Nervenrekonstruktion: Informationen & Nervenrekonstruktionspezialisten

Eine operative Nervenrekonstruktion kann nach gerissenen Nerven oder schweren Zerrungen notwendig werden. Solche Verletzungen treten häufig nach Überdehnungen, Knochenbrüchen sowie stumpfer oder scharfer Gewalteinwirkung auf. Die Nervenrekonstruktion ist eine mikrochirurgische Operation, bei der ein körpereigenes Nerventransplantat zwei Nervenenden wieder verbindet. In 80 bis 90 Prozent der Fälle führt die Nervenrekonstruktion zu einer eindeutig wahrnehmbaren Nervenerholung.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für Nervenrekonstruktionen.

Empfohlene Spezialisten für Nervenrekontruktionen

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Nervenrekonstruktion - Weitere Informationen

Definition: Was sind Nerven und Nervenfasern?

Der Körper verfügt über zahlreiche Nerven. Sie befinden sich insbesondere in den Extremitäten. Die Nerven haben ein Durchmesser zwischen Bleistiftmine und Bleistift, manche Nerven sind noch dicker.

Der Nervenstrang ist dabei nur ein Fortsatz der eigentlichen Nervenzelle, die sich im oder nahe des Rückenmarks befindet. Dieser Fortsatz, also der Nervenstrang, kann bis zu zwei Meter lang werden.

Im Inneren eines Nervs befinden sich Tausende Nervenfasern, die den Nervenreiz weiterleiten. Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Nervenfasern:

  • sensible Fasern
  • motorische Fasern

Sensible Nervenfasern leiten elektrische Reize zum Rückenmark und Gehirn. Dort werden sie als Druck, Temperatur oder Schmerz interpretiert.

Motorische Nervenfasern leiten elektrische Reize in die Peripherie, wo sie zu einer Muskelkontraktion führen. Über sie steuert der Körper also die Muskeln.

Bei Nervenschädigungen oder Nervendurchtrennungen können also sensible oder motorische Funktionen (oder beide) ausfallen.

Schwere Nervenverletzungen werden durch

  • stumpfe oder scharfe Gewalteinwirkung sowie
  • übermäßiges In-die-Länge-ziehen bei Knochenbrüchen oder Verscherungen von Gelenken

verursacht. Sie treten beispielsweise häufig am Schultergelenk oder Kniegelenk auf.

Brustkorb und Nerven
Die Nervenstränge der Extremitäten führen zum Rückenmark und zum Gehirn © SciePro | AdobeStock

Wie funktioniert eine Nervenrekonstruktion nach Nervenverletzungen?

Nach einer solchen schweren Verletzung kann man bei den betroffenen Nervenzellen im Rückenmark eine hohe Aktivität beobachten. Sie versuchen, ihren Nervenzellfortsatz wieder dorthin wachsen zu lassen, wo er ursprünglich seine Wirkung ausübte.

Dieser Wachstumsvorgang nach einer Durchtrennung stellt zwischen den zwei Nervenenden eine Bindegewebsbrücke her. Das Nervenfaserwachstum vollzieht sich sehr langsam, ungefähr 1 mm täglich. Der Erholungsvorgang dauert daher viele Monate.

Dabei gelangt längst nicht jede Nervenfaser wieder an das konkrete Zielorgan. Beispielsweise muss eine bestimmte Muskelfaser wieder einen mit einer bestimmten Funktion behafteten Muskel erreichen. Deswegen ist das Ergebnis einer solchen Nervenrekonstruktion schlechter als der ehemals gesunde Zustand. 

Einbußen nach Nervenverletzungen müssen also einberechnet werden.

Untersuchungen von Nervenverletzungen

Bestimmung von Nervenverletzungen anhand der Symptome

Jeder Extremitätennerv versorgt ein bestimmtes sensibles Hautareal und steuert bestimmte Muskelgruppen. Ein Arzt kann durch geschilderte Sensibilitätseinschränkungen des Patienten also leicht zurückschließen, welcher Nerv betroffen ist.

Das Gleiche gilt für den Verlust motorischer Funktionen. Etwa den Wegfall der Fähigkeit, Handgelenk, Langfinger und Daumen gegen Schwerkraft in die Höhe zu strecken.

