Zwerchfellbruch: Wenn Organe verrutschen und Rückfluss-Beschwerden entstehen

02.12.2025
Prof. Dr. med. Ferdinand Köckerling
Medizinischer Fachautor

Eine Hiatushernie (Zwerchfellbruch) bezeichnet die Situation, wenn Teile des Magens durch eine Öffnung im Zwerchfell in den Brustraum übertreten. Nicht immer treten dann Beschwerden auf, doch in vielen Fällen ist ein operativer Eingriff notwendig.

Bei einem Zwerchfellbruch verschiebt sich die Region zwischen Speiseröhre und Magen, die normalerweise stabil unterhalb des Zwerchfells liegt. Durch Drucksituationen wie Husten, Pressen oder chronische Belastungen kann sich vor allem bei axialen Hernien der Übergang der Speiseröhre in den Brustraum verlagern. Manche Betroffene bleiben beschwerdefrei, andere leiden unter chronischem Reflux oder Schmerzen – und in ausgeprägten Fällen muss der Bruch operiert werden.

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ICD-Codes für diese Krankheit: K44, K45, K46

Kurzübersicht:

Eine Hiatushernie entsteht, wenn Teile des Magens durch eine Öffnung im Zwerchfell in den Brustraum rutschen. Viele Betroffene bemerken zunächst keine Beschwerden, andere leiden unter Sodbrennen oder Druck hinter dem Brustbein. Die Symptome hängen stark von der Form des Zwerchfellbruchs ab und können sich bei Belastung verstärken. Bei ausgeprägten Beschwerden oder Funktionsstörungen ist eine operative Stabilisierung des Übergangs zwischen Speiseröhre und Magen erforderlich.

Artikelübersicht

Formen des Zwerchfellbruchs

Von einer Hiatushernie spricht man, wenn sich Teile des Magens durch eine Lücke im Zwerchfell in den Brustraum verlagern. Das Zwerchfell trennt den Bauchraum vom Brustraum. Daher ist die Hiatushernie auch als Zwerchfellbruch bekannt. Ein Zwerchfellbruch ist kein Eingeweidebruch im eigentlichen Sinne, wie etwa der Leistenbruch. Die Lücke im Zwerchfell, der sogenannte Hiatus oesophageus, ist eine notwendige anatomische Struktur und keine Gewebeschwachstelle wie bei anderen Eingeweidebrüchen.

Die Speiseröhre (Ösophagus) führt vom Rachen durch den Hiatus oesophageus zum Magen im Bauchraum. Unter Umständen können Teile des Magens durch diese Lücke in den Brustraum treten. Eine Hiatushernie tritt nicht vom Körperinneren nach außen vor, wie bei der Leistenhernie oder der Nabelhernie. Sie wird daher zu den inneren Hernien gezählt.

Anatomie von Magen und Speiseröhre
Gesunder Übergang vom Magen zur Speiseröhre. Das Zwerchfell umgibt diese Einmündung © bilderzwerg | AdobeStock

Prinzipiell lassen sich drei verschiedene Formen des Zwerchfellbruchs unterscheiden:

  • die kardiofundale Fehlanlage,
  • die axiale Hernie (Gleithernie) und
  • die paraösophagealen Hiatushernie.

Die kardiofundale Fehlanlage stellt die leichteste Form der Hiatushernie dar. Dabei hat sich zuvor der Bandapparat gelockert, der den Magen am Zwerchfell befestigt. Dadurch mündet die Speiseröhre in einem stumpferen Winkel als dem sogenannten ösophagogastralen Winkel bzw. His-Winkel in den Magen. Beschwerden entstehen aufgrund der kardiofundalen Fehlanlage nur in den seltensten Fällen.

Bei der paraösophagealen Hiatushernie schieben sich Teile des Magens neben der Speiseröhre durch den Hiatus oesophageus. von unten in den Brustraum. Das kann zu einer Einengung des Magens und im Extremfall zum sogenannten Upside-down-Magen führen. Beim Upside-down-Magen liegt der gesamte Magen oberhalb des Zwerchfells.

