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Bänderriss am Knie: Symptom, Bänderriss im Knie und Verletzung der Bänder am Kniegelenk

23.01.2026
Prof. Dr. med. Fritz Thorey
Autor des Fachartikels

Das Kniegelenk ist ein Wunderwerk der Stabilität und Beweglichkeit, gesichert durch einen komplexen Apparat aus Bändern und Muskeln. Doch gerade beim Sport, bei schnellen Richtungswechseln oder Stürzen, kann diese Stabilität versagen. Ein Bänderriss am Knie gehört zu den häufigsten Verletzungen in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Ob das vordere Kreuzband reißt oder das Innenband gezerrt wird: Die Folgen sind meist starke Schmerzen, eine massive Schwellung und ein Gefühl der Instabilität. Wird die Verletzung nicht adäquat behandelt, drohen dauerhafte Schäden an Meniskus und Knorpel. Erfahren Sie hier alles über die typischen Symptome, wie man einen Bänderriss im Knie diagnostiziert und wann eine Operation oder eine konservative Therapie die richtige Wahl ist.

ICD-Codes für diese Krankheit: M23.6, M66.26, M66.36, M66.46, M66.56

Kurzübersicht:

Ein Bänderriss am Knie bezeichnet die teilweise oder vollständige Durchtrennung eines oder mehrerer Stabilisierungsbänder im Kniegelenk. Zu den häufigsten Ursachen für einen Bänderriss zählen Sportunfälle beim Fußball oder Skifahren, bei denen das Knie gewaltsam verdreht wird. Typische Symptome sind ein hörbares Knacken, sofort einschießende Schmerzen im Knie sowie eine rasche Schwellung und Blutergussbildung. Je nachdem, ob das vordere Kreuzband, das hintere Kreuzband oder die Seitenbänder (Innenband/Außenband) betroffen sind, variiert das Gefühl der Instabilität. Die Diagnose erfolgt meist klinisch und wird durch ein MRT gesichert. Die Behandlung eines Bänderrisses kann je nach Schweregrad und Anspruch des Patienten konservativ mit Schiene und Physiotherapie oder operativ durch eine Bandplastik erfolgen, um das Knie wieder voll belastbar zu machen.

Artikelübersicht

Der Bandapparat des Knies besteht aus

  • dem Außenband (Ligamentum collaterale fibulare),
  • dem Innenband (Ligamentum collaterale tibiale) und
  • den beiden Kreuzbändern (Ligamenta cruciata genus).

Die wenig dehnbaren faserartigen Bindegewebsstränge stabilisieren das Kniegelenk bei jeder Bewegung.

Einen Überblick über den Aufbau des Kniegelenks bietet das folgende Video:

Bitte akzeptiere zusätzliche externe Inhalte, um dieses Video anzusehen.

Das Außenband des Knies reißt nur äußerst selten, wohingegen Innen- und Kreuzband schneller geschädigt werden können. Häufig kommt es auch zu einer Bänderrisskombination, bei der mehrere Bänder von der Verletzung betroffen sind.

Reißen gleichzeitig

  • das Innenband,
  • das vordere Kreuzband und
  • der Innenmeniskus des Knies

spricht man auch von einer "Unhappy Triad".

Die Anatomie des Kniegelenks
Das Kniegelenk wird von mehreren Bändern stabilisiert © bilderzwerg | AdobeStock

Wie entsteht ein Bänderriss?

In den meisten Fällen reißen die Kniebänder beim Sport. Besonders gefährdet sind Menschen, die Sportarten mit vielen schnellen Richtungswechseln ausüben. Dazu gehört neben Fußball und Squash auch Handball.

Hier kann es zu einem sogenannten Rotationstrauma kommen, bei dem sich das Knie dreht und der Unterschenkel fixiert bleibt. Dadurch werden die Bänder so stark belastet, dass sie nicht mehr standhalten und reißen. Insbesondere das hintere Kreuzband des Knies nimmt dann Schaden.

Auch Verkehrsunfälle oder Stürze können den Bandapparat beschädigen. Forscher nehmen ferner an, dass es eine genetische Veranlagung für Knieverletzungen gibt. Auch frühere Knieverletzungen erhöhen das Risiko für einen Bänderriss im Knie.

Welche Symptome treten bei einem Bänderriss auf?

Im direkten Moment des Unfalls verspüren die Betroffenen einen akuten und heftigen Schmerz. Einige Patienten berichten über ein zerreißendes Gefühl oder ein "Verschiebegefühl" im Knie. Der Riss ist manchmal sogar als knallendes Geräusch deutlich hörbar.

Die genaue Schmerzlokalisation hängt davon ab, welche Struktur im Knie betroffen ist. Die Schmerzen beim vorderen Kreuzbandriss sind heftig, ebben jedoch nach kurzer Zeit wieder ab. Jede Belastung ruft wieder Schmerzen hervor.

