Schultergelenkerhaltende Chirurgie - Medizinische Experten

In der schultergelenkerhaltenden Chirurgie kommen sogenannte minimal-invasive bzw. arthroskopische operative Methoden zum Einsatz. Es handelt sich dabei um chirurgische Behandlungsoptionen, die zur Wiederherstellung der ursprünglichen Schultergelenkfunktion angewendet werden. Sie haben mittlerweile die meisten früher offen durchgeführten Eingriffe abgelöst. Die wenigsten rekonstruktiven Eingriffe am Schultergelenk werden heute noch offen vorgenommen. Es gibt aber noch immer wichtige offene Verfahren, die bisher noch nicht arthroskopisch durchführbar sind.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für die schultergelenkerhaltende Chirurgie.

Empfohlene Spezialisten für schultergelenkerhaltende Chirurgie

Artikelübersicht

Schultergelenkerhaltende Chirurgie - Weitere Informationen

Die Anatomie des Schultergelenks

Das Schultergelenk verbindet den Oberarm mit dem Schulterblatt. Die Verbindungsstelle dieser beiden Strukturen besteht aus dem Oberarmkopf und der Gelenkpfanne des Schulterblattes. Die hohe Beweglichkeit des Schultergelenks macht eine besonders gute Absicherung durch

  • Muskeln,
  • Bänder und
  • Sehnen

notwendig: Diese garantieren, dass der Oberarmkopf auch bei hohen Auslenkungen stabil in der Gelenkpfanne verbleibt.

Die schützenden und stabilisierenden Strukturen des Schultergelenks sind aufgrund der hohen Belastung für Abnutzungserscheinungen anfällig. Es kommt zum sogenannten Gelenkverschleiß.

Außerdem führen Stürze auf die Schulter trotz der guten Absicherung durch Muskeln und Bänder häufig zu Luxationen (Ausrenkungen) des Gelenks. Das Schultergelenk ist besonders anfällig für Verrenkungen. Im Gegensatz zum Kniegelenk erfolgt die Stabilisierung hauptsächlich durch Muskel und Bänder, aber weniger durch die knöcherne Führung.

Anatomie der Schulter
Die Bänder und Muskeln um das Schultergelenk © bilderzwerg | AdobeStock

Wann kommt die minimal-invasive Schulterchirurgie zum Einsatz?

Unfälle oder Abnutzungserscheinungen sind die häufigsten Auslöser für Probleme im Schulterbereich. Mittels fundierter klinischer Untersuchung und entsprechenden Bilddiagnostik lässt sich meistens die Ursache für die Beschwerden ermitteln.

Verschiedene Verfahren kommen im Rahmen der Bilddiagnostik zum Einsatz. Zwingend ist eine Röntgenserie. Je nach Veränderungen geben auch Schnittbilder wie die Magnetresonanz- und/oder Computertomographie (MRT bzw. CT) wichtige Hinweise.

Auch die Erfahrung des Mediziners auf seinem Gebiet ist von großer Bedeutung. Nur so kann eine optimale Diagnosestellung erfolgen.

In der Regel erfolgt als erste Behandlungsoption eine konservative physiotherapeutische Therapie. Ist diese nicht erfolgreich oder kann nicht eingesetzt werden, erfolgt häufig eine Schultergelenkspiegelung (Schulterarthroskopie). Damit kann der Arzt die Diagnose festigen und die Ursache auch gleich entsprechend behandeln.

Hierzu ist in der Regel eine Vollnarkose notwendig. Über kleine Schnitte im Schulterbereich führt der Operateur eine kleine Kamera und winzige Instrumente ein. Mit diesen verschafft er sich einen Überblick über den Zustand des Gelenks und kann diverse Eingriffe vornehmen.

Klassische Indikationen für arthroskopisch-chirurgische Eingriffe am Schultergelenk sind zum Beispiel:

  • Instabilität des Schultergelenk durch Sportverletzung oder Abnutzung haltgebender Strukturen wie Schulterkapsel, Bänder und Muskeln (zum Beispiel: Schulterluxation, ausgerenktes Schultergelenk, Schulterverrenkung)
  • Einriss von wichtigen stabilisierenden und für die Funktion wichtigen Muskeln des Schultergelenks (Rotatorenmanschettenriss)
  • Verkalkungen des Schultergelenks (Kalkschulter) sowie verschiedene schmerzhafte Erkrankungen im Schulterbereich: Schultersteife („Frozen Shoulder”), Einklemmen von Sehnen und/oder Muskeln im Schultergelenk (Impingementsyndrom), Verschleißerkrankung des Schultereckgelenks (AC-Gelenkarthrose)
  • Oberarmkopfnekrose, bei der es zur Zersetzung von Knochenmaterial durch verlangsamten Umbau von Knorpel- in Knochengewebe kommt. In der Folge lösen sich Knochenteilchen ab und verändern die Struktur von Gelenkflächen
  • Omarthrose (Schulterarthrose): Verschleißerkrankung des Schultergelenks
Schulterarthroskopie
Schematische Darstellung einer minimal-invasiven Schulterarthroskopie © bilderzwerg | AdobeStock

Operationsverfahren der minimal-invasiven Schulterchirurgie

Ist eine Schulter-OP unumgänglich, bestehen unterschiedliche Möglichkeiten der chirurgischen Intervention:

Vor allem nach traumatischen Luxationen ist eine Operation zur Wiederherstellung der geschädigten, abgerissenen und verschobenen Gelenklippe (Labrum) und eine chirurgische Straffung der Gelenkkapsel (Kapselshift) oft unumgänglich.

