Hüftkopfnekrose: Abgestorbenes Knochengewebe und Schädigung des Hüftgelenks durch Durchblutungsstörung des Hüftkopfes

28.01.2026
Prof. Dr. med. Jörg Holstein
Medizinischer Fachautor

Ein schleichendes Ziehen in der Leiste oder plötzliche Schmerzen beim Gehen – die Symptome einer Hüftkopfnekrose sind tückisch. Bei dieser schwerwiegenden Erkrankung wird die Blutzufuhr zum Hüftkopf unterbrochen, wodurch das empfindliche Knochengewebe nicht mehr versorgt wird und schließlich abstirbt. Wird die Hüftkopfnekrose nicht rechtzeitig erkannt, bricht der Knochen in sich zusammen, und das Hüftgelenk wird unwiederbringlich zerstört. Da das Röntgenbild im frühen Stadium oft unauffällig ist, vergeht oft wertvolle Zeit bis zur Diagnose. Erfahren Sie hier, welche Symptome auf eine Hüftkopfnekrose deuten, warum ein MRT zur Diagnostik unerlässlich ist und wie die Hüftkopfnekrose behandelt wird, um das Gelenk zu erhalten.

ICD-Codes für diese Krankheit: M87.05, M87.15, M87.25, M87.35, M87.85, M87.95

Kurzübersicht:

Die Hüftkopfnekrose, auch Femurkopfnekrose genannt, ist eine Erkrankung, bei der Teile des Oberschenkelkopfes aufgrund einer Mangeldurchblutung nekrotisieren (absterben). Man unterscheidet die idiopathische Form (ohne bekannte Ursache) von der sekundären Form, die durch Risikofaktoren wie Kortison, Alkohol oder Unfälle ausgelöst wird. Typische Symptome sind Leistenschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Die Diagnose wird sicher mithilfe von Röntgen und MRT gestellt und nach der ARCO-Klassifikation in Stadien unterteilt. Im Frühstadium ist der Knochen noch formstabil, während er in fortgeschrittenen Stadien einbricht (Head Collapse). Die Therapie reicht von der Anbohrung zur Entlastung bis hin zum künstlichen Hüftgelenk, wenn die konservative Therapie nicht mehr ausreichend ist.

Artikelübersicht

Was ist eine Hüftkopfnekrose und wie entsteht sie?

Bei der Hüftkopfnekrose handelt es sich um das partielle Absterben des Hüftkopfes. Der Hüftkopf ist der oberste Teil des Oberschenkelknochens, der in die Gelenkpfanne greift. Wenn die feinen Blutgefäße, die diesen Knochen versorgen, verstopfen oder reißen, kommt es zu einer Durchblutungsstörung. Ohne Sauerstoff und Nährstoffe wird das Knochengewebe nekrotisch, es ist also abgestorben.

In der Orthopädie und Unfallchirurgie unterscheiden Mediziner zwei Hauptgruppen:

  1. Idiopathischen Hüftkopfnekrose: Hierbei bleibt die genaue Ursache unbekannt. Die Hüftkopfnekrose des Erwachsenen scheint bei Männern häufiger aufzutreten als bei Frauen.

  2. Sekundäre Hüftkopfnekrose: Diese Form hat eine klare Ursache oder einen bekannten Risikofaktor.

Ursachen einer Hüftkopfnekrose sind vielfältig. Als Hauptauslöser gilt die Einnahme von Kortison (Glukokortikoide) und übermäßiger Alkoholkonsum, da beides den Fettstoffwechsel stört und Gefäßverschlüsse begünstigen kann. Auch Unfälle (Schenkelhalsbruch) können eine Hüftkopfnekrose begünstigen. Zudem können Stoffwechselstörungen oder eine Chemotherapie das Risiko einer Hüftkopfnekrose erhöhen.

Symptome einer Hüftkopfnekrose: Warnsignale erkennen

Da sich eine Hüftkopfnekrose schleichend entwickeln kann, werden erste Anzeichen oft übersehen. Im Frühstadium ist der Patient oft noch beschwerdefrei. Doch mit dem Fortschreiten der Erkrankung treten spezifische Beschwerden auf.

Bestimmte Symptome deuten auf eine Hüftkopfnekrose hin:

  • Schmerzen in der Leiste: Ein typisches Ziehen in der Leiste, das bei Belastung, aber auch in Ruhe auftreten kann.

