Bei einem Bandscheibenvorfall verlieren die Bandscheiben in der Wirbelsäule ihre schützende Form. Der defekte äußere Faserring (Anulus fibrosus) kann den Kern der Bandscheibe dann nicht mehr in seiner zentralen Lage halten. Durch den Druck tritt der Kern nach außen in den Rückenmarkskanal. Dort drückt er auf empfindliche Nervenwurzeln und verursacht schwere Schmerzen.
Ursachen für einen Bandscheibenprolaps sind häufig unter anderem zunehmendes Alter und eine Überbelastung des Rückens. Auch Übergewicht erhöht das Risiko auf einen Bandscheibenvorfall.
Bandscheibenvorfälle treten am häufigsten im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) auf. Eher seltener ist dagegen die Halswirbelsäule betroffen. Der Kern kann in den Wirbelkanal vordringen und empfindliche Nervenwurzeln reizen.

Der Bandscheibenvorfall und seine verschiedenen Formen © Henrie | AdobeStock
Die bei einem Bandscheibenvorfall auftretenden Symptome sind vielfältig. Je nach Lage des Bandscheibenvorfalls können unterschiedlich starke, plötzlich entstehende, stechende Rückenschmerzen auftreten. Vor allem im unteren Rücken sind die Beschwerden oft besonders belastend.
Viele Betroffene berichten auch über eine Sensibilitätsstörung im Bereich der Beine oder der Arme. Diese macht sich in Form eines Kribbelns bemerkbar und verstärkt sich beim Husten oder Niesen. Im weiteren Verlauf der Krankheit kann sich diese Gefühlsstörung bis auf die Geschlechtsorgane und den After ausbreiten. Betroffene können dann Körperausscheidungen nicht mehr kontrollieren. In seltenen Fällen kann es sogar zu Lähmungen oder schwerwiegenden neurologischen Defiziten kommen.
Die Art des Eingriffs eines Bandscheibenprolaps richtet sich nach dem Schweregrad und der Lage der Schädigung. Die Therapie eines Bandscheibenvorfalls kann konservativ, minimal-invasiv oder offen operativ erfolgen.
Die konservative Therapie zielt darauf ab, die Schmerzen durch Krankengymnastik und medikamentöse Therapie zu beheben.
Gerade bei einem nerven-drückenden Bandscheibenvorfall im Bereich der LWS sind minimalinvasive Techniken besonders hilfreich.
Sind konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichend, raten Ärzte zu einem operativen Eingriff. Meistens liegt in diesem Krankheitsstadium eine schmerzhafte Nervenquetschung durch die vorgefallene Bandscheibe (Discus intervertebralis) zugrunde. Das lässt sich nur durch einen chirurgischen Eingriff beheben.
Der Einsatz einer Bandscheibenprothese bei Verschleiß der Bandscheibe kann dazu beitragen, die Bewegungsfähigkeit der Wirbelsäule zu erhalten.
Bei frischen und unkomplizierten Bandscheibenvorfällen ist es möglich, den operativen Eingriff minimal-invasiv durchzuführen.
Als minimal-invasive Operationstechnik bezeichnen Mediziner die sogenannte „Schlüssellochtechnik“. Dabei arbeitet der Chirurg mit einem kleinen Hautschnitt und führt die Instrumente über einen speziellen Arbeitskanal bis zur betroffenen Bandscheibe, so wird nur sehr wenig Gewebe verletzt.
Im Gegensatz zur klassischen Operationstechnik haben die minimal-invasiven Operationstechniken einige Vorteile. Sie lassen sich in der Regel ambulant und mit örtlicher Betäubung durchführen und vermeiden somit längere Krankenhausaufenthalte und Vollnarkose.
Die minimal-invasive Operation kann bei einem Bandscheibenvorfall allerdings nur bei relativ einfachen und neu entstandenen Schädigungen zur Anwendung kommen.
