Ellenbogenschmerzen: Informationen & Ellenbogenschmerzen-Spezialisten

01.04.2022
Dr. med.  Sebastian  Gathmann
Medizinischer Fachautor

Ellenbogenschmerzen können unterschiedlich ausgeprägt sein und akut oder chronisch auftreten. Häufig sind Über- oder Fehlbelastungen die Ursache, aber auch Verletzungen und Erkrankungen verursachen Ellenbogenschmerzen. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für Ellenbogenschmerzen.

ICD-Codes für diese Krankheit: M25.52

Empfohlene Spezialisten für Ellenbogenschmerzen

Ellenbogenschmerzen Fälle in Deutschland

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Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Anatomie des Ellenbogens

Die Art und Ausprägung von Ellenbogenschmerzen hängt unter anderem von den betroffenen Strukturen des Ellenbogengelenks ab.

Das Ellenbogengelenk setzt sich aus den drei Teilgelenken

  • Oberarm-Ellen-Gelenk,
  • Oberarm-Speichen-Gelenk und
  • proximales Ellen-Speichen-Gelenk

zusammen.

Diese drei Teilgelenke sind von einer gemeinsamen Gelenkkapsel umgeben. Sie verbinden den Oberarmknochen (Humerus) und die Unterarmknochen Elle (Ulna) und Speiche (Radius) miteinander.

Stabilisiert und geführt wird das Ellenbogengelenk von drei kräftigen Bändern: den beiden Seitenbändern (Kollateralbändern) und dem sogenannten Ringband.

Der Ellenbogen ermöglicht mit diesen Strukturen

  • das Beugen und Strecken des Unterarms gegenüber dem Oberarm (Kugelgelenk und Scharniergelenk) und
  • das Drehen des Unterarms und der Hand (Zapfengelenk).

Dem Ellenbogen kommt daher für die Bewegungen des Armes in Alltag, Sport und Beruf eine sehr wichtige Rolle zu.

Ellenbogengelenk-Anatomie
Die Anatomie des Ellenbogengelenks © bilderzwerg | AdobeStock

Ursachen für Schmerzen im Ellenbogen

In den meisten Fällen entstehen Ellenbogenschmerzen durch Falsch- oder Überbelastungen des Arms. Häufig treten sie

  • bei alltäglichen Tätigkeiten wie dem Tragen von Einkaufstaschen,
  • bei sportlichen Aktivitäten wie dem Tennis oder Golf spielen oder
  • beim Arbeiten in einem Beruf, in dem Arm und Ellenbogen stark beansprucht werden,

auf. Darüber hinaus können auch Verletzungen nach einem Unfall sowie Erkrankungen des Ellenbogens Schmerzen verursachen.

Verletzungs- und belastungsbedingte Ellenbogenschmerzen

Verletzungs- und belastungsbedingte Schmerzen im Ellenbogen werden beispielsweise verursacht durch:

  • eine Luxation (Gelenkausrenkung) des Ellenbogengelenks
  • einen Knochenbruch in oder am Ellenbogen
  • Verletzungen der Bänder und Sehnen des Ellenbogengelenks wie z.B. ein Bänderriss oder eine Zerrung
  • Muskelverletzungen oder -verspannungen im Bereich des Ellenbogens
  • den sogenannten Tennisarm
  • den sogenannten Golferellenbogen
  • das RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury Syndrom) bei sich immer wiederholenden Tätigkeiten und Belastungen (z.B. der „Mausarm“ bei häufiger Arbeit am Computer)

Ellenbogenschmerzen durch entzündliche Erkrankungen

Zu den entzündlichen Erkrankungen, die Schmerzen im Ellenbogen verursachen können, gehören unter anderem:

Weitere Ursachen für Ellenbogenschmerzen

Weitere Krankheiten, die Schmerzen im Ellenbogen verursachen können, sind:

  • die Arthrose, d.h. der Gelenkverschleiß, des Ellenbogens
  • die Osteoporose (Knochenschwund)
  • freie Gelenkkörper im Ellenbogengelenk
  • Reizungen des Ellennervs, beispielsweise durch das Stoßen des sogenannten Musikantenknochens an einer Kante

Symptome bei Ellenbogenschmerzen

Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Ellenbogenschmerzen unterscheiden sich nach

  • Ursache und
  • betroffener Struktur sowie
  • in Ausprägung und Dauer.

