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Oligodendrogliom: Spezialisten & Informationen

02.06.2026
Sabine Schneider
Chefredakteurin

Das Oligodendrogliom ist ein Hirntumor, der vor allem bei erwachsenen Personen vorkommt. Diese Gliome gehen mit verschiedenen Beschwerden einher und lassen sich in vier WHO-Grade unterteilen. Eine frühe Diagnose und schnelle Behandlung verbessert die Prognose der Erkrankung deutlich.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für die Behandlung von Oligodendrogliomen.

ICD-Codes für diese Krankheit: C71

Kurzübersicht:

Das Oligodendrogliom gehört zu den Tumoren des zentralen Nervensystems und zählt zu den Gliomen – Hirntumoren, deren Zellen den stützenden Oligodendrozyten ähneln. Die WHO-Klassifikation unterteilt diese Tumoren in verschiedene Grade, wobei vor allem anaplastische Oligodendrogliome (Grad III) als bösartig gelten und nach operativer Resektion eine anschließende Behandlung erfordern. Zu den typischen Symptomen zählen plötzliche Kopfschmerzen, epileptische Anfälle und neurologische Ausfälle; für die Diagnose sind bildgebende Verfahren wie MRT und CT entscheidend. Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser sind die Aussichten für Betroffene.

Artikelübersicht

Was sind Oligodendrogliome?

Oligodendrogliome sind gliale Tumore, also Hirntumoren, die diffus in das umliegende Hirngewebe einwachsen. Zu den häufigsten diffusen Gliomen zählen das Astrozytom und das Oligodendrogliom.

Ihre Tumorzellen ähneln unter dem Mikroskop Oligodendrozyten, die ebenfalls im Hirn vorkommen. Oligodendrozyten sind Stützzellen, die Markscheiden bilden. Markscheiden sind lipidreiche Schichten, die um die Nervenzellfortsätze einiger Nervenzellen herum gebildet werden. Oligodendrogliome bilden diese Markscheiden (auch als Myelinscheiden bezeichnet) aber nicht.

Meistens betreffen Oligodendrogliome Erwachsene zwischen 35 und 50 Jahren. Auch jüngere Patienten können aber daran erkranken. Bei Männern kommt dieser Hirntumor etwas öfter vor als bei Frauen.

Oligodendrogliome entwickeln sich meistens, aber nicht immer, im Frontallappen des Großhirns. Seltener befinden sich diese Tumore im Hirnstamm oder im Kleinhirn.

Was sagt die Klassifizierung in WHO-Grad aus?

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) unterteilt Oligodendrogliome in verschiedene Grade. Diese Unterteilung bietet Hinweise auf die weitere Prognose und die angeratenen Behandlungsmöglichkeiten.

Ein Einteilungskriterium bei Tumoren ist allgemein der Malignitätsgrad. Darunter versteht man die Gut- oder Bösartig des individuellen Tumors. Die Malignität beinhaltet Faktoren wie seine Wachstumsgeschwindigkeit und seine Tendenz, sich in umliegendes Gewebe auszubreiten.

  • WHO-Grad I: Gutartige Oligodendrogliome, die nur langsam wachsen und daher mit einer sehr guten Prognose einhergehen.
  • WHO-Grad II: Oligodendrogliome des Grad II wachsen langsam, neigen zur Rezidivbildung und können sich zu höhergradigen Tumoren entwickeln.
  • WHO-Grad III: Bösartige Oligodendrogliome, nach deren operativer Entfernung eine Chemo- oder Strahlentherapie empfohlen wird, um ein Rezidiv (das erneute Auftreten des Tumors) zu verhindern.
  • WHO-Grad IV: Sehr bösartige Oligodendrogliome, die schnell wachsen und ebenfalls einer anschließenden Strahlen- oder Chemotherapie bedürfen.

Molekular sind Oligodendrogliome durch eine IDH-Mutation sowie eine Veränderung der Chromosomen 1p und 19q gekennzeichnet, was als wichtiges diagnostisches Merkmal gilt. Mit steigendem WHO-Grad nimmt die Zelldichte des Tumors zu. Ab WHO- Grad 3 können zudem mikrovaskuläre Proliferationen im Tumorgewebe auftreten, die auf ein aggressiveres Wachstum hinweisen.

