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Carotisstenose – Verengung der Halsschlagader und Risiko für Schlaganfall

12.11.2025
Prof. Dr. med. Alexander Zimmermann
Medizinischer Fachautor

Eine Carotisstenose beschreibt die Verengung der Halsschlagader (Arteria carotis), die eine zentrale Rolle für die Blutversorgung des Gehirns spielt. Wird der Blutfluss durch Ablagerungen an der Gefäßwand – meist infolge einer Arteriosklerose – eingeschränkt, steigt das Risiko für eine Minderdurchblutung des Gehirns und damit für einen Schlaganfall erheblich. In Deutschland zählt die Carotisstenose zu den häufigsten Gefäßerkrankungen bei älteren Menschen. Während eine asymptomatische Carotisstenose oft zufällig entdeckt wird, kann eine symptomatische Verengung durch Sehstörungen, Schwindel oder kurzzeitige neurologische Ausfälle auffallen. Die Behandlung richtet sich nach dem Grad der Stenose und reicht von einer medikamentösen Therapie bis hin zu operativen Verfahren wie der Stent-Implantation oder der offenen Ausschälung der Arteria carotis.

ICD-Codes für diese Krankheit: I65.2

Kurzübersicht:

Die Carotisstenose ist eine krankhafte Verengung der Halsschlagadern, die unbehandelt zu einem Schlaganfall führen kann. Ursache ist meist eine Arteriosklerose, also die Ablagerung von Fetten, Kalk und Bindegewebe in der Gefäßwand. Durch diagnostische Verfahren wie Duplexsonographie, MRT oder CT-Angiographie kann der Schweregrad der Stenose bestimmt werden. Die Behandlung erfolgt leitliniengerecht abhängig vom Stenosegrad – entweder konservativ durch Medikamente und Lebensstiländerung oder operativ durch Gefäßchirurgen mittels Stent oder Endarteriektomie. Ziel der Therapie ist es, die Durchblutung des Gehirns zu sichern, das Fortschreiten der Arteriosklerose zu bremsen und das Risiko eines Schlaganfalls nachhaltig zu reduzieren.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen sowie ausgewählte Carotisstenose-Spezialisten.

Artikelübersicht

Unter Stenose versteht man in der Medizin die Verengung eines Hohlorgans, etwa von Blutgefäßen oder des Wirbelsäulenkanals. Bei der Verengung der Halsschlagader (Arteria carotis, Carotis) oder der abgehenden Gefäße sprechen Mediziner von einer Carotisstenose.

Die Halsschlagader versorgt das Gehirn mit sauerstoffreichem Blut. Bei einer Carotisstenose kommt es zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff - in letzter Konsequenz droht ein lebensbedrohlicher Schlaganfall.

Carotisstenose

Carotisstenose bezeichnet die Verengung der Halsschlagader @ songkram /AdobeStock

Ursachen einer Carotisstenose

Häufigste Ursache für die Verengung ist die Arteriosklerose („Arterienverkalkung“). Dabei lagern sich an den Innenwänden des Gefäßes nach und nach

Bindegewebe, Thromben (Blutgerinnsel), Blutfette und/oder Kalk ab. Diese verengen den Gefäßquerschnitt.

Die Entstehung einer Carotisstenose kann durch folgende Faktoren begünstigt sein:

  • Zu hoher Blutdruck
  • erhöhte Blutfettwerte
  • Rauchen und
  • Erhöhtes Lebensalter
  • Andere Erkrankungen (z.B. Gefäßentzündungen)

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Symptome und Komplikationen einer Carotisstenose

Durch die Verengung der Halsschlagader kann es zu einer Embolie (Verstopfung eines Blutgefäßes) oder einer Mangeldurchblutung kommen. Diese verursacht eine Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff.

Eine Carotisstenose kann lange Zeit unbemerkt bleiben.

Es kann aber auch zu neurologischen Ausfällen kommen, wie:

Gelegentlich können auch folgende Symptome auftreten:

Diese Symptome gelten als Warnsignale für einen bevorstehenden Schlaganfall, bei dem das Gehirn dauerhaft Schaden nimmt. Die Ursache der Symptome müssen Sie unbedingt medizinisch abklären lassen.

Neben dem Schlaganfall können auch weitere Komplikationen auftreten:

  • Transitorische ischämische Attacken (TIA, vorübergehende neurologische Ausfälle) und
  • Amaurosis fugax (vorübergehende Sehstörung)

Diagnose einer Carotisstenose

Die Symptome können bereits einen ersten Hinweis auf eine Carotisstenose liefern. Diese Verdachtsdiagnose lässt sich durch die Untersuchung der Halsschlagader mittels Ultraschall (farbkodierte Dopplersonographie) bestätigen.

Dopplersonographie
Die Dopplersonographie ist eine schmerzlose Untersuchungsmethode, die die Strömungsgeschwindigkeit und -richtung des Blutes misst @ Pepermpron /AdobeStock

Mit dieser Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Engstellen in den Gefäßen beurteilen. Sie ist für den Patienten völlig schmerzlos und ungefährlich.

Weitere Informationen erhält der Arzt mittels folgender Verfahren:

Diese Verfahren kommen oft zur Planung einer passenden Therapie zum Einsatz.

Behandlung einer Carotisstenose

Für die Therapie einer Carotisstenose bieten sich drei Optionen an.

  • Medikamentöse Therapie

Die Voraussetzungen für die medikamentöse Therapie einer Carotisstenose ist, dass sie noch keine Beschwerden verursacht. Die medikamentöse Behandlung soll Risikofaktoren (z.B. Bluthochdruck) sowie das Risiko für Komplikationen (z.B. Schlaganfall) reduzieren.