Heutzutage stehen mehrere minimal-invasive Operationstechniken bei einem Bandscheibenvorfäll zur Verfügung. Hierzu gehören:
Minimal-invasive Bandscheiben-OP mittels Chemonukleolyse
Unter Chemonukleolyse versteht man das
Verflüssigen und das anschließende
Absaugen des inneren Gallertringes der Bandscheibe. Hierbei wird der
Bandscheibenkern durch ein Enzym verflüssigt und abgesaugt.
Hierbei führt der Operateur eine Kanüle zwischen die zwei Wirbel der betroffenen Bandscheibe ein. Über diese Kanüle bringt er ein Enzym in den Raum ein. Das Enzym verflüssigt den Gallertring. Die Masse wird anschließend über die Kanüle abgesaugt.
Die Chemonukleolyse wird relativ selten als minimal-invasive Methode bei einer Bandscheiben-OP eingesetzt.
Haben sich bereits Sequester (abgelöstes Bandscheibengewebe) gebildet, kann das Verfahren nicht mehr zur Anwendung kommen. Das Enzym darf nicht in die Umgebung der Bandscheibe gelangen.
Minimal-invasive Bandscheiben-OP mittels Laserabtragung
Ein weiteres Verfahren der minimal-invasiven Operation eines Bandscheibenprolaps stellt die Laserabtragung der Bandscheibe dar. Auch diese Methode der minimal-invasiven Bandscheiben-OP kann nur bei frischen und unkomplizierten Bandscheibenvorfällen zur Anwendung kommen.
Mit einem medizinischen Yttrium-Aluminat-Granat Laser erzielt der Operateur eine Volumenreduktion der Bandscheibe. Er führt den Laser mit einer Kanüle zwischen die betroffenen Wirbel an die Bandscheibe heran.
Durch die Bestrahlung mit dem Laser verdampft der überschüssige Gallertring. Das Verfahren wird häufig unter Röntgenkontrolle durchgeführt, um die exakte Lokalisation der betroffenen Bandscheibe sicherzustellen.

Ein Chirurg führt eine minimal-invasive Bandscheiben-OP durch © romaset | AdobeStock
Minimal-invasive Bandscheiben-OP mittels perkutaner Nukleotomie
Bei der Methode der perkutanen Nukleotomie führt der Operateur zwischen die betroffenen Wirbelkörper in das Bandscheibenfach ein. Der Eingriff erfolgt meist seitlich, sodass umliegende Strukturen geschont werden.
Anders als bei der Chemonukleose und Laserabtragung wird hier der Bandscheibenprolaps mechanisch entfernt. Der Gallertkern wird anschließend abgesaugt.
Die perkutane Nukleotomie kommt bei unkomplizierten Bandscheibenvorfällen zum Einsatz.
Die Wahl des geeigneten OP-Verfahrens hängt stark von der Erfahrung des Operateurs und der genauen Lokalisation des Bandscheibenvorfalls ab.
Die endoskopische Bandscheiben-Operation gilt als besonders schonend, da nur kleinste Hautschnitte notwendig sind. Dadurch entstehen weniger Schmerzen, die Reha verläuft meist schneller und Patienten können früher in ihren Alltag zurückkehren. Dank der feinen Instrumente wird die Muskulatur weniger geschädigt und der Druck auf die Nerven nachhaltig entlastet.
Minimal-invasive Operationen eines Bandscheibenprolaps gelten als risikoarme Eingriffe. Bereits vor der OP erhält der Betroffene ein Antibiotikum, um Wundinfektionen zu vermeiden. Als mögliche weitere Probleme können Blutungen oder Schwellungen auftreten.
Nach der minimal-invasiven Bandscheiben-OP sollten sich Betroffene 2 bis 4 Wochen körperlich schonen. In Einzelfällen raten Ärzte zum Tragen eines Korsetts. In den meisten Fällen verläuft die Operation jedoch komplikationslos, das Risiko für eine Blutung oder Infektion ist gering.