Die endgültige WHO-Klassifikation erfolgt nach Auswertung der Biopsie und molekularpathologischer Untersuchungen.

Welche Symptome verursacht häufig ein Oligodendrogliom?

Ein Oligodendrogliom verursacht häufig erst im späteren Verlauf deutliche Beschwerden. Das sind vor allem:

Normale Kopfschmerzen und Kopfschmerzen, die von einem Hirntumor verursacht werden, unterscheiden sich.

Gliom-verursachte Kopfschmerzen treten sehr plötzlich auf. Sie werden innerhalb von Tagen oder Wochen immer stärker. Schmerzmittel helfen hier normalerweise nicht oder nur kurz. Oft wird der Schmerz im Liegen stärker und geht in aufrechter Position spontan wieder zurück.

Wenn der Nervenwasserabfluss durch den Hirntumor gestört ist, treten zudem Hydrozephalus- ("Wasserkopf"-)Symptome auf:

  • Gedächtnisstörungen
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Übelkeit

Sollten Sie diese Beschwerden bei sich oder einem Angehörigen feststellen, ist ein zeitnaher Arztbesuch ratsam.

Wie werden Oligodendrogliome diagnostiziert?

Der Arzt führt zunächst ein Anamnesegespräch mit dem Patienten. Hier befragt der Arzt den Patienten zu seinen Beschwerden und seiner Krankengeschichte. Dadurch kann der Arzt oft eine Verdachtsdiagnose stellen und erhält auch Hinweise auf die Ursachen der Erkrankung.

Bei Verdacht auf ein Oligodendrogliom ist eine neurologische Untersuchung der nächste Schritt. Dabei zeigen sich meist erste klare Hinweise auf einen Hirntumor.

Der Verdacht lässt sich mithilfe eines CTs (Computertomographie) erhärten. Dabei durchleuchten Röntgenstrahlen das Gehirn und stellen es in vielen einzelnen Schnittbildern dar. Der Arzt untersucht die Bilder auf ungewöhnliche Gewebeansammlungen.

Die detaillierteste Übersicht liefert jedoch ein MRT (Magnetresonanztomographie). Damit kann der Arzt am besten mögliche Unregelmäßigkeiten in den Gehirnstrukturen erkennen.

Hirn-MRT
Mittels MRT können Mediziner das Gehirn nach Gewebeauffälligkeiten überprüfen © Александр Марченко | AdobeStock

Häufig sichert der untersuchende Mediziner die Diagnose ab, indem er eine Biopsie anordnet. Dazu entnimmt er eine Gewebeprobe und lässt sie im Labor überprüfen.

Weitere Untersuchungsmethoden, die beim Verdacht auf einen Hirntumor sinnvoll sind:

  • das EEG (Elektroencephalogramm) des Gehirns, das den genauen Ort des Tumors lokalisiert,
  • eine Liquor-Untersuchung, um andere (entzündliche) Krankheiten des Nervensystems auszuschließen.

Welche der genannten Untersuchungen infrage kommen, entscheidet der Arzt im individuellen Krankheitsfall.

Gibt es Möglichkeiten zur Früherkennung?

Aktuell sind keine genauen Risikofaktoren bekannt, die ein Oligodendrogliom auslösen. Weder die Ernährung, genetische Faktoren (bis auf wenige Einzelfälle) noch eine spezifische Mutation ließen sich bisher eindeutig als konkrete Ursache beweisen. Daher existieren auch keine Früherkennungsprogramme oder Vorbeugungsmaßnahmen, mit denen sich ein Oligodendrogliom frühzeitig erkennen oder verhindern lässt.

Erschwerend hinzu kommt, dass die Beschwerden eines Hirntumors oft erst spät eintreten. Umso wichtiger ist es, bei diesen Symptomen gleich einen Arzt aufzusuchen. Erst mithilfe von bildgebenden Verfahren lässt sich die Diagnose stellen und eine entsprechende Behandlung einleiten.

Wenn Sie also oben beschriebene Symptome bemerken, lassen Sie diese besser ärztlich abklären. Die Prognose ist in den meisten Fällen umso besser, je früher die Behandlung einsetzt.

Wie sehen die Behandlungsmöglichkeiten bei Oligodendrogliomen aus?

Die Behandlung richtet sich nach dem WHO-Grad des Oligodendroglioms.

