Unter einem Ulcus versteht man einen tiefen Defekt der Schleimhaut. Ein Magengeschwür betrifft den Magen, ein Zwölffingerdarmgeschwür den ersten Abschnitt des Darmlumens nach dem Magen. Beide Formen werden auch als Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür zusammengefasst. Charakteristisch ist, dass sich die Beschwerden eher bei leerem Magen zeigen, während beim Magengeschwür die Schmerzen oft nach dem Essen auftreten. In seltenen Fällen treten Geschwüre heilen manchmal ohne Behandlung auf, in den meisten Fällen jedoch ist eine gezielte Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren notwendig.

Darstellung des Magen-Darm-Traktes inkl. Zwölffingerdarm © FGWDesign | AdobeStock
Die Hauptursache ist die Infektion mit Helicobacter pylori, die sowohl ein Ulcus duodeni als auch ein Ulcus ventriculi auslösen kann. Dieses Bakterium schwächt die Magenschleimhaut und verstärkt die Säurebildung im Magen. Bei einer Infektion mit dem Bakterium Helicobacter entstehen chronische Entzündungen, die ein Zwölffingerdarmgeschwür begünstigen.
Weitere Ursachen:
- Einnahme von Schmerzmitteln, vor allem Antirheumatika wie Diclofenac oder Ibuprofen
- Schmerzmittel ausgelöst treten Ulzera besonders häufig auf, wenn gleichzeitig Cortison eingenommen wird
- genetische Faktoren (z. B. Blutgruppe 0)
- Rauchen und Stress
- seltene Erkrankungen wie das Zollinger-Ellison-Syndrom (übermäßige Hormon-Produktion)
Bei Verdacht auf ein Zwölffingerdarmgeschwür ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend, da die Erkrankung unbehandelt lebensbedrohlich werden kann.

Mögliche Lage von Zwölffingerdarmgeschwüren © Henrie | AdobeStock
Typische Symptome sind Schmerzen im Oberbauch, die eher bei leerem Magen auftreten, sowie Übelkeit und Erbrechen oder Druck- und Völlegefühl. Manche Patienten entwickeln erst durch Komplikationen wie Blutungen Beschwerden.
Zu den häufigsten Komplikationen zählen:
- Blutung (sichtbar als Bluterbrechen oder Teerstuhl)
- Durchbruch des Geschwürs (Perforation) mit akuten Schmerzen, der eine offene Operation oder sofortige Notfallversorgung erfordert
- Einwachsen in Nachbarorgane (Penetration)
- Narbenbildung, die die Passage zwischen Magen oder Zwölffingerdarm verengen kann
- Diese Komplikationen machen eine Operation erforderlich, wenn die medikamentöse Behandlung nicht ausreicht.
- Ein Zwölffingerdarmgeschwür kann ein Blutgefäß erreichen und damit zur Blutung führen. Es kommt zum Bluterbrechen (Hämatemesis) oder zum Absetzten von pechschwarzem Stuhl („Teerstuhl“ oder auch Meläna genannt). Manchmal geschieht der Blutverlust auch schleichend und zeigt sich in einer Blutarmut (Anämie).
- Durchbricht das Zwölffingerdarmgeschwür die Muskelschicht, kommt es zu einer sogenannten Perforation. Der Patient klagt über plötzliche heftige Schmerzen. Eine sofortige Operation ist erforderlich. In der Röntgen-Aufnahme des Bauchraumes erkennt man freie Luft in der Bauchhöhle.
- Bricht das Zwölffingerdarmgeschwür in ein anderes Organ ein (Penetration), z.B. in die Bauchspeicheldrüse, kommt es zu einer Entzündungsreaktion des betroffenen Organs.
Auf Grund von Narbenbildung kann die Nahrungspassage behindert sein (Magenausgangsstenose). Narben treten bei ca. 2 % der Patienten mit einer Ulkuskrankheit auf.
Die wichtigste Methode zur Diagnose ist die Magenspiegelung(Gastroskopie). Dabei können Ärzte eine Spiegelung von Magen und Zwölffingerdarm durchführen und Gewebe entnehmen. Eine Gewebeprobe klärt, ob eine Infektion mit Helicobacter pylori vorliegt. Zusätzlich gibt es den Atemtest, der eine Infektion ebenfalls zuverlässig nachweist. Bei Verdacht auf ein Zwölffingerdarmgeschwür sollte die Abklärung schnell erfolgen, um eine rechtzeitige Behandlung innerhalb von 2 bis 4 bis 8 Wochen einzuleiten.

Für eine Magenspiegel sind keine operativen Schnitte notwendig © bilderzwerg | AdobeStock
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache:
- Bei Nachweis von Helicobacter pylori erfolgt eine medikamentöse Behandlung mit Antibiotikum und einem Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol.
- Bei einem HP-negativen Ulcus werden auslösende Schmerzmittel abgesetzt und durch magenfreundliche Wirkstoffe ersetzt.
- Bei schweren Fällen oder Komplikationen kann eine offene Operation nötig sein.
Mit der richtigen Therapie können Geschwüre heilen – manchmal sogar von selbst, meist jedoch durch eine konsequente medikamentöse Behandlung.
Was ist ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür?
Beide gehören zur gastroduodenalen Ulkuskrankheit. Ein Magengeschwür betrifft den Magen, ein Zwölffingerdarmgeschwür den Darmabschnitt danach.
Welche Symptome sind typisch?
Vor allem Schmerzen im Oberbauch, die eher bei leerem Magen auftreten, sowie Übelkeit, Erbrechen und Völlegefühl.
Wie erfolgt die Diagnose und Behandlung?
Durch eine Magenspiegelung mit Gewebeprobe sowie ggf. Atemtest. Die Therapie umfasst Antibiotikum und Protonenpumpenhemmer.
Sind Geschwüre lebensbedrohlich?
Ja, unbehandelt kann ein Zwölffingerdarmgeschwür lebensbedrohlich werden – besonders bei Komplikationen wie Blutungen oder einem Durchbruch des Geschwürs.
Wie lange dauert die Heilung?
Mit Therapie setzt die Behandlung innerhalb von 2 Wochen an, und meist können die Geschwüre in 4 bis 8 Wochen vollständig ausheilen.