Protheseninfektion - Spezialisten und Informationen

11.01.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Schmerzen sind das erste Warnsignal, das auf eine Entzündung hindeutet. Dies ist im Falle einer Protheseninfektion, auch perioprothetische Infektion genannt, nicht anders. Bei fehlender oder zu spät einsetzender Behandlung kann diese ernste Folgen haben. Leiden Sie nach der Implantation einer Prothese unter Schmerzen und/oder anderen Beschwerden, so empfiehlt sich entsprechend die umgehende Konsultation eines Arztes. Die wichtigsten Aspekte zu Krankheitsbild, Verlauf und Heilungschancen bieten Ihnen die folgenden Abschnitte. Finden Sie hier außerdem ausgewählte Spezialisten für die Behandlung einer Protheseninfektion.

ICD-Codes für diese Krankheit: T84.5

Empfohlene Spezialisten für Protheseninfektionen

Protheseninfektion Fälle in Deutschland

20.354 Fälle im Jahr 2020
20.703 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Protheseninfektionen: Begriffsklärungen

Gleichwohl sich die Technik der Implantation künstlicher Gelenke (Endoprothesen) in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert hat, stellt eine Infektion der jeweils betroffenen Knochen und Gelenke inklusive des umliegenden Gewebes weiterhin eine Herausforderung dar.

Mediziner unterscheiden hier zwischen akuten und chronischen Entzündungen. Zur Infizierung der Prothese beispielsweise an Hüfte, Schulter oder Kniegelenk kommt es in der Regel während der Operation oder im Verlauf des Wundheilungsprozesses.

Je nach Lokalität bewegt sich die Infektionsrate zwischen 0, 5 und 2 Prozent. Der rasante Anstieg an Gelenkersatzoperationen in den letzten Jahren erklärt sich mit Blick auf die allgemeine Alterung der Bevölkerung und den Wunsch nach Mobilität bis ins hohe Alter. Jedoch erhöht sich damit auch das Risiko einer Infektion, das wiederum für die Betroffenen mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität durch lange, kostenintensive Krankenhausaufenthalte und Therapiebemühungen einhergeht.

Symptome einer Protheseninfektion

Sowohl das akute als auch das chronische Stadium einer Protheseninfektion gehen mit charakteristischen Symptomen einher.

Für eine akute Protheseninfektion ist ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl bezeichnend. Betroffene fühlen sich müde und abgeschlagen und leiden unter Fieber und Schüttelfrost. Im Bereich der Prothese kommt es zu

  • Rötungen,
  • Schmerzen,
  • Schwellungen und/oder
  • Überwärmung.

Im Blut lassen sich verschiedene Entzündungssymptome feststellen, unter Laien allgemein als Blutvergiftung bekannt. Mediziner sprechen hier von einer sogenannten Sepsis, sprich einer ernstzunehmenden Allgemeininfektion des gesamten Organismus.

Ein schleichender Verlauf zählt zu den wichtigsten Kennzeichen einer chronischen Protheseninfektion. Häufig äußert sich diese in Form von einschlägigen Symptomen erst mit der Zeit, so dass eine Früherkennung schwierig ist. Schmerzen im betroffenen Gelenk sowie eine zunehmende Lockerung der Prothese sind die wichtigsten Hinweise.

Protheseninfektion: mögliche Auslöser & Ursachen

Für eine Infektion während der OP oder Wundheilungsphase sind zumeist Bakterien verantwortlich. Aufgrund mangelnder Hygiene oder dem Ausbleiben weiterer essentieller Schutz- und Vorsorgemaßnahmen können diese in den Wundbereich gelangen.

Alternativ kann es zu einer Ausbreitung von Bakterien aus Entzündungsherden in anderen Körperregionen über den Blutkreislauf kommen. Als Auslöser denkbar sind hier beispielsweise Haut-, Harnwegs- und Lungeninfektionen.

Für eine genaue Einordnung der jeweils vorliegenden Protheseninfektion orientieren sich Mediziner an drei Kategorien, für die wiederum der jeweilige Zeitpunkt des Auftretens ausschlaggebend ist.

  • Der ersten Kategorie werden frühe Infektionen zugeordnet. Sie treten innerhalb von 3 Monaten nach Eingriff auf und werden zumeist durch eine Infektion mit Staphylococcus aureus und gramnegativen Bakterien während der Operation verursacht.
  • Auch die zweite Kategorie beschreibt intraoperativ erworbene Infektionen. Als Auslöser gelten auch hier primär Koagulase-negative Staphylokokken. Allerdings setzt eine Manifestation verspätet, genauer etwa 3 bis 24 Monate nach der OP, ein.
  • In der dritten Kategorie wiederum finden sich Infektionen, die erst nach etwa 2 Jahren zu ersten Krankheitszeichen führen. Diese Variante ist zumeist eine Folge der hämatogenen Streuung, sprich Infektionen in anderen Körperregionen. Auch hier zählen überwiegend Staphylokokken zu den Verursachern. Eine Ausnahme bilden unter anderem von Escherichia coli-Bakterien hervorgerufene Harninfektionen.

