Ein Schlüsselbeinbruch gehört zu den häufig vorkommenden Verletzungen des Schultergürtels. Medizinisch wird er auch Claviculafraktur, Klavikulafraktur oder Fraktur der Clavicula genannt. Das Schlüsselbein verbindet das Brustbein mit dem Schulterbereich und ist dadurch bei einem Sturz besonders gefährdet. Meist entsteht der Bruch durch einen Sturz auf die Schulter oder durch das Abfangen des Körpers mit dem ausgestreckten Arm.
Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu Diagnose und Behandlung sowie ausgewählte Schlüsselbeinbruch-Spezialisten.
Definition: Was ist ein Schlüsselbeinbruch?
Ein Schlüsselbeinbruch ist ein Knochenbruch der Clavicula. Die Cavicula bildet als Schlüsselbein die knöcherne Verbindung zwischen Rumpf und Schultergürtel. Sie liegt dicht unter der Haut und verläuft zwischen Brustbein und dem äußerem Schulterbereich. Dadurch kann ein Bruch des Schlüsselbeins manchmal gut sichtbar oder tastbar sein.
Die Verletzung betrifft besonders häufig den mittleren Abschnitt des Knochens. In der medizinischen Einteilung unterscheidet man außerdem Brüche im medialen, also zur Köperpermitte gelegenen Bereich und im lateralen Bereich, nahe dem Schulterdach.
Das laterale Drittel wird unter anderem nach Jäger und Breitner eingeteilt. Dabei geht des darum, ob die Bruchlinie seitlich, zwischen oder medial der coracoclaviculären Bänder liegt. Diese Bänder verbinden das Schlüsselbein mit dem Schutlerblatt und sind wichtig für die Stabilität.
Ein Schlüsselbeinbruch kann einfach verlaufen, aber auch instabil sein. Entscheidend ist, ob die Bruchenden gegeneinander verschoben sind, ob mehrere Fragmente vorliegen und ob Haut, Nerven oder ein Gefäß gefährdet sind.
Ursache für einen Schlüsselbeinbruch
Die Ursache für einen Schlüsselbeinbruch ist meist ein direktes Anpralltrauma oder beim Sturz auf den gestrecken Arm. Ebenso kann das Schlüsselbein brechen, wenn ein indirekter Mechanismus mit axialer Stauchung entsteht, der zum Bruch führt.
Häufig bricht das Schlüsselbein im mittleren Bereich (70 Prozent) oder im medialen Drittel. Medial bezeichnet das zur Körpermitte hin gelegene Ende des Knochens. Lateral bezeichnet im Gegenzug das von der Körpermitte weiter entfernte Ende.
Eine häufige Ursache sind Sport- und Freizeitunfälle. Besonders betroffen sind Kontaktsportarten, sowie jede Sportart, bei der Stürze mit hoher Geschwindigkeit vorkommen, etwa Radfahren, Skifahren, Snowboarden oder Reiten. Auch Verkehrsunfälle können dazu führen.
Frakturen des lateralen Drittels werden nach Jäger und Breitner eingeteilt in:
- Typ 1: Frakturen lateral der coracoclaviculären Bänder (Bänder, die das Schlüsselbein mit dem Schulterblatt verbinden)
- Typ 2: Frakturen zw. den coracoclaviculären Bändern
- Typ 3: Frakturen medial der coracoclaviculären Bänder
- Typ 4: Aushülsung aus dem Periost (Kinder)
Risikofaktoren sind ein harter Aufprall, ein ungünstiger Unfallhergang, eine direkte Krafteinwirkung auf die Schulter und Stürze aus größerer Höhe. Bei Kindern kann das gebrochene Schlüsselbein teilweise schneller ausheilen, weil der Knochen noch eine hohe Remodelling-Fähigkeit besitzt. Dennoch sollten Eltern bei Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch ärztlich abklären lassen, ob Begleitverletzungen vorliegen.

Schlüsselbeinfrakturen treten meistens eher an der Seite zur Körpermitte hin (medial) auf © Liliya | AdobeStock
Symptome eines Schlüsselbeinbruchs
Die Symptome eines Schlüsselbeinbruchs treten meist unmittelbar nach dem Unfall auf.
Ein typisches Symptom ist der Schmerz über dem Schlüsselbein, der sich bei Bewegung verstärkt. Viele Betroffene halten den betroffenen Arm eng am Körper und vermeiden es, den Arm anzuheben. Dadurch ist die Beweglichkeit des Armes deutlich eingeschränkt.