Ellenbogenschmerzen können sich als

  • unangenehmes Druckgefühl im Ellenbogen,
  • leichte ziehende oder drückende Ellenbogenschmerzen bis hin zu
  • sehr heftigen stechenden Ellenbogenschmerzen

äußern.

Darüber hinaus wird je nach Dauer der Beschwerden zwischen akuten und chronischen Schmerzen im Ellenbogen unterschieden.

Akute Ellenbogenschmerzen treten meist plötzlich in Form von einschießenden, stechenden oder ziehenden Schmerzen auf und verschwinden schnell wieder.

Chronische Ellenbogenschmerzen bleiben über einen längeren Zeitraum bestehen oder treten immer wieder auf.

Es gibt weitere Symptome, die im Zusammenhang mit Ellenbogenschmerzen auftreten können. Sie sind von der zugrundeliegenden Ursache bzw. Erkrankung abhängig. Zu diesen Symptomen gehören:

  • eine eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Ellenbogens
  • eine entzündliche Schwellung im Bereich des Ellenbogens, z.B. bei einer Schleimbeutelentzündung des Ellenbogengelenks
  • ein Stechen im Ellenbogen, z.B. bei einer Sehnenscheidenentzündung
  • Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogens, z.B. beim Golferellenbogen
  • Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, z.B. beim Tennisarm
  • Schmerzen, die vom Ellenbogen in den Ober- und Unterarm ausstrahlen, so dass der gesamte Arm schmerzt
  • Druckschmerzen am äußeren Unterarm
  • Druckschmerzen über dem Radiusköpfchen
  • Druckschmerzen am Ellenbogenspalt
  • ein Wärmegefühl im Bereich des Ellenbogens
  • ein Juckreiz am Ellenbogen, z.B. bei einer Hautentzündung im Bereich des Ellenbogens
  • ein Knacken im Ellenbogen bei bestimmten Bewegungen

Diagnose bei Ellenbogenschmerzen

Für eine wirksame Therapie muss im Rahmen der Diagnose zunächst die Ursache für die Schmerzen ermittelt werden. Die Diagnose erfolgt dabei meist anhand

  • der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese),
  • einer körperlichen Untersuchung und
  • zusätzlichen Untersuchungen wie der Röntgenaufnahme, der Ultraschalluntersuchung oder der Kernspintomographie (MRT).

Anamnese zur Diagnose von Schmerzen im Ellenbogen

Im Rahmen eines Anamnesegesprächs wird der Arzt zunächst die Krankengeschichte des Patienten erheben. Zu den Fragen, die der Arzt dabei abklärt, gehören:

  • Wie genau äußern sich die Ellenbogenschmerzen, d.h. sind sie stechend, drückend oder ziehend?
  • Wo genau sitzen die Schmerzen, d.h. an der Innenseite, an der Außenseite, im Ellenbogenspalt, im gesamten Arm?
  • Wann treten die Schmerzen im Ellenbogen auf, z.B. bei bestimmten Bewegungen?
  • Seit wann leidet der Patient unter den Ellenbogenschmerzen?
  • Welche Vorerkrankungen und Verletzungen im Bereich des Ellenbogens sind bekannt?
  • Besteht die Möglichkeit einer Überbelastung des Ellenbogens, z.B. durch Tennis oder Golf spielen oder durch die Arbeit am Computer?

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung tastet der behandelnde Arzt zum einen das Ellenbogengelenk ab. Er überprüft dabei, ob das Gelenk geschwollen oder erwärmt ist, und beurteilt gleichzeitig dessen Beschaffenheit.

Zum anderen führt er einige Bewegungstests durch, um die Beweglichkeit und Schmerzhaftigkeit des Ellenbogengelenks zu überprüfen. Auch die anderen Gelenke und die Körperstatik werden im Rahmen der körperlichen Untersuchung beurteilt.

Weiterführende Untersuchungen

Meistens kann der Arzt nach der Anamnese und der körperlichen Untersuchung eine Verdachtsdiagnose stellen. Danach können zusätzliche Untersuchungen zum Einsatz kommen, um diesen Verdacht zu bestätigen.

