Die Fluoreszenzangiographie (FAG) ist ein bildgebendes Verfahren zur Untersuchung des Augenhintergrundes. Sie wird in der Augenheilkunde eingesetzt um Blutgefäße, Netzhaut und Aderhaut nach Gabe eines Farbstoff als Kontrastmittel genauer darzustellen.
Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Fluoreszenzangiographie-Spezialisten und Zentren.
Kurzübersicht:
So ermöglicht die Untersuchung eine genaue Diagnose beim Netzhauterkrankungen, bei Veränderungen von Netzhaut und Aderhaut sowie bei Störungen der Durchblutung. Der Ablauf der Fluoreszenzangiographie ist in der Regel kurz, gut planbar und für den Patienten meist wenig belastend.
Artikelübersicht
Hintergrund
Die Angiographie ist ein diagnostisches Bildgebungsverfahren, das zur Darstellung von Blutgefäßen dient. Es ist schmerzlos und risikoarm. Die Fluoreszenzangiographie ist eine Spezialform, die in der Augenheilkunde zum Einsatz kommt. Sie dient der Kontrastmitteldarstellung der Strukturen des Augenhintergrundes.
Das Verfahren basiert auf Röntgen- oder MRT-Bildern. In der Regel wird für eine bessere Darstellung ein Kontrastmittel in die Gefäße injiziert.
Die FAG kommt häufig als zentrales Verfahren für die Diagnose von Netzhauterkrankungen zum Einsatz. Unklare Veränderungen der Netzhaut und der Aderhaut können damit besser abgeklärt werden.
Der Mediziner untersucht dabei vor allem die Ausmaße von diabetischen Veränderungen auf die Netzhaut. Weiterhin dient dieses Verfahren
- zur Festlegung einer eventuellen Lasertherapie,
- zur Klassifizierung von altersbezogenen Durchblutungsstörungen der Makula sowie
- zur Differenzierung von arteriellen oder venösen Gefäßverschlüssen.
An der Augenheilkunde ist die FAG seit vielen Jahren etabliert, mit der Fluoreszenzangiographie prägte Achim Wessing die moderne retinale Diagnostik nachhaltig.

Die Netzhaut während einer Fluoreszenzangiographie © L. Bacud | Wikimedia Commons
Diagnose von Netzhauterkrankungen: Anwendungsgebiete der Fluoreszenzangiographie
Die Fluoreszenzangiographie ist vor allem für Augenerkrankungen mit Ursachen im Bereich der Augengefäße geeignet. Hierzu gehören:
- diabetische Retinopathie
- Anteriore ischämische Optikusneuropathie
- altersabhänige Makuladegeneration (AMD)
- Gefäßverschlüsse im Augenbereich aufgrund von Thromben oder Tumoren
Diabetische Retinopathie
Die diabetische Retinopathie ist eine durch die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus ausgelöste Erkrankung der Netzhaut. Diabetes schädigt auch die kleinen Blutgefäße im Auge. Dadurch kommt es zu einer unbemerkten Schädigung der Netzhaut.
Im weiteren Verlauf kann es unter Umständen zur Erblindung kommen.
Eine Therapie kann den Verlauf der Erkrankung verzögern, im besten Fall auch stoppen. Als vorbeugende Maßnahme sollte eine optimale Einstellung des Diabetes mellitus erfolgen.
Die Fluoreszenzangiographie zeigt, ob undichte Gefäße, Mikroaneurysmen oder schlecht versorgte Areale vorliegen. Das ist für die weitere Behandlungsplanung wichtig.
Anteriore ischämische Optikusneuropathie
Die anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION) bezeichnet einen akuten Verschluss einer Augenarterie im Zinn-Haller-Gefäßkranz, die den Sehnerv versorgt. Das führt zunächst zu einer unzureichenden Durchblutung des Sehnervenkopfes. In der Folge kommt es zu einer Mangelversorgung des Sehnervs mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Die AION stellt eine Notfallsituation dar und wird in der Umgangssprache auch als Augeninfarkt bezeichnet.
Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)
Bei der altersbedingten Makuladegeneration (kurz: AMD) handelt es sich um einen Verlust der zentralen Sehschärfe. Die Erkrankung tritt im höheren Lebensalter auf und schreitet weiter fort.
Obwohl die Sehschärfe stark nachlässt, ist auch im Spätstadium keine Erblindung zu erwarten. Der Sehverlust betrifft nur die so genannte Makula (zentrale Stelle der Netzhaut des Auges). Die restliche Netzhaut bleibt von der Erkrankung unberührt. Die Sehleistung im äußerem Gesichtsfeld wird dadurch nicht beeinträchtigt.
Eine Orientierung in der Umgebung ist trotz der AMD also meist auch ohne Schwierigkeiten möglich.
Die Betroffenen können aber nur noch Hell-Dunkel-Kontraste wahrnehmen. Das bedeutet in der Regel den Verlust der Lesefähigkeit und der Fahrtüchtigkeit. Betroffene können auch nur noch mit Schwierigkeiten ihre Mitmenschen erkennen.
