Mit Hilfe von Neuromodulatoren lassen sich periphere nervale Strukturen oder komplexere nervale Systemstrukturen gezielt direkt beeinflussen.
Das Nervensystem bedient sich zweier Wirkprinzipien:
- Neurotransmitter (biochemische Botenstoffe) und
- elektrische Aktivität.
Die Neuromodulation greift genau in diese Steuerungsprozesse ein. Der Therapeut kann damit eine nicht optimale Steuerung des Nervensystems verändern (modulieren). In anderen Worten: Mithilfe von Neuromodulation lässt sich die Schmerzweiterleitung gezielt ausschalten oder stark reduzieren.
In der Schmerzmedizin kommen meistens Medikamente zum Einsatz. Sie sind zwar effizient, wirken aber systemisch, d.h. auf den ganzen Körper. Dazu können sie starke Nebenwirkungen verursachen.
Die Neuromodulation erreicht direkt den gewünschten Wirkort und läßt den übrigen Organismus unbeeinträchtigt. Daher sind Streueffekte hier höchstens minimal.
Der Nachteil der Neuromodulation: Das Verfahren setzt eine hohe Spezialisierung der Therapeuten und damit einen hohen personellen und apparativen Aufwand voraus.
Für die Schmerzbehandlung mit Neuromodulation gibt es verschiedene Methoden.
Neuromodulation peripherer Nervenstrukturen
- periphere elektromagnetische Nervenstimulation (rPMS)
- periphere Vagusstimulation (PVS)
Neuromodulation zentraler Nervenstrukturen
Nichtinvasive (ambulante) Optionen:
- repetitive transkranielle elektromagnetische Stimulation (rTMS) des Motorcortex
- transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) des Motorcortex oder des dorsolateralen praefrontalen Cortex (DLPFC)
- pharmakologische Verfahren (Medikamentengabe über periphervenöse Zugänge, z.B. Lidocain- und Procaininfusionen, Ketamininfusionen oder über rückenmarksnahe Katheter, z.B. Opiate oder Baclofen
Invasive (mit Operationen einhergehende) Optionen:
- Rückenmarkstimulation mit spinal cord stimulation (implantierbare Elektroden)
- Kleinhirn-Stimulation mit Plattenelektroden bei Morbus Parkinson
- Großhirn-Stimulation (Motorcortexstimulation)
- mechanische Verfahren (Ballonkompression bei Trigeminusneuralgie)
Neuropathische Schmerzen entstehen durch die Schädigung oder Verletzung von Nervenfasern des somatosensorischen Systems. Das sind Nervenstrukturen, die für die Übermittlung von Empfindungen wie
- Berührung,
- Druck,
- Temperatur und
- Schmerz
zuständig sind.
Häufige Symptome von neuropathischen Schmerzen sind
- plötzlich einschießende Schmerzattacken,
- brennende Schmerzen und
- andauernde Missempfindungen wie Taubheit, Kribbeln oder ein Hitze- oder Kältegefühl ohne äußere Ursachen.
Erkrankungen, bei denen neuropathische Schmerzen auftreten können, sind unter anderem:
Auch bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Vitamin B12-Mangel können neuropathische Schmerzen auftreten. Bestimmte
können ebenfalls mit Neuropathien einhergehen.
Bei neuropathischen Schmerzen ist eine Neuromudulation möglich. Die Voraussetzung ist aber, dass konservative Therapien und oral eingenommene Medikamente zuvor keine Wirkung gezeigt haben.
Nozizeptive Schmerzen entstehen durch eine Stimulierung der Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) bei Gewebeverletzungen (Nozizeptoren) der Haut und der inneren Organe. Hier lässt sich durch Neuromodulation kein nennenswerter Effekt erreichen.
Vor der Entscheidung zur Neuromodulation ist also eine sorgfältige Schmerzdiagnostik unerlässlich. Nur so können die Ärzte beurteilen, ob der Patient von diesem Verfahren profitieren kann.
Die für eine Neuromodulation zuständigen Fachärzte kommen aus teils unterschiedlichen, teils sich überschneidenden Disziplinen. In der Regel hängt die Zuständigkeit vom genauen Krankheitsbild ab.
Spezialisten für die Behandlung sind vor allem
Der Hauptnutzen der Neuromodulation liegt in der Reduzierung der Medikamentenmenge im Vergleich zu einer oralen Gabe.
Bei Patienten mit starken chronischen Scherzen sind bei Tabletten als Schmerzmedikament sehr hohe Dosen eines Wirkstoffs erforderlich. Die damit verbundenen Nebenwirkungen sind oftmals erheblich und beinhalten oft
- Übelkeit,
- Schwächegefühle und Schwindel sowie
- intensive Müdigkeit oder
- Verwirrung.
Eine Medikamentenpumpe (Schmerzpumpe) ist eine wirkungsvolle Alternative. Sie gehört zu den Neuromodulationsverfahren. Über eine Schmerzpumpe werden Schmerzmittel unmittelbar dort verabreicht, wo sie erforderlich sind. Das führt zu weitaus weniger Nebenwirkungen.
Darüber hinaus lässt sich eine Medikamentenpumpe auch programmieren. So lassen sich Zeiten für eine höhere oder niedrigere Medikamentendosis einstellen. So dient beispielsweise nachts eine höhere Wirkstoffabgabe der Verbesserung der Schlafqualität. Tagsüber kann dagegen eine niedrigere Dosis ausreichen.

Patienten können ihre Schmerzpumpe bis zu einem gewissen Grad selbst bedienen und etwa die Dosis verringern und kurzzeitig erhöhen © catalyseur7 | AdobeStock
In sehr seltenen Fällen sind Komplikationen möglich. Das betrifft vor allem die invasiven Verfahren, beispielsweise aufgrund von
- mechanischen Defekten der Medikamentenpumpen oder der Leitungen,
- Batterieerschöpfungen, etc.
Implantierte Systeme bergen das sehr geringe Risiko von
Unproblematisch sind die nichtinvasiven Verfahren, die auch ambulant angeboten werden. Dazu gehören Infusionen mit Lidocain und Ketamin, rTMS und tDCS.
Sonderfall transkranielle Stimulationen und Ketamin
rTMS und tDCS sind nichtinvasive Stimulationsverfahren. Sie wurden zunächst in der Behandlung psychiatrischer Erkrankungen eingesetzt, etwa bei
Die Datenlage ist hier ausgesprochen gut. Die Verfahren haben FDA-Zulassungen und fanden Einzug in die S3-Leitlinien. Es ist ein schmerztherapeutischer Grundsatz, bio-psycho-soziale Betrachtungen über die chronische Schmerzkrankheit einfließen zu lassen.
Somit ergibt sich auch ein sehr breites Behandlungsspektrum für Schmerztherapeuten bei allen Somatisierungsstörungen. Dazu gehören etwa somatisierte Depressionen und Ängste. Diese Erkrankungen wirken immer schmerzverstärkend und aufrechterhaltend. Mit jeder Besserung der psychogenen Komorbidität kommt es zu Verbesserungen der Schmerzerkrankung.
Die Neuromodulation ist ein seit nunmehr mehr als 40 Jahren erprobtes und wirksames Verfahren bei chronischen Schmerzen. Sie bietet eine wesentliche Hilfe für Menschen mit starken chronischen Schmerzen, bei denen die herkömmliche Schmerztherapie nicht ausreicht.