Herzaneurysma: Symptome, Diagnostik & Behandlung von Aneurysmen der Aorta und Hauptschlagader

04.12.2025
Prof. Dr. med. Susanne Regus
Medizinische Fachautorin
Ein Herzaneurysma entsteht, wenn sich ein Abschnitt der Herzwand oder der Aorta krankhaft erweitert und dadurch eine Schwachstelle in der Gefäßwand der Aorta oder im Ventrikel entsteht. Viele Aneurysmen werden im Rahmen anderer Untersuchungen oder Routineuntersuchungen entdeckt – häufig erst bei Männern ab 65 Jahren, die etwa fünfmal häufiger betroffen sind. Je nach Lage des Aneurysmas können Symptome lange fehlen oder akut auftreten, etwa wenn die Ausbuchtung den Druck des Blutes nicht mehr standhält. Besonders gefährlich wird es, wenn eine Ruptur droht oder eine Aortendissektion entsteht, bei der Blut zwischen die Wandschichten eindringt. Ärztinnen und Ärzte nutzen moderne Diagnostik wie Ultraschall, CT oder MRT, um die Lage und Größe exakt zu bestimmen. Ab einem Durchmesser von mehreren Zentimetern steigt das Risiko erheblich, sodass oft eine operative Behandlung empfohlen wird. Die Therapie hängt immer von der Lage des Aneurysmas, der Größe sowie dem allgemeinen Risiko für ein Aortenaneurysma ab.
ICD-Codes für diese Krankheit: I25.3

Kurzübersicht:

Ein Herzaneurysma ist eine krankhafte Erweiterung der Aorta oder der Herzwand, die häufig erst zufällig entdeckt wird. Je nach Lage des Aneurysmas treten Symptome im Brustkorb, im Bauchraum oder im Rücken auf, besonders wenn die Ausbuchtung größer wird. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, bei Männern ab 65 Jahren und bei bestehenden Gefäßschäden. Wird ein Aneurysma größer oder verursachen Symptome, ist eine operative Therapie oft notwendig, um die Gefahr eines Risses zu verhindern.

Artikelübersicht

Definition: Was ist ein Aneurysma?

Der Begriff „Aneurysma“ leitet sich aus dem altgriechischen Wort „aneúrysma“ ab, das wörtlich übersetzt „Erweiterung“ bedeutet. Alle Blutgefäße können von einem Aneurysma betroffen sein.

Bitte akzeptiere zusätzliche externe Inhalte, um dieses Video anzusehen.

In den meisten Fällen bildet sich eine solche Gefäßerweiterung aber entlang der Arterien. Arterien sind Blutgefäße, die das mit Sauerstoff angereicherte Blut vom Herzen zu Organen, Muskeln und Geweben transportieren. Ein Aneurysma wird deshalb auch als Arterienerweiterung oder arterielle Aussackung bezeichnet.

An den Venen, also den Blutgefäßen, die das sauerstoffarme Blut zum Herzen hinführen, tritt ein Aneurysma nur selten auf.

Herzaneurysma: Entstehung, Lage und Risiken

Ein Herzaneurysma entsteht meist nach einem Herzinfarkt, wenn die geschädigte Herzwand an Stabilität verliert und sich unter dem Druck des Blutes ausbuchtet. Ein solches Ventrikelaneurysma ist eine typische Schwachstelle, die je nach Lage im Herzen unterschiedliche Beschwerden hervorrufen kann. Während kleine Ausbuchtungen oft keine Beschwerden verursachen, kann ein großes Aneurysma die Pumpfunktion beeinträchtigen und zu Kreislaufproblemen führen. Nicht nur im Herzen, sondern auch an der Aorta – sowohl im Brustkorb als auch im Bauchraum – können sich Aneurysmen bilden. Ein Aneurysma der Aorta bleibt oft unbemerkt, wird aber häufig im Rahmen von Routineuntersuchungen entdeckt. Kritisch wird es, wenn die Gefäßwand durch zunehmendes Alter an Festigkeit verliert oder ein Aortendissektion entsteht, bei der Blut zwischen die Wandschichten gelangt. Je nach Lage des Aneurysmas kann es zu Schmerzen im Brustbereich, im Bauchraum oder im Rücken kommen. Wird das Aneurysma größer oder zeigt sich eine deutliche Erweiterung der Aorta, kann eine offene Operation notwendig sein, bei der das Gefäß über die Herz-Lungen-Maschine repariert wird. Alternativ werden Stent-Prothesen über die Leistenschlagader eingeführt, wenn eine weniger invasive Methode möglich ist.

