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Erkrankung · Allgemeine Orthopädie

Polyarthrose an mehreren Gelenken: Arthrose, Gelenkverschleiß und moderne Therapie

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Polyarthrose. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Polyarthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung mit Arthrose an mehreren Gelenk gleichzeitig. Typisch sind Gelenkverschleiß, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen an Fingergelenke, Knie und Hüfte. Behandlungsmöglichkeiten reichen von konservativen Maßnahmen über Physiotherapie bis hin zu medikamentös unterstützter Therapie. Eine frühzeitige Behandlung von Polyarthrose verbessert die Beweglichkeit und die Lebensqualität der Betroffenen.

Polyarthrose bezeichnet eine degenerative Arthrose-Erkrankung, bei der mehrere Gelenk gleichzeitig betroffen sind. Die Polyarthrose tritt häufig an Fingergelenke, Knie und Hüfte sowie am Daumensattelgelenk auf. Durch den Gelenkverschleiß kommt es zu Knorpelabbau, Gelenkschmerz und zunehmenden Bewegungseinschränkungen. Besonders die Polyarthrose der Hand mit Rhizarthrose oder Bouchard-Arthrose kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Ursachen von Arthrose sind häufig genetische Veranlagung, Überlastung, Fehlbelastung oder frühere Gelenkverletzungen.

Die Therapie umfasst konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie, Schmerztherapie und medikamentös entzündungshemmende Behandlungsmöglichkeiten. Bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahme oder radiologisch sichtbare Gelenkveränderungen helfen bei der Diagnose. Obwohl Polyarthrose nicht heilbar ist, lassen sich Symptome lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Was ist eine Polyarthrose?

Eine Arthrose, auch als Gelenkverschleiß bekannt, ist eine chronische Erkrankung, die durch eine Degeneration der Knorpel- und Knochenstruktur an den Gelenken charakterisiert ist. „Arthron“ ist die griechische Bezeichnung für Gelenk und mit der Endung „-ose“ werden in der Medizin meist chronische nicht-entzündliche Erkrankungen beschrieben. Mit rund fünf Millionen erkrankten Menschen in Deutschland ist die Arthrose die häufigste chronische Erkrankung des Bewegungsapparates.

Es können einzelne Gelenke betroffen sein, typischerweise das Knie- oder Hüftgelenk, da diese einer besonderen Belastung ausgesetzt sind. Aber auch nach Unfällen und Knochenbrüchen, die den Gelenkbereich mit einbeziehen, kann eine Gelenkarthrose entstehen. Korrekterweise müsste man bei der Arthrose eines Gelenks von Monoarthrose (mono = einzeln) und bei 2 bis 4 betroffenen Gelenken von einer Oligoarthrose (oligo = wenige) sprechen. Dies wird im klinischen Alltag allerdings selten so genau verwendet.

In der medizinischen Fachsprache bezeichnet der Begriff Polyarthrose (ICD-Code M15) eine Arthrose, die zeitgleich an 5 oder mehr Gelenken auftritt.

Orthopädische Erkrankungen der Gelenke
© freshidea / Fotolia

Was passiert im Gelenk bei einer Arthrose?

Die Gelenkflächen sind beim Menschen mit einer Knorpelschicht überzogen. Diese ist zwar nur wenige Millimeter dünn, spielt aber für die Funktion des Gelenks eine entscheidende Rolle. Dieses Netzwerk aus Knorpelzellen und Kollagenfasern reduziert die Reibung zwischen den Gelenkflächen und hat zudem die Funktion eines natürlichen Stoßdämpfers. Knorpel wird auch als bradytrophes (gering ernährtes) Gewebe bezeichnet, da es nur sehr wenig Blutgefäße enthält. Bei zunehmender Druckbelastung des Knorpels wird seine Ernährung weiter verschlechtert, was zur Arthrose führt.

Bei der Arthrose kommt es fortschreitend, meist über Jahre und Jahrzehnte hinweg, zu einem Abbau an Knorpelgewebe, was auch als „Knorpelverschleiß“ bezeichnet wird.

Im Prinzip kann die Arthrose jedes der rund 100 Gelenke im menschlichen Körper betreffen. Besonders anfällig sind jedoch Gelenke, die täglich starken Belastungen ausgesetzt sind. 

Zu den wichtigsten Arthroseformen gehören daher:

Was sind typische Ursachen von Arthrose bzw. Polyarthrose?

Der zunehmende Verschleiß des Gelenkknorpels kann verschiedene Ursachen haben. Grundsätzlich geht dem Knorpelschaden aber eine Belastung über die gelenkeigene Belastbarkeit voraus. Aufgrund der fehlenden Blutversorgung ist der Knorpel nicht in der Lage, sich selbst zu reparieren und zu regenerieren. Übergewicht oder eine außergewöhnlich hohe Gelenkbelastung, beispielsweise durch gelenkbelastendes Arbeiten oder Leistungssport, können den Knorpel ebenso schädigen wie Fehlbelastungen durch Gelenkfehlstellungen. So haben Menschen mit X- oder O-Beinen beispielsweise ein höheres Arthroserisiko.

