Hallux rigidus: Informationen & Hallux rigidus-Spezialisten

31.01.2022
Dr. med. Wolfram Wenz
Medizinischer Fachautor

Die große Zehe nimmt beim Laufen eine große Rolle ein. Wenn die Zehe nicht mehr in der Lage ist, eine vernünftige Abrollbewegung sicherzustellen und darüber hinaus auch noch Schmerzen verursacht, könnte ein Hallux rigidus vorliegen. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Hallux rigidus-Spezialisten und Zentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: M20.2

Empfohlene Hallux rigidus-Spezialisten

Hallux rigidus Fälle in Deutschland

9.040 Fälle im Jahr 2020
9.240 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was ist ein Hallux rigidus? Der Verschleiß (Arthrose) des Grundgelenks des großen Zehs, wodurch Betroffene Schmerzen spüren und später die Großzehe gar nicht mehr bewegen können.
  • Risikofaktoren: Über- und Fehlbelastungen, falsches Schuhwerk, Verletzungen, erbliche Faktoren, Stoffwechselerkrankungen wie Gicht und ein zu hoher Kompressionsdruck auf das Großzehengrundgelenk.
  • Symptome: Starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des Zehengelenks, Wetterfühligkeit und entzündliche Reaktionen
  • Konservative Behandlung: Im Anfangsstadium eignen sich spezielle Schuheinlagen in Kombination mit entzündungshemmenden Medikamenten oder Knorpelaufbaupräparaten.
  • Operative Behandlung: Verschiedene Optionen stehen zur Wahl. Die vollständige Versteifung des Gelenk ist die Standardtherapie, wodurch Schmerzfreiheit und Beweglichkeit wiederhergestellt werden. Die Knorpelrekonstruktion und ein Gelenkersatz sind weitere Möglichkeiten.
  • Vorbeugung: Sind Fehlstellungen bekannt, sollten sie frühzeitig behandelt werden, damit kein Hallux rigidus entstehen kann.

Artikelübersicht

Was ist ein Hallux rigidus?

Hallux rigidus ist eine Verschleißerkrankung (Arthrose) des Grundgelenks der Großzehe. Umgangssprachlich wird es auch als steife Zehe bezeichnet.

Betroffen ist der Bereich zwischen dem ersten Knochen des Mittelfußes und dem Grundglied der großen Zehe. In seiner Entwicklung führt der Hallux rigidus einerseits zu Schmerzen. Andererseits kommt es auch zu einer Bewegungseinschränkung, die das Abrollen der großen Zehe kaum oder gar nicht mehr möglich macht.

Grund hierfür ist der kontinuierliche, für eine Arthrose typische Verlust von Knorpelmasse in diesem Gelenk. In einem späten Stadium reiben die Knochenflächen gegeneinander, da der Gelenkknorpel stark angegriffen ist oder völlig fehlt.

Wie entsteht ein Hallux rigidus?

In einer Vielzahl von Fällen ist die Entstehung eines Hallux rigidus nicht völlig klar. Es gibt jedoch Faktoren, die diese Erkrankung begünstigen können. Zum Beispiel können Über- oder Fehlbelastungen eine Rolle spielen oder auch das falsche Schuhwerk. So haben Leistungssportler hier ein größeres Risiko, da ihre Gelenke grundsätzlich höheren Belastungen ausgesetzt sind.

Auch Faktoren wie kleinere, möglicherweise unerkannte Verletzungen können einen Hallux rigidus zur Folge haben. Erbliche Faktoren müssen ebenfalls in die Liste der möglichen Ursachen aufgenommen werden.

Fehlstellungen des Fußes können durch Fehlbelastungen des Großzehengrundgelenkes zur Entstehung eines Hallux rigidus beitragen. Wer etwa beim Laufen im Sprunggelenk nach innen knickt, belastet sowohl Knie, Fuß als auch die große Zehe fehl. Diese Fehlstellung im Sprunggelenk nennt man Überpronation.

Eine Stoffwechselerkrankung wie Gicht kommt als Ursache ebenfalls infrage. Sie lösen oft sekundäre Arthrosen aus, die auch das Gelenk der großen Zehe betreffen können.

Eine weitere Ursache: Ein zu hoher Kompressionsdruck auf das Großzehenrundgelenk.

Mann hat Schmerzen in den Zehen
Ein Hallux rigidus führt zu Schmerzen im Großzehengelenk © © staras | AdobeStock

Welche Symptome zeigen sich bei einem Hallux rigidus?

Es gibt einige Symptome, die auf einen Hallux rigidus hindeuten. Typisch sind starke Schmerzen des Zehengelenkes in Verbindung mit einer zunehmenden Bewegungseinschränkung. Durch die Steifheit des Gelenks kann der Zeh nicht mehr wie normal abgerollt werden.

Auch entzündliche Reaktionen können auftreten. Diese äußern sich durch

  • Schwellung,
  • Rötung,
  • Überwärmung sowie
  • weitere Schmerzen und Funktionseinschränkungen.

Zudem können im Laufe der Zeit

  • Engegefühle im Schuh des betroffenen Fußes sowie
  • eine gewisse Wetterfühligkeit - besonders bei kalten Temperaturen

auftreten.

