Gastrektomie: Informationen & Gastrektomie-Spezialisten

Die Gastrektomie bedeutet die komplette Magenentfernung. Davon abzugrenzen ist die (subtotale) Magenresektion, bei der nur ein Teil des Magens entfernt wird. Die totale Magenentfernung findet ihre Anwendung heute praktisch ausschließlich bei bösartigen Magentumoren (Magenkrebs). Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Gastrektomie-Spezialisten und Zentren.

Empfohlene Gastrektomie-Spezialisten

Artikelübersicht

Gastrektomie - Weitere Informationen

Wann ist eine Gastrektomie erforderlich?

Nicht bei allen Magenkarzinomen ist es notwendig, den Magen ganz oder teilweise zu entfernen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Tumorentfernung über eine minimal-invasive Magenspiegelung möglich. Dazu muss der Magentumor

  • auf die Schleimhaut oder die oberste Schicht des darunterliegenden Gewebes (Submucosa) begrenzt sein und
  • aufgrund seiner biologischen Aktivität als so genannter „Low Risk Tumor“ eingeschätzt werden.

In allen anderen Fällen stellt die Magenoperation die einzig mögliche Heilungschance bei dieser Erkrankung dar.

Tumorstaging und Behandlungsindikationen

Vor der Therapieentscheidung ist zunächst das sogenannte Tumorstaging erforderlich. Es handelt sich dabei um die Einschätzung zur lokalen Ausbreitung und ggf. Metastasierung des Karzinoms. Auf dieser Grundlage kann der Tumor in ein Stadium eingeordnet werden.

Mittels Endoskopie, also einer Magenspiegelung, untersucht der Arzt den Magen auf die lokale Ausdehnung des Karzinoms. Er entnimmt dabei auch eine Gewebeprobe. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Computertomographie liefern zusätzliche Erkenntnisse.

In Abhängigkeit der Befunde bei diesen Untersuchungen existieren mehrere Behandlungswege:

Bei „Low Risk Tumoren“ im frühen Stadium kann eine Entfernung des Tumors mittels Magenspiegelung möglich sein.

Darstellung von Magenkrebs
Die Lage des Magens und die (nicht maßstabsgerechte) Darstellung von Magenkrebs © peterschreiber.media | AdobeStock

Eine primäre Operation ist indiziert, wenn

  • sich das Karzinom auf die Muskulatur des Magens beschränkt und
  • keine Anhaltspunkte für befallene Lymphknoten vorliegen.

Eine neoadjuvante Therapie, d.h. eine Radio-Chemotherapie vor der Operation ist angezeigt, wenn

  • das Karzinom die Außenhaut des Magens (Serosa) erreicht hat und/oder
  • in den Lymphknoten bereits Absiedelungen vorhanden sind.

Medizinisch nicht heilbar sind Magentumoren, die Fernmetastasen gebildet haben. Metastasen können z.B. in der Leber oder im Bauchraum (Peritonealkarzinose) entstehen. Dennoch können Mediziner solche Tumoren bekämpfen, um die Lebensdauer zu verlängern und die Lebensqualität zu verbessern. Man spricht dann von einer palliativen Therapie.

In diesen Fällen ist zumeist eine medikamentöse Tumortherapie zur Eindämmung des Wachstums der Krebszellen angezeigt. Ein operatives Eingreifen erfolgt nur in den Fällen, in denen der Tumor den Magenausgang verlegt.

Eine Peritonealkarzinose kann leider nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden. Daher wird in vielen Fällen vor einem großen Bauchschnitt eine Spiegelung des Bauchraums durchgeführt. So können ggf. unnötige Eingriffe, die mit Schmerzen, aber nicht mit einem Nutzen verbunden sind, vermieden werden.

Anhand der Tumorlokalisation und der Art der Tumorzelldifferenzierung (Laurén Klassifikation) entscheiden die Mediziner, ob

  • eine komplette Magenentfernung, also die Gastrektomie, oder
  • eine sogenannte subtotale Magenresektion unter Belassung des oberen Magenanteils

die besten Heilungsaussichten hat.