Ebenso begünstigen Stoffwechselerkrankungen wie Gicht Knorpelschäden. Verletzungen mit Knorpelschädigungen oder Knochenbrüche, die in einer Fehlstellung verheilen, gehören ebenfalls zu den Risikofaktoren für eine Polyarthrose. 

Letztlich kann auch Rheuma zu einer Polyarthrose führen, häufig sind hierbei die Gelenke der Hand betroffen. Typischerweise sieht man bei Patienten mit einer sogenannten rheumatoiden Arthrose (= durch Rheuma verursachte Arthrose) zunehmende Fehlstellungen der Fingergelenke, so dass die Finger oft nach außen abweichen. Dies kann zu einer zunehmenden Einschränkung der Beweglichkeit bis zum Verlust der Selbstständigkeit des Patienten führen. Da bei Rheuma häufig entzündliche Schübe auftreten, spricht man allerdings häufig von einer Arthritis.

In einigen Fällen lässt sich keine bestimmte Ursache für die Knorpelschäden finden. Es handelt sich dann um eine sogenannte primäre Arthrose. Alle anderen Formen, bei denen Ursachen bekannt oder aufzufinden sind, bezeichnet man als sekundäre Arthroseformen.

Kniearthrose
© Henrie / Fotolia

Welche Symptome treten bei einer Polyarthrose auf?

In frühen Stadien ruft der Gelenkverschleiß häufig keinerlei beziehungsweise nur wenige Beschwerden hervor. Später klagen die Patienten über Schmerzen, wenn sie die betroffenen Gelenke bewegen. Auch Schmerzen im Ruhezustand sind möglich, insbesondere früh morgens nach dem Aufstehen. Wenn sich nach 1-2 Stunden die Beschwerden verbessert haben, liegt der Verdacht auf eine Arthrose sehr nahe. Die arthrotischen Gelenke fühlen sich steif an und sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Spürbare Widerstände bei der Gelenkbewegung sowie deutlich hörbare Knackgeräusche können je nach Erkrankungsstadium ebenfalls auftreten. Je weiter die Arthrose fortschreitet, desto wahrscheinlicher sind krankhafte Gelenkstellungen.

Im Gegensatz zur Arthritis ist die Arthrose nicht primär entzündlich. Bei einer akuten Überlastung können sich die arthrotischen Gelenke jedoch ebenfalls entzünden. Eine plötzlich auftretende Gelenkschwellung sowie eine Überwärmung und Rötung der Gelenke können auf eine solche Entzündung hinweisen. Dann spricht man von einer so genannten „aktivierten Arthrose“, was häufig am Hüftgelenk zu beobachten ist. Aber auch an allen anderen Gelenken, zum Beispiel im Kniegelenk, kann eine aktivierte Arthrose bei entzündlichen Schüben und akuten Überlastungsreaktionen auftreten.

Wie sieht die Behandlung einer Polyarthrose aus?

Da sich der geschädigte Knorpel nicht wiederherstellen lässt, dient die Behandlung der Arthrose allein der Linderung der Symptome. Zudem sollen die Therapiemaßnahmen den fortschreitenden Gelenkverschleiß stoppen oder zumindest verlangsamen. Prinzipiell lässt sich die Arthrose-Behandlung in konservative und operative Behandlungsverfahren unterteilen. Welche Therapie zur Behandlung geeignet ist, hängt von dem Ausmaß und der genauen Lokalisation der Polyarthrose ab.

Was gehört alles zur konservativen Therapie?

  • Wichtigster Bestandteil der konservativen Therapie ist Bewegung. Schwimmen und Radfahren tragen zur Beweglichkeit der Gelenke und zur Stärkung der gelenkstützenden Muskulatur bei. Weniger geeignet sind Sportarten mit abrupten Bewegungen oder hohen Belastungen wie Fußball, Boxen oder Tennis
  • Um die Gelenke zu entlasten, können Gehstützen oder Orthesen verordnet werden
  • Wer unter Übergewicht leidet, sollte Gewicht reduzieren, um seine Gelenke zu schonen
  • Ergänzend können physikalische Behandlungsverfahren die Symptome der Polyarthrose lindern. Dazu gehören neben Moor- und Fangopackungen auch medizinische Bäder oder Bestrahlungen mit Infrarotlicht
  • Spezielle krankengymnastische Übungen sowie Massagen eignen sich ebenfalls zur konservativen Behandlung der Arthrose
  • Wenn die Schmerzen zu stark sind, können auch Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Paracetamol oder Ibuprofen sowie schmerzlindernde Salben verschrieben und angewendet werden. Außerdem ist prinzipiell auch die schmerzlindernde Applikation eines örtlichen Betäubungsmittels, welches in oder in die Nähe des schmerzenden Gelenks gespritzt wird, möglich. Teilweise werden zur konservativen Arthrosebehandlung auch Hyaluronspritzen angewendet. Hyaloron ist ein körpereigener Inhaltsstoff und Bestandteil von Gelenkflüssigkeit und soll die Beweglichkeit des Gelenks verbessern. Die Wirksamkeit ist bisher jedoch noch nicht eindeutig bewiesen. Auch Cortisonspritzen werden angewendet, haben allerdings teilweise unerwünschte Nebenwirkungen. 

