Besonders häufig tritt die Spondylolisthesis im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Die Symptome reichen von leichten Rückenschmerzen bis hin zu neurologischen Ausfällen, abhängig vom Ausmaß der Instabilität. Die Erkrankung wird häufig zufällig entdeckt, kann aber auch erhebliche Beschwerden verursachen. Eine frühzeitige Diagnostik ist entscheidend, um das Fortschreiten des Wirbelgleitens zu verhindern.
Besonders häufig tritt die Spondylolisthesis im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Die Symptome reichen von leichten Rückenschmerzen bis hin zu neurologischen Ausfällen, abhängig vom Ausmaß der Instabilität. Die Erkrankung wird häufig zufällig entdeckt, kann aber auch erhebliche Beschwerden verursachen. Eine frühzeitige Diagnostik ist entscheidend, um das Fortschreiten des Wirbelgleitens zu verhindern.
Kurzübersicht:
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Was ist Wirbelgleiten?
Wirbelgleiten (medizinisch Spondylolisthesis) ist eine Erkrankung, bei der sich die Wirbelkörper der Wirbelsäule gegeneinander verschieben. Meistens tritt Wirbelgleiten an der Lendenwirbelsäule auf. In schweren Fällen können einzelne Wirbelkörper sogar die Spinalnerven im unteren Rückenmark einklemmen. Das Einklemmen von Nerven verursacht oft beträchtliche Schmerzen oder sensomotorische Ausfälle.
Durch das Rutschen über einen langen Zeitraum hinweg entstehen Verwachsungen im hinteren Wirbelbereich. Dadurch kann sich die Statik der Wirbelsäule teilweise von selber verstärken und somit stabilisieren.
Viele Patienten spüren auch gar keine Beschwerden aufgrund einer Spondylolisthesis. Man spricht dann von einer asymptomatischen Spondylolisthesis, also Wirbelgleiten ohne Symptome.
Patienten mit einer symptomatischen Spondylolisthesis können in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt sein. Sie leiden zum Teil unter starken belastungs- und positionsabhängigen Schmerzen.
In den meisten Fällen können die Beschwerden initial gut konservativ (ohne OP) behandelt werden. Nur in sehr schweren Spondylolisthesis-Fällen ist eine Operation notwendig.
Ob eine Behandlung notwendig ist, entscheidet der behandelnde Arzt. Die Indikation einer operativen Behandlung hängt immer von
- der Schmerzsituation,
- der Einschränkung der Alltagsaktivitäten und der Lebensqualität,
- des subjektiven Leidensdruckes und
- der klinisch-radiologischen Befundkonstellation
ab.

Beim Wirbelgleiten verschieben sich einzelne Wirbelkörper gegenüber den benachbarten Wirbeln © Henrie | AdobeStock
Symptome bei Wirbelgleiten und Spondylolisthesis der Wirbelsäule – Diagnostik, Häufigkeit, Schweregrad, konservative und operative Behandlung bei Instabilität und Wirbelgleitens
Welcher Arzt ist Spezialist für Wirbelgleiten?
Der für die Diagnose von Wirbelgleiten zuständige Facharzt ist der Wirbelsäulenspezialist (in der Regel ein Neurochirurg oder Orthopäde).
Erforderliche Operationen führt der Facharzt für Neurochirurgie oder Orthopädie oder Unfallchirurgie aus.
Am Ende richtet sich die Behandlung von Wirbelgleiten stets nach dem individuellen Schweregrad und der zugrunde liegenden Ursache. Die Einteilung der Spondylolisthesis, etwa nach der Klassifikation nach Wiltse oder Meyerding, hilft dabei, zwischen einer degenerativen Form, einer traumatischen Ursache oder einer Spondylolisthesis vera zu unterscheiden.
