Sportchirurgie - Medizinische Experten

Die Sportchirurgie bildet ein Spezialgebiet der Sportmedizin, das sich mit Diagnose, Behandlung und Prävention von Sportverletzungen beschäftigt. Im Zentrum stehen dabei unter anderem Knochenbrüche sowie Risse von Bändern und Sehnen, die eines chirurgischen Eingriffs bedürfen.

Wichtige Informationen zu Therapieformen und mehr sowie Spezialisten für Sportchirurgie finden Sie im Folgenden.

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Sportchirurgie - Weitere Informationen

Was versteht man unter Sportchirurgie?

Die Sportchirurgie beinhaltet alle operativen Eingriffe zur Behandlung von Sportverletzungen. Sicherlich sind primär Patienten betroffen, die Sport hoch leistungsmäßig betreiben, zum Beispiel Profisportler.

Aber auch Breitensportler können Verletzungen im Rahmen von sportlichen Aktivitäten erleiden. Hier meist im Rahmen von Unfällen, Übertraining oder Wettkämpfen.

Folgende Gewebe und Organe können von Sportverletzungen und sportbedingten Erkrankungen betroffen sein:

Welche Ärzte kümmern sich um Sportverletzungen?

Am häufigsten von Sportverletzungen betroffen ist sicherlich der Bewegungsapparat.

Hier treten knöcherne Verletzungen (Knochenbrüche oder Ausrisse von Muskel- und Sehnenansätzen) auf.

Auch Muskelfaserrisse oder Einklemmungen von Gelenkanteilen (zum Beispiel im Bereich des Kniegelenks, die Kniegelenkszwischenscheiben = Meniskus) sind häufig. Diese Verletzungen treten meistens plötzlich und im Rahmen eines Unfallereignisses auf.

KreuzbandrissBeim Kreuzbandriss handelt es sich um eine typische Sportverletzung @ Henrie /AdobeStock

Daher sind in aller Regel zunächst ein Unfallchirurg, Orthopäde sowie im Akutereignis die Notaufnahme eines Krankenhauses die erste Anlaufstelle.

Unfallchirurgen sind Fachärzte für unfallbedingte Erkrankungen. Sie haben daher oft eine Zusatzqualifikation in der Sportmedizin. Sie führen im Bedarfsfall auch Operationen durch, die zu dem Oberbegriff sportchirurgische Eingriffe gehören.

Aber auch andere Fachärzte kümmern sich um sportbedingte Erkrankungen. Hier sind beispielsweise Herzspezialisten (Kardiologen), speziell Sportkardiologen, zu nennen, die sich unter anderem um sportbedingte Herzvergrößerungen oder -schwächen kümmern.

Des Weiteren sind Gefäßchirurgen bei Erkrankungen der Schlagadern und Venen gefragt, um Durchblutungsprobleme zu vermeiden und zu vermindern.

Teilweise sind hierfür auch größere Operationen notwendig, wie die Ausschälung von verschlossenen Gefäßen oder die Anlage von Umgehungskreisläufen (Bypässen).

Neben den Sporterkrankungen des Bewegungsapparates, die durch einen Unfall entstehen, gibt es auch sportassoziierte Erkrankungen des Herzkreislaufsystems.

Gründe hierfür sind die außergewöhnliche körperliche Belastung mit trainingsbedingter Überbeanspruchung des Herzens sowie der Gefäße. Auch plötzliche Erkrankungen sind hier möglich, allerdings eine Seltenheit.

Letztlich sind auch Lungenerkrankungen zu nennen, die sportassoziiert allerdings eine Seltenheit darstellen.

Risikogruppen sind Tauchsportler zu nennen, die sich während des Trainings und Wettkampfes besonderen Belastungen für das Lungengerüst aussetzen.

Können Sportler auch Erkrankungen der Gefäße haben?

Ja, es gibt auch Gefäßerkrankungen bei sportlichen, jungen und sehr athletischen Patienten. Auch wenn die meisten Gefäßerkrankungen bei älteren Patienten mit hohem Blutdruck, hohen Blutwerten, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen auftreten.

Die meisten Gefäßerkrankungen sind folglich durch unseren Lebensstil und die resultierende Gefäßverkalkung (Atherosklerose) bedingt.