Das Ausfallsbild erlaubt die Zuordnung und Benennung der geschädigten Nerven. Oft ist dann auch klar, wo genau in der Extremität der Schaden entstanden ist, z. B. am Oberarm, am Unterarm oder dazwischen im Bereich des Ellbogens.

Schwieriger wird es für den Arzt, wenn mehrere Nerven geschädigt sind und das Ausfallsbild komplizierter zuzuordnen ist.

Diagnostik-Methoden bei Nervenverletzungen

Immer hilfreich ist die elektrophysiologische Untersuchung durch den Neurologen. Er kann jeden Muskel mit einer feinen Nadel sondieren. So prüft er, ob vom Gehirn kommende elektrische Reize den Nerven erreichen oder nicht.

In letzterem Fall entwickelt der Muskel selbst einige Wochen nach der Verletzung eine elektrische Eigenaktivität. Diese beweist eine vollständige Nervenverletzung.

Auch eine Neurographie kann Nervenverletzungen bestimmen. Dabei wird ein Nerv an einer Stelle durch die Haut mit einem heftigen Stromreiz gereizt. Dieser Nervenreiz wird an der Nervenfaser fortgeleitet und kann an einer anderen Stelle abgeleitet werden, sofern der Nerv nicht durch die Verletzung zerrissen ist.

Problematik bei der Bewertung von Untersuchungsergebnissen

Leider sind diese sehr einfach klingenden Untersuchungen im ärztlichen Alltag viel schwerer zu bewerten, als es hier geschildert wird. Nach einer erlittenen Verletzung weiß ja in den allermeisten Fällen niemand, ob es wirklich zu einer Nervenverletzung mit Zerreißung gekommen ist. Es könnte auch nur eine schwere Zerrung mit Funktionsunterbrechung vorliegen.

Damit steigt die Verantwortung in der Bewertung neurologischer und neurophysiologischer Befunde immens. Es kommt durchaus vor, dass ein Nerv nicht zerrissen ist und seine bindegewebigen Hüllstrukturen überlebt haben. In diesem Fall bestehen Chancen, dass seine nur im Inneren zerrissenen Nervenfasern wieder auswachsen. In einer solchen eigentlich günstigen Situation ist eine Operation eher kontraproduktiv.

Eine zeitliche Entscheidungsgrenze entsteht aber durch den Zustand der Muskelfasern nach einem funktionellen Nervenausfall. Die Muskelmasse schwindet und wird nach Ablauf eines halben Jahres zunehmend zu Bindegewebe umgewandelt. Dieser als Atrophie bezeichnete Vorgang ist nicht rückbildungsfähig.

Nerven können auch nach Jahren wieder wachsen, wenn man ihnen dafür chirurgisch die Möglichkeit bietet. Die Muskeln spielen dann jedoch nicht mehr mit.

Ein betroffener Patient muss in all diese komplizierten Erkenntnisse eingeweiht werden. So kann er mit dem beratenden Arzt gemeinsam entscheiden, ob und wann nervenchirurgisch eingegriffen werden soll.

Es gibt hier keine generellen Regeln wie sonst in anderen Bereichen der Medizin. sondern nur gemeinsam zu treffende Ermessensentscheidungen.

Jeder Patient fragt, ob es denn keine Bildgebung zur Beantwortung aller Fragen gibt. Die Aussagefähigkeit all dieser Apparate ist bis heute durch den unfallbedingten Narbenblock immer noch ohne Verlass.

Operationsmethodik bei Nervenrekonstruktionen

Zur Operationsmethodik gilt generell:

Der geschädigte Nervenabschnitt ist nicht in der Narbe zu finden. Stattdessen identifiziert man den Nerv chirurgisch im gesunden Bereich ober- und unterhalb des Vernarbungsabschnittes. Die Schädigung ist dann zu finden, indem man den Nerv bis zur Narbenregion verfolgt.

Verletzungsbedingt entsteht ein Weichteil-Narben-Block, der

einmauert. Präpariert man direkt in die Narbe hinein, zerstört man ihren Inhalt und richtet weiteren Schaden an. Daraus folgt, dass heute gern gewünschte Schlüssellochtechniken nicht in Frage kommen. Stattdessen sind nach heutigem Erkenntnisstand noch langstreckige Wunderöffnungen nötig.

Nervenendigungen mit einem Abstand von mehr als zwei Zentimetern dürfen nicht mehr end-zu-end aneinander genäht werden. Zu dieser Erkenntnis kam es Mitte der fünfziger Jahre.