Wo treten Aneurysmen auf?

Am häufigsten tritt ein Aneurysma an der Hauptschlagader auf, die auch Aorta genannt wird. Diese Form des Aneurysmas wird auch als Aortenaneurysma bezeichnet.

Ein Aneurysma an der unteren Hauptschlagader im Bauchraum, an der Bauchaorta, ist als Bauchaortenaneurysma bekannt. Dieses ist mit einem Anteil von über 90 Prozent das häufigste Aneurysma.

Ein Aortenaneurysma an der oberen Hauptschlagader, die im Brustkorb verläuft und demnach Brustaorta genannt wird, bezeichnet man als thorakales Aneurysma. Eine solche Gefäßerweiterung an der oberen Hauptschlagader im Brustkorb kommt wesentlich seltener vor. So macht sie nur etwa 3 Prozent aller Aortenaneurysmen aus.

Neben der oberen und unteren Hauptschlagader können in seltenen Fällen auch andere Gefäße von einer krankhaften Gefäßerweiterung betroffen sein:

  • Hirngefäße (intrakranielles bzw. zerebrales Aneurysma)
  • herznahe Gefäße
  • Arterien der Arme, Beine und der inneren Organe

Ein Herzaneurysma oder Herzwandaneurysma kann in der linken Herzkammer nach einem Herzinfarkt entstehen.

Welche unterschiedlichen Formen von Aneurysmen gibt es?

Je nach Art der Gefäßerweiterung unterscheiden wir drei verschiedene Formen von Aneurysma:

  • "echtes" Aneurysma (Aneurysma verum)
  • gespaltenes Aneurysma (Aneurysma dissecans)
  • "falsches" Aneurysma (Aneurysma spurium bzw. falsum)

Das Aneurysma verum ist das Aneurysma im eigentlichen Sinne. Alle drei Schichten der Blutgefäßwand sind durchgängig erhalten. Sie stülpen sich sackartig nach außen und bilden eine sackförmige Gefäßerweiterung.

Beim Aneurysma dissecans ist eine Schicht der Blutgefäßwand gerissen. Daraufhin läuft Blut zwischen die verschiedenen Gefäßwandschichten und bildet dort einen erweiterten Hohlraum.

Das Aneurysma spurium bzw. falsum wird auch als falsches Aneurysma bezeichnet. Es ist keine arterielle Aussackung im eigentlichen Sinn. Es entsteht, wenn sich nach einer Gefäßwandverletzung ein Bluterguss (Hämatom) um das Blutgefäß herum bildet. Dieser wird nach einiger Zeit von einer Bindegewebskapsel überzogen und mit Blut durchflossen.

Ursachen und Risikofaktoren für Herz- und Aortenaneurysmen

Was sind die Ursachen eines Aneurysmas?

Aneurysmen entstehen in der Regel an Stellen, an denen die Gefäßwand geschwächt ist. Diese Schwächen können sowohl angeboren als auch erworben sein.

Angeborene Ursachen:

  • Bindegewebsstörungen (z.B. Marfan-Syndrom oder Ehlers-Danlos-Syndrom)
  • Fehlbildungen der Blutgefäße 

Erworbene Schwächen und Veränderungen der Gefäßwand können durch Gefäßverletzungen entstehen, die zum Beispiel durch eine Herzkatheteruntersuchung verursacht wurden.

Einige Risikofaktoren begünstigen die Bildung eines Aneurysmas. Hierzu gehören insbesondere

Welche Beschwerden entstehen durch ein Aneurysma?