Wichtig: Sämtliche Verfahren, bei denen von außen etwas in das Gelenk eingespritzt wird, sollten kritisch hinterfragt und indiziert werden, da hierbei immer das Risiko einer Keimverschleppung in die Gelenkhöhle besteht.

Wie sieht die operative Therapie aus?

Eine Operation zur Korrektur von Fehlstellungen kann sinnvoll sein, um Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu verhindern. Ein Anbohren der Knorpeloberfläche im Rahmen einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) kann die Produktion von neuem Knorpelgewebe anregen. Lassen sich die Schmerzen durch keine Therapiemaßnahme lindern, kann der Arzt das betroffene Gelenk durch ein künstliches Gelenk (Endoprothese) ersetzen. Ein solcher Gelenkersatz wird vor allem bei Knie- oder Hüftgelenksarthrosen durchgeführt.

Die Arthrose ist also eine fortschreitende Gelenkerkrankung, die mit Schmerzen bei Bewegung oder auch in Ruhe einhergeht. Konservative oder operative Behandlungsverfahren können die Symptome der Erkrankung zwar lindern, eine Heilung ist jedoch nicht möglich.

Fazit

Die Polyarthrose der Hand zählt zu den häufigsten Form der generalisierte Arthrose und betrifft oft mehrere Gelenke gleichzeitig, insbesondere die Fingerendgelenken oder bei einer Arthrose im Daumensattelgelenk. Ursachen von Arthrose sind unter anderem Fehlbelastung, Knorpelabbau, genetische Faktoren und altersbedingter Knorpelverschleiß, wodurch arthrotische Gelenkveränderungen und Knochenanbauten entstehen können.

Mithilfe bildgebende Verfahren, radiologisch sichtbarer Veränderungen, Röntgenaufnahme und Blutuntersuchungen lässt sich die Polyarthrose diagnostizieren, auch wenn manche Betroffene anfangs symptomlos bleiben. Ziel der Behandlung von Polyarthrose ist es, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sowie Gelenkschmerz zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, etwa durch konservativen Maßnahmen, entzündungshemmende Medikamente, Antirheumatika oder Unterstützung durch Ergotherapeuten.

Da Polyarthrose betrifft häufig Knie und Hüfte, Gelenkknorpel und weitere Gelenkerkrankungen, kann eine frühzeitige Therapie die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und Gelenkersatzoperationen bei eingeschränkter Beweglichkeit möglichst vermeiden.

FAQ

Was ist eine Polyarthrose?

Polyarthrose ist eine Form der Arthrose, bei der mehrere Gelenke gleichzeitig von degenerativen Veränderungen betroffen sind. Typisch sind Gelenkverschleiß, Knorpelabbau und Gelenkveränderungen an Fingergelenke, Knie und Hüfte. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten degenerativen Gelenkerkrankungen im höheren Lebensalter.

Welche Symptome verursacht Polyarthrose?

Die häufigsten Beschwerde sind Gelenkschmerz, eingeschränkter Beweglichkeit sowie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Besonders betroffen sind Fingergelenke, Fingerendgelenken oder das Daumensattelgelenk bei einer Rhizarthrose. Im Verlauf der Erkrankung können auch Fehlstellungen, Knochenanbauten oder Versteifung auftreten.

Wie wird Polyarthrose diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren und eine Röntgenaufnahme der betroffenen Gelenke. Radiologisch zeigen sich Gelenkspalt-Verschmälerung, arthrotische Veränderungen und Knorpelverschleiß. Blutuntersuchungen helfen dabei, entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Polyarthritis auszuschließen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Polyarthrose?

Zur Therapie gehören konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapeuten, entzündungshemmende Medikamente und Schmerztherapie. Ziel der Behandlung von Polyarthrose ist es, Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. In schweren Fällen kommen Gelenkersatzoperationen oder operative Verfahren infrage.

Kann Polyarthrose geheilt werden?

Polyarthrose gilt als nicht heilbar, allerdings kann die Erkrankung gut behandelt werden. Eine frühzeitige Therapie verbessert die Beweglichkeit, reduziert Beschwerde und erhält die Lebensqualität der Betroffenen. Regelmäßige Bewegung, Vermeidung von Überlastung und konservative Behandlungsmöglichkeiten spielen dabei eine wichtige Rolle.

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Über den Fachautor

Prof. Dr. med. Susanne Regus

Prof. Dr. med. Susanne Regus – medizinische Fachautorin: Fachartikel, Expertenwissen und medizinische Einblicke im Leading Medicine Guide.

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