  • Schmerzen in der Hüfte: Diese strahlen oft in den Oberschenkel oder bis zum Knie aus.

  • Bewegungseinschränkung: Besonders die Innendrehung und das Abspreizen des Beines sind eingeschränkt.

Wenn die Nekrose weit fortgeschritten ist und der Knochen einbricht (Head Collapse), kommt es zu plötzlichen, massiven Schmerzen und einer Funktionsunfähigkeit des Hüftgelenks. Da diese Symptome auch bei Arthrose vorkommen, muss differenziert werden, ob es sich um eine Hüftkopfnekrose handelt.

Aufbau des Beckens
Der Aufbau des Beckens © Henrie | AdobeStock

Wie wird eine Hüftkopfnekrose festgestellt?

Die Diagnostik ist entscheidend für den Erhalt des Gelenks. Besteht der Verdacht, wird der Patient klinisch untersucht und bildgebend abgeklärt.

Diagnostik mithilfe von Röntgen und MRT Ein Röntgenbild zeigt die Hüftkopfnekrose erst in fortgeschrittenen Stadien, wenn die Knochenstruktur bereits geschädigt ist oder die Gelenkfläche eingebrochen ist. Um eine Hüftkopfnekrose frühzeitig zu erkennen, ist das MRT (Magnetresonanztomographie) unverzichtbar. Im MRT ist die Hüftkopfnekrose bereits im Frühstadium sichtbar, noch bevor der Knochen im Röntgen verändert erscheint. Wird die Hüftkopfnekrose diagnostiziert, erfolgt die Einteilung in Stadien.

Stadien der Hüftkopfnekrose (ARCO-Klassifikation) Die Schwere der Erkrankung wird in verschiedene Stadien unterteilt. Die gängige ARCO-Klassifikation (Association Research Circulation Osseous) hilft Ärzten, die richtige Therapie zu wählen. Die Hüftkopfnekrose gemäß ARCO wird in vier verschiedene Stadien eingeteilt:

  • Stadium 0-1: MRT zeigt Veränderungen (Ödem), Röntgen unauffällig.

  • Stadium 2: Sklerose und Zysten sichtbar, aber der Hüftkopf ist noch rund.

  • Stadium 3: Der Hüftkopf bricht ein (Crescent Sign), die Rundung geht verloren.

  • Stadium 4: Schwere Arthrose, das Gelenk ist zerstört.

Wie wird eine Hüftkopfnekrose behandelt?

Die Behandlung der Hüftkopfnekrose hängt vom Stadium der Erkrankung, dem Alter des Patienten und der Ausdehnung der Nekrose ab. Grundsätzlich gilt: Je früher die Hüftkopfnekrose festgestellt wird, desto besser sind die Chancen, das eigene Gelenk zu erhalten.

Konservative Therapie und Entlastung In sehr frühen Stadien kann eine konservative Therapie versucht werden. Dazu gehört, das Bein an Gehstützen zu entlasten, um den Druck im Knochen zu minimieren. Medikamente (wie Bisphosphonate oder durchblutungsfördernde Mittel) können unterstützen. Jedoch ist eine rein konservative Behandlung oft nicht mehr ausreichend, um das Fortschreiten einer Hüftkopfnekrose dauerhaft zu stoppen. Eine Selbstheilung der Hüftkopfnekrose ist beim Erwachsenen extrem selten.

Operative Therapie im Frühstadium Solange der Hüftkopf noch nicht eingebrochen ist, wird eine gelenkerhaltende operative Therapie empfohlen. Der Standard ist die Anbohrung (Core Decompression). Dabei wird der abgestorbene Bereich im Hüftkopfes angebohrt. Dies senkt den Druck im Knochen, verbessert die Durchblutung und kann Schmerzen lindern. Oft wird dies mit Knochenmarktransplantationen kombiniert. Wird die Hüftkopfnekrose behandelt, bevor der Knochen bricht, ist die Prognose gut.

Behandlung in fortgeschrittenen Stadien In späteren Stadien (ARCO 3 und 4), wenn die Gelenkfläche eingebrochen ist und der Knochen kollabiert, ist ein Gelenkerhalt meist nicht mehr möglich. Dann führt die Hüftkopfnekrose unweigerlich zur Arthrose. In diesen fortgeschrittenen Stadien kommt der Einsatz einer Endoprothese infrage. Künstliche Hüftgelenke ersetzen den zerstörten Knochen und ermöglichen dem Patienten wieder Schmerzfreiheit und Beweglichkeit. Die Hüftkopfnekrose gehört zu den häufigsten Indikationen für eine Hüft-TEP bei jüngeren Patienten.