Die Untersuchung ist besonders relevant, wenn der Verdacht auf krankhafte Gefäßneubildungen im Bereich der Makula besteht.
Gerade bei feuchter AMD liefert die Fluoreszenzangyografie wichtige Informationen für die weitere Therapieentscheidung.
Ablauf der Fluoreszenzangiographie in der Augenheilkunde
Der Arzt benötigt vor der Durchführung Informationen über den allgemeinen Zustand des Patienten, etwa zu
- Herz-Kreislauf-Problemen,
- Allergien,
- Niere, Lunge, Leber,
- Stoffwechsel und Schilddrüse
- Nervensystem
Danach erhält der Patient Augentropfen zur Pupillenerweiterung. Durch die erweiterte Pupille kann die Aufnahme der Netzhaut besser erfolgen. Zunächst entstehen erste Bilder ohne Kontrastmittel, danach folgen weitere Aufnahmen unter blauem Licht.
Im nächsten Schritt wird ein Farbstoff per Injizieren in die Vene verabreicht. Meist erfolgt die Injektion in den Blutkreislauf über die Armvene. Anschließend wird mit einer Spezialkamera oder einem Laser-Scanning-System dokumentiert, wie sich der Farbstoff im Auge verteilt. So lassen sich die Gefäße der Netzhaut und andere Strukturen genau beurteilen.
Der Ablauf der Fluoreszenzangiographie umfasst also im Wesentlichen:
- Vorbereitung mit Augentropfen
- fotografische Ausgangsaufnahmen
- Gabe des Kontrastmittels
- Serienaufnahmen zur Darstellung der Verteilung
Im klinischen Alltag wird die Behandlung oft als FAG bezeichnet.
Vor allem bei Patienten mit
- Diabetes,
- Durchblutungsstörungen oder
- Tumoren
ist dies von besonderer Bedeutung. Auch Erkrankungen der Netzhaut oder Adergefäße können mit Hilfe der Fluoreszenzangiographie diagnostiziert werden.
Fluorescein-Angiographie
Über einen in die Arm- oder Handvene gelegten Zugang wird der Farbstoff Fluorescein in den Körper injiziert. Der Farbstoff verteilt sich im Körper und erscheint bereits nach wenigen Sekunden in den Augengefäßen.
Der Patient sitzt während der Untersuchung hinter einer speziellen Kamera oder auch einem Laser-Scanning-System. Diese Systeme halten die Einströmung des Farbstoffes in die Gefäße des Auges sowie in andere Schichten der Augennetzhaut digital fest.
Durch den Farbstoff verfärbt sich die Haut nach der Untersuchung etwas gelblich. Nach 4 bis 6 Stunden verliert sich diese Erscheinung wieder und der Farbstoff wird über den Urin ausgeschieden.
Fluorescein gehört der Gruppe der Xanthenfarbstoffe an. In der analytischen Chemie wird Fluorescein als Indikator eingesetzt.
Fluorescein hat neben dem Einsatz als Färbemittel in der Augenheilkunde vielfältige Einsatzgebiete. Er wird etwa als Farbstoff für Seifen und Badextrakte verwendet. Darüber hinaus kommt Fluorescein auch in der Durchflusszytometrie und der Fluoreszenzmikroskopie zum Einsatz. Damit lassen sich unter anderem Krankheitserreger in
- Zellen,
- Flüssigkeiten oder
- Geweben
nachweisen. Fluorescein hat eine sogenannte hohe Quantenausbeute von bis zu 93 Prozent.
Dennoch hat der Farbstoff auch Nachteile. So hängt die Intensität des Farbstoffes vom pH-Wert ab. Fällt dieser unter einen Wert von 7, sinkt die Intensität. Außerdem geht die Fluoreszenz unter Beleuchtung sehr schnell zurück, das Fluoreszenzmaximum ist nicht ausreichend scharf.
Fluorescein gibt es in zwei verschiedenen Strukturen:
- die offene Carbonsäure-Form (stabil, im festen Zustand rote Kristalle) und
- die Spiro-Lacton-Form (instabil, bildet eine gelbe Verbindung).
Nach der Untersuchung kann es zu einer leichten Gelbfärbung der Haut kommen. Außerdem wird der Stoff über den Urin ausgeschieden. Diese Veränderungen sind in der Regel vorübergehend.
Indocyaningrün-Angiographie
Die Indocyaningrün-Angiographie läuft genauso ab wie die Fluorescein-Angiographie. Indocyaningrün (kurz: ICG) stellt vor allem die Aderhautgefäße sowie die Strukturen der Aderhaut dar. Mit diesem Verfahren ist daher eine tiefere Darstellung der Schichten der Netzhaut möglich.
Eine Angiographie mit dem Farbstoff Indocyangrün erfordert speziell dafür ausgerichtete Laser-Scanning-Systeme. Daher ist sie apparativ sehr aufwändig.
Der Farbstoff wird über die Leber abgebaut und durch die Gallenwege ausgeschieden. Indocyangrün ist ein jodhaltiger, gut verträglicher Farbstoff. Aus diesem Grund sollte gegen Jod keine Unverträglichkeit vorliegen.