Minimal-invasive Bandscheibenoperationen werden meistens ambulant durchgeführt. Das bedeutet, dass der Patient noch am gleichen Tag wieder nach Hause gehen kann. Nach der OP bleibt der Patient jedoch noch
wenige Stunden nach dem Eingriff unter Beobachtung.
Bereits wenige Stunden nach dem Eingriff können Patienten mit Unterstützung wieder aufstehen. Betroffene sollen sich nach dem Aufwachen im Bett bewegen. Nach Abklingen der Narkose können Betroffene mit Hilfestellung über die Bauchlage aus dem Bett rollend aufstehen. In den nächsten Monaten sollten sie diese Art des Aufstehens beibehalten. Die postoperative Phase erfordert Geduld, ist aber entscheidend für eine nachhaltige Stabilisierung.
Ein paar Wochen nach dem Eingriff sind leichte Rückenschmerzen normal und Ärzte raten zur Einnahme von Schmerzmitteln. Etwa zwei Wochen nach dem Eingriff beginnt die gezielte Physiotherapie, um die Mobilität zu verbessern und die Rückenmuskulatur zu stärken. Sitzen und eine gebückte Haltung sollten die Patienten nach Möglichkeit vermeiden. In dieser Position ist der Druck auf die Bandscheibe am größten. Besser ist es, Mahlzeiten im Liegen oder im Stehen einzunehmen.
Mit der konservativen Therapie (Krankengymnastik) beginnt der Patient intensiv etwa vier Wochen nach der minimal-invasiven Bandscheiben-OP.
Es sollte auch die Kontrolltermine beim Arzt wahrnehmen. Hierbei überprüft der Arzt, wie sich der Heilungsverlauf gestaltet.
Eine sorgfältige Nachsorge sorgt für eine bessere Durchblutung der Bandscheibe und unterstützt die Heilung.
1. Wann ist eine Bandscheiben-Operation notwendig?
Eine OP wird in der Regel erst dann empfohlen, wenn konservative Therapien wie Krankengymnastik, Medikamente oder Infiltrationen keine ausreichende Linderung mehr bringen. Bei akuten neurologischen Ausfällen oder starken Rückenschmerzen durch einen Bandscheibenprolaps ist ein Eingriff oft unumgänglich.
2. Was versteht man unter einer minimalinvasiven Bandscheiben-OP?
Bei einer minimal invasiven Bandscheiben-Operation, auch „Schlüssellochtechnik“ genannt, arbeitet der Operateur mit kleinsten Hautschnitten. Dadurch werden Muskeln und Gewebe geschont, die Narbenbildung reduziert und die Reha verkürzt.
3. Welche Verfahren gibt es bei endoskopischen Bandscheiben-Operationen?
Zu den gängigen Verfahren gehören die Chemonukleolyse, die Laserabtragung und die perkutane Nukleotomie. Alle Methoden verfolgen das Ziel, den Druck auf die Nerven zu verringern und die Beschwerden zu lindern – mit möglichst geringer Gewebeschädigung.
4. Welche Vorteile hat eine endoskopische Bandscheiben-OP?
Die endoskopische Operation gilt als besonders schonend. Patienten profitieren von weniger Schmerzen, einer schnelleren Erholung, kürzeren Krankenhausaufenthalten und einem frühzeitigen Wiedereinstieg in den Alltag.
5. Wie läuft die Rehabilitation nach einer Bandscheiben-Operation ab?
Nach einer minimal invasiven Bandscheiben-OP können Patienten meist am selben Tag nach Hause gehen. Leichte Rückenschmerzen sind in den ersten Wochen normal. Mit gezielter Krankengymnastik beginnt die Reha nach etwa vier Wochen, um die Rückenmuskulatur zu stärken und erneute Beschwerden zu vermeiden.