Die axiale Hernie wird auch als Gleitbruch bezeichnet. Dabei gleitet der obere Magenteil – wie bei der paraösophagealen Hernie auch – durch den Hiatus oesophageus nach oben in den Brustraum. Dadurch wird zusätzlich die Funktion des Speiseröhren-Schließmuskels, gestört. In diesem Fall kann Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließen. Dies wird auch als Refluxkrankheit bezeichnet. Die axiale Hernie stellt mit einem Anteil von 90 Prozent die häufigste Form der Hiatushernie dar.

Häufigkeit des Zwerchfellbruchs

Die Hiatushernie stellt die häufigste Form einer inneren Hernie dar. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. So erleiden bei Menschen ab dem fünfzigsten Lebensjahr etwa doppelt so viele Männer wie Frauen einen Zwerchfellbruch.

Insgesamt steigt die Wahrscheinlichkeit eine Hiatushernie zu erleiden mit zunehmendem Lebensalter.

Zusätzlich kann ein Zwerchfellbruch nach einer Operation im oberen Bauchraum als spätere Komplikation auftreten. Bei manchen Hiatushernien verschieben sich Teile des Magens weit in den Brustkorb, was den Mageneingang verzieht und den Rückfluss von Magensäure begünstigt. In seltenen Fällen kommt es auch zu Blutungen oder einer Einklemmung von Bauchorganen.

Nach üppigen Mahlzeiten verstärken sich die Beschwerden oft, weil mehr Druck auf das Zwerchfell wirkt und sich das Gewebe leichter verlagert. Besonders größere Zwerchfellbrüche können riskant werden, wenn Magenanteile eingeklemmt werden und die Durchblutung gefährdet ist – dann ist eine rasche Behandlung erforderlich.

Ursachen und Risikofaktoren des Zwerchfellbruchs

Ein Zwerchfellbruch kann entweder angeboren oder erworben sein. Ein erworbener Zwerchfellbruch entsteht durch eine Vergrößerung bzw. Erweiterung des Hiatus oesophageus. Ursache ist meistens eine allgemeine Bindegewebsschwäche des Zwerchfells in Verbindung mit einer länger andauernden Erhöhung des Drucks im Bauchraum.

Aus diesem Grund haben vor allem Menschen mit starkem Übergewicht ein erhöhtes Risiko, eine Hiatushernie zu erleiden.

Weitere Risikofaktoren für die Entstehung eines Zwerchfellbruchs sind

  • eine Schwangerschaft,
  • ein erhöhtes Lebensalter und
  • das männliche Geschlecht.

Darüber hinaus können auch Bauchoperationen die Entstehung einer Hiatushernie begünstigen.

ChatGPT:

Bei Gleithernien verlagern sich Bauchorgane zeitweise durch den Hiatus nach oben, häufig unbemerkt. Gerade kleinere Zwerchfellbrüche bleiben oft lange ohne Beschwerden, sodass Symptome erst auftreten, wenn Reflux oder Druckgefühle stärker werden. Eine Magenspiegelung hilft, solche Veränderungen früh zu erkennen und die Ausprägung der Hernie genau zu beurteilen.

Dringen bei einem ausgeprägten Zwerchfellbruch Teile des Magens dauerhaft in den Brustraum, kann das Zwerchfell in den Bauchraum zurückgedrängt werden. Dadurch verstärken sich Refluxprobleme und andere Beschwerden. In solchen Fällen ist eine gezielte Behandlung wichtig, um Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.

Mann mit Sodbrennen
Sodbrennen ist ein Symptom einer Hiatushernie © onephoto | AdobeStock

Anzeichen für einen Zwerchfellbruch

Symptome des Zwerchfellbruchs

Eine Hiatushernie kann, muss aber keine Symptome hervorrufen. Welcher Art die Beschwerden sind, hängt dabei davon ab, um welche Form des Zwerchfellbruchs es sich handelt.

Mögliche Beschwerden, die bei einer Hiatushernie auftreten können, sind unter anderem

Bei einer Einklemmung von Magenanteilen in der Lücke des Zwerchfells können auch Magenschmerzen oder Schmerzen im Oberbauch oder der Brust auftreten.

Weitere Symptome können auftreten, wenn der Verdacht auf einen Zwerchfellbruch besteht und der obere Teil des Magens regelmäßig in den Brustraum gleitet. Bei einer axialen Hiatushernie sind Reflux, chronischer Husten oder wiederkehrende Entzündungen der Speiseröhre typisch – oft verstärkt nach Mahlzeiten oder im Liegen. Wird ein großer Zwerchfellbruch übersehen, nehmen die Beschwerden meist zu, sodass Betroffene sich frühzeitig ärztlich vorstellen sollten.