Untersuchung & Diagnose einer Protheseninfektion

Leiden Sie unter einem oder mehreren der oben beschriebenen Symptome, so empfiehlt sich die umgehende Rücksprache mit Ihrem Arzt. Nur so kann eine Verschlimmerung Ihres Gesundheitszustandes mit potentiell ernsten Folgen verhindert werden.

In einem einleitenden Gespräch, im Fachjargon Anamnese genannt, wird Ihr Arzt Ihnen Fragen zu Ihren Beschwerden, Ihrer Krankheitsgeschichte und mehr stellen. Dieses dient einer ersten Einordnung der vorliegenden Erkrankung.

Im Anschluss folgen die körperliche und radiologische Untersuchung. Wichtige Befunde liefern außerdem

  • die Untersuchung Ihres Blutes,
  • die Punktion des betroffenen Gelenkes,
  • Gewebeentnahmen sowie
  • eine Analyse des Prothesenmaterials.

Um potentielle Auslöser möglichst genau zu bestimmen, wird Ihr Arzt zudem das Umfeld, sprich Herz, Lunge, Zähne etc. untersuchen. Weisen diese Symptome einer Entzündung auf, so ist eine direkte Verbindung zur Protheseninfektion wahrscheinlich. Neben der raschen und gezielten Einleitung effektiver, individuell angepasster therapeutischer Schritte besteht hier das Hauptziel in einer Prävention erneuter Infektionen.

Qualifizierte Ansprechpartner sowie therapeutische Ansätze & Behandlungsmöglichkeiten

Als erste Anlaufstelle für Beschwerden mit Ihrer Prothese gilt Ihr Hausarzt bzw. der für Ihren Gelenkersatz zuständige Mediziner. Generell sind Fachärzte der

mit diesem Krankheitsbild bewandert und leiten Sie im Zweifelsfall an erfahrene Mediziner mit entsprechender Schwerpunktsetzung weiter.

Im Zentrum der therapeutischen Bemühungen steht der chirurgische Eingriff, der einen Prothesenwechsel zum Ziel hat. Der zweite Baustein einer erfolgversprechenden Behandlung von Protheseninfektionen ist die langfristige Antibiotika-Therapie.

Die sogenannte Zwei-Phasen-Methode verspricht dabei grundsätzlich bessere Ergebnisse. In einem ersten Schritt wird hier die infizierte Prothese entfernt. Im Anschluss folgt eine sechswöchige Antibiotikatherapie begleitet von einer Stärkung der Gelenke mithilfe von mit Antibiotika imprägnierten Spacern. Erst danach werden die neuen Prothesen eingesetzt. Den Abschluss dieser Maßnahme bildet eine weitere Behandlung mit Antibiotika über einen Zeitraum von 6 Wochen hinweg.

Verlauf & Prognose: abschließende Betrachtungen

Die Gefahr, dass eine Protheseninfektion ungünstig verläuft, besteht vor allem bei Infektionen durch Staphylokokken.

Auch bei einer septischen Prothesenlockerung, die in der Regel bereits durch minimale Infektionen verursacht werden kann, sind die Aussichten auf eine komplikationsfreie Genesung eher gering. Die Behandlung erfolgt hier ebenfalls wie oben beschrieben „zweizeitig“ durch eine Kombination aus

  • Prothesenentfernung,
  • Gelenksanierung,
  • Antibiotikatherapie und
  • anschließender Implantation einer neuen Prothese.

Gegebenenfalls wird zudem eine Knochentransplantation notwendig, die den Verlust an Knochensubstanz durch die Lockerung ausgleicht.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Protheseninfektionen zwar selten vorkommen, jedoch aufgrund ihrer potentiell schweren Auswirkungen sehr ernst genommen werden müssen.

Unbedingte Hygiene, Sterilität, eine gesunde Ernährung sowie eine sofortige ärztliche Konsultation im Falle einer bakteriellen Infektion wie beispielsweise im Mund- und Zahnbereich zählen zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen.

Quellen

Eulert, J./Frommelt, L./Hendrich, C.: Septische Knochen- und Gelenkchirurgie, Springer-Verlag, Berlin 2012.

Otto-Lambertz, C. u.a. (Hrsg.): Periprothetische Infektionen beim Gelenkersatz in: Deutsches Ärzteblatt 2017 (Link: https://www.aerzteblatt.de/archiv/188634/Periprothetische-Infektionen-beim-Gelenkersatz), abgerufen am 12. 12. 2021.

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