Bei Hirntumoren des zweiten Grades raten Ärzte zu einer möglichst vollständigen Resektion des Tumorgewebes. Wächst der Tumor nach der Operation wieder oder liegt ein hohes Risiko hierfür vor, ist anschließend eine Chemotherapie und Bestrahlung sinnvoll. Das chirurgische Vorgehen richtet sich dabei stets nach der Lokalisation des Tumors im Gehirn. Diese sollen verhindern, dass es zu einem erneuten Tumorwachstum kommt.

Oligodendrogliome des dritten WHO-Grades therapieren Ärzte ebenfalls mit einer Operation und einer anschließenden Chemotherapie. Das PCV-Schema umfasst dabei die Wirkstoffe Procarbazin, Lomustin und Vincristin; alternativ wird Temozolomid eingesetzt.

Bei Rezidiven oder schwierigen Verläufen können klinische Studien eine weitere Behandlungsoption darstellen. Der behandelnde Arzt informiert Betroffene außerdem über mögliche Nebenwirkungen der jeweiligen Therapie.

Im Anschluss an die Entfernung des tumorösen Gewebes steht die Rehabilitation. Insbesondere, wenn die Erkrankung bereits zu neurologischen Veränderungen geführt hat, kann eine Reha die Lebensqualität des Patienten verbessern. Infrage kommen etwa

  • eine Logopädie bei Sprachausfällen,
  • eine Ergotherapie und Physiotherapie bei körperlichen Beschwerden,
  • ein neurokognitives Training, etwa mithilfe von speziellen Computerprogrammen.

Der behandelnde Arzt berät Betroffene darüber, welche Therapien den gewünschten Erfolg bringen.

Welche medizinischen Fachgebiete sind für Oligodendrogliome zuständig?

Ein Oligodendrogliom geht oft mit zahlreichen Beschwerden einher. Auch die Diagnose und Behandlung sind kompliziert und vielschichtig.

Bei Hirntumoren arbeiten Spezialisten verschiedener Fachbereiche interdisziplinär zusammen.

Erster Ansprechpartner bei neurologischen Beschwerden ist der Neurologe. Dieser führt die Eingangsuntersuchung und neurologische Tests durch, um den Verdacht auf eine Erkrankung einzugrenzen.

Radio-Onkologen sind Spezialisten auf dem Gebiet der bildgebenden Diagnostik bei Krebserkrankungen.

Weitere diagnostische Untersuchungen und die anschließende Behandlung führen Ärzte

durch. Im Idealfall arbeitet ein ganzes Spezialistenteam aus diesen Ärzten zusammen, um einen bestmöglichen Behandlungserfolg zu erzielen.

Fazit

Oligodendrogliome sind Hirntumore, die einer schnellen Behandlung bedürfen. Sollten Sie plötzlich unter starken Kopfschmerzen oder neurologischen Auffälligkeiten leiden, besuchen Sie schnellstmöglich einen Arzt.

Dieser führt eine erst Untersuchung durch und leitet, wenn nötig, weitere diagnostische Maßnahmen ein. Eine schnelle Behandlung geht meist auch mit einer besseren Prognose einher.

FAQ

1. Was unterscheidet ein Grad 2 - von einem Grad 3 -Oligodendrogliom? 
Ein Grad-2-Oligodendrogliom wächst langsam und neigt zur Rezidivbildung, während ein Grad-3-Oligodendrogliom (anaplastisches Oligodendrogliom) bereits bösartig ist und nach der Operation zwingend eine Bestrahlung und Chemotherapie erfordert.

2. Welche Medikamente werden bei der Chemotherapie eingesetzt?
Bei der Chemotherapie kommen häufig PCV-Protokoll-Wirkstoffe wie Procarbazin, Lomustin und Vincristin oder alternativ Temozolomid zum Einsatz.

3. Wie wird ein Oligodendrogliom sicher diagnostiziert?
Neben der klinisch-neurologischen Untersuchung liefert die Bildgebung per MRT die detaillierteste Übersicht; eine Biopsie sichert die Diagnose abschließend ab.

4. Welche Nebenwirkungen können nach der Behandlung auftreten?
Je nach Therapie können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, neurologische Ausfälle oder Beeinträchtigungen der Sprache auftreten – weshalb im Anschluss oft Logopädie, Ergo- oder Physiotherapie empfohlen wird.

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