Die aufzuwendende Zugspannung an den wiedervereinigten Nervenenden besteht nach dem Operationsvorgang fort. Die Nervenenden drohen dann, im Inneren auseinander zu klaffen. Zwischen den Nervenenden entwickeln sich wieder Vernarbungen. Daher würden die Nervenfasern es nicht schaffen, über diese Situation hinweg zu wachsen.

Daher entwickelte H. Millesi in Wien einige Jahre später die Idee und Technik der Nerventransplantation unter dem Operationsmikroskop.

Vorgehen bei der Nerventransplantation unter dem Operationsmikroskop

Bei diesem Eingriff setzt der Operateur mehrere kleine Hautschnitte. Über diese entnimmt er dem Patienten einen Nerv an der Rückseite des Unterschenkels, den Nervus suralis. Dieser Nerv hat ausschließlich sensible Funktionen an der Fersenaußenseite. Der Sensibilitätsverlust dort muss als Preis gezahlt werden.

Der entnommene Nerv hat eine Länge von 30 bis 40 Zentimetern und den Durchmesser einer Bleistiftmine. Dieses lange Nervenstück dient nun als körpereigenes Transplantat. Es kann in mehreren Portionen benutzt werden und zwischen den zwei Endigungen eines Hauptnervs an Arm oder Bein eingefügt werden.

Nervenrekonstruktion1

Dazu müssen unter dem Operationsmikroskop Vernarbungen an den Nervenendigungen zuvor entfernt werden. Zudem muss die im Hauptnerv erkennbare Mikrostruktur präpariert werden. Der ehemalige Abstand der zwei Hauptnervenendigungen zueinander vergrößert sich dadurch noch etwas.

Mehrere Stücke des entnommenen Nervs werden dann unter Berücksichtigung der Mikrostruktur des Hauptnerven spannungsfrei eingefügt.

Als Nähte dienen Fäden vom Kaliber eines Menschenhaares.

Nervenrekonstruktion2

Die Nervenfasern wachsen aus dem so rekonstruierten Hauptnerven in die Nerventransplantate ein, durch diese hindurch und schließlich wieder in den verbliebenen peripheren Nervenstumpf hinein.

Der Einsatz eines solchen Transplantates führt zu besseren Ergebnissen als das Aneinanderzerren von Endigungen zerrissener Nerven.

Nervenrekonstruktion3

Die geschilderte Form der Nervenrekonstruktion heißt „Mikrochirurgische Autologe Nerventransplantation“. „Autolog“ bedeutet, dass der transplantierte Nerv dem eigenen Körper entnommen wurde. Das hat den Vorteil, dass der Körper das Transplantat nicht abstößt, wie das häufig bei körperfremden Transplantaten der Fall ist.

Aufgrund der langen Nervenfaserwachstumsphase steht das Resultat einer solchen Operation aber erst nach vielen Monaten fest.

Medikamente zur Nervenrekonstruktion

Eine medikamentöse Beeinflussung, mit der sich das Nervenfaserwachstum begünstigen lässt, ist bisher nur im Experiment bekannt.

Es gibt immer wieder Hinweise auf Vitamine. Die menschliche Nervenzelle leistet das jedoch von sich aus, also ohne Hilfe zu benötigen.

Mögliche Komplikationen und Risiken einer Nervenrekonstruktion

Die operative Freilegung eines verletzten Nervs zur Nervenrekonstruktion darf nicht zu zusätzlichen Weichteilverletzungen, insbesondere Gefäßverletzungen führen. Das Risiko von Gefäßverletzungen steigt, wenn bei einer unfallchirurgischen Erstversorgung bereits eine Gefäßrekonstruktion nötig war.

Es kann dann zwingend nötig werden, vor der Nervenrekonstruktion durch Eigenblutspende Erythrozytenkonzentrate mitzubringen. Erythrozytenkonzentrat ist eine aus roten Blutzellen bestehende Blutkonserve.

Nach dem mikrochirurgischen Einfügen von Nerventransplantaten darf die Operationsregion nicht noch einmal chirurgisch angegangen werden. Die Transplantate würden sonst zerstört.

Voraussetzung für die Planung einer Nervenrekonstruktion ist also, dass keine weiteren Eingriffe an dieser Region notwendig sind. Etwaige Knochenverletzungen, wenn sie gleichzeitig entstanden sind, müssen gesichert so abheilen, dass sie keiner weiteren Operation bedürfen.