Typischerweise steht das mediale Bruchstück nach oben ab und kann sogar durch die Haut treten. Bei einem Schlüsselbeinbruch bestehen außerdem Schmerzen bei Bewegungen der Schulter. Auch ein Bluterguss, Druckschmerz und eine Schwellung sind vorhanden.
Taubheitsgefühle, Kribbeln oder eine kalte Hand sind ein Warnzeichen: Auch die Blutgefäße oder Nerven können beeinträchtigt sein. Daher sollte der Arzt den Puls des Patienten sowie die Funktion der Nerven medianus, radialis und ulnaris überprüfen.
Diagnose des gebrochenen Schlüsselbein
Die Diagnostik beginnt mit der körperlichen Untersuchung. Der behandelnde Arzt fragt nach dem Unfall, prüft die Schmerzlokalisation, tastet die Clavicula vorsichtig ab und beurteilt die Schulterform. Wichtig ist auch die Kontrolle von Durchblutung, Sensibilität und Motorik.
Der Arzt untersucht den Patient und kann Röntgenbilder der Clavicula in 2 Ebenen (a.p./axial) anfertigen lassen. So lässt sich erkennen, ob der Bruch einfach, mehrfragmentär, verkürzt oder verschoben ist.
Bei komplexen Verletzungen, Verdacht auf Gelenkbeteiligungen oder unklarer Darstellung kann ein CT ebenfalls sinnvoll sein.
Claviculafrakturen in Verbindung mit Scapulafrakturen (Scapula = Schulterblatt) im Glenoidhalsbereich führen zur sogenannten „floating shoulder“. In diesem Fall besteht eine absolute OP-Indikation.
Behandlung eines Schlüsselbeinbruchs: konservativ oder operativ?
Die Behandlung eines Schlüsselbeinbruchs richtet sich nach der Lage, Stabilität und Ausmaß der Verletzung. Ziel ist es, die Schmerzen zu kontrollieren, die Knochenstellung zu erhalten oder wiederherzustellen und eine gute Schulterfunktion zu ermöglichen.
In leichteren Fällen kann eine konservative Therapie, also ohne OP, ausreichen, um den Schlüsselbeinbruch zu therapieren. Dazu gehören einfache Schaftfrakturen im medialen und im mittleren Drittel mit kaum verschobenen Bruchenden.
Die Ruhigstellung kann mit einer Armschlinge oder einem Rucksackverband erfolgen. Nach dem Anlegen und jedem Nachspannen des Rucksackverbandes ist der Pulsstatus und die Sensibilität zu überprüfen. Das Nachspannen sollte in der ersten Woche 1 bis 2mal täglich, in der zweiten und dritten Woche einmal wöchentlich erfolgen. Nach drei Wochen ist die Schulter freizugeben.
Ebenfalls konservativ therapiert werden laterale Frakturen vom Typ I und IV nach Jäger/Breitner. Der Rucksackverband greift an der lateralen Clavicula nicht. Laterale Frakturen können daher nur mit einer Armschlinge ruhiggestellt werden.
Ein Schlüsselbeinbruch ohne OP kommt vor allem infrage, wenn die Bruchenden stabil stehen, keine Hautgefährdung besteht und keine Nerven- und Gefäßverletzung vorliegt. Dann wird der Arm zunächst geschont. Schmerzmittel können helfen, Schmerzen zu lindern. Im weiteren Verlauf unterstützt Physiotherapie dabei, die Beweglichkeit der Schulter wieder aufzubauen.
Eine operative Behandlung ist gegeben bei
- drohender Durchspießung der Haut,
- Verkürzungen der Clavicula größer als 2 cm sowie
- einer Dislokation (Versetzung) um mehr als eine Schaftbreite und
- im Falle von Mehrfragmentfrakturen.
Der laterale Schlüsselbeinbruch vom Typ II und III nach Jäger/Breitner ist aufgrund der hohen Instabilität ebenfalls operativ zu behandeln.
Wird der Schlüsselbeinbruch operiert können Platten und Schrauben zum Einsatz kommen, um die Bruchstellen zu fixieren. Man spricht dabei von Osteosynthese. Diese soll den Knochen stabilisieren, damit er kontrolliert zusammenwachsen kann. Diese operative Therapie bzw. operative Versorgung ist besonders wichtig, wenn eine deutliche Fehlstellung vorliegt oder die Funktion gefährdet ist.