Besonders im Bereich der Lendenwirbelsäule kann es durch die Verschiebung der Wirbel nach vorne zu einer Verengung des Wirbelkanals und einer Reizung der Nervenwurzel kommen, etwa der Nervenwurzel L5. Bei fortgeschrittener Instabilität der Wirbelsäule oder neurologischen Ausfällen kann eine operative Therapie mit Stabilisierung notwendig werden, während bei leichtem Wirbelgleiten konservative Maßnahmen oft ausreichend sind.
Risikofaktoren und Ursachen einer Spondylolisthesis
Die Wirbelsäule trägt die ganze Last des Körpers und sie hält ihn aufrecht. Bei Überlastungen kann ein Wirbel verrutschen. Das passiert vor allem, wenn
- die Muskulatur,
- die Gelenke und
- die Bänder
geschwächt sind
Die häufigste Ursache sind degenerative Schäden an den Wirbeln. Mit zunehmendem Alter kommt es zu einem Flüssigkeitsverlust der Bandscheiben, wodurch sich ihre Höhe verringert. Die Wirbelkörper nähern sich einander an und die Funktion des Muskel- und Bandapparates wird dabei gestört. Bei untrainierten Menschen führt das zu einer schlechteren Kompensierung von Bandscheibenschäden.
Durch eine hohe Belastung und Überstreckung der Wirbelsäule nach hinten kann es zu einer isthmischen Spondylolisthesis kommen. Gewichtheber oder Speerwerfer sind besonders häufig davon betroffen. Auch Verletzungen der Wirbelsäule vermindern ihre Stabilität und es kann zu einer Erkrankung kommen.
In manchen Fällen ist die Erkrankung angeboren. Die Auslöser dafür sind noch relativ unbekannt. Allerdings gibt es familiäre Häufungen. Das heißt, dass Verwandte ersten Grades eines Betroffenen ein erhöhtes Risiko aufweisen, ebenfalls zu erkranken.
Jungen sind drei- bis viermal häufiger betroffen als Mädchen. Bei Mädchen ist der Verlauf jedoch stärker ausgeprägt.
Nach der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie sind bis zu vierzig Prozent der Deutschen von einer Spondylolisthesis betroffen. Häufig ist die Ausprägung jedoch häufig mild.
Die Symptome einer Spondylolisthesis
Betroffene Patienten leiden häufig unter Schmerzen, die sich bei bestimmten Bewegungen verstärken. Sie breiten sich oft von hinten nach vorne aus und werden wie ein Gürtel empfunden. Manche Betroffene haben auch das Gefühl einer gewissen Instabilität der Wirbelsäule.
Bei entspannter Rückenmuskulatur am Morgen sind die Schmerzen stärker. Bei der Quetschung einer Nervenwurzel kann es auch zu sensiblen und/oder motorischen Störungen der Beine kommen.
Eine kurze Übersicht der Symptome:
- Rückenschmerzen, die manchmal auch in die Beine ausstrahlen
- ein unangenehmes Schwächegefühl in den Beinen
- Gefühlsstörungen in den Beinen
Bei weit fortgeschrittener Erkrankung können auch
- Bewegungseinschränkungen der Lendenwirbelsäule
- Lähmungen
- Mastdarm- und Blasenstörungen bei stark fortgeschrittenem Wirbelgleiten mit Rückenmarkseinschränkung
auftreten. Das sind jedoch eher Ausnahmefälle.
In einigen Fällen bleibt eine Spondylolisthesis beschwerdefrei. Die Therapie sollte mit dem Arzt abgesprochen werden. Vielleicht erübrigt sich eine Behandlung, solange keine Schmerzen auftreten.
Untersuchung und Diagnose einer Spondylolisthesis
Wer häufig unter Rückenschmerzen leidet, sollte sich an seinen Hausarzt wenden. Bei Verdacht auf eine Spondylolisthesis wird er seinen Patienten zu einem Wirbelsäulenspezialisten überweisen.
Nur in seltenen Fällen ist eine Spondylolisthesis ein Notfall, der sofort in einer Klinik behandelt werden muss. Notfälle, die sofort untersucht werden müssen, sind
- eine schwere Sensibilitäts- oder Motorikstörung sowie
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang.