Sehnenrisse lassen sich chirurgisch mit fester Verankerung durch Vernähen der Sehne mit dem Knochen chirurgisch beheben (Sehnennaht).

Bei Verkalkungen der Sehnen eröffnet der Chirurg die Kalktasche und entfernt das verkalkte Material. Auf ähnliche Weise lassen sich auch Verklebungen der Gelenkkapsel behandeln.

Bei der Dekompression schafft der Chirurg durch

Platz, um die Sehnen zu entlasten. Dieses Verfahren kam in den letzten Jahren zu häufig unreflektiert bei Schulterschmerzen jedweder Art zur Ausführung. Durch mangelhafte Anwendung geriet es dann in der Boulevardpresse in Verruf.

Ein echtes durch Knochenveränderungen bedingtes Engpass-Syndrom (knöchernes Impingement) ist die Ausnahme. Es sollte prinzipiell zunächst durch konservative Maßnahmen der Physio- und manuellen Therapie angegangen werden. Dazu gehören

  • das Dehnen der Gelenkkapsel sowie
  • Kräftigung und Balancierung der Muskeln der Rotatorenmanschette, der Schulterblattstabilisatoren und des Deltamuskels.

Somit stellt die alleinige subacromiale Dekompression heute eine seltene Ausnahmeindikation dar. Sie wird meistens in Kombination mit anderen Eingriffen (z.B. Naht der Rotatorenmanschette) angewendet.

Die Knorpelglättung (Chondroplastie) ist ein Verfahren zur Behandlung von Knorpelschäden, das während der Arthroskopie durchgeführt wird. Je nach Ausmaß der Schädigung lässt sich dabei entweder oberflächliches Knorpelgewebe glätten oder ein tiefergehender Eingriff durchführen. Dabei wird das Knochengewebe zur Neubildung von Knorpel stimuliert (Mikrofrakturierung).

Zur arthroskopischen Behandlung der Frühstadien der Schultergelenkarthrose gehören im Rahmen einer sog. Comprehensive Arthroscopic Management (CAM)- Procedure auch

  • die Entfernung der entzündlichen Gelenkschleimhaut und des Schleimbeutels,
  • die Versorgung der langen Bizepssehne und
  • ggf. die Resektion (Entfernung) des Schultereckgelenks.

Bei nahezu allen Rissformen der Rotatorenmanschettensehnen (RM) verursacht die lange Bizepssehne (LBS) durch ihre Destabilisierung erhebliche Schmerzen. Daher ist das Versetzen oder Entfernen der langen Bizepssehne bei dann nahezu immer notwendig.

Spezialisten aus den Fachbereichen

entscheiden von Fall zu Fall, welche operative Methode am sinnvollsten erscheint.

Nach der OP: Mögliche Komplikationen und Nachsorge

Die minimal-invasive Schulter-OP ist mit keinen besonderen Risiken verbunden. Sie verläuft meist komplikationslos. Wie bei allen chirurgischen Eingriffen besteht aber ein geringes Risiko von

  • Knochen- oder Nervenverletzungen sowie
  • Nachblutungen und Blutergüssen im behandelten Areal.

Nach der OP ist eine Schwellung im Bereich des Einschnittes normal, sie bildet sich nach und nach zurück. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zählen ebenfalls zu den möglichen Folgen einer OP im Schulterbereich. Ihr Arzt wird Ihnen deshalb Schmerzmittel verschreiben, die Sie nach Vorgabe einnehmen sollten.

Eine Besonderheit stellt die postoperative Versteifung des Gelenks dar. Durch eine überschießende Entzündung und Narbenbildung haben die Patienten vermehrt Scherzen und langanhaltende Bewegungseinschränkungen. Dies wird mit der Einnahme einer Kortisontherapie über 3-4 Wochen gut ausgeglichen.

Nach einem Eingriff im Schultergelenk ist meist eine Ruhigstellung des Gelenks für drei bis sechs Wochen notwendig. Während dieser Zeit sollten Sie sich schonen und keine Bewegungen durchführen, die das Gelenk belasten. Abstützen, das Heben von schwereren Gegenständen und ähnliches sollten Sie daher vermeiden.

Eine sofortige Rehabilitation ist dagegen schon kurz nach der OP sinnvoll und dient der Muskelentspannung. Bei gutem Heilungserfolg und sobald Sie körperlich dazu in der Lage sind, beginnen Sie mit einem gezielten Rehabilitationsprogramm. Es wird nach physiotherapeutischen Kriterien für Sie erstellt wird.

Je nach Erkrankung und Operationstechnik variieren die Ruhigstellungszeiten und die Mobilisation wird entsprechend angepasst. Sie sollten stets ein detailliertes und individuelles Nachbehandlungsschema von Ihrem Operateur verlangen.

Fazit

Die rechtzeitige Diagnose erleichtert eine schonende operative, meist minimal-invasive Therapie zur Wiederherstellung des natürlichen Gelenks. Gelenkerhaltende Schulterchirurgie wird von spezialisierten Fachärzten angeboten, die sich Zeit für individuelle Therapieplanung nehmen und als Ansprechpartner für alle Fragen um das Thema zur Verfügung stehen.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie: Schultergelenk Erstluxation. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-012l_S1Schultergelenk-Erstluxation_2018-07.pdf
  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC): S2e-Leitlinie „Rotatorenmanschette. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-041l_S2e_Rotatorenmanschette_2017-04_02.pdf
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