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Erkrankung · Internistische Onkologie

Peritonealkarzinose oder Bauchfellkrebs – Behandlung, Diagnostik und Therapie bei Spezialisten (Onkologie)

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Bauchfellkrebs. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: C48, C78.6

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Die Peritonealkarzinose ist eine bösartige Erkrankung des Bauchfells und zählt zu den fortgeschrittenen Tumorerkrankungen. Die Behandlung umfasst Operation, Chemotherapie und moderne Verfahren wie HIPEC. Eine spezialisierte Diagnostik verbessert die Therapie und Prognose. Die interdisziplinäre Betreuung erhöht die Behandlungsqualität und unterstützt die Lebensqualität.

Die Peritonealkarzinose, auch als Bauchfellkrebs bezeichnet, ist eine bösartige Krebserkrankung des Bauchfells. Häufig entsteht sie als Folge eines Tumors anderer Organe, beispielsweise bei Dickdarmkrebs oder Eierstockkrebs. Die Erkrankung betrifft den gesamten Bauchraum und wird meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Eine frühzeitige Diagnostik und individuelle Therapie sind entscheidend für die Prognose.

Moderne Verfahren wie die zytoreduktive Chirurgie mit HIPEC haben die Behandlung der Peritonealkarzinose deutlich verbessert. Patientinnen und Patienten profitieren von einer interdisziplinären Betreuung durch Spezialisten der Onkologie und Viszeralchirurgie. Die Behandlung erfolgt bevorzugt in spezialisierten Zentren wie der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Definition: Was versteht man unter Bauchfellkrebs?

Bauchfellkrebs (Peritonealkarzinose) bezeichnet den Befall der Auskleidung der Bauchraumorgane (Peritoneums oder Bauchfells) mit bösartigen Zellen. In den meisten Fällen handelt es sich bei diesen um Tumorzellen.

Zumeist sind die Tumorzellen beim Bauchfellkrebs Absiedlungen eines anderen Tumors des Bauchraums (Metastasen). Ganz selten stammen sie von einer Tumorerkrankung des Peritoneums selbst.

Befall und Ausbreitung der Tumorzellen können stark variieren und beeinflussen Prognose und Verlauf der Erkrankung. So kann der Befall auf einige Knoten in bestimmten Arealen des Bauchfells begrenzt sein (limitierte Peritonealkarzinose).

Zumeist betrifft dies Bereiche im Bauchraum, in denen wenig Bewegung von Eingeweiden vorliegt. Der Dünndarm zählt zu den sehr beweglichen Strukturen, der Dickdarm ist eher weniger mobil. Bereiche mit geringer Motilität (Fähigkeit zur aktiven Bewegung) befinden sich beispielsweise im Zökal-Bereich oder im Douglas-Raum.

Die Prognose der begrenzten Peritonealkarzinose ist besser als die der diffusen. Letztere ist allerdings häufiger. Typischerweise sind größere Tumorknoten im gesamten Bauchfell sowie auf der Oberfläche der angrenzenden Organstrukturen verstreut (diffuse Peritonealkarzinose).

Welche Funktion hat das Bauchfell und wie ist es aufgebaut?

Das Bauchfell (Peritoneum) ist eine dünne Haut, welche die meisten Organe im Bauchraum umschließt.

Im Bauchraum befinden sich:

Das Bauchfell produziert eine Flüssigkeit, das Bauchwasser. Dieses sorgt für eine Gleitschicht zwischen den Organen und ermöglicht eine einfache Verschiebung untereinander.

So bewegen sich zum Beispiel während der Verdauung die Darmschlingen zum Nahrungstransport gegeneinander. Auch bei Leberschäden und Entzündungen bildet sich Bauchwasser.

Nerven durchziehen das Bauchfell. Bei Entzündungen kann es deshalb zu starken Schmerzen kommen. Eine Verhärtung der Bauchmuskeln tritt ein, um den Bauch zu schützen. Diese Reaktion heißt Abwehrspannung und ist ein Warnzeichen des Körpers, dass etwas im Bauch nicht stimmt.