Mehr zu den operativen Möglichkeiten finden Sie in unserem Artikel zur Hüft-OP.

Prognose und Leben mit der Erkrankung

Die Prognose hängt stark davon ab, in welchem Stadium die Hüftkopfnekrose beim Arzt vorgestellt wird. Im Frühstadium (ARCO 1-2) kann durch eine Anbohrung bei bis zu 70% der Patienten das Gelenk erhalten werden. Wird die Hüftkopfnekrose erst spät erkannt, ist der Gelenkersatz oft unumgänglich.

Da oft beide Hüften von einer Hüftkopfnekrose betroffen sein können, ist eine regelmäßige Kontrolle der Gegenseite mittels MRT wichtig. Risikofaktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum sollten dringend eingestellt werden, um den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen.

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zur Hüftkopfnekrose

Was sind die Ursachen für eine Hüftkopfnekrose?

Die Ursachen für eine Hüftkopfnekrose sind oft Durchblutungsstörungen. Häufigste Auslöser sind die Einnahme von Kortison, übermäßiger Alkoholkonsum, Unfallverletzungen (Schenkelhalsbruch) oder Stoffwechselerkrankungen. Bei der idiopathischen Form ist die Ursache unbekannt.

Welche Symptome deuten auf eine Hüftkopfnekrose hin?

Typische Anzeichen einer Hüftkopfnekrose sind Schmerzen in der Leiste, die in den Oberschenkel ziehen. Anfangs treten sie bei Belastung auf, später auch als Ruheschmerz. Eine eingeschränkte Beweglichkeit der Hüfte (besonders Innendrehung) ist ebenfalls charakteristisch.

Kann eine Hüftkopfnekrose von selbst heilen?

Eine Selbstheilung der Hüftkopfnekrose ist beim Erwachsenen extrem selten und unwahrscheinlich. Ohne Therapie schreitet die Zerstörung des Knochens meist fort, bis der Hüftkopf einbricht.

Wie wird eine Hüftkopfnekrose behandelt?

Die Therapie der Hüftkopfnekrose hängt vom Stadium ab. In frühen Stadien wird oft eine Anbohrung (Core Decompression) durchgeführt, um den Knochen zu entlasten. In späteren Stadien ist meist ein künstliches Hüftgelenk (Prothese) notwendig.

Wie schnell schreitet eine Hüftkopfnekrose voran?

Der Verlauf ist individuell, kann aber schnell sein. Vom Beginn der Schmerzen bis zum Einbrechen des Hüftkopfes können wenige Monate bis zwei Jahre vergehen. Unbehandelt führt die Erkrankung fast immer zur schweren Arthrose.

Wann ist eine Hüftkopfnekrose im Röntgenbild sichtbar?

Im Röntgenbild ist die Hüftkopfnekrose erst sichtbar, wenn der Knochen bereits strukturelle Schäden aufweist (meist ab Stadium 2 oder 3). Im Frühstadium ist das Röntgen oft unauffällig, weshalb ein MRT zur Diagnose notwendig ist.

Ist Sport mit Hüftkopfnekrose möglich?

Im akuten Stadium sollten Stoßbelastungen (Joggen, Springen) vermieden werden, um ein Einbrechen des geschwächten Knochens nicht zu provozieren. Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren sind erlaubt und erhalten die Beweglichkeit.

Was bedeutet die ARCO-Klassifikation?

Die Hüftkopfnekrose gemäß ARCO wird in vier Stadien eingeteilt. Sie hilft dem Arzt, das Ausmaß der Schädigung einzuschätzen und die richtige Therapie zu wählen. Stadium 1 und 2 sind Frühstadien, Stadium 3 und 4 sind Spätstadien mit Knocheneinbruch.

Quellen

  • Arbab D & DP König. Atraumatische Femurkopfnekrose des Erwachsenen. Dtsch Arztebl Int 2016; 113(3): 31-8; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0031
  • Was sind eigentlich Hüftinfarkt und Hüftnekrose? DAZ 2008; 49:83

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