Ein Aneurysma verursacht oftmals lange Zeit keinerlei Symptome. Beschwerden treten oft erst auf, wenn der Durchmesser der Gefäßerweiterung so groß ist, dass Druck auf die umliegenden Strukturen entsteht. Welche Symptome ein Aneurysma dann genau hervorruft, hängt von seiner Lage ab.

So treten bei einem Bauchaortenaneurysma beispielsweise meist Beschwerden wie

auf.

Aortenaneurysma

Reißt ein Bauchaortenaneurysma, kann es im schlimmsten Fall zu einer lebensgefährlichen inneren Blutung kommen. Diese äußert sich durch plötzliche, sehr starke, stechende und anhaltende Schmerzen in den Flanken.

Ein thorakales Aortenaneurysma, sprich ein Aneurysma an der Hauptschlagader im Brustbereich, zeigt sich durch Symptome wie

  • Brustschmerzen
  • Husten
  • Heiserkeit
  • Schluckbeschwerden
  • Atemnot
  • krankhafte Atemgeräusche
  • Durchblutungsstörungen in den Armen oder im Gehirn 

Reißt ein thorakales Aortenaneurysma, treten meist starke Brustschmerzen auf, die den Symptomen eines Herzinfarktes ähneln.

Bei Blutungen aus einem Aneurysma der Gehirnarterien, medizinisch einem intrakraniellen bzw. zerebralen Aneurysma, können Symptome wie

  • plötzliche, starke Kopfschmerzen,
  • Gesichtsschmerzen,
  • Übelkeit und
  • Bewusstlosigkeit

auftreten.

Herzwandaneurysmen und Aneurysmen der herznahen Aorta können

auslösen.

Wie wird ein Aneurysma festgestellt?

Ein Aneurysma wird in der Regel im Rahmen einer körperlichen Untersuchung, bei der der behandelnde Arzt die Bauch- oder Beckenarterien abtastet, sowie mithilfe weiterer bildgebender Untersuchungen diagnostiziert. Zu den bildgebenden Untersuchungen, die sich zur Diagnose eines Aneurysmas eignen, gehören:

Bauchschmerzen

Bauchschmerzen im Unterbauch können ein Anzeichen für ein Bauchaortenaneurysma sein

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten eines Aneurysmas gibt es?


Ob ein Aneurysma behandelt werden muss und wie die Therapie genau aussieht, hängt unter anderem von der Lage und Größe der Gefäßerweiterung sowie der Zunahme des Querdurchmessers des Aneurysmas ab. Grundsätzlich stehen dabei sowohl konservative, als auch operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Bitte akzeptiere zusätzliche externe Inhalte, um dieses Video anzusehen.

Die konservative Behandlung kommt hauptsächlich bei kleineren Aneurysmen, die keine Beschwerden verursachen, zum Einsatz. Sie zielt auf die Therapie und Vermeidung der zugrundeliegenden Ursachen und Risikofaktoren ab. Zu diesen Risikofaktoren gehören:

Dadurch soll verhindert werden, dass das Aneurysma sich vergrößert oder einreißt.
Je größer ein Aneurysma ist, umso größer ist das Risiko, dass es reißt. In diesen Fällen empfehlen Ärzte in der Regel eine Operation zur Entfernung des Aneurysmas. Hierbei stehen verschiedene Operationsmethoden zur Auswahl, darunter der Einsatz einer sogenannten Gefäßprothese oder eines Stents in dem betroffenen Blutgefäß. Bei einem Aneurysma der Hirnarterien kommen mit dem sogenannten Clipping oder Coiling grundsätzlich zwei Operationsverfahren in Frage.