  • Offene Operation

Mit einer offenen Operation entfernen Ärzte die Engstellen einer Carotisstenose chirurgisch. Ein Beispiel ist die etablierte Carotis-Thrombendarteriektomie. 

Spezialisten der Gefäßchirurgie führen diese durch. Im Rahmen dieser Operation öffnen Ärzte die Halsschlagader und schälen die Engstellen aus.

  • Stent-Implantation

Die Stent-Implantation erfolgt endovaskulär: Die Spezialisten dehnen die Engstelle im Rahmen einer minimalinvasiven Operation auf. Dazu kommt ein Ballonkatheter zum Einsatz. Danach setzen sie einen Stent (Gefäßstütze) ein, der die Verengung offen halten soll.

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Welche Fachärzte und Spezialkliniken behandeln eine Carotisstenose?

Spezialisten für Carotisstenose sind in der Regel:

Weitere Untersuchungen werden von Fachärzten der Radiologie oder Nuklearmedizin durchgeführt. Etwaige Operationen führen Spezialisten für Gefäßchirurgie durch.

Auf die Behandlung von Carotisstenosen spezialisierte Einrichtungen sind Kliniken für Gefäßchirurgie bzw. Gefäßmedizin, Neurologie und Angiologie.

FAQ Häufige Fragen zur Carotisstenose

Was sind die Hauptursachen einer Carotisstenose?
Die wichtigsten Ursachen einer Carotisstenose sind Ablagerungen (Plaques) aus Kalk, Fetten und Bindegewebe, die sich im Laufe der Zeit an der Gefäßwand der Arteria carotis bilden. Diese Verkalkung führt zu einer fortschreitenden Verengung der Arterie, insbesondere der Arteria carotis interna und communis. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes mellitus, erhöhte Blutfettwerte und ein ungesunder Lebensstil fördern die Entstehung dieser Stenosen. Eine frühzeitige Diagnostik ist wichtig, um das Fortschreiten der Erkrankung und das Risiko für einen Schlaganfall zu senken.

Wann ist bei einer Carotisstenose ein Eingriff notwendig?
Ein operativer Eingriff ist bei einer symptomatischen Carotisstenose meist unvermeidlich, vor allem wenn die Stenose hochgradig ausgeprägt ist. Typische Symptome wie Sehstörungen, Schwindel oder kurzzeitige Lähmungserscheinungen deuten auf eine Minderdurchblutung des Gehirns hin. In diesen Fällen empfehlen Fachärzte für Gefäßchirurgie eine Behandlung der Carotisstenose durch eine operative Ausschälung (Thrombendarteriektomie) oder den Einbau eines Stents. Bei asymptomatischen Patientinnen und Patienten reicht häufig eine konservative, medikamentöse Therapie, um das Schlaganfallrisiko zu kontrollieren.

Wie läuft eine Operation an der Halsschlagader ab?
Die operative Behandlung erfolgt in der Regel unter Vollnarkose oder – bei bestimmten Verfahren – in örtlicher Betäubung. Während des Eingriffs öffnen die Ärztinnen und Ärzte die betroffene Arterie, entfernen die abgelagerten Plaques und stabilisieren die Gefäßwand gegebenenfalls mit einem Patch. Alternativ kann bei geeigneter Anatomie eine Stent-Implantation vorgenommen werden, um die verengte Arterie zu erweitern. Beide Verfahren verfolgen dasselbe Ziel: die Wiederherstellung einer ausreichenden Blutversorgung des Gehirns und die Senkung des Schlaganfallrisikos.

Welche Rolle spielt der Lebensstil bei der Vorbeugung und Nachsorge?
Ein gesunder Lebensstil kann wesentlich dazu beitragen, das Fortschreiten der Arteriosklerose und die Bildung neuer Stenosen zu verhindern. Nach einer erfolgreichen Behandlung ist es daher ratsam, Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel konsequent zu reduzieren. Auch eine angepasste Ernährung, regelmäßige Bewegung und die Kontrolle von Blutdruck und Diabetes sind Teil der leitliniengerechten Nachsorge. Diese Veränderung des Lebensstils kann die Lebenserwartung verbessern und das Risiko für einen erneuten ischämischen Schlaganfall verringern.

Wie unterscheiden sich symptomatische und asymptomatische Carotisstenosen?
Bei einer symptomatischen Carotisstenose liegen bereits klinische Anzeichen wie Sehstörungen, Sprachprobleme oder kurzzeitige Ausfälle vor, die auf eine Minderdurchblutung des Gehirns hinweisen. Diese Form erfordert meist eine operative Behandlung. Eine asymptomatische Carotisstenose wird dagegen häufig zufällig entdeckt – etwa im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung – und kann zunächst konservativ mit Medikamenten behandelt werden. Die Entscheidung richtet sich nach dem Stenosegrad und der allgemeinen Gefäßsituation, insbesondere der Arteria carotis interna und externa.

Wie beeinflusst die Carotisstenose die Lebenserwartung?
Unbehandelt kann eine Carotisstenose das Schlaganfallrisiko deutlich erhöhen und somit die Lebenserwartung verringern. Durch frühzeitige Diagnostik, eine leitliniengerechte Therapie und die Anpassung des Lebensstils lässt sich das Risiko für ischämische Ereignisse jedoch erheblich senken. Bei rechtzeitiger Behandlung durch erfahrene Gefäßchirurgen sind die Prognose und die langfristige Lebensqualität der Patientinnen und Patienten sehr gut.

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