Nebennierenerkrankungen - Spezialist finden und Informationen

04.01.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Erkrankungen der Nebennieren sind auf unterschiedlichste Ursachen zurückzuführen. So können neben bakteriellen Infektionen auch Autoimmunerkrankungen, Gendefekte, Medikamente, Bestrahlungen, Verletzungen oder Tumore für Störungen der Nebennierenfunktionen verantwortlich sein. Im Folgenden finden Sie weiterführende Informationen zu den verschiedenen Nebennierenerkrankungen sowie Spezialisten für deren Behandlung.

ICD-Codes für diese Krankheit: E27

Empfohlene Spezialisten für Nebennierenerkrankungen

Nebennierenerkrankung Fälle in Deutschland

2.579 Fälle im Jahr 2020
2.608 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Hintergrundinformationen zu den Nebennieren

Die Nebennieren sind beidseits der Nieren auf den sogenannten Polen zu finden. Eine Nebenniere hat ungefähr die Größe eines Esslöffels, verfügt aber über eine äußerst komplexe Gewebe- und Zellarchitektur. Im Nebennierenmark werden Noradrenalin bzw. Adrenalin produziert, während in der Nebennierenrinde drei verschiedene Zellschichten zu finden sind, die für die Produktion wichtiger Hormone wie unter anderem Aldosteron, der Testosteron-Vorstufe DHEA bzw. des Stresshormons Cortisol verantwortlich sind.

Nebennierenerkrankungen: Arten und Symptomatik

Durch unterschiedliche Erkrankungen kann es zu einer Störung der Hormonproduktion in der Nebenniere kommen. Dabei ist es möglich, dass entweder zu wenige oder zu viele Hormone gebildet bzw. ausgeschüttet werden, wobei man dann von einer Unter- oder Überfunktion spricht.

Eine Überproduktion von Cortisol wird auch als Morbus Cushing bezeichnet. Morbus Cushing-Patienten leiden dann an

  • Fettansammlungen im Nacken bzw. im Bauchbereich,
  • außerdem verändert sich der Zuckerstoffwechsel und
  • die Haut wird dünn und pergamentartig.

Tritt eine Überproduktion von Aldosterol auf, so spricht man von einem Conn-Syndrom oder einem Hyperaldosteronismus. Ein wichtiges Symptom ist hier Bluthochdruck, zudem sinken die Kaliumwerte, was sich bemerkbar macht durch

  • Verstopfung,
  • Muskelschwäche,
  • großen Durst bzw.
  • häufiges Wasserlassen.

Kann die Nebenniere nicht ausreichend Cortisol produzieren, so tritt eine sogenannte Nebennierenrindeninsuffizienz auf, wobei man hier zwischen einer primären und einer sekundären Form unterscheiden kann. Die primäre Form wird auch als Morbus Addison bezeichnet, diese Erkrankung führt zu Symptomen wie

Eine sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz entsteht sehr häufig durch eine Hirnanhangsdrüsen-Unterfunktion oder auch durch eine Unterfunktion im Hypothalamus. In diesem Fall wird nicht genügend ACTH (adrenocorticotropes Hormon) bzw. CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon) gebildet und die Betroffenen fühlen sich meist antriebslos bzw. müde, sie leiden an Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit sowie an einem niedrigen Blutdruck. Bei Frauen bleibt auch häufig die Menstruation aus, zudem werden die Haut, das Nagelbett bzw. frische Narben dunkler. Im Alltag bemerken die Betroffenen meist keinerlei Symptome, diese treten erst bei psychischem oder körperlichem Stress auf, da der Körper dann mehr Kortisol benötigt. Dann leiden die Patienten an

  • Erbrechen,
  • Durchfall,
  • Schock bzw. einem
  • Blutdruckabfall, was auch als "Addison-Krise" bezeichnet wird.

Tritt eine Überfunktion im Nebennierenmark auf, so werden vermehrt Dopamin, Noradrenalin bzw. Adrenalin ausgeschüttet. Da diese Stresshormone dann dauerhaft erhöht sind, kommt es zu

Die Patienten sind dann meist sehr blass und leiden zudem an Schwindelgefühlen und Kopfschmerzen. Da der Stoffwechsel massiv gesteigert ist, erhöht sich auch der Blutzucker und es besteht die Gefahr, dass die Betroffenen eine Diabetes mellitus entwickeln.