In selteneren Fällen können Zwerchfellbrüche schwerwiegender verlaufen, etwa wenn sich Magenanteile einklemmen und eine Operation erforderlich wird. Auch angeborene Zwerchfellbrüche bei Neugeborenen treten auf und sind meist ein Notfall, da Bauchorgane die Lunge verdrängen können. Unabhängig von der Form sollte eine Klinik hinzugezogen werden, sobald starke Beschwerden auftreten oder Symptome sich rasch verschlechtern.

Diagnose und Behandlung des Zwerchfellbruchs

Diagnose des Zwerchfellbruchs

Zur Diagnose eines Zwerchfellbruchs befragt der Arzt den Patienten zunächst im Rahmen eines Anamnese-Gesprächs zu seinen Beschwerden. Berichtet der Patient dabei von Symptomen wie Sodbrennen, kann dies auf das Vorliegen einer Refluxkrankheit und einer Hiatushernie hinweisen.

Die eindeutige Diagnose eines Zwerchfellbruchs ist aber erst durch bildgebende Untersuchungen möglich. Dazu gehören beispielsweise

Magenspiegelung
Im Rahmen einer Speiseröhrenspiegelung können Ärzte nach Anzeichen einer Hiatushernie suchen © romaset | AdobeStock

Behandlung des Zwerchfellbruchs

Leichtere Beschwerden wie zum Beispiel Sodbrennen können in der Regel zunächst medikamentös behandelt werden.

Die Hiatushernie kann aber auch lebenswichtige Funktionen, wie etwa die Atmung beeinträchtigen. Es besteht auch die Gefahr von Organverletzungen. In diesen Fällen muss im Rahmen der Hernienchirurgie eine Zwerchfellbruch-Operation erfolgen.

Verschiedene Operationsmöglichkeiten stehen für diesen Eingriff zur Verfügung:

  • die Fundoplikatio (entweder nach Nissen und Rosetti oder nach Toupet),
  • die Gastropexie bzw. Fundopexie sowie
  • die Hiatoplastik.

Bei der Fundoplikatio wird eine Manschette aus Magenanteilen gebildet und um den unteren Teil der Speiseröhre gelegt. Bei der Gastropexie (Fundopexie) wird der Magen in seine normale Position gerückt und an der vorderen Bauchwand festgenäht. Bei einer Hiatoplastik wird die Lücke im Zwerchfell (Hiatus oesophageus) enger genäht.

FAQ zum Zwerchfellbruch

Wann wird ein Zwerchfellbruch bemerkt?
Ein Zwerchfellbruch ist meistens unauffällig, sodass lange keine Symptome auftreten. Erst wenn sich Magenanteile durch das Zwerchfell verlagern oder Magensäure in die Speiseröhre aufsteigt, entstehen Beschwerden wie Sodbrennen oder Druck hinter dem Brustbein.

Kann ein kleiner Zwerchfellbruch gefährlich werden?
Ein kleiner Zwerchfellbruch verursacht selten unmittelbare Probleme. Problematisch wird es, wenn sich der Magen durch das Zwerchfell weiter verschiebt oder ein Geschwür entsteht – dann sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Wie wirkt sich der Bruch auf den Brustraum aus?
Wenn sich der Magen durch das Zwerchfell in den Brustkorb verlagert, kann er im Extremfall sogar den Lungenflügel auf der betroffenen Seite beeinträchtigen. Das führt zu Atembeschwerden oder Engegefühlen.

Welche Rolle spielt die Verbindung zwischen Speiseröhre und Magen?
Durch die veränderte Lage kann der Übergang von der Speiseröhre in den Magen nicht mehr richtig abdichten. Dadurch fließt Magensäure leichter zurück, was Schmerzen und Schleimhautreizungen verursacht.

Wann ist eine Operation notwendig?
Eine operative Behandlung wird empfohlen, wenn Beschwerden trotz Therapie bestehen, Komplikationen auftreten oder der obere Teil des Magens in den Brustraum rutscht. Dann sollte der Bruch stabilisiert und der Magen wieder in seine korrekte Position verlagert werden.

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