Zu Beginn der Diagnostik steht die Anamnese, d.h. die Patientenbefragung. Der Arzt wird sich nach den Beschwerden und der Krankengeschichte erkundigen:
- Besteht eine Verletzung an der Wirbelsäule?
- Wie sehen sportliche Aktivitäten aus?
- Sind ähnliche Symptome in der Familie bekannt?
- Sind die Schmerzen bewegungsabhängig?
- Ist ein Gefühl der Instabilität der Wirbelsäule vorhanden?
- Werden Motorik- oder Sensibilitätsstörungen bemerkt?
Danach erfolgt eine körperliche Untersuchung.
Körperliche UntersuchungDer Arzt überprüft nun die Beweglichkeit des Patienten. Er achtet darauf, ob der Betroffene sich abstützt oder unsicher wirkt.
Außerdem untersucht er den Verlauf der Wirbelsäule. Dabei fallen Fehlstellungen auf, zum Beispiel ein S-förmiger Verlauf, der auf eine Skoliose hinweist. Auch ein Schanzenphänomen kann erkannt werden, wenn ein Höcker im Verlauf der Wirbelsäule zu sehen ist. Solche Stufen werden meist durch das Abtasten der Dornfortsätze (hintere Fortsätze der Wirbel) festgestellt.
Durch Drücken und Klopfen identifiziert der Arzt schmerzhafte Regionen. Auch die Position des Beckens und der Muskelstatus um die Wirbelsäule werden bei der Untersuchung kontrolliert.
Mit dem sogenannten Schober-Zeichen kann die Funktion der Wirbelsäule überprüft werden. Dazu markiert der Untersucher, ausgehend vom oberen Steißbeinwinkel, alle zehn Zentimeter eine Stelle. Beugt der Patient sich vor, erkennt er die Einschränkung der Beweglichkeit.
Noch speziellere Untersuchungen hängen von der Symptomatik des Patienten ab.
Bildgebende UntersuchungenUm ein genaues Bild der Erkrankung zu bekommen, werden Röntgenbilder aus zwei verschiedenen Ebenen angefertigt. Manchmal lässt der Arzt auch
- eine Computertomografie (CT) oder
- eine Magnetresonanztomografie (MRT)
durchführen. Dadurch können die Bandscheiben und Knochen genauer beurteilt werden.
Zur Beurteilung, ob eine dynamische Listhesenkomponente vorliegt, sind oft auch konventionelle lumbale Funktionsaufnahmen in In- und Reklination sinnvoll.
Verschiedene Schweregrade der Spondylolisthesis
Nach Meyerding wird eine Spondylolisthesis in vier verschiedene Schweregrade eingeteilt.
- Grad I die Wirbel verschieben sich bis zu 25 %
- Grad II die Wirbel verschieben sich zwischen 25 % bis 50 %
- Grad III die Wirbel verschieben sich von 51 % bis zu 75 %
- Grad IV die Wirbel verschieben sich über 75 %
Kommt es zu einer vollkommenen Lösung eines Wirbels, spricht man von Spondyloptose.
Je nach Schweregrad treten auch die Symptome und Beschwerden auf. Bei frühzeitiger Behandlung sind die Aussichten auf Beschwerdelinderung sehr gut.
Behandlung von Wirbelgleiten – wann eine Operation bei Spondylolisthesis notwendig ist und welche Therapieoptionen häufig eingesetzt werden
Die Behandlung einer Spondylolisthesis
Das Hauptziel ist, den Betroffenen von seinen Schmerzen zu befreien und somit eine bessere Lebensqualität zu gewährleisten. Das wird durch eine Stabilisierung der Wirbel erreicht.
Die Wirbelgleiten-Therapie besteht aus zwei Eckpfeilern:
- der konservativen Behandlung
- der chirurgischen Behandlung, wenn die konservative Therapie nicht ausreicht.