Bei
- fortgeschrittener Leberinsuffizienz,
- Allergie gegen Jod und
- Schwangerschaft
sollte eine Indocyangrün-Angiographie nicht durchgeführt werden.
Besteht eine Überfunktion der Schilddrüse, sollte die Behandlung nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Der Farbstoff Indocyangrün (kurz ICG von engl: indocyanine green) ist ebenfalls ein fluoreszierender Farbstoff. Er kommt vorrangig in der Medizin als Indikator zum Einsatz und hat eine Halbwertzeit von etwa 3 bis 4 Minuten. Danach wird er nach intravenöser Verabreichung sowie in Abhängigkeit von der Leistung der Leber aus dem Körper eliminiert.
Das so genannte ICG-Natriumsalz ist in Pulverform erhältlich. Dadurch lässt er sich in verschiedenste Lösungsmittel einsetzen. Um eine bessere Löslichkeit zu erreichen, wird dem Pulver Natriumiodid beigemengt.
Risiken und Nebenwirkungen der FAG für das Auge
In der Regel ist die Fluoreszenzangiographie für den Patienten schmerz- und komplikationslos. Meist kommt es für einen Zeitraum von etwa ein bis zwei Tagen nach der Durchführung zu einer Gelbfärbung der Haut sowie des Urins. Dieser Zustand kann bis zu 24 Stunden anhalten, es erfolgt eine Ausscheidung des Farbstoffs über die Niere.
Bei der Fluoreszenzangiographie wird die Pupille erweitert. Unter Umständen können Patienten während und nach der Untersuchung deswegen weitere Nebenerscheinungen wahrnehmen:
- bei starker Blendungsempfindlichkeit: Lichtempfindlichkeit direkt nach der Untersuchung. Nehmen Sie eine getönte Brille für den Nachhauseweg mit zur Untersuchung
- Verschlechterung des zentralen Sehens, weshalb die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt und damit das Führen eines Fahrzeugs nicht gestattet ist
In der Regel kommt es eher selten zu allergischen Reaktionen auf die Farbstoffe Fluorescein oder Indocyangrün. Geschieht das dennoch, können
- Hautausschlag,
- Juckreiz oder
- im schlimmsten Fall auch Atemnot
auftreten. In diesen Fällen erhält der Patient in Abhängigkeit der Schwere der Symptome
- ein orales oder injizierbares Antihistaminikum oder
- ein cortisonhaltiges Präparat.
Auch Übelkeit und Erbrechen sowie Schwindel können nach der Untersuchung in seltenen Fällen vorkommen. Diese Nebenwirkungen sind aber nur von kurzer Dauer.
Nur sehr selten wurden aufgrund der Injektion an der Einstichstelle
- Gewebereizungen,
- Infektionen,
- Narben oder
- Nervenschäden
beobachtet.
Nach der Untersuchung
Im Anschluss an die Untersuchung erfolgt in der Regel eine Auswertung und Besprechung der Befunde. Dadurch lässt sich ein weiterer Behandlungsplan gemeinsam mit dem Augenarzt erstellen.
Generell gilt: Aufgrund der Weitstellung der Pupillen darf der Patient nach der Untersuchung über einen Zeitraum von mehreren Stunden nicht selbst Auto fahren.
Die Fluoreszenzangeographie ist insgesamt ein wichtiges Verfahren um Veränderungen am Auge frühzeitig zu erkennen und therapeutische Entscheidungen gezielt vorzubereiten.
Häufige Fragen
Was ist die Fluoreszenzsangiographie?
Die Fluoreszenzangiographie ist ein bildgebendes Verfahren bei dem nach Gabe eines Kontrastmittels Blutgefäße im Auge sichtbar gemacht werden. Sie dient vor allem der Abklärung von Veränderungen an Netzhaut, Aderhaut und Makula.
Wie läuft die Untersuchung ab?
Zunächst werden Augentropfen zur Pupillenerweiterung gegeben danach folgt die Gabe eines Farbstoffes über eine Armvene. Anschließend entstehen mit einer Spezialkamera mehrere Aufnahmen um die Verteilungen im Auge zu beurteilen.
Wofür wird die Fluoreszenzangeographie eingesetzt?
Die Untersuchung wird zur Abklärung von Netzhauterkrankungen, Gefäßverschlüssen diabetisch bedingten Veränderungen und bei Verdacht auf Altersbedingter Makuladegeneration eingesetzt.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Möglich sind Lichtempfindlichkeit, Gelbfärbung der Haut, verfärbter Urin, Übelkeit und Erbrechen oder Schwindel. Selten treten allergische Reaktionen auf.
Warum darf man nach einer Fluoreszenzangiographie nicht Auto fahren?
Durch die Erweiterung der Pupille kann das Sehen für einige Stunden eingeschränkt sein. Dadurch ist die Fahrtüchtigkeit vorrübergehend reduziert.
Wie hilfreich ist die Untersuchung für die Diagnose?
Die Methode liefert häufig eine genaue Diagnose und ist besonders wertvoll, wenn Veränderungen am Augenhintergrund oder an den Gefäßen der Netzhaut abgeklärt werden müssen.