Hierzu gehören unter anderem die folgenden Untersuchungen:

Behandlung von Schmerzen im Ellenbogen

Die Therapie von Ellenbogenschmerzen richtet sich stets nach deren Ursache. Ist diese bekannt, kann der Arzt, in der Regel ein Orthopäde, die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen empfehlen und durchführen.

Akute, durch kurzzeitige Fehl- oder Überbelastung des Arms bzw. Ellenbogens entstandene Schmerzen verschwinden oft auch ohne Behandlungsmaßnahmen von alleine wieder.

Alle anderen Arten von Ellenbogenschmerzen müssen behandelt werden. Grundsätzlich stehen dabei

  • konservative (nicht-operative) und
  • chirurgische (operative)

Behandlungsverfahren zur Verfügung.

Konservative Therapie von Ellenbogenschmerzen

Zu den konservativen, nicht-operativen Therapiemaßnahmen gehören bei Ellenbogenschmerzen insbesondere:

  • Ruhigstellung des betroffenen Arms bzw. Ellenbogengelenks mit einer Gipsschiene oder einem Salbenverband
  • Krankengymnastik (Physiotherapie)
  • Muskeltraining zur Stärkung und Stärkung der Muskulatur des Ellenbogens
  • Betreiben von Sportarten, die das Ellenbogengelenk wenig belasten (z.B. Schwimmen)
  • medikamentöse Therapie mit schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten, meist in Salben- oder Tablettenform
  • Gelenkspülungen und Gelenkinjektionen mit kortisonhaltigen Medikamenten oder örtlichen Infiltrationen mit eigenem Plasma (PRP)
  • Kälte- oder Wärmebehandlung
  • Anwendung von orthopädischen Hilfsmitteln wie Bandagen
  • Elektrotherapie
  • Ultraschallbehandlung
  • Stoßwellentherapie
Ellenbogenbandage
Manchmal können bei Ellenbogenschmerzen Bandagen helfen © Robert Kneschke | AdobeStock

Operative Therapie von Ellenbogenschmerzen

Nicht immer lassen sich Ellenbogenschmerzen mit konservativen Therapiemaßnahmen ausreichend beseitigen. Dann können operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Hierbei stehen unter anderem die folgenden operativen Behandlungsmethoden zur Verfügung:

  • Arthroskopie (Gelenkspiegelung) des Ellenbogengelenks
  • Osteotomie: Durchtrennung von Knochen oder Entfernung von Knochenteilen, z.B. bei Ellenbogenschmerzen, die durch eine Arthrose verursacht wurden
  • Implantation einer Ellenbogenprothese (künstliches Ellenbogengelenk)

Vorbeugung von Ellenbogenschmerzen

Nicht allen Ursachen von Schmerzen im Ellenbogen kann mit prophylaktischen Maßnahmen vorgebeugt werden. So sind etwa Verschleißerscheinungen des Ellenbogengelenks wie die Ellenbogenarthrose im höheren Alter kaum zu vermeiden.

Dennoch gibt es einige Tipps und Regeln, wie die Entstehung von Schmerzen im Ellenbogen verhindert werden kann.

Grundsätzlich sollte das Ellenbogengelenk nicht zu stark oder gar falsch belastet werden, vor allem nicht über einen längeren Zeitraum hinweg.

Sportarten wie Tennis oder Golf sollten daher nicht zu exzessiv betrieben werden. Führen sie bereits zu Schmerzen, sollten sie nicht unverändert weitergeführt, sondern Technik und Intensität angepasst werden. Manchmal reicht es schon, den Schläger zu wechseln.

Arbeiten, bei denen der Ellenbogen bzw. das Ellenbogengelenk sehr stark und einseitig beansprucht wird, sollten ebenfalls möglichst vermieden werden. Darüber hinaus sollte man bevorzugt Sportarten betreiben, die eine möglichst geringe Belastung für das Ellenbogengelenk bedeuten.

Wer auffällige Symptome wie Schwellungen oder Erwärmungen des Ellenbogengelenks an sich beobachtet, sollte möglichst frühzeitig einen Arzt aufsuchen und sich behandeln lassen. Dadurch kann der Entstehung möglicher Schmerzen im Ellenbogen mit weiteren Komplikationen frühzeitig entgegengewirkt werden.

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