Typs B sind der vordere und der hintere Beckenring gebrochen. Das Becken ist nur noch vertikal stabil, jedoch rotatorisch instabil (rundum). Das ist beispielsweise bei einem Schambein-Bruch der Fall. Die beiden Hälften des Schambeins - es befindet sich ganz unten am Becken - sind dann wie ein Buch aufgeklappt. Wer dieses "open book" hat, ist nicht mehr imstande zu laufen. Diese Art der Fraktur muss oft operativ versorgt werden, anfänglich kann durch ein äußeres Gerüst (Fixateur externe) der Beckenknochen stabilisiert werden, um ein weiteres verschieben zu verhindern und damit die Gefahr der Verletzung innerer Organe zu minimieren

Komplett instabiler Beckenbruch

Bei dieser Beckenfraktur vom Typ C sind die Beckenknochen sowohl vertikal als auch rotatorisch instabil.

Was ist eine Hüftpfannenfraktur?

Bei der Hüftpfannenfraktur, auch Azetabulumfraktur genannt, ist die Hüftpfanne gebrochen. Als Hüftpfanne (Acetabulum) bezeichnet man die knöcherne Rundung, in der der obere Teil des Oberschenkelknochens sitzt. Die Hüftpfannen befinden sich rechts und links an der Beckenaußenseite und sind das Zentrum des Hüftgelenks.


Die Anatomie der Hüfte und ihren Knochenanteilen © bilderzwerg / Fotolia

Anatomie Hüfte und Becken
Die Anatomie der Hüfte und ihren Knochenanteilen © bilderzwerg / Fotolia

Welche Ursachen für einen Beckenbruch gibt es?

Die häufigste Ursache für die Beckenfraktur ist eine Gewalteinwirkung auf die Beckenknochen, zum Beispiel durch einen Verkehrsunfall oder Sturz. Auf welche Weise und wie stark der Unterbauch dabei geschädigt wird, hängt davon ab, aus welcher Richtung die Gewalt kommt und wie intensiv diese Kräfte sind.

Seitlich auf das Becken einwirkende Kräfte sorgen für eine Krümmung des Beckenrings. Kommt die Kraft von vorn, bewegen sich die Beckenschaufeln nach hinten. Von oben nach unten gerichtete Gewalt verschiebt die Becken-Hälften senkrecht gegeneinander.

Ein erhöhtes Risiko, einen Beckenbruch zu erleiden, haben ältere Menschen ab 70 mit Osteoporose. Während bei ihnen schon ein leichter Sturz genügt, führt bei jüngeren Menschen meist ein Hochrasanztrauma wie ein Sturz aus großer Höhe zum Bruch. Die Erkrankung betrifft meist Frauen ab 60 und ist Folge von langjährigem Kalziummangel. Dadurch wird die Knochensubstanz brüchig. Bei Patienten mit Osteoporose kann schon ein harmloser Sturz eine komplizierte Beckenfraktur verursachen.

Woran merkt man, dass eine Beckenfraktur vorliegt?

Eine stabile, isolierte Fraktur verursacht in der Regel weniger starke Beschwerden als ein instabiler Knochenbruch, bei dem häufig weitere Verletzungen hinzukommen. Zu den häufigsten Beckenbruch-Symptomen gehören:

  • starke Schmerzen im Bereich des Beckens
  • Schwellungen in der Hüftregion
  • eingeschränkte Mobilität eines Beines
  • Blutergüsse am Verletzungsort
  • unterschiedliche Beinlängen
  • Gefühl der Instabilität im Beckenbereich
  • Fehlstellung der Beckenknochen
  • blutiger Urin durch Blasenverletzung
  • stark erhöhter Puls
  • blasses Gesicht
  • Unruhezustände
  • Verwirrtheit

Wie erfolgt die Diagnose Beckenbruch?

Die Diagnose des Beckenbruchs erfolgt durch einen Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie. Besteht der Verdacht auf einen Beckenbruch, nimmt man nach der Einlieferung in die Notaufnahme zuerst den Unfallhergang auf und führt anschließend eine körperliche Untersuchung durch.

Daran schließt sich die Untersuchung des Verletzten auf körperliche Schäden an:

  • Der Unfallchirurg tastet die Beckenknochen vorsichtig auf fühlbare Fehlstellungen ab.
  • Ein leichter Druck auf die Beckenschaufel lässt erkennen, ob die Beckenknochen stabil oder instabil sind.
  • Ein Abtasten der Schambeinfuge - sie befindet sich zwischen den beiden halbrunden Schambeinknochen - und eine rektale Untersuchung des Enddarms dienen dazu festzustellen, ob der Patient Unterleibsblutungen hat.
  • Außerdem kontrolliert der untersuchende Facharzt die Bewegungs- und Empfindungsfähigkeit beider Beine. So findet er heraus, ob er außerdem noch Nervenschäden hat.
  • Die Überprüfung des Pulses gibt Auskunft darüber, ob die Extremitäten ausreichend durchblutet sind.
  • Anhand des Becken-Röntgen-Bildes lässt sich feststellen, ob die Beckenfraktur stabil oder instabil ist. Besteht der Verdacht auf eine hintere Beckenfraktur, lässt der Untersucher noch zusätzlich Schrägbilder machen. So lassen sich zum Beispiel verschobene Beckenknochen-Teile genau lokalisieren.
  • Auch die Computertomografie (CT), ein weiteres bildgebendes Verfahren, ist in diesem Fall eine große Hilfe: Sie lässt Aussagen über die Schwere der Verletzung und das genaue Ausmaß der Verletzung zu. Auf dem Computertomogramm lassen sich außerdem noch Weichteil-Verletzungen und Blutergüsse gut erkennen.
  • In den Bauchraum ausgetretenes Blut kann man auch auf dem Ultraschallbild deutlich sehen.

Je nachdem, welche anderen Verletzungen der Beckenbruch-Patient noch hat, folgen weitere Untersuchungen:

Wie wird ein Beckenbruch behandelt?

Die Behandlung eines Beckenbruchs ist davon abhängig,

  • wie stark die Verletzungen des Patienten sind und
  • in welchem körperlichen Zustand der Patient sich befindet.

Bei einem stabilen Bruch, etwa der Beckenfraktur des Typs A, genügt meist eine konservative Therapie:

  • mehrere Tage Bettruhe,
  • Verabreichung von schmerzlindernden Medikamenten und
  • Physiotherapie (Bewegungsübungen).

Ist das Becken instabil, wie beim Beckenbruch Typ B und Typ C, erfordert das eine notfallmedizinische Versorgung und einen operativen Eingriff. Da der Patient an starkem Blutverlust leidet, muss man ihn zuerst stabilisieren, das heißt, die Blutung stoppen. Außerdem verabreicht man ihm intravenös viel Flüssigkeit, damit er nicht kollabiert.

Dann stabilisiert man das beeinträchtigte Becken mit einem vorderen Fixateur externe. Das ist ein aus Metallteilen bestehendes Haltesystem, das von außen über die Haut am Knochen festgemacht wird und den Knochenbruch ruhigstellen soll.

Alternativ kann man auch eine Beckenzwinge einsetzen. Das chirurgische Notfallinstrument hat Stangen und Platten und kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Patient verbluten könnte. Beckenzwingen verwendet man meist nur in Schwerpunktkliniken.

Hüftpfannenbrüche behandelt man grundsätzlich immer operativ, um einem vorzeitigen Verschleiß des Gelenks vorzubeugen. Da der Eingriff sehr schwierig ist, führt man ihn vorzugsweise in einer Spezialklinik durch. Dabei fixiert der Unfallchirurg den gebrochenen Gelenkteil mit metallenen Platten und Schrauben oder dem Fixateur externe.

Wie lange dauert der Heilungsprozess bei einem Beckenbruch?

Wie schnell der Beckenbruch verheilt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem davon, um welchen Typ Knochenbruch es sich handelt. Stabile Beckenfrakturen wie beispielsweise ein Steißbeinbruch heilen in der Regel schnell und komplikationslos innerhalb von 4 bis 8 Wochen ab, ohne Spätschäden zu hinterlassen.

Ist die Behandlung des instabilen Bruchs (Typ B und C) erfolgreich verlaufen und treten keine Komplikationen auf, liegt die Heilungsdauer bei mehreren Monaten. Die meisten Patienten können danach wieder ein normales Leben führen. Mitunter kommt es jedoch zu bleibenden Schäden wie Inkontinenz (unwillkürlichem Abgang von Urin oder Stuhl) und männlicher Impotenz (Beeinträchtigung der Sexualfunktion).

Die Dauer der Heilung hängt natürlich auch von individuellen Faktoren wie Lebensalter und Gesundheitszustand des Verunfallten ab.

Reha und mögliche Spätfolgen

Nach der Akutbehandlung ist eine orthopädische Reha empfehlenswert, um die Beweglichkeit wiederherzustellen und Fehlhaltungen und Fehlbelastungen zu vermeiden. Spezialisierte Rehakliniken für Beckenbruch begleiten die Patienten dabei mit Physiotherapie und gezieltem Aufbautraining. So lassen sich mögliche Spätfolgen wie chronische Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen verringern.

FAQ

1. Wie entsteht ein Beckenbruch?
Meist durch starke Gewalt wie einen Verkehrsunfall oder einen Sturz aus großer Höhe; bei Osteoporose reicht schon ein leichter Sturz.

2. Wie wird ein Beckenbruch festgestellt?
Durch Abtasten, eine körperliche Untersuchung sowie Röntgen und CT.

3. Muss ein Beckenbruch immer operiert werden?
Nein – ein stabiler Bruch wird oft konservativ behandelt, instabile Brüche und Hüftpfannenbrüche operativ.

4. Wie lange dauert die Heilung?
Stabile Brüche heilen in 4 bis 8 Wochen, instabile über mehrere Monate.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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