Beim sogenannten intestinalen Typ nach Laurén ist ein Sicherheitsabstand nach oben von 5 cm ausreichend. Das bedeutet, dass bei der Entfernung des Tumors auch das Gewebe 5 cm um den Tumor herum entfernt wird.

Bei Tumoren im unteren Magendrittel kann daher ein Magenrest belassen werden. Bei Tumoren, die weiter oben im Magen liegen, ist eine komplette Magenentfernung erforderlich.

Eine komplette Magenentfernung ist

  • beim diffusen Typ nach Laurén und
  • dem so genannten Mischtyp

fast immer erforderlich. Bei diesen Typen finden sich Tumoreinzelzellverbände bis zu 8 cm von dem mit dem Auge erkennbaren Tumorrand entfernt.

Offene Technik versus minimal-invasiver Zugang

Grundsätzlich kann die Operation bei Magenkrebs offen oder über eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) erfolgen.

Die Gleichwertigkeit der laparoskopischen Magenresektion mit dem offenen Vorgehen ist jedoch bislang noch nicht gesichert. Daher operieren die meisten Kliniken das Magenkarzinom in offener Technik.

Wählt man dennoch den minimal-invasiven Zugang, ist dafür Sorge zu tragen, dass mit der gleichen Radikalität operiert wird.

Magenspiegelung
Darstellung einer Magenspiegelung © bilderzwerg | AdobeStock

Die Technik der Gastrektomie

Tumorabsiedlungen im Bauchraum (Peritonealkarzinose) müssen zunächst mittels Bauchspiegelung ausgeschlossen werden.

Dann erfolgt entweder eine quere Eröffnung des Bauchraumes oder die Operation über einen Längsschnitt. Im Anschluss

  • wird große Netz vom Querdarm abgelöst und am Magen belassen
  • werden die Lymphknoten unterhalb und oberhalb des Magenausgangs zum Präparat geschlagen
  • wird der Zwölffingerdarm kurz hinter dem Magenpförtner durchtrennt.

Das Ausmaß der Lymphknotenentfernung ist für die Prognose des Patienten entscheidend. Der Lymphknotenentfernung (Lymphadenektomie) gilt daher höchste Aufmerksamkeit.

Begonnen wird damit im Bereich der Leberpforte. Die Lymphknoten in diesem Bereich werden unter Kontrolle

  • der Leberarterie,
  • der Pfortader und
  • des Gallengangs

entfernt. Die Präparation setzt sich entlang der Leberarterie unter kompletter Entfernung des kleinen Netzes fort. Endpunkt ist der Truncus coeliacus. Das ist der Abgang der Leberarterie, der linken Magenarterie und der Milzarterie aus der Bauchschlagader). Bei dieser Präparation wird auch die Kapsel der Bauchspeicheldrüse mit entfernt. Die Präparation setzt sich dann entlang der Milzarterie fort.

Die Entfernung der Milz selbst wird heute nur noch bei sehr ausgedehnten Tumoren empfohlen. Sinnvoll kann das vor bei Tumoren mit Sitz entlang der großen Magenkurvatur sowie des Mageneingangsbereiches.

Nach Durchtrennung der linken Magenarterie setzt sich die Präparation entlang der Bauchschlagader und der Zwerchfellschenkel bis zur Zwerchfell-Lücke fort. Auf diesem Wege werden auch die kurzen Magenarterien, die eine Verbindung zur Milzarterie darstellen, durchtrennt.

Nun hängt der Magen ausschließlich an der Speiseröhre. Im nächsten Schritt wird die 2. Jejunalschlinge (Dünndarm) durchtrennt und mobilisiert und durch eine Lücke der Querdarmaufhängung in den Oberbauch geführt.

Nach Durchtrennung der Speiseröhre mit Schnellschnitt-histologischer Überprüfung der Tumorfreiheit im Bereich der Resektionslinie erfolgt die Rekonstruktion der Darmkontinuität.