Schmerzkatheter
Das Bauchfell (Peritoneum) ist eine glatte Haut, die das Innere des Bauchraums auskleidet @ sakurra /AdobeStock

Was sind die häufigsten Ursachen von Bauchfellkrebs?

Der tumorbedingte Befall kann vom Bauchfell selbst ausgehen (primäres Peritonealkarzinom, peritoneales Mesotheliom). Zumeist ist Bauchfellkrebs Folge eines bösartigen Tumors eines anderen Organs des Bauchraums. Hier kommt es zur Streuung der bösartigen Zellen in und über das Bauchfell. Mediziner sprechen dann vom sekundären Peritonealkarzinom, weil die bösartigen Zellen aus anderen Geweben stammen.

Das sekundäre Peritonealkarzinom ist allerdings stets Ausdruck einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung von dem Ursprungsorgan. Insbesondere Magenkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs neigen zur Peritonealkarzinose, aber auch Eierstocktumore. Das Bauchwasser begünstigt die Weiterverbreitung von Tumoren unter den einzelnen Organen. Die Tumorzellen können sich durch die Gleitschicht sehr leicht ausbreiten.

Fast jede Tumorart, die in irgendeiner Weise im Bauchraum auftritt, befällt irgendwann das Bauchfell und bildet dort Tochtergeschwülste (Metastasen). Dies ist allerdings bereits Ausdruck eines fortgeschrittenen Tumorwachstums und meist Ausdruck einer schlechten Heilungsaussicht.

Eine seltene Tumoreinheit, die ebenfalls zu Bauchfellkrebs führen kann, stellt das Pseudomyxoma peritonei dar. Dieser ist ein Tumor, der große Mengen an schleimiger Masse produziert. Die Tumorzellen wandern dabei vom Blinddarm in das Bauchfell.

Auch wenn es sich um einen gutartigen Tumor handelt, ist der Verlauf mit dem eines langsam wachsenden bösartigen vergleichbar. Im fortgeschrittenen Stadium ist das gesamte Bauchfell mit gallertartigem Gewebe und Tumormassen angereichert.

Welche Beschwerden sind typisch für Bauchfellkrebs?

Da dem Bauchfellkrebs meist ein fortgeschrittenes Tumorleiden eines Bauchorgans zugrunde liegt, sind Beschwerden abhängig vom befallenen Organ.

Typische Beschwerden beim Magenkrebs sind:

  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit und
  • Magenschmerzen
  • Beschwerden bei Tumoren des Dünndarms sind eher:
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Darmverschluss

Der Befall des Bauchfells führt eher zu untypischen Beschwerden, die seltener Anlass für einen Arztbesuch sind. Sie sind zunächst mit Hausmitteln behandelbar.

Die zunehmende Ausdehnung der Tumorzellen führt zur Verdrängung angrenzender Bauchraum-Organe mit anschließenden Funktionsstörungen.

Es kommt zu:

  • Harnverhalt durch die Einengung der Harnleiter
  • Einschränkungen der Darmtätigkeit (Subileus) bis hin zu
  • kompletten Darmverschlüssen (Subileus und Ileus) sowie zur
  • Bildung von Bauchwasser (Aszites)

Die Beeinträchtigung des Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakts) geht häufig mit folgenden Symptomen einher:

  • Übelkeit
  • Völlegefühl
  • Appetitlosigkeit und
  • Brechreiz

Die Diagnose von Bauchfellkrebs

Bauchfellkrebs entdecken Ärzte häufig erst bei der chirurgischen Operation des Primärtumors. Da weiterführende Untersuchungen (Computertomographie (CT) oder Kernspinuntersuchung (MRT) erfolgen, besteht der Verdacht auf Bauchfellkrebs oft schon im Vorfeld.

Allerdings gibt die CT oder MRT erst dann sicher Aufschluss, wenn der Befall der Bauchhöhle schon fortgeschritten ist. Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) gilt als die sicherste Methode zur Erkennung von Bauchfellkrebs. Bei dieser Untersuchung führt der Arzt über einen kleinen Hautschnitt ein spezielles Endoskop in den Bauchraum ein.