Das betrifft auch eingebrachte Osteosynthesematerialien, also Metallteile zur Behandlung von Knochenverletzungen, wie z.B.

  • Schrauben,
  • Metallplatten,
  • Drähte oder
  • Nägel.

Diese Teile müssen entweder gleichzeitig mit der Nervenversorgung entfernt werden können, oder sie müssen lebenslang verbleiben. Ihre spätere Entfernung könnte zur Zerstörung der Nerventransplantate führen.

Eine Nervenrekonstruktion sollte außerdem möglichst zeitnah erfolgen. Ansonsten wären die betroffenen Muskeln nicht mehr nutzbar.

Erkenntnisse nach der Nervenrekonstruktion

Die Ergebnisse der mikrochirurgischen Nervenrekonstruktion lassen aus den genannten Gründen immer lange auf sich warten. Statistische Zusammenstellungen über die Ausheilungen können daher immer nur in großen Zeitabständen gewonnen werden. Wenn man dann Verhaltensänderungen auf operativer Seite vornimmt, muss man auf die Auswertung der nun neuen Ergebnisse wieder viele Jahre warten. Die Entwicklung vollzieht sich also sehr langsam.

Inzwischen werden gelegentlich industriell gefertigte künstliche Nerventransplantate eingesetzt. Auf deren Ergebnisse muss man ebenso lange warten.

Künstlichen Nerventransplantaten fehlen wichtige Zellelemente, so dass bislang ungelöste Probleme auftreten.

Die Transplantation körpereigener Nerven führt in 80 bis 90% der operierten Fälle zu einer wahrnehmbaren Nervenerholung. Mit einer Total-Versagerrate von ungefähr 10% muss man rechnen. Sie ergibt sich aus der Feinheit und technischen Anfälligkeit der Operationsmethodik der Nervenrekonstruktion.

Nachbehandlung nach der Nervenrekonstruktion

Mit Krankengymnastik wird die Beweglichkeit der zu Einsteifung neigenden Gelenke behandelt. Sie trainiert auch funktionierende Muskeln im Umfeld der ausgefallenen Muskelgruppe so, dass sie die ausgefallenen Funktionen ersetzen kann.

Elektromyographische Kontrollen zeigen, ob in der ausgefallenen Muskelgruppe nach Auswachsen der Nervenfasern wieder elektrische Impulse auftauchen. Die Krankengymnastik wird sich dann gezielt auf die ehemals gelähmte Muskelgruppe konzentrieren.

In der Phase des Nervenausfalles können Fehlstellungen an Händen oder Füßen entstehen. Diese können durch speziell angefertigte Schienungen korrigiert werden. Das Ziel ist hier in erster Linie, Einsteifungen von Gelenken und Überdehnungen bestimmter Sehnen zu verhindern.

Leider gibt es keine gesicherte Methodik, dem Schwund von Muskelmasse vorzubeugen. Die von außen durch Flächenelektroden aufgebrachten Reizungen ausgefallener Muskelgruppen sollen hier vorbeugend wirken. Es fehlt dafür der wissenschaftliche Beweis, die Erfahrungen sprechen aber dafür.

Falsch ist die Heranziehung von TENS-Geräten, denn sie haben andere Aufgaben.

Fazit

Die Nervenrekonstruktion nach Nervenverletzungen ist heutzutage eine mikrochirurgische, zeitaufwändige und feinsinnige Operation. Die autologe Transplantation nach Entnahme eines Hautnervs aus dem Unterschenkel führt dabei zu den besten Ergebnissen.

Jede Wiederkehr von Funktion nach einer Nervenverletzung ist ein unschätzbarer Gewinn und den Operationsversuch wert. Man kann aber nicht die volle Wiederherstellung des ehemals gesunden Zustandes erwarten.

Schwierig ist die Wahl des Operationszeitpunktes. Dieser liegt im Ermessen von Patient und Arzt nach sachgerechter Aufklärung. Bei operativ sehr schwer zugänglichen Nerven wird man größere Zurückhaltung äußern als bei leicht erreichbaren Nervenverläufen.

Vor jeder Nervenrekonstruktion muss sicher sein, dass das Operationsgebiet nicht noch einmal aus anderen Gründen geöffnet werden muss.

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