Die Wiederherstellung der Darmkontinuität

Der Darm muss trotz der (teilweisen) Magenentfernung funktionsfähig bleiben. Man spricht hier von Darmkontinuität. Dazu gibt es zwei prinzipielle Möglichkeiten:

  • Roux-en-Y-Rekonstruktion: Rekonstruktion unter Ausschaltung der Zwölfingerdarmpassage, die wohl häufigste Rekonstruktionsform.
  • Rekonstruktion nach Longmire: Rekonstruktion unter Einbeziehung der Zwölffingerdarmpassage.

Wesentliche Unterschiede in der Lebensqualität nach den zwei verschiedenen Rekonstruktionsmethoden bestehen nicht. Weitere Modifikationen bei der Wiederherstellung der Speiseröhren-Darm-Kontinuität sind verschiedene Formen der Ersatzmagenbildung, deren Wert unterschiedlich beurteilt wird.

Gastrektomie nach Roux-en-Y
Bei der Gastrektomie nach Roux-en-Y wird der Darm am oberen Teil des Magens angesetzt © crevis | AdobeStock

Komplikationen und Risiken bei einer totalen Magenentfernung

Die modernen Blutstillungsverfahren und Präparationstechniken sind heute sehr weit fortgeschritten. Daher ist eine Blutgabe während oder auch nach der Operation nicht unbedingt erforderlich.

Die gefürchtetste Komplikation nach einer Gastrektomie ist die sogenannte Anastomoseninsuffizienz. Darunter versteht man eine Wundheilungsstörung im Bereich der Verbindung zwischen Speiseröhre und Dünndarm. Die Therapie dieser Leckage kann oft konservativ erfolgen, führt aber mit und auch zur Notwendigkeit einer Wiederholungsoperation.

Weitere Komplikationsmöglichkeiten sind

  • eine Lungenentzündung und
  • eine Ansammlung von Flüssigkeit zwischen Lunge und Rippenfell, der sogenannte Pleuraerguss.

Ernährung nach der Gastrektomie

Bei allen Rekonstruktionsverfahren kann der Patient postoperativ keine großen Nahrungsmengen mehr am Stück aufnehmen. Stattdessen muss er mehrmals täglich kleinere Portionen essen.

Der einzige Nahrungsbestandteil, der nach einer kompletten Magenentfernung nicht mehr aufgenommen werden kann, ist das Vitamin B12. Hier ist eine regelmäßige Ergänzung über eine Injektion im Abstand von 8-12 Wochen erforderlich. Bei Auftreten von Durchfällen kann eine ergänzende Gabe von Bauchspeicheldrüsen-Enzymen sinnvoll sein.

Viele Patienten verlieren nach einer kompletten Magenentfernung noch für ca. ½ Jahr an Gewicht. Danach gewöhnt sich der Körper an die neue Situation. Während dieser Zeit kann dem Gewichtsverlust durch sogenannte Trinknahrungslösungen entgegengewirkt werden.

Wie sind die Prognosen nach einer Magenkrebs-Operation?

Insgesamt sind die 5-Jahre-Überlebensraten beim Magenkarzinom sehr stadienabhängig.

So beträgt die Heilungschance bei einem Karzinom, das nur auf die Schleimhaut des Magens begrenzt ist, weit über 90 %.

Bei einem fortgeschrittenen Magenkarzinom liegt die 5-Jahre-Überlebensrate dagegen zwischen 30 und 40 %. Von besonderer Bedeutung ist hierbei das Verhältnis der Zahl der entnommenen Lymphknoten zu der Zahl der befallenen Lymphknoten.

Nachsorge nach einer Operation des Magenkarzinoms

Eine engmaschige Tumornachsorge ist beim Magenkarzinom nicht sinnvoll, da beim Auftreten von Metastasen nur sehr beschränkt Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Aus diesem Grunde wird die sogenannte symptomorientierte Nachsorge favorisiert.

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