Dieses ist mit einer Lichtquelle und einer Kamera ausgestattet. Daher können Ärzte über einen Monitor das Innere des Bauchraums und die Bauchorgane sichten. Bei Auffälligkeiten können und sollten Ärzte auch zeitgleich Gewebeproben entnehmen. Anschließend schicken sie diese Probe zur feingeweblichen Untersuchung (Histologie), die die Verdachtsdiagnose bestätigt oder ausschließt.

Laparoskopie
Bauchspiegelung (Laparoskopie) eignet sich, um Bauchfellkrebs zu diagnostizieren @ Iryna /AdobeStock

Wie sieht die Behandlung von Bauchfellkrebs aus?

Wenn nur ein kleiner Anteil des Bauchfells von Tumorzellen betroffen ist, können Ärzte diesen Anteil im Idealfall komplett entfernen. Da Ärzte Bauchfellkrebs häufig erst in einem späten Stadium entdecken, gilt er als schwer behandelbar und oft nicht mehr heilbar.

Wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, können Ärzte nur noch palliative Maßnahmen einleiten. Diese sollen die Lebensqualität des Patienten steigern, ohne die eigentliche Tumor-Erkrankung zu bekämpfen.

Die Lebenserwartung ist in solchen Fällen deutlich eingeschränkt. Hauptziel sämtlicher Therapiemaßnahmen ist die Verbesserung der restlichen Lebenszeit.

Was gehört zu palliativen Maßnahmen bei Bauchfellkrebs?

Zu den palliativen Maßnahmen gehören:

  • Schmerztherapie
  • Ernährungstherapie
  • Chemotherapie
  • Chirurgische Tumorverkleinerung
  • Anlage eines künstlichen Darmausgangs

Schmerztherapie

Die Schmerztherapie ist grundsätzlich mit Tabletten und/oder Schmerzpflastern möglich und dient zur Verbesserung der Lebensqualität. Teilweise sind die Schmerzen nur mit Infusionen in den Griff zu bekommen. In solchen Fällen kommen Schmerzkatheter zum Einsatz.

Spezielle Katheter (sogenannte Portkatheter) kommen unter die Haut. Somit kann auch außerhalb des Krankenhauses eine Schmerztherapie erfolgen. Dies ermöglicht dem Patienten, seine verbleibende Lebenszeit zuhause bei seinen Angehörigen zu verbringen.

Bauchfell
Ein Schmerzkatheter ist ein dünner Plastikschlauch, über den der Patient Schmerzmittel erhält @ Gecko Studio /AdobeStock

Ernährungstherapie

Teilweise können Patienten mit einer unheilbaren Krebserkrankung nicht mehr ausreichend Nahrung und Flüssigkeit zu sich nehmen. Nicht selten fehlt ihnen auch der Appetit, was ein typisches Zeichen bösartiger Erkrankungen ist. 

Andererseits gehen Tumorerkrankungen aber auch mit einem erhöhten Energiebedarf einher, was häufig zu Mangelerscheinungen und Gewichtsverlust führt. Eine Ernährungs-Infusionstherapie kann hier Abhilfe schaffen und ebenfalls über einen Portkatheter erfolgen. Zudem erhält der Patient hierbei auch wichtige Mineralstoffe und Vitamine.

Chemotherapie

Eine Chemotherapie kann kurativ sowie palliativ erfolgen. Kurativ bedeutet, dass eine Heilung prinzipiell möglich ist. Ziel der palliativen Therapie ist die Verbesserung der Lebensqualität durch eine Reduzierung der Tumorgröße bzw. des Tumorwachstums. 

Da jede Chemotherapie Nebenwirkungen hat, sollten Ärzte genau überlegen, ob sie eine palliative Chemotherapie durchführen. Durch eine palliative Chemotherapie kann sich im Idealfall die Lebenserwartung verlängern. Allerdings kommt es durch die Nebenwirkungen oft zu einer Verschlechterung der Lebensqualität.

Chirurgische Tumorverkleinerung

Die Entfernung des Tumorgewebes aus dem Bauchfell besteht aus:

  •  Entfernung des Primärtumors 

In vielen Fällen Entnahme der direkt verbundenen Organe (Milz, Gallenblase, Zwerchfell und Darmanteile). Dies muss der Patient vor dem operativen Eingriff wissen und schriftlich einwilligen. Anschließend kann dennoch eine kurative Chemotherapie notwendig sein, wenn nicht mit Sicherheit eine komplette Tumorentfernung erfolgte. 