Das Knie weist zudem eine deutliche Instabilität auf und wackelt. Das macht sich vor allem während des Treppensteigens bemerkbar. Hier verschiebt sich der Oberschenkel im Verhältnis zum Unterschenkel nach hinten. Menschen, die einen Bänderriss des hinteren Kreuzbandes erlitten haben, können die Instabilität häufig gut kompensieren, wenn sie die Knie beim Laufen leicht beugen. Typischerweise zeigen sich die Schmerzen im vorderen Bereich und treten vor allem beim Sprinten oder Abbremsen in Erscheinung.

Ein Innenbandriss ist durch starke Schmerzen und eine Schwellung der Knieinnenseite charakterisiert. Da hier häufig auch kleine Blutgefäße verletzt werden, bildet sich ein Bluterguss (Hämatom). Ebenso wie beim Kreuzbandriss ist das Knie durch die Bänderverletzung instabil.

Beim Außenbandriss kommt es meistens zu einem Druckschmerz im Bereich des gerissenen Bandes. Das Knie ist bedingt durch

  • die starken Schmerzen,
  • die Schwellung und
  • die Instabilität des Gelenks

nicht mehr belastbar.

Wie wird der Bänderriss im Knie diagnostiziert?

Schon die Beschreibung des Unfallhergangs und der darauf folgenden Beschwerden weisen den Arzt auf einen Bänderriss hin. Für eine sichere Diagnose muss er das Kniegelenk jedoch genau untersuchen werden.

Dazu nutzt der Arzt verschiedene Stabilitätstests, die überprüfen, ob das Gelenk einen übernatürlich großen Bewegungsspielraum aufweist.

Zum Ausschluss von Kreuzbandrupturen kommen der sogenannte Lachman-Test und der Schubladen-Test zum Einsatz. Kann der Unterschenkel in diesem Test gegenüber dem Oberschenkel in einem unnatürlichen Maß nach vorne oder hinten verschoben werden, liegt ein sogenanntes Schubladenphänomen vor.

Die Bewegungsspielräume unterscheiden sich jedoch von Mensch zu Mensch. Der Arzt testet daher immer beide Seiten, um das betroffene Knie mit dem gesunden Knie zu vergleichen.

Bildgebende Verfahren wie

können die Diagnose ebenfalls sichern. Sie dienen zudem zum Ausschluss von Komplikationen wie beispielsweise Verletzungen des Knochens oder anderer Gelenkstrukturen.

Hat sich aufgrund des Unfalls ein Gelenkerguss gebildet, kann der Arzt zur Entlastung das Knie punktieren und mit einer Hohlnadel Flüssigkeit abziehen. Die Punktion lässt sich im Labor untersuchen und liefert ebenfalls Hinweise auf die Ursache. Findet sich Blut in der entnommenen Flüssigkeit, deutet dies auf einen Bänderriss hin.

Wie wird der Bänderriss behandelt?

Bei einem Bänderriss ist die Erstversorgung wichtig. Hier sollte die PECH-Regel zum Einsatz kommen:

  • Pause – das Gelenk sollte ruhiggestellt werden
  • Eis – eine frühzeitige Kühlung kann Schwellungen reduzieren
  • Compression – auch ein Kompressionsverband wirkt Schwellungen entgegen
  • Hochlegen – das Bein sollte möglichst über Herzhöhe gelagert werden

Diese Maßnahmen begrenzen den Schaden nach einer Sportverletzung oder einem Unfall.

In der weiteren Therapie kann der Bänderriss entweder konservativ oder operativ behandelt werden. Bei der konservativen Therapie erhalten die Patienten eine (bewegliche) Schiene. Sie stabilisieren das Gelenk und fangen Belastungen auf, bis die Verletzung verheilt ist.

Schmerzlindernde, abschwellende und antientzündliche Medikamente können die Beschwerden zusätzlich lindern.

Hat das Kniegelenk keine ausreichende Stabilität mehr oder ist die Verletzung kompliziert und ausgedehnt, kann eine Operation erforderlich sein. Der chirurgische Eingriff erfolgt zumeist minimal-invasiv und kann stationär oder ambulant durchgeführt werden.

Der Chirurg ersetzt das gerissene Band durch ein neues Band aus körperfremden oder körpereigenen Materialien (Bandplastik). Dafür werden zum Beispiel gesunde Sehnen aus den Beinmuskeln des Patienten genutzt. Wie die Bandplastik beim Kreuzbandriss abläuft, zeigt das Video:

Bitte akzeptiere zusätzliche externe Inhalte, um dieses Video anzusehen.

Eine Physiotherapie kann die Heilung sowohl bei der konservativen als auch nach der operativen Behandlung begünstigen. Spezielle Übungen sollen die Stabilität des Kniegelenks wiederherstellen und das Gelenk an die alltäglichen Belastungen gewöhnen.

