Mandelkrebs - Informationen und Spezialisten

20.05.2022
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Das Tonsillenkarzinom, auch als Mandelkrebs bezeichnet, ist eine bösartige Erkrankung der Gaumenmandeln. Neben dem Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum stehen insbesondere humane Papillomviren im Verdacht, Mandelkrebs auszulösen. Generell gilt: Je früher das Tonsillenkarzinom diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Welche Fachärzte Ihnen bei Mandelkrebs helfen und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, haben wir Ihnen im Folgenden zusammengestellt.

ICD-Codes für diese Krankheit: C09

Empfohlene Spezialisten für Mandelkrebs

Artikelübersicht

Definition und Häufigkeit von Mandelkrebs

Der Mandelkrebs gehört in die große Gruppe der sogenannten Mund-Rachen-Tumoren, medizinisch auch als Oropharynxkarzinome bezeichnet. Diese betreffen etwa 0,5 bis 2 Fälle pro 100.000 Einwohner. Männer sind von Mund-Rachen-Tumoren dreimal häufiger betroffen als Frauen. Der Altersgipfel für diese Tumoren liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr

Pathologisch gesehen, zählt der Mandelkrebs, wie eingangs gesagt, zu den Oropharynxkarzinomen. Dazu gehören ebenso das Gaumenkarzinom, das Zungengrundkarzinom sowie das Rachenkarzinom. Die meisten Tumoren des Kopf-Hals-Bereiches gehören in die Gruppe der Plattenepithelkarzinome, seltener treten Adenokarzinome oder Lymphome auf. Eine weitere Besonderheit: Finden sich Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, deren Primärtumor nicht bekannt ist, so haben diese ihren Ursprung nicht selten in einem Tonsillenkarzinom (Mandelkrebs).

Wie entsteht Mandelkrebs?

Nach wie vor gehört das Rauchen zu den größten Risiken für den Mandelkrebs. Doch auch ein regelmäßiger Alkoholgenuss kann das Tonsillenkarzinom fördern. Bei bis zu 85 % der Menschen mit Mandelkrebs findet sich in der Anamnese ein Hinweis auf das Rauchen oder auf exzessiven Alkoholkonsum.

Darüber hinaus stellt eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) einen wesentlichen Risikofaktor für einen Mandelkrebs dar. Der HPV-Status der Tumoren hat darüber hinaus Einfluss auf die Behandlung und die Prognose der Erkrankung. In der Mehrzahl der HPV-positiven Fälle scheint HPV-16 das Tonsillenkarzinom auszulösen. Neuere Studien zeigten zudem, dass ein positiver HPV-Status günstiger für den Krankheitsverlauf sein könnte als bei einem HPV-negativen Oropharynxkarzinom. Hier stehen 5-Jahresüberlebensraten von 80 % bei HPV-positivem Karzinom Überlebensraten von 40–50 % bei den HPV-negativen Tumoren gegenüber.

Woran ist Mandelkrebs zu erkennen?

Wie bei vielen Tumorarten des Mund-Rachen-Raumes fehlen auch beim Mandelkrebs oft geeignete Vorstadien, um auf einen sich entwickelnden Krebs schließen zu können. Dennoch ist es besonders wichtig, das Tonsillenkarzinom so früh wie möglich zu diagnostizieren und zu behandeln. Folgende, noch eher unspezifische Symptome können unter anderem auf einen Mandelkrebs hinweisen:

  • Schluckbeschwerden,
  • andauernde Heiserkeit und Husten,
  • Schwellung im Bereich des Halses,
  • Mundgeruch sowie
  • Probleme beim Essen oder Trinken.

Wie wird Mandelkrebs diagnostiziert?

Veränderungen der Mundhöhle und besonders ein Verdacht auf einen möglichen Mandelkrebs können mit unterschiedlichen, konventionellen und modernen Verfahren festgestellt werden. Der einfachste Weg, die Mundhöhle zu inspizieren ist die Spiegeluntersuchung. Dabei wird der HNO-Arzt mithilfe eines grellen Lichts und eines Spiegels, die Färbung und Beschaffenheit der Mundschleimhaut begutachten. Bei Auffälligkeiten oder sichtbaren Veränderungen an den Mandeln (Tonsillen) wird eine Gewebeprobe, eine sogenannte Biopsie, entnommen.