FAQ zum Herzaneurysma

Wie entsteht ein Aorten- oder Herzaneurysma?
Ein Aneurysma entsteht, wenn die Gefäßwand der Aorta krankhaft erweitert ist und dadurch eine Schwachstelle entsteht. Ursachen sind arterielle Schäden, ein Ventrikelaneurysma nach einem Infarkt, eine Aortendissektion oder Veränderungen, die mit zunehmendem Alter an Festigkeit verlieren. Männer ab 65 Jahren haben ein deutlich erhöhtes Risiko für ein Aortenaneurysma, und vier bis acht Prozent aller Männer sind betroffen. Viele Aneurysmen werden im Rahmen von Routineuntersuchungen oder anderen Diagnostikverfahren entdeckt.

Welche Symptome treten bei einem Aortenaneurysma auf?
Symptome hängen immer von der Lage des Aneurysmas ab. Beschwerden entstehen meist erst, wenn die Ausbuchtungen größer werden oder eine Ruptur droht. Typisch sind Schmerzen im Brustkorb, im Bauchraum und im Rücken. Bei einem Aneurysma der Aorta im Brustbereich können zusätzlich Atemnot, Husten oder Heiserkeit auftreten. Treten Symptome akut auf, ist dies ein Hinweis auf eine gefährliche Veränderung und erfordert eine rasche ärztliche Abklärung.

Wie wird ein Aneurysma diagnostiziert?
Ein Aneurysma wird meist durch Ultraschall im Rahmen anderer Untersuchungen erkannt. Bei Verdacht auf ein Aortenaneurysma folgen CT, MRT oder eine Angiographie, um die genaue Lage des Aneurysmas zu bestimmen. Je nach Lage des Aneurysmas – im Brustkorb oder im Bauchraum – wird die passende Diagnostik ausgewählt. Auch ein Aneurysma der aorta ascendens oder eine begleitende Aortendissektion lassen sich so zuverlässig nachweisen.

Wann ist eine Operation notwendig?
Eine Operation wird empfohlen, wenn ein Aneurysma ab einem Durchmesser von mehreren Zentimetern besteht oder wenn Symptome auftreten, die auf eine instabile Gefäßwand hinweisen. Je nach Lage des Aneurysmas kann dies die Aorta im Brustbereich oder Bauchraum betreffen. Ärztinnen und Ärzte entscheiden individuell, wann eine Operation notwendig ist, da das Risiko einer Ruptur mit der Größe steigt. Auch die Lage des Aneurysmas beeinflusst, ob eine chirurgische Therapie oder eine weniger invasive Behandlung möglich ist.

Wie wird ein Aneurysma behandelt?
Die operative Behandlung umfasst entweder die klassische offene Operation über den Brustkorb oder Bauchraum – oft unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine – oder ein endovaskuläres Verfahren, bei dem Stents über die Leistenschlagader eingeführt werden. Welche operative Therapie gewählt wird, hängt von der Größe, der Lage und den Ursachen für eine Aortendissektion oder Gefäßschwäche ab. Bleibt ein Aortenaneurysma unbehandelt, kann es zu einer Ruptur mit lebensbedrohlichen Folgen führen.

Kann ein Aneurysma von selbst verschwinden?
Nein, eine krankhafte Erweiterung der Aorta bildet sich nicht von selbst zurück. Ein Aneurysma vergrößert sich häufig weiter, da die Gefäßwand der Aorta an der betroffenen Stelle geschwächt ist. Wird ein Aneurysma im Rahmen von Routineuntersuchungen entdeckt, sind regelmäßige Kontrollen wichtig, um eine Zunahme des Durchmessers frühzeitig festzustellen.

Wie kann man einem Aortenaneurysma vorbeugen?
Vorbeugung bedeutet vor allem, Risikofaktoren konsequent zu reduzieren. Dazu gehören die Behandlung von Bluthochdruck, Nikotinverzicht, eine gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion und regelmäßige Bewegung. Männer ab 65 Jahren profitieren besonders von einem einmaligen Ultraschall-Screening, da ein Aneurysma oft lange keine Symptome verursacht. Die Gefahr eines Risses lässt sich durch frühzeitige Diagnostik und eine individuell angepasste Therapie deutlich reduzieren.

Empfohlene Herzaneurysma-Spezialisten