Bei leichteren Fällen reicht in der Regel eine konservative Therapie. Nur in sehr schweren Fällen muss direkt an einen chirurgischen Eingriff gedacht werden.
Wie sieht eine konservative Behandlung aus?Zunächst wird nach eingehenden Untersuchungen ein ausführliches Gespräch geführt. Dabei erläutert der Arzt dem Patienten, wie er seine Wirbelsäule gezielt entlasten kann. Schon dadurch erreicht man in den meisten Fällen eine deutliche Verbesserung der Beschwerden.
Der Patient muss das Überdehnen der Wirbelsäule durch bestimmte Sportarten vermeiden. Bei Übergewicht wird eine entsprechende Gewichtsreduzierung empfohlen. Das verringert die Belastung der Wirbelsäule.
Darüber hinaus können Medikamente helfen. Gegen die Schmerzen können verschiedene Schmerzmittel effektiv eingesetzt werden. Auch muskelentspannende und antientzündliche Medikamente stehen zur Verfügung.
Der Garant für eine stabile Wirbelsäule ist eine starke Muskulatur, die dem Wirbelgleiten entgegenwirkt.
Am besten lässt sich das durch gezielte Gymnastik und aber vor allem durch regelmässiges tägliches Training der Rückenmuskulatur erreichen.
Nur in sehr schweren Fällen ist ein chirurgischer Eingriff notwendig. Eine Operation stabilisiert die Wirbel, um ihre korrekte Position zu gewährleisten. Ein entsprechendes Beratungsgespräch gibt Auskunft und nimmt die Ängste, die vor einer chirurgischen Therapie bestehen.
FAQ
Was ist eine Spondylolisthesis und wie entsteht Wirbelgleiten?
Die Spondylolisthesis bezeichnet das Wirbelgleiten, bei dem ein Wirbelkörper gegenüber einem anderen verschoben ist. Ursache können eine Spondylolyse, degenerative Veränderungen, traumatische Ereignisse oder ein Defekt des Wirbelbogens sein. Besonders häufig betrifft dies den unteren Rückenbereich.
Welche Symptome treten bei Wirbelgleiten auf?
Typische Symptome bei Wirbelgleiten sind Rückenschmerzen, Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule und eingeschränkte Beweglichkeit. Bei fortgeschrittener Spondylolisthesis können neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle oder eine Lähmung auftreten, wenn Nervenwurzeln eingeengt werden.
Wie wird eine Spondylolisthesis diagnostiziert?
Die Diagnostik umfasst eine körperliche Untersuchung sowie bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahme, MRT oder CT. Mithilfe der Klassifikation nach Meyerding lässt sich der Schweregrad des Wirbelgleitens bestimmen. Auch eine mögliche Spinalkanalstenose wird dabei beurteilt.
Wann ist eine Operation bei Wirbelgleiten notwendig?
Eine Operation bei Wirbelgleiten wird erwogen, wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Besserung bringen oder eine ausgeprägte Instabilität der Wirbelsäule besteht. Auch neurologische Ausfälle oder eine Fraktur können eine operative Therapie erforderlich machen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Spondylolisthesis?
Die Behandlung von Wirbelgleiten richtet sich nach dem Schweregrad. Bei leichten Formen ist eine konservative Therapie mit Physiotherapie, Kräftigungsübungen und Schonung möglich. Bei instabilen oder fortgeschrittenen Formen kann eine operative Stabilisierung, häufig in Form einer Spondylodese, notwendig sein.
Quellen
- https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/erkrankungen-des-rheumatischen-formenkreises-und-des-bewegungsapparats/nacken-und-r%C3%BCckenschmerzen/nichttraumatische-spinalsubluxation
- http://www.leitliniensekretariat.de/files/MyLayout/pdf/spondylolisthesis.pdf
- https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-051l_S2k_Spezifischer_Kreuzschmerz_2018-02.pdf



