Wie ist die Prognose des Bänderrisses?

Die Prognose hängt von

  • der Ausprägung,
  • dem Alter des Patienten und
  • der richtigen Behandlung

ab.

Wenn der Riss sofort versorgt wird, stehen die Chancen auf eine rasche und unkomplizierte Heilung gut. Wann genau das Knie wieder einsatzbereit ist, sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Grundsätzlich kann es jedoch bis zu einem Jahr dauern, bis das Knie wieder voll sporttauglich ist und sämtliche Belastungen aushalten kann.

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zum Bänderriss am Knie

Woran erkennt man einen Bänderriss im Knie?

Wichtige Hinweise auf einen Bänderriss sind ein lautes Knall- oder Rissgeräusch zum Zeitpunkt des Unfalls, gefolgt von sofortigen starken Schmerzen. Das Knie schwillt oft binnen kurzer Zeit stark an, da Blut aus den gerissenen Gefäßen in das Gelenk läuft (Hämarthros). Ein weiteres Leitsymptom ist die Instabilität: Das Knie gibt bei Belastung nach ("Wegknicken" oder "Giving-way-Phänomen"), und der Betroffene hat das Gefühl, das Bein nicht mehr kontrollieren zu können.

Welche Bänder im Knie können reißen?

Im Kniegelenk sorgen vier Hauptbänder für Halt: Das vordere Kreuzband und das hintere Kreuzband im Inneren des Gelenks sowie das Innenband und das Außenband an den Seiten. Am häufigsten ist das vordere Kreuzband von einem Riss betroffen, oft in Kombination mit Verletzungen an Meniskus und Innenband (Unhappy Triad). Ein isolierter Riss am Außenband ist eher selten.

Wie wird ein Bänderriss im Knie diagnostiziert?

Besteht der Verdacht auf einen Bänderriss, führt der Arzt Stabilitätstests durch (z.B. Lachman-Test, Schubladen-Test). Dabei prüft er, ob sich der Unterschenkel gegen den Oberschenkel übermäßig verschieben lässt. Um die Diagnose zu sichern und Begleitverletzungen an Knorpel oder Meniskus auszuschließen, ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Goldstandard. Sie macht die Weichteile und die genaue Rissstelle sichtbar.

Wie läuft die konservative Behandlung ab?

Eine konservative Therapie kommt oft bei isolierten Innenbandrissen oder bei Patienten mit geringerem sportlichen Anspruch infrage. Das verletzte Knie wird zunächst mit einer Orthese (Schiene) ruhiggestellt, um das Band an der Heilung zu unterstützen. Begleitend helfen Physiotherapie und gezielter Muskelaufbau, um die fehlende Stabilität der Bänder durch eine starke Muskulatur am Knie zu kompensieren.

Wann muss ein Bänderriss operiert werden?

Eine operative Behandlung wird meist empfohlen, wenn das Knie instabil bleibt, wenn das vordere Kreuzband bei jungen, aktiven Patienten gerissen ist oder wenn mehrere Strukturen im Knie (z.B. Meniskus und Band) gleichzeitig verletzt sind (Kombinationsverletzung). Ziel der OP ist es, die Anatomie wiederherzustellen und Folgeschäden wie Arthrose zu verhindern, damit das Knie wieder voll belastbar für Sport und Beruf ist.

Wie lange dauert die Heilung bei einem Bänderriss?

Die Heilungsdauer hängt vom Schweregrad und der gewählten Therapie ab. Ein konservativ behandelter Innenbandriss heilt oft innerhalb von 6 bis 8 Wochen. Nach einer Kreuzband-OP dauert die Rehabilitation deutlich länger: Bis leichte Sportarten wie Joggen möglich sind, vergehen oft 3 bis 4 Monate, Stop-and-Go-Sportarten sind meist erst nach 9 bis 12 Monaten wieder erlaubt.

Wie entsteht ein Bänderriss im Knie?

Ein Bänderriss im Knie entsteht meist durch ein indirektes Trauma ohne Fremdeinwirkung. Klassische Mechanismen sind das Verdrehen des Knies bei feststehendem Fuß (z.B. mit Stollen im Rasen hängenbleiben) oder eine Überstreckung. Häufigste Ursache für einen Bänderriss sind Sportarten mit schnellen Richtungswechseln und Sprüngen.

Was kann ich tun, um das Knie zu stabilisieren?

Neben der akuten Versorgung (PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlegen) ist das Training der Oberschenkelmuskulatur (Quadrizeps und Hamstrings) entscheidend. Eine kräftige Muskulatur wirkt wie ein aktiver Korsett und kann eine gewisse Instabilität der Bänder ausgleichen. Koordinationsübungen auf dem Wackelbrett verbessern zudem die Reflexe und schützen vor erneuten Verletzungen.

Empfohlene Spezialisten für einen Bänderriss am Knie