Denn während der Operation können Ärzte zwar alle sichtbaren Tumoren entfernen. Es können aber einzelne nicht sichtbare Tumorzellen zurückbleiben.

  • Anlage eines künstlichen Darmausgangs

Manchmal erhält der Patienten auch einen künstlichen Darmausgang. Dieser kann vorübergehend notwendig sein, um den gesunden Darm zu entlasten. Insbesondere dann, wenn Ärzte Teile des Darms entfernt und die verbliebenen Enden aneinander genäht haben.

Hier kann die vorgeschaltete Anlage eines künstlichen Darmausgangs zu einer Entlastung der Darmnaht führen. Das wiederum verringert das Risiko für das Aufreißen der Naht.

FAQ

Was ist eine Peritonealkarzinose?

Die Peritonealkarzinose oder Bauchfellkrebs beschreibt den Befall des Peritoneums beziehungsweise des Bauchfells mit bösartigen Tumorzellen. Meist entsteht die Erkrankung durch einen Primärtumor wie Dickdarmkrebs, Eierstockkrebs oder andere bösartigen Tumoren. Seltener handelt es sich um eine primär entstandene Tumorerkrankung wie ein Mesotheliom oder ein Peritonealkarzinom. Die Diagnose einer Peritonealkarzinose erfolgt häufig erst im fortgeschrittenen Stadium.

Welche Symptome treten bei Bauchfellkrebs auf?

Die Diagnose Bauchfellkrebs ist oft schwierig, da zunächst unspezifische Symptome auftreten. Typische Beschwerden sind Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Aszites beziehungsweise Bauchwassersucht sowie ein zunehmender Bauchumfang. In fortgeschrittenen Fällen können Darmverschluss oder eine Ausbreitung im gesamten Bauchraum auftreten. Die Peritonealkarzinose oder Bauchfellkrebs kann dadurch die Funktion verschiedener Organe erheblich beeinträchtigen.

Wie wird eine Peritonealkarzinose behandelt?

Die Behandlung der Peritonealkarzinose erfolgt individuell und interdisziplinär. Bei geeigneten Patientinnen und Patienten kommen eine zytoreduktive Chirurgie mit Peritonektomie und CRS sowie die hypertherme intraperitoneale Chemotherapie, kurz HIPEC, zum Einsatz. Dabei wird nach der operativen Entfernung sichtbarer Tumorzellen eine erwärmte Chemotherapie direkt in die Bauchhöhle eingebracht. Ergänzend können eine systemische Chemotherapie oder weitere onkologische Therapien notwendig sein.

Wie wird Bauchfellkrebs diagnostiziert?

Zur Diagnose Peritonealkarzinose gehören eine ausführliche Diagnostik mit Computertomographie, Bauchspiegelung beziehungsweise Laparoskopie sowie die Beurteilung des Befunds durch einen Onkologen und weitere Spezialisten. Bei Verdacht auf Pseudomyxoma peritonei oder peritoneale Mesotheliom werden zusätzliche Untersuchungen durchgeführt. Die Behandlung von Peritonealkarzinose erfolgt anschließend in einer spezialisierten Einrichtung der Viszeralchirurgie und Onkologie.

Wie sind Therapie und Prognose bei einer Peritonealkarzinose?

Therapie und Prognose hängen von der Ursache der Krebserkrankung, dem Primärtumor und dem Ausmaß des Befalls des Bauchraums ab. Die Behandlung bei Peritonealkarzinose kann die Lebenserwartung und Lebensqualität vieler Patientinnen und Patienten verbessern, insbesondere bei Patienten mit metastasiertem Dickdarmkrebs. Entscheidend sind eine frühzeitige Behandlung von Bauchfellkrebs, eine individuell angepasste Therapie sowie eine strukturierte Nachsorge. Die Universitätsmedizin und spezialisierte Zentren wie die Charité – Universitätsmedizin Berlin bieten hierfür moderne Behandlungskonzepte bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung im Bauchraum.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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