Die Produktion der Stresshormone kann aber auch reduziert sein, was zu

  • häufigen Schwindelgefühlen,
  • Ohnmacht,
  • Ohrgeräuschen,
  • Kopfschmerzen oder
  • wechselndem Blutdruck

führt.

Ursachen und Risikofaktoren für Nebennierenerkrankungen

Die Ursachen für eine primäre Nebenniereninsuffizienz sind im Organ selbst zu finden. Durch Erkrankungen wie

werden hormonbildende Zellen zerstört. Bei einer sekundären Insuffizienz können der Hyptholamus bzw. die Hypophyse aufgrund eines Tumors oder einer Entzündung, aber auch nach einer Strahlentherapie nicht genügend ACTH bzw. CRH ausschütten. Dadurch produziert die Nebennierenrinde keine Hormone und bleibt daher inaktiv.

Die Ursachen für eine Überproduktion an Cortisol liegen sehr oft im Hypothalamus oder in der Hirnanhangdrüse, da beispielsweise durch einen Tumor zu viel CRH bzw. ACTH ausgeschüttet wird. Darüber hinaus kann sich in der Nebennierenrinde auch ein meist gutartiger Tumor bilden, der dann Cortisol autonom produziert. Wird dieser Tumor nicht behandelt, so führt die Überproduktion zu Morbus Cushing.

Die Ursachen für eine Überproduktion von Aldosteron sind ebenfalls in der Nebennierenrinde zu finden. Meistens vermehren sich aus unbekannten Gründen sezernierende Zellen oder ein gutartiger Tumor ruft eine autonome Produktion hervor. Ein weiterer Grund kann aber auch eine gesteigerte Ausschüttung von CRH bzw. ACTH durch den Hypothalamus oder die Hirnanhangdrüse sein.

Eine Überfunktion im Nebennierenmark ist meist ebenfalls auf einen gutartigen Tumor zurückzuführen, der auch hormonell aktiv ist. Ist die Bildung der Stresshormone im Nebennierenmark reduziert, so ist das meist auf langjährigen Alkoholkonsum oder Diabetes zurückzuführen, wodurch das Nebennierenmark geschädigt wird. Die Produktionsfähigkeit kann aber auch durch einen Tumor, der nicht hormonaktiv ist, eingeschränkt sein.

Untersuchung und Diagnose von Nebennierenerkrankungen

Jeder Therapie der Nebenniere geht immer eine ausführliche Anamnese bzw. eine anschließende Laboruntersuchung voraus. Mithilfe dieser Untersuchung kann der Facharzt (Endokrinologe oder Nephrologe) feststellen, wie hoch die Blutkonzentration der jeweiligen Hormone ist und in welchem Verhältnis sie vorliegen. Zudem kann auch diagnostiziert werden, wo die Ursachen für die jeweilige Erkrankung liegen. Neben der Laboruntersuchung sind dann mitunter auch noch weitere Untersuchungen wie

erforderlich.

Behandlung von Nebennierenerkrankungen

Nach der Diagnose müssen die Ursachen für die jeweilige Nebennierenerkrankung beseitigt werden. Liegt ein Defizit an Hormonen vor, so werden diese substituiert. Bei einer Überproduktion an bestimmten Hormonen spielt ebenfalls die Ursachenbekämpfung eine wesentliche Rolle. Zudem ist oftmals auch eine medikamentöse Begleittherapie notwendig. Werden Hormone durch Tumore produziert, so muss dieser operativ entfernt werden.

Verlauf und Prognose

Für den Verlauf einer Nebennierenerkrankung ist entscheidend, wie schnell es zu einer Zerstörung des Gewebes der Nebennierenrinde kommt. Ohne eine entsprechende Therapie schreiten die Erkrankungen weiter fort und der Körper wird dadurch immer schwächer. Erfolgt die Behandlung frühzeitig und ausreichend, so können die Patienten aber eine gute Lebensqualität erwarten.

Quellen

https://endokrinemedizin.de/nebennierenerkrankungen/
https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/hormone-stoffwechsel/hormondruesen-und-moegliche-erkrankungen/nebenniere.html
https://www.uniklinikum-dresden.de/de/forschung-lehre-und-bildung/kfo-252/public-relations/nebennierenkrankheiten-adrenal-disorders
https://www.meoclinic.de/fachgebiete/endokrinologie-und-nephrologie/erkrankungen-der-nebenniere/
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