Gefäßerkrankungen bei Sportlern entstehen durch Unfälle, bei denen es zu einem Einriss oder zur Durchtrennung von Gefäßen kommt.

Auch chronische Belastungen durch den Sport können an bestimmten Stellen auf die Schlagadern einwirken.

Es gibt beispielsweise Gefäßerkrankungen bei Radrennfahrern, die im Becken auftreten.

Die Erkrankung entsteht, weil der Athlet ständig vornüber geneigt mit einer hohen Frequenz das Hüftgelenk beugt und streckt.

Im Laufe der Zeit kann es dann zu einer Verengung oder einem Verschluss der Beckenschlagader kommen. Der Sportler spürt dann bei Belastung Muskelschmerzen im Gesäß sowie Hüfte, die unter Ruhebedingungen vollständig verschwinden. Diese Erkrankung nennt sich iliakale Endofibrose.

Machen Sportchirurgen auch Behandlungen ohne Operation?

Neben den operativen Eingriffen gehören viele weitere Behandlungsverfahren zur Sportchirurgie, wodurch sich Verletzungen im Idealfall vermeiden lassen.

Neben der Diagnose, Behandlung und Rehabilitation bei bereits auftretenden Schäden und Verletzungen kümmern sich Sportchirurgen auch um präventive Maßnahmen.

Dazu gehören:

  • ein umfassendes Aufwärmen
  • angemessene Ausstattung wie Kleidung und Schuhwerk sowie
  • eine gelenkschonende Ausübung der jeweiligen Sportart

Die Botschaft an aktive Menschen lautet daher grundsätzlich, bei der Vorbereitung besonders gewissenhaft zu sein. Die Mühe lohnt sich, denn das Verletzungsrisiko sinkt auf diese Weise erheblich.

SportchirurgieBesonders häufig sind Schulter-, Knie- und Sprunggelenk von Verletzungen betroffen @ rh2010 /AdobeStock

Wann lohnt sich der Weg zum Sportchirurgen?

  • Leiden Sie nach sportlicher Betätigung unter Schmerzen?
  • Oder kommt es an bestimmten Stellen zu Schwellungen, Rötungen und Erhitzung?
  • Können Sie einen konkreten Auslöser für Ihre Beschwerden benennen?
  • Sind Sie beispielsweise gefallen, mit jemandem oder etwas zusammengestoßen oder nach einem Sprung falsch gelandet?
  • Haben Sie Schmerzen am Oberschenkel und Gesäß, die beim Radfahren auftreten und in Ruhe verschwinden?

Können Sie eine oder mehrere dieser Fragen bejahen, so handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Sportunfall. Prellungen, Frakturen und Risse sind in dieser Kategorie keine Seltenheit.

Letztendlich entscheidet die Diagnose, ob eine Operation erforderlich ist oder eine alternative Therapieform.

Zu den alternativen Therapieformen gehört:

  • Ruhigstellen
  • Behandlung mit schmerzlindernden und abschwellenden Salben

Welche Sportverletzungen kommen häufiger vor?

Je nach Sportart sind bestimmte Partien des menschlichen Körpers besonders gefährdet.

Ursachen für Brüche des Ellenbogens sind gerade im fortgeschrittenen Alter oftmals Stürze im Alltag. Hier liegt dann allerdings bereits eine altersbedingte Knochenschwäche (Osteoporose) vor.

Bei Kindern und Jugendlichen wiederum treten sie meist infolge von schwereren Unfällen beim Reiten, Radfahren und Skilaufen auf.

Das Knie ist ebenso wie der Fuß bereits ohne gezielte sportliche Betätigung täglich einer hohen Belastung ausgesetzt. Sowohl Verschleißerscheinungen als auch Unfälle, die das Knie beispielsweise verdrehen, können unter anderem zu einem Meniskusriss oder Kreuzbandriss führen.

Meniskusrisse

Es gibt unterschiedliche Formen des Meniskusrisses @ bilderzwerg /AdobeStock

Ob unebener Boden oder Sport: Knickt Ihr Fuß auf unvorteilhafte Weise um, so ist häufig das Sprunggelenk in Mitleidenschaft gezogen. Diagnose und Behandlung damit einhergehender Sprunggelenksfrakturen sind ebenfalls Aufgabe des Sportchirurgen.

