Glenoidfraktur: Informationen & Glenoidfraktur-Spezialisten

13.03.2022
Univ. Prof. Dr. Peter Biberthaler
Medizinischer Fachautor

Bei einer Glenoidfraktur handelt es sich um einen Bruch der Schulterpfanne. Er führt oft zur Instabilität des Schultergelenks. Mithilfe moderner unfallchirurgischer Verfahren lassen sich Glenoidfrakturen aber gut behandeln. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Glenoidfraktur-Spezialisten und Zentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: S42.14

Empfohlene Glenoidfraktur-Spezialisten

Glenoidfraktur Fälle in Deutschland

0 Fälle im Jahr 2020
0 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Anatomie der Schulterpfanne

Das Schulterblatt trägt auf der Seite die Schulterpfanne, die wie ein kleiner Suppenteller geformt ist. Die Kugel des Oberarmkopfes passt genau in die Rundung dieses "Tellers". Die Schulterpfanne (medizinisch: Glenoid) und der Oberarmkopf bilden zusammen den wesentlichen Teil des Schultergelenkes.

Anatomie der Schulter
Anatomie der Schulter mit Oberarmkopf und Glenoid © bilderzwerg | AdobeStock

Einteilung von Glenoidfrakturen

Die Glenoidfrakturen teilen sich in zwei wesentliche Bereiche auf.

Es gibt die kleineren, meist nur an der vorderen Kante gelegenen Rand-Brüche, die im Rahmen von ausgerenkten Schultern auftreten, etwa

Diese Brüche der Schulterpfanne nennt man auch Bankart-Frakturen. Sie entstehen meist durch einen Unfallmechanismus, bei dem die Aufprallenergie relativ gering ist (Niedrig-Energie-Mechanismus). Beispielsweise kann die Schulterpfanne bei einem einfachen Sturz durch den Ausrenk-Mechanismus teilweise abbrechen.

Bei Glenoidfrakturen, die die ganze Schulterpfanne betreffen, spricht man wegen der notwendigen hohen Kräfte von einem Hoch-Energie-Mechanismus. Häufig sind Verkehrsunfälle die Ursache für solche Glenoidfrakturen.

Symptome einer Glenoidfraktur

Alle Glenoidfrakturen sind relativ schmerzhaft.

Die kleineren Bankart-Frakturen erscheinen zwar von der Ausdehnung her klein, haben aber eine große funktionelle Wirkung.

Die Schultergelenkpfanne ist viel kleiner als der korrespondierende Oberarmkopf. Ein Großteil der Gelenkstabilität ergibt sich daher aus den umgebenden Weichteilen, die am Rand der Schulterpfanne angewachsen sind. Wenn nun dieser Rand abgebrochen ist, kann auch der Weichteilkomplex seine stabilisierende Funktion nicht aufrechterhalten. Dadurch wird das Schultergelenk insgesamt häufig instabil.

Das bedeutet, dass das Gelenk häufig auskugelt und die Betroffenen ein unangenehmes Gefühl der Instabilität haben. Es tritt das Gefühl auf, dass man sich nicht auf das Schultergelenk verlassen kann.

Das führt dann oft dazu, dass ausladende Bewegungen vermieden werden und der Bewegungsumfang sich deutlich reduziert. Die komplexen Trümmerfrakturen sind außerdem so schmerzhaft, dass die betroffenen Patienten das Schultergelenk meist komplett in Schonhaltung ruhig halten.

Diagnose einer Glenoidfraktur

Die Diagnose eines Bruchs der Schulterpfanne wird mittels Röntgenaufnahmen gestellt. Bei komplexeren Brüchen kann auch eine Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) zum Einsatz kommen.

Glenoidfraktur

Behandlung eines Bruchs der Schulterpfanne

Das gemeinsame Problem aller Glenoidfrakturen ist ihr direkter Einfluss auf die Stabilität des Schultergelenks.

Junge, sportlich aktive Patienten haben meistens einen Anspruch an die Beweglichkeit ihrer Schulter. Deswegen erfordern fast alle Brüche der Schulterpfanne eine operative Therapie.

Das Ziel jeder operativen Therapie ist es, die verschobenen Knochenstücke wieder an ihre ursprüngliche Position zu bringen. Dort müssen sie so lange fixiert werden, bis sie wieder angewachsen sind. Für die Fixierung nutzt der Unfallchirurg häufig

  • Fäden,
  • Drähte,
  • Schrauben oder
  • Platten.

Die kleineren Rand-Brüche oder Bankart-Frakturen lassen sich oft im Rahmen der arthroskopischen Schulterchirurgie versorgen. Die Schulter-Arthroskopie ist ein minimal-invasives Verfahren, bei dem der Chirurg mit sehr kleinen Hautschnitten auskommt.

Über einen kleinen Schnitt schiebt er einen dünnen Schlauch zum Gelenk vor. An dessen Spitze befindet sich eine Kameraoptik. Der Operateur sieht das Bild der Kamera mehrfach vergrößert auf einem Monitor. Auch winzige Instrumente können durch sehr kleine Schnitte zum Operationsgebiet gebracht werden.

Mit einer Arthroskopie ist es möglich, den verschobenen Knochen wieder an seine ursprüngliche Stelle zurückzubringen und dort zu fixieren.

Bei komplexeren Brüchen der Schulterpfanne ist unter Umständen eine offene, große Operation mit Schrauben und Platten notwendig.

Schulterarthroskopie
Darstellung einer Schulterarthroskopie am Beispiel einer Schleimbeutelentzündung © bilderzwerg | AdobeStock

Heilungschancen bei Glenoidfrakturen

Lassen sich die Knochenstücke wieder in ihre ursprüngliche Position bringen und dort fixieren, sind die Heilungsaussichten sehr gut. Meist bleibt bei diesen Glenoidfrakturen nur eine geringe Bewegungseinschränkung zurück.

Je komplexer der Unfall und je höher die Energie, die auf das Gelenk einwirkt, umso größer ist auch der Schaden, der am Knorpel und den Weichteilen entsteht. Daher bergen alle diese Gelenkfrakturen ein höheres Arthrose-Risiko für die Patienten.

Ohne Operation sind die Heilungschancen bei Glenoidfrakturen sehr schlecht. Bankart-Frakturen führen zu einer instabilen Schulter, die immer wieder auskugeln. Die komplexeren Trümmerbrüche verheilen in Fehlstellung und führen so meist zum Einsteifen der Schulter.

Fazit zur Glenoidfraktur

Die Verletzungen der Schulterpfanne haben direkten Einfluss auf die Schulterfunktion und führen oft zur Instabilität. Mittels moderner unfallchirurgischer Verfahren lassen sich die Glenoidfrakturen meist gut wieder einrenken. DIe Bruchstücke lassen sich so fixieren, dass die Gelenkpfanne weitgehend in ihrer ursprünglichen Form ausheilt. Dann sind die funktionellen Konsequenzen gering.

Komplexe Glenoidfrakturen führen leider häufig auch zu einem größeren Knorpelschaden und damit auch zu einem höheren Arthrose-Risiko.

Insgesamt ist der Bruch der Schulterpfanne eine komplexe Verletzung mit großen potentiellen Folgen für die betroffenen Patienten. Die Behandlung gehört daher in die Hände von erfahrenen Spezialisten.

Bilder: Radiologisches Bildmaterial wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Herrn Dr. Stefan Wirth.

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