Tieferliegende anatomische Strukturen können jedoch mithilfe des Spiegels nicht betrachtet werden, weshalb hier moderne, bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen. Die einfachste Art, Strukturen sichtbar zu machen, ist der Ultraschall. Bei dieser in der Arztsprache als Sonografie bezeichneten Methode, werden u. a. die zervikalen (am Kopf befindlichen) Lymphknoten untersucht. Ist der Mandelkrebs bereits weiter fortgeschritten, werden die Lymphknoten zum Teil Metastasen (Tochtergeschwüre) enthalten.

Kommt es darauf an, eine Metastasierung des Tonsillenkarzinoms ausschließen zu wollen, werden die Experten für Mandelkrebs die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) einsetzen. Beide Verfahren eignen sich darüber hinaus auch dazu, die genaue Lage und Ausdehnung eines Primärtumors darzustellen, was für die Operationsplanung bedeutend sein kann.

Mithilfe der Skelett-Szintigraphie werden schließlich bei Mandelkrebs im fortgeschrittenen Stadium die Knochen des Körpers sowie die Wirbelsäule untersucht, um mögliche Knochenmetastasen aufzuspüren. 

Wie werden die Tumorstadien bei Mandelkrebs eingeteilt?

Die Stadieneinteilung unterscheidet sich beim Mandelkrebs nicht wesentlich von der allgemeinen T-Klassifikation der Tumoren. Je nach Größe oder Ausdehnung des Tumorherdes werden unterschieden:

T1-Stadium: Tumor < 2 cm

T2-Stadium: Tumor 2–4 cm

T3-Stadium: > 4 cm

T4-Stadium: Tumor hat größenunabhängig umliegende Gewebestrukturen infiltriert, am häufigsten sind dies Hals, Wangen und die Zungengrundmuskulatur.

Wie wird Mandelkrebs behandelt?

Mandelkrebs wird als Mittel der Wahl in den meisten Fällen operativ behandelt, d. h. der Tumorherd sowie umliegendes Gewebe werden gemeinsam chirurgisch entfernt. Dabei achten die Experten stets darauf, einen ausreichend großen Sicherheitsabstand ins gesunde Gewebe zu wahren. Dadurch wird verhindert, dass Tumorzellen am Schnittrand verbleiben, die später wieder neue Tumoren ausbilden können (= Rezidiv).

Ebenso werden Metastasen in den Lymphknoten im Kopf- und Halsbereich weitestgehend operativ entfernt, da die Metastasierung beim Mandelkrebs überwiegend über die Lymphbahnen erfolgt.

Nach der Operation schließt sich mitunter

an.

Welche Prognose hat der Mandelkrebs?

Die Prognose hängt beim Tonsillenkarzinom sehr stark vom Stadium bei Diagnose ab. Zusätzlich beeinflussen Metastasen den Krankheitsverlauf negativ. So ergibt sich stadiumabhängig folgendes 5-Jahres-Überleben bei Mandelkrebs:

T1-Stadium: ca. 80–90 % der Patienten leben 5 Jahre nach Diagnose noch,

T2-Stadium: ca. 70–75 %,

T3-Stadium: ca. 40–50 %,

T4-Stadium: ca. 10–35 %.

Wer behandelt Patienten mit Mandelkrebs?

Mandelkrebs fällt in den Fachbereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, kurz HNO. Experten für Mandelkrebs finden sich in spezialisierten onkologischen HNO-Kliniken und Praxen. Gerade im Bereich der Diagnostik und Therapieplanung sind zudem weitere Fachrichtungen involviert, beispielsweise aus der Radiologie, der Chirurgie oder der Pathologie.

Quellen

awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/007-100OLl_S3-Diagnostik-Therapie-Mundhoehlenkarzinom_2021-03.pdf
flexikon.doccheck.com/de/Tonsillenkarzinom
hno-aerzte-im-netz.de/news/hno-news/viren-zunehmend-fuer-krebs-der-mandeln-verantwortlich.html
krebshilfe.de/infomaterial/Patientenleitlinien/Mundhoehlenkrebs_Patientenleitlinie_DeutscheKrebshilfe.pdf
springermedizin.de/hpv-assoziierte-tonsillenkarzinome/8031100?searchResult=14.Tonsillenkarzinom&searchBackButton=true
springermedizin.de/molekular--und-tumorbiologie/strahlentherapie/das-hpv-positive-oropharynxkarzinom-eine-entitaet-mit-steigender/19273042?searchResult=10.Tonsillenkarzinom&searchBackButton=true
thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0030-1267296
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