Experten rechnen auch Schultern und Hüften zu Körperstellen, die bei bestimmten Sportarten einem besonderen Verletzungsrisiko ausgesetzt sind. Neben Knochenbrüchen sind beispielsweise auch eine Schultergelenkssprengung sowie ein Riss der Rotatorenmanschette denkbar.

Welche Untersuchungen gibt es in der Sportchirurgie?

Diagnose und Behandlung von Sportverletzungen erfolgen häufig durch den Einsatz medizinischer, sozial- und naturwissenschaftlicher Methoden.

Erste Anhaltspunkte über Art und Ausmaß der Beschwerden erhält der Sportmediziner durch ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Mithilfe gezielter Fragen klärt der Arzt Symptome und mögliche Ursachen der Verletzung ab.

Im Anschluss daran folgt eine gründliche Untersuchung mit bildgebenden Verfahren. Besteht der Verdacht auf einen Knochenbruch, so ist eine Röntgenaufnahme sinnvoll, um gezielte therapeutische Maßnahmen einzuleiten.

Auch eine Kernspintomographische Untersuchung kommt häufig zum Einsatz, um Gewebeschäden darzustellen.

Welche Therapieverfahren gibt es?

Die Wahl der Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen variiert je nach Beschwerdebild und Intensität der Symptome.

Generell wählt der Sportmediziner zwischen konservativen Maßnahmen und einem operativen Eingriff. Letzterer erfolgt in der Regel erst, wenn konservative Verfahren keinen Erfolg gezeigt haben oder im Einzelfall wenig Sinn machen.

Die kontinuierliche Weiterentwicklung von Verfahren und Behandlungstechniken wiederum hält auch für die Sportchirurgie sanftere Alternativen bereit. Arthroskopische Gelenkoperationen beispielsweise überzeugen bereits heute aufgrund ihres minimal-invasiven, schonenden und risikoarmen Eingriffs.

Neben der Behandlung akuter Verletzungen leitet der Sportmediziner auch zeitnah nach einer Operation eine angemessene Physiotherapie ein. Ziel ist hier die möglichst rasche Gesundung des Patienten durch eine optimale funktionelle Anschlussbehandlung.

Wo finde ich einen Sportchirurgen?

Sie sind auf der Suche nach einem Sportchirurgen? Generell sind Fachärzte der Sportchirurgie unter anderem in einer niedergelassenen Praxis, Krankenhäusern oder Reha-Kliniken zu finden.

Besonders verbreitet ist das Dreiergespann aus Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin. Aber auch Gefäßchirurgie, Angiologie und Kardiologie sind häufig involviert.

Viele Arztpraxen mit einem Schwerpunkt Sportmedizin haben auch eine Zulassung, um Kassenpatienten nach Arbeits- oder Schulunfällen zu behandeln. Der Weg ins Krankenhaus bleibt Betroffenen in diesem Fall folglich erst einmal erspart.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist die öffentliche Arbeit in Institutionen, Organisationen und Vereinen. Neben primär klinischen Berufen kann ein Sportmediziner auch eine akademische Laufbahn mit dem Schwerpunkt auf Forschung und Lehre wählen. Dies erfolgt dann meistens im Rahmen einer Tätigkeit an einer Universitätsklinik.

Sportchirurgie als essentieller Bestandteil der Sportmedizin: ein Fazit

Obwohl es in der Sportchirurgie meist um operative Eingriffe geht, sind Diagnose und Therapie von Sportverletzungen ebenso bedeutsam.

In der Praxis arbeiten Sportchirurgen mit Reha-Kliniken zusammen, um ihren Patienten eine optimale und erfolgversprechende Behandlung zu bieten.

Die Verfahren entwickeln sich immer weiter, damit sich in Zukunft die Erfolge der chirurgischen Eingriffe erhöhen.

Quellen

Holger HW Gabriel: Einführung in die Sportmedizin: Themen, Inhalte, Methoden und Stand der Forschung in: Bewegung, Training, Leistung und Gesundheit, herausgegeben von Arne Güllich und Michael Krüger, Seite 1-23. Abgerufen am 20. 10. 2021 von https://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007%2F978-3-662-53386-4_14-1.

Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention – DGSP. Homepage.https://www.dgsp.de. Abgerufen am 20. 10. 2021.

European Association of Sports Medicine Associations. Homepage. https://www.efsma.org/sports-medicine/main-goal.html. Abgerufen am 20.10. 2021.

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