Eine klinische Untersuchung durch den behandelnden Arzt, meist einen Orthopäden, kann in den meisten Fällen Klarheit bringen. Mangelnde Beweglichkeit sowie sogenannte Knochennasen (Exostosen) sind Anzeichen für einen Hallux rigidus.

Folgende Symptome im Bereich des Großzehengrundgelenkes deuten auf einen Hallux rigidus hin:

  • Schmerzen
  • entzündliche Reaktionen
  • Bewegungseinschränkungen
  • Engegefühl in Schuhen
  • Wetterfühligkeit
  • fehlende Abrollfähigkeit der Zehe

Wie wird Hallux rigidus behandelt?

Bei der Behandlung dieser Erkrankung muss man grundsätzlich zwischen der konservativen und der operativen Therapie unterscheiden. Die Art der Behandlung richtet sich nach

  • dem Stadium der Erkrankung,
  • dem Leidendruck des Betroffenen und
  • dem Aktivitätsanspruch.

Konservative Behandlung

Im Anfangsstadium können spezielle Hallux rigidus-Einlagen oder Hallux rigidus-Schuhe Abhilfe bieten. Die Einlagen werden in der Regel mit steifer Sohle angefertigt. So wird die Abrollbewegung von der großen Zehe auf die Sohle übertragen. Die Folge: weniger Bewegung im Zehengelenk und somit weniger Schmerzen.

Bei einer Ballenrolle wird die Beweglichkeit im Zehengelenk ebenfalls eingeschränkt und so eine Scherzlinderung herbeigeführt. Sportler, die an einem Hallux rigidus leiden, können von einer anderen Technik profitieren: Der Sohlenbereich unter der Zehe wird aufgefräst und mit einem weichen Material ausgekleidet. Das verhindert ebenfalls, dass die Zehe beim An- oder Abrollen zu sehr in Richtung Fußrücken gedrückt wird, was zu starken Schmerzen führen würde.

Zu den weiteren konservativen Behandlungsmethoden zählen unter anderem auch die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten oder Knorpelaufbaupräparate.

Orthopädische Schuheinlage
Orthopädische Schuheinlagen können bei Hallux rigidus bereits helfen © glashaut | AdobeStock

Operative Versorgung

Eine Operation im Rahmen der Fußchirurgie kommt infrage, wenn

  • die Erkrankung zu weit fortgeschritten ist oder
  • die konservativen Behandlungsmethoden keine ausreichende Wirkung zeigen.

Verschiedene Operationstechniken stehen hierfür zur Verfügung.

Bei der operativen Standardtherapie wird das Großzehengrundgelenk vollständig versteift (Arthrodese). Der geschädigte Knorpel wird bei dieser Hallux rigidus-OP entfernt, die beiden Gelenkflächen fest miteinander verschraubt.

Trotz der anfänglichen Abneigung der Patienten gegenüber einer Versteifung sind die meisten Patienten nach der Versteifung sehr zufrieden. Dadurch verschwinden nicht nur die Schmerzen weitgehend, auch die sportliche Belastung kann wiederhergestellt werden. Die Abrollbewegung des Zehs wird überwiegend durch das Endgelenk der Zehe sichergestellt.

Die Knorpelrekonstruktion stellt ein weiteres Verfahren dar. Dabei wird geschädigter Knorpel durch Transplantationen aus anderen Körperteilen wiederhergestellt. Alternativ kann eine Membran eingesetzt werden, die das Knorpelwachstum anregen soll. Wie auch beim Kniegelenk sind diese Methoden wissenschaftlich noch nicht abschließend erforscht, ein Erfolg nicht garantiert.

Eine weitere Hallux rigidus-Operation ist ein Gelenkersatz. Diese Methode sollte aber nur dann eingesetzt werden, wenn alle anderen Methoden zur Gelenkerhaltung nicht mehr fruchten.

Ein Nachteil der gelenkerhaltenden Therapien ist, dass sie die Ursache für einen Hallux rigidus nicht beseitigen. Die Erkrankung kann so immer weiter voranschreiten. Eine Verkürzung des Mittelfußknochens, durch die der Gelenkspalt erweitert und dekomprimiert wird, wird bei einigen Fachleuten ebenfalls angeboten.

Postoperative Therapie

Nach einer Hallux rigidus-Operation steht zunächst einmal die Schmerzreduktion im Vordergrund. Eine fachmännische Lymphdrainage hilft gegen die Schwellung.

Außer nach einer Versteifung des Gelenks sollte möglichst bald mit der Mobilisation begonnen werden. Je nach Beschwerdegrad kann sich die Therapie über einen Zeitraum von einigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten erstrecken. Nach einer Versteifung wird der Fuß für 6-12 Wochen ruhiggestellt, je nach postoperativen Heilungsverlauf.

Wie kann man Hallux rigidus vorbeugen?

Nicht immer kann man dieser Erkrankung vorbeugen, denn die Ursachen hierfür sind vielfältig.

Liegen Fehlstellungen vor, sollten diese mit Einlagen oder mit speziellem Schuhwerk behandelt werden. Fehlstellungen führen unter Umständen nicht nur zu einem Hallux rigidus, sondern auch zu Problemen in anderen Gelenken wie etwa den Sprung- oder Kniegelenken.

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