Alle Frakturtypen können bei erhaltener Sensibilität und Puls der betroffenen Extremität primär ruhiggestellt werden.
Bei einer konservativen Therapie ist auf
- die Kallusbildung (ggf. mit Irritation des Plexus brachialis) und
- das Remodelling nach ein bis zwei Jahren
hinzuweisen. In der Regel ist nach operativer Behandlung wegen des dünnen Weichteilmantels über der Clavicula eine Osteosynthesematerialentfernung notwendig.
Heilungsdauer und Therapie bei einer Claviculafraktur
Der Schlüsselbeinbruch heilt bei konservativer und operativer Therapie stabil aus. Die Heilungsdauer des Knochens kann bis zu zwei Jahre dauern und hängt von Alter, Bruchform und Behandlung sowie der Belastung ab.
Meist dauert es mehrere Wochen, dis der Knochen ausreichend stabil ist. bis die Schulter weider voll belastbar ist, kann es länger dauern. Bei Kindern heilt ein Schlüsselbeinbruch häufit schneller als bei Erwachsenen.
Die operative Therapie eines Schlüsselbeinbruchs hat das Risiko der höheren Pseudarthrose-Rate als Komplikation (zwei bis neun Prozent). Auch Narbenbeschwerden, Reizungen oder ein Folgeschaden durch Begleitverletzungen sind möglich, aber nicht der Regelfall.
Spezialisten für einen Schlüsselbeinbruch
Für die Versorgung des Schlüsselbeinbruchs sind Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie zuständig. Sie beurteilen ob der Bruch stabil ist, ob Begleitverletzungen bestehen und ob eine konservative Behandlung mölgich ist oder ob operative Therapie erfolgen sollte.
Spezialisierte Zentren verfügen über Erfahrung mit Schulterverletzungen, Frakturen der Clavicula und moderner Osteosynthese. Wichtig ist eine präzise Bildgebung, eine nachvollziehbare Therapieentscheidung und eine strukturierte Nachbehandlung.
häufige Fragen
Wie entsteht ein Schlüsselbeinbruch?
Ein Schlüsselbeinbruch entsteht meist durch einen Sturz, besonders auf die Schulter oder den ausgestreckten Arm. Auch ein direkte Schlag, ein Verkehrsunfall oder Sportunfall kann dazu führen, dass das Schlüsselbein gebrochen ist.
Wie kann man einen Schlüsselbeinbruch erkennen?
Hinweise sind Schmerzen über der Clavicula, eine Schonhaltung des Arms, eine tastbare Stufe, Schwellung, Bluterguss und eingeschränkte Bewegung. Bei starken Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder sichtbaren Fehlstellungen sollte rasch ärztlich untersucht werden.
Wie wird die Diagnose erstellt?
Die Diagnose erfolgt durch Untersuchung und Röntgenbilder in zwei Ebenen. Der Arzt prüft außerdem Durchblutung, Gefühl und Kraft im Arm, um Nerven- oder Gefäßschäden auszuschließen.
Muss ein Schlüsselbeinbruch immer operiert werden?
Nein, viele Brüche können konservativ behandelt werden. Eine Operation ist eher nötig, wenn der Bruch deutlich verschoben, verkürzt, mehrfragmentär oder instabil ist.
Wie lange dauert die Heilung?
Die Heilung dauert meist mehrere Wochen. Erwachsene benötigen je nach Bruchform und Behandlung oft 6-12 Wochen, bis der Knochen belastbarer ist. Sport und schwere Arbeiten sollten erst nach ärztlicher Freigabe erfolgen.
Können Kinder einen Schlüsselbeinbruch ohne Operation ausheilen?
Ja, bei Kindern heilt ein Schlüsselbeinbruch oft besonders gut, weil sich der Knochen noch umbauen kann. Trotzdem sollte der Bruch ärztlich kontrolliert werden.
Wann darf man den Arm wieder bewegen?
Leichte Bewegungen erfolgen abhängig vom Befund und nach ärztlicher Anweisung. Zu früher Belastung kann die Heilung stören. Gezielte Physiotherapie hilft später, Kraft und Beweglichkeit sicher aufzubauen.
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Über den Fachautor
Univ.-Prof. Dr. med. Ulrich Stöckle
Ärztlicher Direktor · Tübingen
Univ. Prof. Dr. med. Ulrich Stöckle – Fachautor: Entdecken Sie medizinische Expertenbeiträge im Leading Medicine Guide.
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